Elsbeth, Vreneli, Indianer

Dem Tourismus im Berggebiet geht’s schlecht, stand dieser Tage in der NZZ. Da kommen diese vier Bücher gerade recht als Entwicklungshilfe, das Glarnerland mit Braunwald haben es ja besonders nötig. Auch wenn Klettersteigfreaks, Tourengänger, Literatur- und Sagenfreunde nicht das grosse Geld bringen (wie z.B. ein Ägypter jenseits des Urnerboden). Als Botschafter des regenreichen Tals sind sie allemal ein Segen.

Noch einmal
Auf dem Sommerweg zum Alpmäuerlein, moosüberwachsen
Die Steine schräg abgerutscht
Vom Steinbrech mit Rosa bestickt
Zurückkehren
Die Sonne gleitet hinten den hohen Turm
Und auf meinen Händen der leichte Schatten schwer

Der Anfang des Gedichtes „Auf dem Sommerweg“. Geschrieben von der Glarner Schriftstellerin Elsbeth Zweifel, 1938 geboren in Diesbach fast ganz hinten im Glarnerland, einem Dorf eingeklemmt zwischen Schönau im Osten und Chnügrat im Westen. Und auf halbem Weg zwischen diesem Grat und dem Talboden die Hangterrasse Orenplatte. Dort oben erbaute und führte der Vater von Elsbeth ein Sommerhotel in den 1940er Jahren, dort oben wuchs sie auf, half bald auch schon mit im elterlichen Betrieb, bediente die Gäste, die von Braunwald her kamen oder mit der sehr luftigen Seilbahn hochschwebten. Nun erinnert sich die Autorin an diese Kindheit in den Bergen, kehrt mit Prosa und Poesie zurück ins Tal der Linth.

Das Glarnerland. Lesestoff und Lebensland zugleich. Die berühmteste Glarnerin dürfte das Vreneli sein. Jene märchenhafte Figur, die dem Vrenelisgärtli (2905 m) zum Namen verhalf. Diese Sage ist schon oft erzählt worden. Im Bilderbuch „Vrenelisgärtli und andere Glarner Sagen“ mit dem Text von Swantje Kammerecker und den Scherenschnitten von Estrellita Fauquex kommt sie ganz frisch und fein daher. Wer die Liebesgeschichte von Vreneli und Balz und den Gletscherspuk von Segnes und Sardona nicht kennt oder noch nie gelesen hat: jetzt anschauen und lesen.

Wer aber die Gipfel mit diesen Namen besuchen möchte, greift zum druckfrischen Hochtouren-Band aus dem Topoverlag. Im vierten Band dieser ausgezeichneten Führer (nach denjenigen zu den Berner, Walliser und Bündner Alpen) stellen Stefan Wullschleger, Daniel & Michel Silbernagel 62 Touren in Fels und Eis zwischen Monte Leone und Ringelspitz vor, darunter neun aus den Glarner Alpen. Vrenelisgärtli, Clariden und Tödi natürlich, aber auch den komplizierten Bifertenstock und die leichter zugänglichen Piz Sardona und Piz Segnas. Wie immer mit der gekonnten Mischung aus Text, Kurzinfos, aktuellen, genau datierten und wenig nötig angeschriebenen Fotos, Kartenausschnitten inkl. Wegverläufen sowie den eigentlichen Topos, wo die Routen gezeichnet und erläutert werden. Hilfreich und vorbildlich.

Wer sich hingegen mit dem Anschauen von Clariden und Vrenelisgärtli zufrieden gibt und dennoch nicht ganz auf Abenteuer und Adrenalin verzichten mag, begibt sich in die neuen Klettersteige im Glarnerland: in denjenigen zum Zingelstöckli hoch über dem Urnerboden (dieses vom Kuhglockengebimmel erschallte Hochtal gehört ja touristisch zu Glarus) und in den Indianersteig ob Netstal, der auf den hohen Turm des Gross Schlattkopfs führt. Beide Vie ferrate sind neu beschrieben in der vierten Auflage von „Die Klettersteige der Schweiz“, die Ende August/Anfang September erscheinen wird. Und hinter dem Chnügrat wartet ja noch der berühmte Braunwalder Klettersteig über die Eggstöcke.

Ob allerdings heute das zutrifft, was E. St., Mitglied der Sektion Glarus des Schweizerischen Frauen-Alpen-Club, in der Oktober-Ausgabe 1937 der Clubzeitschrift „Nos Montagnes“ schrieb, darf angesichts des Wetterberichts bezweifelt werden:

Doch seit me ja vum Glarnerland
Es sig es Regeloch,
Wem-me emal det ine gang,
Verregnis eim ja doch.

Nei, glaubet ihr mir alli nu,
Der Spruch isch gar nüd wahr,
Wenn’s Züri unde Nebel händ
Händ mir de hell und klar.

Nei, über üsers Ländli,
Lun-i gwüss nüt gu,
Wer mir nüd glaubt,
Der söll emal zu us gu luege chu.

Elsbeth Zweifel: Das Bündel Zeit. Erinnerungen an eine Kindheit am Berg. Limmat Verlag, Zürich 2017, Fr. 28.- www.limmatverlag.ch

Swantje Kammerecker (Text), Estrellita Fauquex (Illustrationen): Vrenelisgärtli und andere Glarner Sagen. Baeschlin Verlag, Glarus 2017, Fr. 32.80, www.baeschlinverlag.ch , www.lesestoff.ch

Urner, Glarner, Tessiner Alpen. Hochtouren Topoführer. 62 Touren in Fels und Eis zwischen Monte Leone und Ringelspitz. Mit Simplon und Binntal. Topoverlag 2017, Fr. 58.-, www.topoverlag.ch

Eugen E. Hüsler, Daniel Anker: Die Klettersteige der Schweiz. AT/SAC Verlag, Aarau/Bern 2017, Fr. 35.90, www.at-verlag.ch, www.sac-cas.ch

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