Am Fünfländerblick

Auch kaltes, nasses Winterwetter hält mich selten in den vier Wänden. Draussen dann ergreifen die Erd- und Wolkenlandschaften die Sinne mit Macht.

TI_20160303_zumFünfländerblick Auf der Bank am Fünfländerblick sitzend, liegt tief unten der Bodensee in voller Breite. Grau ist sein Wasserspiegel wie die Wolken am weiten Himmel, die am Ottenberg, bei Konstanz und hinter dem Gehrenberg bereits herabströmend das Land verwischen. Wind kommt auf. Erkältet bin ich hergewandert und sitze nun schwach, dick eingepackt und esse etwas trockenes Brot. Meine Hände sind eiskalt. Sie fühlen sich an als hätte ich sie grade aus dem grauen, kalten Wasser vor mir gezogen. Da schaudert es mich vor seinem Anblick: Dort liegt zwischen den sanften Wellen der Landschaft eine jedes Lebenslicht löschende, alles eintauchende erfrierende, riesengrosse Masse.

Ich stehe auf und gehe auf die Bank an der anderen Seite wo mich die Kapuze besser schützt. Hier kommt der Wind von hinten. Über Baumkronen und locker hausbestandenen Hügeln bauen sich die Vorarlberger Gipfel auf, die alt bekannten Gesichter. Der Schnee reicht ihnen herab bis in die Wälder und ich sehe wärmende Erinnerungen.

Später, im Steilwald gegen Grub hinab, liege ich auf einer Bank und blicke in den grauen Himmel, durchzogen von den unendlich vielen schwarzen Strichen der blätterlosen Buchenkronen, blicke wie durch eine zersprungene, von der Fassung noch gehaltene Glasscheibe, so reglos verharrt auch der dünnste Zweig. Hier ist noch nicht mal ein leises Rauschen von Wind. Man hört das Rascheln der Amseln in den Blättern, und dass ein Specht irgendwo in der Nähe auf Nahrungssuche ist. Ich liege und Blicke in die Glasscheibe bis die zahllosen, von Zweigen gefassten Scherben verschwunden sind und mich Tropfen, die durch die leer zurückgebliebenen Rahmen auf mein Gesicht fallen, aufzustehen zwingen, Tropfen einer kalten, das Land verwischenden, überall herabfallenden Masse.

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