Ferdinand Hodler und der Genfersee

Auf an den Lac Léman! In Pully bei Lausanne zeigt das dortige Kunstmuseum die Ausstellung „Ferdinand Hodler und der Genfersee. Meisterwerke aus Schweizer Privatsammlungen.“ Wer sie verpasst, kann sich mit dem feinen Katalog trösten.

„Die Ferne ist blau. Übrigens ist Blau eine Farbe, die mir zu sagen scheint, was, wie der Himmel, wie der See, jenseits des Alltags, ungreifbar, herrlich ist.“

Das soll Ferdinand Hodler 1917 mit Blick auf den Genfersee gesagt haben. Auf seinen liebsten See. Im Landschaftswerk des am 15. März in Bern geborenen Malers nehmen Seelandschaften ein gutes Drittel ein, und davon zeigt mehr als die Hälfte den Lac Léman (und ein Drittel den Thunersee). 110 Gemälde sind in unmittelbarer Nähe zum Genfersee entstanden, bei 93 kommt zudem der Name im Titel vor. Der Léman war das Lieblingsmotiv des Künstlers, vom 1872 entstandenen Aquarell „Yvoire am Genfersee“ bis zu dem im März 1918 gemalten Werk „Genfersee mit Mont-Blanc und rosa Wolken.“ Am 19. Mai 1918 starb Ferdinand Hodler in Genf; Gertrud Dübi-Müller fotografierte den berühmten Schweizer am Vortag beim Spazieren am Quai du Mont-Blanc in Genf.

Ihre Fotos und 53 Werke sind bis zum 3. Juni 2018 in einer wunderbaren Ausstellung an einem ebensolchen Ort zu bewundern. Das Musée d’art de Pully bei Lausanne zeigt „Ferdinand Hodler und der Genfersee. Meisterwerke aus Schweizer Privatsammlungen.“ Bilder also, die man sonst kaum oder nicht zu sehen bekommt. Und Hodler hat den Lac Léman so grossartig gemalt wie kein anderer. Zur Ausstellung ist ein 208-seitiger Katalog publiziert worden, der mit Beiträgen von „Eisenbahn und Panorama: Ferdinand Hodlers Ansichten des Genfersee“ bis „Der letzte Spaziergang“ aufwartet und dabei die oft gemalten Berge Salève und Grammont besonders hervorhebt. Eine Chronologie dokumentiert die Beziehung des grossen Landschaftsmalers zum grössten See der Schweiz.

Und wie gelangen wir ins Musée d’art de Pully? Zu Fuss, mais bien-sûr! Von Ouchy alles dem Ufer entlang bis Port de Pully und hinauf in den alten Dorfkern. Vielleicht setzen wir uns unterwegs auf eine Bank oder einen Stein und nehmen ein Buch hervor. Zum Beispiel „Sissi will ein Junge sein“ von Margrit Kollmar, 1996 in der Mädchenbuch-Reihe „Das Internat am Genfer See“ erschienen: „Langsam schlenderten sie am Ufer entlang. Es war ein Bilderbuchtag: Auf dem blauen Wasser tanzten weisse Segel, und in der Ferne erhoben sich mächtig die Berge.“

Oder, dem Museumsbesuch mehr entsprechend, den Roman „Samuel Belet“ von Charles Ferdinand Ramuz: „,Setzen Sie sich, da ist es angenehm.‘ Und wirklich, es war angenehm. Man sass im feinen Sand, er gab nach wie ein Federkissen. Vor uns war der See; an jenem Tag wehte die Bise, sie trieb die Wellen auf den See hinaus; es schienen gar keine Wellen zu sein, denn man sah nur ihre sanft ansteigende Fläche, erst weiter draussen kamen die Schaumkronen. Das Wasser war so blau, dass es schwarz schien.“

Ferdinand Hodler und der Genfersee. Meisterwerke aus Schweizer Privatsammlungen. Herausgegeben von Diana Blome und Niklaus Manuel Güdel. Hatje Cantz/Musée d’art de Pully/Archiv Jura Brüschweiler, 2018, Fr. 48.- (mit Ticket der Hodler-Ausstellung Fr. 33.-).

Musée d’art de Pully am Chemin Davel 2. Die Ausstellung „Hodler et le Léman“ ist noch bis am 3. Juni 2018 zu besuchen. Das Museum ist offen von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr;am Donnerstag bis 20 Uhr. Am Pfingstmontag bleibt es geschlossen; www.museedartdepully.ch Auch in Genf selbst wird Hodler in verschiedenen Gebäuden bis zum 27. Februar 2019 präsentiert; www.mah-geneve.ch. Und falls am letzten April-Wochenende Genf angesagt ist: Vom 25. zum 29. findet der Salon du livre statt, unter anderem mit den Éditions du Mont-Blanc.

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