Auf Hochtouren bringen

Die Rufe verhallen nicht mehr ungehört. Deutlich gibt man mir zu verstehen, dass zu lange kein Text mehr aufgeschaltet worden ist. Ich kann es nicht leugnen.

© Annette Frommherz

Die einen fragen schüchtern an, ob es mit dem Wetter zusammenhinge, dass die Blogeinträge aussetzten. Andere fragen ganz unverhohlen, ob ich mit den Bergen nichts mehr am Hut haben möchte. Einer der treuesten Leser vermutet, ich hätte vielleicht mein Leben auf den Kopf gestellt und die gute Feder an den Nagel gehängt. Nichts von alledem! Seid beruhigt und harrt der Dinge, also der Texte, die schon wieder kommen werden.

Der Grund für die ausstehenden Beiträge ist banal: Ich tanze auf etlichen Hochzeiten, und das hat zur Folge, dass ich kaum zum bergschreiben komme. Wäre ich klüger, würde ich die fehlenden Blogeinträge dem schlechten Wetter in die Schuhe schieben. Schliesslich trägt der neueste Kälteeinbruch weder dazu bei, meine Laune zu heben, noch lässt er mich auf Berge steigen. Was also soll ich schreiben? Dass ich mich danach sehne, meinen Rucksack zu packen mit all dem Kletterzeugs, das seit Monaten still vor sich hinwartet? Dass ich träume von saftigen Wiesenblumen, die sich im Winde wiegen und denen ich stundenlang zusehen möchte? Ich würde mich auf einen Stein setzen, irgendwo am Wegesrand, und in die Sonne blinzeln. Sie steht schon hoch am Himmel, hat mich begleitet beim Abstieg vom Gipfel. Die Beine sind mir schwer geworden, so steil war es, so lang der schmale Pfad. Alleine unterwegs zu sein, schien mir nichts auszumachen. Einmal blieb ich stehen, weil mir schwindlig war. Ich lehnte mich an einen Felsen und schloss die Augen. Als ich sie wieder öffnete, zogen weisse Wolken über den Himmel und ein Vogel liess sich mit weit ausgebreiteten Schwingen durch die Lüfte gleiten. Es war ein Adler, ich konnte es sehen, weil er schnell näher kam. Es war, als würde er sich vom Himmel abstossen, als hätte er mich zum Ziel genommen. Er kam geradewegs auf mich herabgeschossen. Ich hielt meine Arme vor die Augen, um mich zu schützen; aus Angst, der Vogel könnte es auf meine Augen abgesehen haben. Ich hörte Flügelschlag, spürte einen Luftzug. Als ich die Arme langsam senkte, sass der Adler dicht neben mir auf einem Felsvorsprung und schaute mich an.

Alles erstunken und erlogen! So also lassen sich die Leser in die Irre führen, zum Narren halten und durch ganze Abgründe schleifen. Eine kleine Träumerei, ausgeschmückt mit Redewendungen und ein paar hübschen Metaphern, und fertig ist das Bergtextlein. Es muss vorerst genügen. Als Überbrückung bis zu meinem nächsten Abenteuer, das mit Sicherheit ganz echt sein wird.

2 Kommentare to “Auf Hochtouren bringen”

  1. Moni sagt:

    Ein schöner Traum von einem Adlertraum.

  2. ursi sagt:

    Sogar dein Lückenbüssertext liest sich angenehm. Freue mich aber auch schon auf den nächsten „mit Berg dran“.

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