Schöne Berge

Schöne Schweizer Berge sind nicht nur schön, sie sind auch schön populär. Mehrere Ausstellungen zeugen davon. Die begleitenden Publikationen ebenfalls. Auf nach Basel, Bern und Schaffhausen. Oder aufs Sofa.

„So sehen die Berge aus und dort oben ist es schön. Das sieht man an der Sammlung des Alpinen Museums gut. Diese Bilder sprechen eigentlich immer eine Einladung aus: Kommt!“

Machen wir natürlich: Wir kommen. Nach Bern, nach Basel, nach Schaffhausen. Dort unten ist es auch schön, dort bewundern wir schöne Berge auch bei unschönem Wetter. „Schöne Berge. Eine Ansichtssache“: So heisst die neue grosse Ausstellung im Alpinen Museum der Schweiz. Rund 150 Gemälde der eigenen Sammlung wurden aus Keller und Depot geholt und hängen nun sauber und schlau geordnet auf zwei Stockwerken. Eine Kunstausstellung, die mehr als das ist: Sie geht den Fragen nach, wer hier eigentlich malt, warum und für wen? Weshalb dieses Bedürfnis nach schönen Bergen? Wo ist die Realität – und wo beginnt der Kitsch? Vielleicht dann, wenn die Berglandschaft nur als schön gezeigt wird und alles Unschöne sozusagen übermalt wurde? Ansichtssache eben, wie der Untertitel der Ausstellung betont. Ansichtskarte ebenfalls: Denn zur Ausstellung ist eine Publikation erschienen, die aus 40 farbigen Postkarten mit Bergbildern zum Heraustrennen und aus einem Textheft besteht; mit der hintergründigen Ode „Pourquoi les montagnes“ des Lausanner Theaterautors Antoine Jaccoud und mit einem ebensolchen Gespräch über schöne Berge, darin Bernhard Tschofen die oben zitierte Einladung anspricht.

Wir gehen nach Bern. Vielleicht auch zum Bergmalen, vielleicht gar mit einem Bergbild unter dem Arm. Denn Bergbildbesitzer dürfen ihr Lieblingsbild einen Monat lang im Museum ausstellen. Und wenn wir noch Ende Februar 2018 nach Bern gehen, könnten wir die nicht immer schönen, aber immer faszinierenden Berggebilde des Engadiner Bildhauers und Malers Not Vital in der Galerie Kornfeld betrachten.

Aber dann gehen wir nach Schaffhausen, ins Museum zu Allerheiligen. Dort ist bis zum 2. April 2018 Bernhard Nehers grossartige und -angelegte Sammlung von Schweizer Kleinmeistern zu besichtigen. Im 18. und 19. Jahrhundert schufen heimische und ausländische Künstler Zeichnungen und grafische Blätter, um sie an Reisende zu verkaufen. Schweizer Landschafts- und Trachtenbilder wurden von all den schönen Orten des Landes geschaffen, die auf den klassischen Bildungsreisen besucht wurden. Schliesslich wollte man ein Souvenir nach Hause nehmen – Ansichtskarten waren noch nicht auf dem Markt, Berggemälde meistens etwas gar sperrig. Aber so ein Blatt vom Rhonegletscher oder von Rheinfall hatte im Gepäck gut Platz. „Tour de Suisse“ heisst die Ausstellung – und der grossformatige Katalog dazu. Entstehung und Funktion der Kleinmeisterkunst werden exemplarisch erläutert. Hochwertige Abbildungen von Druckgrafiken und zahlreichen, erstmals publizierten Handzeichnungen aus allen Regionen der Schweiz machen die Publikation zu einem Standardwerk.

Zuletzt gehen wir nach Basel. Dort zeigt die neue Sammlungsausstellung nämlich „Schweizer Berge“. Schöne Stücke von Johann Ludwig Aberli, Joseph Anton Koch, Alexandre Calame, Giovanni Segantini, Ferdinand Hodler, Ernst Ludwig Kirchner und anderen berühmten Malern. Die Stars also, während in Bern mehr Werke des bergmalenden Fussvolkes zu entdecken sind. An beiden Orten aber das, wovon der Begleittext zur malerischen Erkundung der Berge erzählt: „Sehnsucht nach Rückzug vom Alltag, das Erlebnis der Schönheit der Natur, das Gefühl über den Dingen zu schweben und die Überwältigung durch etwas, das uns übersteigt.“ Buchstäblich, jedenfalls draussen. Drinnen etwas weniger bzw. anders. Immer aber: schöne Berge. Wir kommen.

Schöne Berge. Kunst und Kitsch aus der Gemäldesammlung. Ein Postkartenbuch. Herausgegeben vom Alpinen Museum der Schweiz. Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich 2018, Fr. 24.- www.scheidegger-spiess.ch

Tour de Suisse. Schweizer Kleinmeister aus der Sammlung Bernhard Neher. Katalog zur Ausstellung im Museum zu Allerheiligen. Herausgegeben von Matthias Fischer und Monique Meyer. Hirmer Verlag, München 2017, Fr.48.- www.hirmerverlag.de

Alpines Museum der Schweiz, Bern: Schöne Berge. Eine Ansichtssache. 23. Februar 2018 bis 6. Januar 2019. Vernissage am 22. Februar 2018, 19 Uhr; Anmeldung unter info@alpinesmuseum.ch. Zur Ausstellung gibt es ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm mit Bergmalkursen, Sonntagsspaziergängen, Feierabendwanderungen und Mittagsgehen sowie mit der Sonderausstellung im Biwak „Baustelle Fortschritt – Emil Zbinden und der Staumauerbau Grimsel-Oberaar“ vom 15. März bis 19. August 2018. www.alpinesmuseum.ch
Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen: Tour de Suisse. Schweizer Kleinmeister aus der Sammlung Bernhard Neher. Bis am 2. April 2018. www.allerheiligen.ch
Kunstmuseum Basel: Schweizer Berge. Neue Ausstellung im Hauptbau. www.kunstmuseumbasel.ch
Galerie Kornfeld, Bern: Not Vital. Noch bis am 28. Februar 2018. www.kornfeld.ch

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