Smoke on the water

Der Herbst hält Einzug, doch nicht sang- und klanglos.
Sound pur am Mattstock, dem geduldigen.

© Annette Frommherz

Ihre Hand legt sie flach auf die glatte Ebene, als wolle sie die Wand vor sich begrüssen. Noch ist der Felsen warm und trocken. Die Wetterprognosen kündigten Wind, sogar etwas Regen an. Sie wählen die Route unweit des markanten Bruchs. Von weitem sind nur zwei kleine Punkte – rot und schwarz – in der Wand zu erkennen. Wo nur sind all die Kletterer geblieben?

Von Amden her weht das Sonntagskonzert hinauf und prallt an den Felsen ab. ‚Smoke on the water‘ spielt die Dorfmusik zu Ehren des Tages, an dem man ruhen soll. Nebelschwaden ziehen längs über den Walensee und trennen sich fetzenweise in alle Richtungen.
Nie kommt mir der Berg entgegen, denkt sie in der zweiten Seillänge. Nie sagt er: Moment, ich reich‘ dir meine Hand. Stattdessen steht er abwartend da. Nur eine Hand breit müsste es sein, schnauft sie, hin zur nächsten Felsennase oder zum Haken. Deep purple im Ohr, die Nase in der Herbstluft. Der Mattstock meint, es verliere derjenige, der aufgibt, der nicht durchhält, den der Mut verlässt. We made a place to sweat.

Die beiden haben dem Felsen zu gehorchen. Sie sind ihm untertan. Sie haben ihn so zu nehmen, wie er ist. Tastend sucht sie nach dem nächsten Griff. Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst. Er ist vorgestiegen und schaut über die Platte zu ihr hinunter. Das Kalkgestein ist so kantig, wie sie es in ihrer Erinnerung nirgends findet, und die Sanduhren sind ihr zu weit rechts. Verrostete Haken zeugen von alten Routen, die gebleichten Schlingen lässt sie aus. Er sichert sie nach, sie spürt an der kniffligen Stelle das satter angezogene Seil.
Sie meint, Rauch zu riechen. Der Nebel schleicht durch das Tal, windet sich die Matten hoch. Die Gedanken weiten sich, der Himmel verfinstert sich. fire in the sky. Am Ende der fünften Seillänge wartet verschmitzt der Berggipfel und raunt ihr zu: Die letzten Meter mit etwas Geduld, denn hinauf willst du doch, oder? I know, I know we’ll never forget.

2 Kommentare to “Smoke on the water”

  1. Peter sagt:

    Sehr schöner, stimmungsvoller, sensibler Text!
    Lieben Gruss

  2. Prisca sagt:

    Schön wiedermal was von Dir zu “hören”
    Herzliche Grüsse

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