Klausenpass

Pässe verbinden, man weiss es. Täler, Siedlungen, Kulturen. Über Pässe wird gestritten, gewandert, gerast, geradelt. Der Klausenpass, man darf es wohl sagen (z.B. als Glarner), ist etwas Besonderes. Ein schönes Buch wert also, auch das verbindet: Geschichte und Gegenwart einer einzigartigen alpinen Landschaft.

„Mittwoch, 17. Juli 1946:
Die erste Tour de Suisse nach dem Weltkrieg führt über den Klausen und den Gotthard.
Die 5. Etappe der Tour de Suisse führt von Zug nach Lugano (215 km) erstmals über den Klausen und zum wiederholten Male wieder über den Gotthard. Auf beiden Pässen erscheint als erster Gino Bartali, der auch Etappe und Gesamtwertung gewinnt.“ Ist unter http://www.urikon.ch/UR_Sport zu lesen.

Die Tour de Suisse des Jahres 2017 führt weder über Klausen noch Gotthard, aber Alpenpässe sind natürlich einige zu meistern, vorgestern Mittwoch der Simplon, gestern Donnerstag San Bernardino und Albula. Wer mit dem Rad gerne Pässe befährt, wird um den Klausenpass (1948 m) zwischen Linthal und Altdorf keine Kurve machen können, und wer dies lieber motorisiert mit zwei bzw. vier Rädern tut, erst recht nicht. Die langen Geraden auf beiden Seiten, viel mehr aber noch die kunstvollen Kurven auf der Glarner Seite der im Jahre 1900 eröffneten Passstrasse fordern zum rassigen Fahren geradezu heraus. Doch bis das möglich war, dauerte es mehrere Jahrzehnte. Da hatten die Bergbauern, vor allem die aus dem Urnerland, mit ihren Vierbeinern schon längst, nämlich seit dem Mittelalter, von den saftigen Weiden zwischen Schächentaler Windgällen und Clariden Besitz ergriffen.

„Die Klausenstrasse gehört zu den technisch anspruchsvollsten Alpenpassstrassen der Schweiz und erschliesst eine atemberaubend schöne Landschaft. Die Besonderheit der Klausenstrasse liegt in der fast durchgängigen Besiedlung und der Nutzung als Bergrennstrecke von 1922 bis 1934“, schreibt Marion Sauter in ihrem geschichtlichen Bildband zur Erschliessung des Klausenpasses. „Saumpfad – Lini – Speedway“ lautet der Haupttitel dieses tiefgründig getexteten, wunderbar mit alten und neuen Schwarzweissfotos bebilderten und sorgfältig editierten Buches. Urner Alpwirtschaft, Glarner Textilindustrie, Tourismusgeschichte, Militärstrategie – all das hat Platz im querformatigen Buch. Eine Augenweide sind die historischen Aufnahmen von Michael Aschwanden, oft gespiegelt mit aktuellen des Urner Fotografen F.X. Brun. Das Gasthaus zur Post in Spiringen zum Beispiel: links noch ungeteert die Passstrasse beim Gasthaus, Personen, wohl die Wirtsfamilie, sitzend an zwei weiss gedeckten Tischen unter einem mächtigen Baum; rechts das heutige Gasthaus, hinter kleinen Bäumen wohl der Garten, draussen an der breiten Asphaltstrasse drei Schilder: „Seniorenmenu 17.-“, „Feine Zuger Kirschtorte“ und „Biker Herzlich Willkommen.“

Irgendwie amüsant auch die Geschichte des Grenzsteins zwischen den Kantonen UR und GL auf dem Urnerboden. Aschwandens Foto von 1900 zeigt den Stein freistehend neben der Strasse, nebenan zwei Bergbewohner, die sich die Hand geben, vielleicht ein Urner und ein Glarner; eine Lawinen riss das Monument jedoch 1917 mit. Der Stein wurde auf die andere Strassenseite gezügelt und mit einer Stützmauer geschützt. In Sauters Buch sehen wir ihn auf einer Postkarte mit Rennauto: Speedway eben. Tempi passati. Umso schöner, dass solche Publikationen Geschichte und Gegenwart gekonnt verbinden und aufleben lassen.

Marion Sauter: Saumpfad – Lini – Speedway. Die Erschliessung des Klausenpasses. Edition Typundso, Emmenbrücke 2016. Fr. 69.- Bestellung unter: klausenbuch@edition-typoundso.ch

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