Das Ende von Anfängerglück

Nachruf auf eine klassische Kletterroute. War das nötig? Oder Arbeitsbeschaffung fürs Baugewerbe?

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Ein Schock war es, als wir aus dem Bus nach Amden zur Galerie hinaufblickten. Ein ganzer Sektor war mit Baugerüsten überdeckt, der linke Sektor mit den schönen leichteren Routen, darunter die klassische «Anfängerglück». Erich Rütsche hat sie eingerichtet, als eine der ersten auf der Galerie. An ihr haben wir uns für Galerieklettern fit gemacht. Ein Glück, dass es sie gab. Und nun gibt es sie nicht mehr. Musste das sein?
Irgendwo habe ich mal gelesen, Wald sei der beste Schutz gegen Steinschlag und Lawinen. Die Gemeinde Amden hat vor Jahren ein Kletterverbot am Mattstock verfügt mit der Begründung, die Kletterer würden die Gemsen vertreiben und die würden danach den Jungwuchs im Schutzwald fressen. Nun hat man über der Strasse zwischen den Galerien zuerst den Schutzwald abgeholzt und danak ein Steinschlagnetz montiert. Ein Schildbürgerstreich also? Arbeitsbeschaffung für lokale Bauunternehmer? An der Strasse gibt es seit der letzten Sanierung eine hohe Betonschutzmauer, die würde ja Tonnen von Steinen aufhalten.
Mitten aus dem schönen Klettersektor ragt nun ein Stahlpfeiler, daran hängt das Netz, ob es Sinn macht sei dahingestellt, gekostet hat es bestimmt einen Haufen Geld. Vier oder fünf schöne Routen sind kaputt. Zum Glück sind die Routen Tangotime und Pizzabauch noch verschont geblieben.
Amden und Klettern – ein schwieriges Kapitel. Kletterverbote da und dort, die Jäger möchten es flächendeckend. Der schöne Betlispfeiler mit den Mehrseillängenrouten ist schon lange gesperrt, Steine seien auf die Strasse nach Betlis gefallen. Aber die fallen, wenn man genau hinschaut, an ganz andern Stellen. Letzthin ist beim Kraftwerk Muslen die ganze Strasse weggerissen worden.
Ich weiss, es gibt keinen Rechtsanspruch auf den Erhalt von Kletterrouten, unters Naturschutzgesetz fallen sie auch nicht. Man hat sie eingerichtet ohne zu fragen und ohne zu fragen hat man sie nun vernichtet.
Nun ist Anfängerglück halt Geschichte. Ein grosses Drama für den Klettersport ist das wohl nicht, schade nur, dass es für Einsteiger fast keine Routen mehr gibt auf der Galerie. Ich selber kann sie ja weiterhin klettern, ich habe alle Griffe im Kopf.

2 Kommentare to “Das Ende von Anfängerglück”

  1. Jürgen sagt:

    Wirklich jammerschade, dass zukünftige Anfänger/innen ihr Glück in neuen Routen suchen müssen; glück können sich die schätzen, die wie Emil die Griffe der verunstalteten Route noch im Kopf haben und die schönen Bewegungen im Geiste nachklettern können. Quo vadis Galerie?

  2. Micha sagt:

    Grüezi!
    Habe das wichtige Thema auch bei mir mal in den Blog aufgenommen -> http://www.chalkviech.de/betlispfeiler/

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