Berge, eine unverständliche Leidenschaft.

Die Ausstellung in der Kaiserlichen Hofburg Rennweg 1 zu Innsbruck ist ganzjährig täglich 9-17 Uhr geöffnet. www.alpenverein.at/leidenschaft
Berge, eine unverständliche Leidenschaft: Das Buch zur Ausstellung des Alpenvereins-Museums in der Hofburg Innsbruck.

Bei längerer  Rast trinke man entweder puren Wein oder, wenn der Durst gross ist, gewässerten oder mit geschmolzenem Schnee verdünnten Wein. Ist man schon hoch hinangestiegen, steht man bereits im dritten Drittel des Anstieges, dann entkorke man, wenn man sich stark angegriffen fühlt oder vielleicht gar Symptome der Bergkrankheit verspürt, den mitgenommenen Marsala oder Sherry, oder alten Ungarwein und nehme davon zwei bis drei Schluck; nach wenigen Minuten wird man die überraschende Wirkung, die aber nicht wie jene bei den Spirituosen dann alsbald in das Gegentheil umschlägt, verspüren.
Man kann von halbe zu halbe Stunde, wenn nöthig, wieder ein paar Schluck, aber nie mehr auf einmal nehmen. Nicht genug ist die Mitnahme einer Flasche schweren alten Weines auf einer Hochtour anzurathen, sie hat schon Manchen, der ohne dem ausgespannt hätte, zur Spitze gebracht.
Auf der Spitze angekommen, wird eine Flasche Champagner oder selbst ein guter Asti spumante ein Labetrunk sein, wie er köstlicher nicht gedacht werden kann.

Soweit Julius Meurer in seinem „Handbuch des Alpinen-Sport“ von 1882. Am Ende der Hochtour empfiehlt er dann noch ein Fläschchen Glühwein. Was natürlich zum Rauschrücken (1937 m), zur Saus und Braus-Rinne bzw. zum Katerloch passt. Diese Orte, wie auch das Taumeltor und der Piz Passion, befinden sich alle ins Innsbruck. Genauer: In der Ausstellung des Alpenverein-Museums in der Hofburg Innsbruck mit dem wunderbaren Titel „Berge, eine unverständliche Leidenschaft.“
Die Besucher der Ausstellung erhalten zum Ticket nämlich eine Ausstellungswanderkarte. Die fiktive Karte führt den einzelnen Ausstellungsräumen entlang in die Welt des Alpinismus. Topografische Bezeichnungen wurden ersetzt durch Begriffe, die ein Assoziationsfenster zum jeweiligen Raumthema auftun, wie eben Katerloch, Stolperfall oder Piz Panik. Das „Handbuch des Alpinen-Sport“ ist hingegen nicht fiktiv. Dass früher auf Touren arg gegen und über den Durst getrunken wurde, auch nicht. Der Text ist abgedruckt im Buch zur Ausstellung. Wer also nicht selbst nach Innsbruck gehen kann, sollte unbedingt den Ausstellungskatalog anschauen und lesen. Darin wird ebenfalls schlau, witzig, überraschend, vorder- und tiefgründig darüber berichtet und räsoniert, warum der Mensch in die Berge geht. Nun, einen Grund wird man nicht lange suchen, dafür aber mitschleppen müssen: Wein. In diesem Sinn: Prost auf die unverständliche Leidenschaft!

Die Ausstellung in der Kaiserlichen Hofburg Rennweg 1 zu Innsbruck ist ganzjährig täglich 9-17 Uhr geöffnet. www.alpenverein.at/leidenschaft
Berge, eine unverständliche Leidenschaft. Buch zur Ausstellung des Alpenvereins-Museums in der Hofburg Innsbruck. Folio Verlag, Wien-Bozen 2007, Euro 17.80.

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