Aussichtstürme in der Schweiz

Türme faszinieren – das ist ja schon ein biblisches Thema, allerdings mit fatalem Ausgang. Hier geht es jedoch nicht um Babylon, sondern unser Land, über das die vielen Türme den Weitblick öffnen – eventuell sogar über die Grenzen hinweg und vielleicht auch noch die Weitsicht. Jedenfalls ein spannendes Thema.

UNGEFAEHR UM 1870 BAUTE JULES JUERGENSEN DIESEN TURM. DIESER DAENISCHE UHRMACHER WOHNTE DAMALS IN LES BRENETS. 1993 KAUFTE EIN VEREIN DAS GEBAEUDE UND RENOVIERTE ES. DIE EINWEIHUNG FAND IM SEPTEMBRE 1998 STATT. DIESER TURM STEHT UNTER DENKMALSCHUTZ.

Cover Hoch hinausAusschnitt aus dem zweisprachigen Text auf einer Metalltafel neben der Eingangstüre zur Tour Jürgensen. Der 15 Meter hohe, im neugotischen Stil erbaute Turm steht auf einem Hügel (974 m) südlich des Dorfes Les Brenets an der Grenze zu Frankreich und erlaubt, wofür solche Gebäude ja auch errichtet wurden, eine vorzügliche 360°-Rundsicht. Hier auf zwei Länder, auf den zum Lac des Brenets und Lac de Chaillexon erweiterten Jurafluss, auf die Dörfer an seinen Ufern, auf Wälder, Wiesen und einige Felsbänder, auf den Endbahnhof der Linie Le Locle – Les Brenets. Und auf die Schlucht mit der Rançonnière; weiter oben heisst das Flüsschen Le Bied und treibt die unterirdischen Mühlen vom Col-des-Roches an. Bref: Die Tour Jürgensen ist ein Ausflug wert; vom Bahnhöfli braucht man bloss 25 Minuten. Man darf freilich noch weiterwandern, zur Tête de Calvin senkrecht über dem Doubs beispielsweise oder ins grossartig tickende Musée d’Horlogerie von Le Locle.

Der Aussichtsturm an der Nordwestgrenze der Schweiz wird gleich in zwei neuen Publikationen vorgestellt. Das Mai-Heft von „Schweiz. Das Wandermagazins“ geht „Hoch hinaus“ (so der Titel) und präsentiert zahlreiche Türme, vom höchsten zum niedrigsten, vom schönsten zum filigransten, vom romantischsten zum abgelegensten, vom jüngsten zum ältesten (letzteres könnte die Tour Jürgensen sein). Autor Philipp Bachmann nennt seinen Text „Und ewig lockt das Panorama“. Wie wahr!

Cover Tours et détoursSylvie Ulmann ihrerseits entführt uns mit „TOURS et détours“ auf „balades panoramiques“ in die Westschweiz. Und zwar nicht nur auf die Aussichtstürme par excellence, sondern auch auf Burgtürme, die ja wegen des freien Blicks erbaut wurden, allerdings weniger, um die Landschaft zu geniessen, sondern um Feinde zu erspähen – und um die Landschaft (und ihre Bewohner) zu beherrschen. Kirchtürme, wie die beiden der Cathédrale Saint-Pierre in Genf, gilt es ebenfalls zu besteigen. Schade nur, dass die Aufmachung dieses Führers nicht wirkliche freie Sicht gewährt. Und das stört mehr als die Tatsache, dass ein paar bemerkenswerte Türme in der Suisse romande fehlen, zum Beispiel der 42 Meter hohe, sehr elegante Wasserturm von Montmagny, auf den sich nur wirklich schwindelfreie Besucher vorwagen sollten.

Kurz: Mit den beiden Publikationen haben wir einen schönen Überblick über die Aussichtstürme der Schweiz. Wer noch mehr sehen will, klickt sich durch www.turmfinder.ch

und https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Aussichtsturm_in_der_Schweiz. Allerdings gewähren auch diese Plattformen noch nicht das volle 360°-Panorama.

Hoch hinaus. Aussichtstürme der Schweiz. Schweiz. Das Wandermagazin, Heft Mai 2016. Fr. 14.80. Am Kiosk erhältlich. www.wandermagazin.ch

Sylvie Ulmann: TOURS et détours. Balades panoramiques en Suisse romande. Éditions Favre, Lausanne 2016, Fr. 23.-

Kommentar abgeben