Pic & Bulle – Fashion Altitude

Skiberge im Comic und komische Skimode und das alles in Grenoble, ausgestellt und gedruckt. Hinfahren und anschauen und die Ski nicht vergessen! (Die Redaktion legt Wert auf die Feststellung, dass dieser Beitrag nicht vom Office de Tourisme de Grenoble bezahlt worden ist, sondern vom Autor selber ehrenamtlich verfasst. So wie alle andern Texte in diesem Blog.)

OH! TITINE! COMMENT TE SENS-TU?

PAS TROP BIEN, ET TOI?

J’AI LES JAMBES MOLLES!

QUELLE AVENTURE!

MA DOUÉ! PRIEZ POUR MOI!

ATTENTION! A VOUS!

Der letzte Ausruf tätigt der Skilehrer: „Achtung – an Euch!“ Jetzt gilt es ernst für die vierköpfige Familie Bigorno mit ihrem bretonischen Dienstmädchen: Sie stehen oben am Berg, auf schmalen Latten, bereits für eine erste Abfahrt. Ob das gut kommt? Wohl kaum! Szene aus dem Comic „La Famille Bigorno aux sports d’hiver“ von Aristide Perré, 1951 erschienen – und schon längst vergessen und beim Altpapier gelandet. Nun lassen sich die Vor- und Nachfahrer von Titine und anderen Helden in einer gross angelegten Ausstellung in Grenoble und in einem grossartigen Katalog wieder entdecken: „Pic & Bulle. La montagne dans la BD.“ Bulle ist die Sprechblase in einem Comic, der im Französischen bande dessinée heisst. Und dieses gezeichnete Band erfand ein Schweizer, nämlich der Genfer Rodolphe Töpffer, der 1827 das Werk „Les Amours de Mr Vieux-Bois“ schuf, eine Abfolge von Abenteuern des so romantischen wie grotesken Monsieur Vieux-Bois, der auf der Alp oben seine Angebetete von seiner Liebe und seinen Fähigkeiten als Musiker und Melker überzeugen will. Dabei wird sein Rivale immer wieder geduscht – ein mit dem Zeichnungsstift umgesetzter running gag.

Autrement dit: Bereits im Ur-Comic sind die Berge in Szene gesetzt worden. Und darin immer wieder aufgetaucht, bei „Tintin au Tibet“ über „Astérix chez les Helvètes“ bis zu „Louis au ski“ von Guy Delisle oder „Franky Snow. Snow Révolution“ von Buche. Sie alle gilt es zu entdecken in „Pic & Bulle“, im Buch – und vor Ort. Wenn wir schon nach Grenoble fahren, können wir noch gleich eine andere clevere und coole Exposition besuchen: „Fashion Altitude. Mode & montagne du XVIIIe siècle à nos jours.“ Auch zu dieser Ausstellung gibt es einen ausgezeichneten Katalog, mit ganz schönen Illustrationen sowie klugen Texten und Legenden. Darin hat Schneidermeister Maurice Och seinen Auftritt, der für die Schweizerische Nationalmannschaft die gleichermassen elegante und aerodynamische Keilhose erfand – für die Winterolympiade in St. Moritz 1928. Allerdings nicht direkt für die alpinen Skiläufer, die damals noch nicht starten durften, sondern für die Skispringer. Doch schon bald eroberte le fuseau, so der französische Name für Keilhose, die Pisten der Welt. Und wenn in diesen Tagen der spezielle WM-Rennanzug der Schweizer mit zahlreichen aufgedruckten Selfies zu reden gibt, so gilt für Lara Gut und Beat Feuz doch an erster Stelle: ATTENTION! A VOUS!

Philippe Peter, Nicolas Rouvière: Pic & Bulle. La montagne dans la BD. Éditions Glénat, Grenoble 2016, € 35.-
Die gleichnamige Ausstellung im Musée de l’Ancien Évêché in Grenoble ist bis am 30. April 2017 zu besichtigen; www.ancien-eveche-isere.fr .

Nadine Chaboud, Cécile Dupré et Cécile Parigot: Fashion Altitude. Mode & montagne du XVIIIe siècle à nos jours. Éditions Glénat, Grenoble 2016, € 25.-
Die gleichnamige Ausstellung im Couvent Sainte-Cécile in Grenoble ist bis am 4. März 2017 zu besuchen; www.couventsaintececile.com.

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