Landluft

Davon träumen wir ja alle: ein Leben, das Sinn macht und gibt. Die zwölf Bergbäuerinnen, von denen dieses Buch erzählt, haben ihre Träume verwirklicht – jedenfalls zum Teil. Umgeben von gehörnten und grasfressenden Kühen. Ein Buch, das Mut macht, selber anzupacken, zu Melkstuhl und Mistgabel zu greifen. Mit Wandertipps für alle, die wenigstens in ihrer Freizeit etwas Landluft schnuppern möchten.

„Kühe sind aus dem Landschaftsbild der Schweiz nicht mehr wegzudenken, sie sind Teil der Identität des Landes. Doch so romantisch wie in der Werbung ist die Realität keineswegs. In der industrialisierten Landwirtschaft werden Kühe heute zu regelrechten Turbohochleistern herangezüchtet, die immer mehr Fleisch und Milch produzieren.“

Lesen wir wohlgenährt im Kasten „Die Schweiz und die Kuh“ im dritten Band der Porträt-Trilogie über Frauen in den Schweizer Alpen von Daniela Schwegler mit den Fotos von Stephan Bösch. Nach dem Bestseller über die Älplerinnen („Traum Alp“, 2013, 5. Aufl.) und dem Erfolgstitel mit den Hüttenwartinnen („Bergfieber“, 2015, 5. Aufl.) kommen nun in „Landluft“ die Bergbäuerinnen zu Wort – ausführlich und spannend, abwechslungsreich und hautnah. Beispielsweise die 18jährige Bergbauerntochter Doris Martinali aus dem Valle di Blenio, die voller Elan den Hof ihrer Eltern übernehmen will. Das Auftaktfoto zeigt sie, wie sie einem Kälbchen zu trinken gibt, aber nicht mit Kraftfutter angereicherte Milch. Und die Braunviehkühe auf ihrem Hof tragen noch Hörner. Heile Welt abseits der Reklame? Nicht unbedingt. Ein lockeres Leben ist es nicht, das die Bergbäuerinnen da zwischen 18 und 86 Jahren führen. Doch eines, das Sinn macht und gibt. Wie das von Esther Müller, einst erfolgreiche Frauenärztin, heute Züchterin von Tieren, die vom Aussterben bedroht sind.

Zehn Frauen aus den Alpen und zwei aus dem Jura haben Daniela Schwegler von ihrem Leben auf dem Bergbauernhof erzählt. Sie schildern Träume, die geplatzt, und solche, die wahr geworden sind. Sprechen von der Liebe zu den Tieren und den Sorgen ums liebe Geld. Erklären, wie man als Bäuerin eine Familie über Wasser hält und warum das alles mit Aussteigen überhaupt nichts zu tun hat. Die stimmungsvollen Fotos von Stephan Bösch bereichern ihrerseits die Porträts.

Aber das 253seitige Buch ist noch mehr. Zu jedem der 12 Porträts gibt es einen Hintergrundtext (zu Tieren, zu Seilbahnen, zu Saatgut und Pflanzen) sowie einen Wandertipp. Zum Beispiel auf den Tanzboden bei Ebnat-Kappel, wo einem das Herz hüpfen soll. Oder auf den Monte Bar, zum schönsten Panoramagipfel des Val Colla. Auf geht’s! Am 9. September 2017 findet der 10. nationale Wandertag statt. Welches Lesebuch wir in den Rucksack stecken, ist so klar wie der Hauch beim herbstlichen Wanderstart: „Landluft“.

Daniela Schwegler (Text), Stephan Bösch (Fotos): Landluft. Bergbäuerinnen im Porträt. Rotpunktverlag, Zürich 2017, Fr. 38.- www.rotpunktverlag.ch, www.danielaschwegler.ch, www.sichtweise.ch

Nächste Veranstaltungen von Daniela Schwegler:
Bibliothek Spiez: Mittwoch, 6.9.2017, 19.30 – 22 Uhr
Villa Sutter, Münchwilen: Freitag, 8.9.2017, 19.30 – 22 Uhr
Kantonsbibliothek Chur: Montag, 11.9.2017, 18 – 20 Uhr

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