Nieder mit den Alpen!

Man fühlt sich an den Opernhauskrawall im Jahr 1980 erinnert. Doch diesmal befinden sich die Chaoten nicht auf der Strasse, sondern im Bundesamt für Kultur. Das Alpine Museum soll kaputt gespart werden.

Damals ging es auch um Kulturpolitik. Millionen fürs Opernhaus, nix für alternative Kultur. «Nieder mit den Alpen! Freie Sicht aufs Mittelmeer», so klang der wohl bekannteste Schlachtruf aus jenen heissen Tagen.
Nun, die Bundesberner Kulturbürokraten wollen nicht gerade die Alpen schleifen, aber irgendwie haben sie die freie Sicht, bzw. den klaren Blick verloren mit dem Entscheid, den Bundesbeitrag ans Alpine Museum zu vierteln. Eine finanzielle Schmalkost, die das Kulturhaus in Sichtweite des Bundeshauses voraussichtlich zu Grunde gehen lässt. Zur musealen Dokumentation der Alpinen Kultur genügt offenbar das Freilichtmuseum Ballenberg.
Man müsste den Subventionen verteilenden Beamtinnen und Beamten ihre prächtige Aussicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau tatsächlich wegschleifen. Brauchen die Alpen kein Museum, keine Dokumentationsstelle, kein aktuelles Ausstellungs- und Diskussionsforum, keinen Kulturplatz mit spannenden Events und aktuellen Interventionen? Zur Ressource Wasser zum Beispiel, zum Wolf in den Alpen.
Am kommenden 1. August werden sie wieder zelebriert und besungen, unsere Berge, Gipfel, Gletscher, «wenn der Alpen Firne sich röten». Réduit und Matterhorn, Gotthardbasis und Grimselsee, Wildheu und Alpkäse, Hannibal und Suworow. Die Alpen sind patent, wenn es um Festreden, Militärübungen, Skizirkus und Wasserzinsen geht. Oder als Magnet für Investitionen aus Ägypten, Katar oder China in touristische Megastrukturen. «Betet, freie Schweizer, betet.»
Eigentlich müssten jetzt die 140 000 Mitglieder des Schweizer Alpen-Clubs mit Seil und Pickel auf dem Bundesplatz für die Erhaltung des Alpinen Museums demonstrieren. Wie die Bauern oder die Walliser. Oder die Jungen damals vor dem Zürcher Opernhaus. Einfach, ohne Pflastersteine zu werfen oder Gülle zu verschütten.

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