Immer höher mit Franz Hohler

Aber der Franz, der kanns. Also auch Bergsteigen, klettern, aus Schritten Wörter machen, aus Geröll Geschichten. Immer höher, immer höher. Jemand meinte, dies sei Franz Hohlers schönstes Buch.

Immer höher

„Und so brachen wir nach dem Nachtessen und einer Stunde Ruhezeit um zehn Uhr nachts auf und durchquerten zunächst im Schein unserer Stirnlampen die grosse Geröllwand, bevor wir auf die Firnbuckel und -grate dieses Eisriesen gelangten. Von da an beleuchtete der Vollmond die Spuren, mehr als das, er beleuchtete das ganze Massiv der Alpen, und je höher wir stiegen, desto weiter breitete es sich vor uns aus. Das stundenlange Gehen im harten Schnee, das knirschende Aufsetzen der Schuhe, das Einstecken des Pickels, dazwischen die Blicke in die nächtliche Ferne, die dünner werdende Luft, das alles brachte mich nach und nach in eine Art Trance, so dass ich manchmal das Gefühl hatte, es gehe ein anderer.

Langsam wich die Nacht dem Tag, und als bei unsern letzten Schritten über dem Gipfelgrat die Sonne aufging, kamen mir die Tränen.“

So beschreibt der Alpinist Franz Hohler, besser bekannt als Schriftsteller, Kabarettist und Theaterautor, den nächtlichen Aufstieg auf seinen zweithöchsten Gipfel, den Mont Blanc (4810 m). Zu finden im letzten Kapitel „Am höchsten“ seines jüngsten Buches „Immer höher“. Nur noch weiter oben als auf dem Dach der Alpen stand Hohler auf dem Popocatépetl (5426 m) in Mexico – die Beschreibung dieser Tour, extra verfasst für das neue Buch, endet mit folgenden zwei Sätzen: „Die Berge sind nicht tot. Sie leben.“

Tun sie das? Auch wenn es nicht Vulkane sind wie jener Kegel am Stadtrand von Mexico City? Ja. Wenigstens bei Hohler. Denn er versteht es, auch dem unscheinbarsten Hoger eine Stimme, eine Kontur, einen Platz zu verschaffen. Aus Schritten werden Wörter, aus Firn entsteht ein Satz, aus Geröll eine Geschichte. Das kann nur einer, der in beiden Welten ganz zu Hause ist. Am Berg und in der Sprache. Der Franz ist so einer.

Und deshalb kommt Gipfelglück auf, mit Hohler aufzusteigen, immer höher, vom Monte Rossola an der Ligurischen Küste bis zum Himmelsrand am Monte Rosa und noch weiter. 28 Geschichten versammelt sein neues Bergbuch. Die meisten davon konnte man schon in diversen andern Publikationen lesen. Aber hier sind sie nun in einem sehr schön gemachten Buch versammelt, sozusagen eingeseilt in eine grosse Besteigung, die sich aus mehreren kleinen zusammensetzt. Drei Geschichten, nämlich das unauffällige Tscheischhorn, der gar nicht so paradiesische Gran Paradiso und eben die beiden höchsten Berge, wurden extra für „Immer höher“ verfasst. Sie allein lohnen die Lektüre des neuen Hohler.

Und wer noch mehr von ihm lesen will, findet fünf bzw. drei im obigen Buch nicht enthaltene hohlersche Berggeschichten im dreisprachigen Lesebuch „Gipfel – Col – Valle“, das die Iniziativa da las Alps neu herausgegeben hat. Und so können wir Hohler auch auf Französisch lesen: „De légers nuages flottent au-dessus des crêtes. Sont-ce les pensées de la montagne?“ Und auf Italienisch: „Ma ora s’è fatto giorno, il sole è sorto e fa scintillare e baluginare i cristalli di ghiaccio.“

Franz Hohler: Immer höher. Vorwort von Emil Zopfi, AS Verlag 2014, Fr. 29.80.
Franz Hohler, Noëlle Revaz, Giovanni Orelli: Gipfel – Col – Valle. Berggeschichten – Contes des Montagnes – Racconti di Montagna. Iniziativa da las Alps/Limmat Verlag 2014, Fr. 24.80.

12. Juni 2014, 18.30 Uhr: Buchpräsentation im Alpinen Museum in Bern www.as-verlag.ch/fileadmin/shop/dokumente/Einladung_Alps_Hohler.pdf
Franz Hohler liest aus „Immer höher“, Emil Zopfi unterhält sich mit Franz Hohler über seine Bergtouren und Bergerlebnisse.

www.immerhöher.ch
http://youtu.be/ULd0pzdv_-w

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