Krimis, die in Tourismusorten spielen, ein Krimivortrag in der Lenk im Simmental und das Schweizer Krimifestival in Bern. Gänsehaut im Oktober, trotz hoffentlich vielen Sonnenstrahlen.
«Sonja hob beherzt beide Wanderstöcke in Richtung des gegenüberliegenden Brückenkopfes und huschte mit leichten, schnellen Schritten über das Eis, noch ehe er reagieren konnte. ‹Uff, geschafft!›, frohlockte sie.
André entfuhr erneut ein gepresstes ‹Mist!›. Jetzt war er an der Reihe. Er beäugte kritisch das dünne Eis. Immerhin wog er ein paar Kilo mehr als seine Gattin.
Sie ermunterte ihn: ‹Komm schon, du Held!›.
Er gab sich einen Ruck und betrat die Traverse mit einem ersten vorsichtigen Schritt, dann einem zweiten und einem … aber da geschah etwas für ihn völlig Unerwartetes.»
«Ewiges Eis» heisst die Krimigeschichte, in der Stefan Haenni diese Szene mit einem Touristenpaar bei einer Spalte des Grossen Aletschgletschers beschreibt. Wie wir wissen, schmilzt der grösste Gletscher der Alpen wegen des Klimawandels täglich traurig weiter ab. Eine Brücke über eine Spalte hält ohnehin nicht ewig – erst recht nicht, wenn… Das sei nicht verraten. Selber lesen im Buch «Müesli, Mord und Matterhorn». Es enthält 15 Kurzkrimis aus der Deutschschweiz und ist erschienen zum Schweizer Krimifestival vom Samstag, 18. Oktober 2025, im Hotel National in Bern. So spannend die Geschichten, wie «Schneeweiss» von Sunil Mann, die in den Hügeln von Spiez spielt; so sinnig das rote Titelbild mit Schweizer Kreuz und Eispickel; etwas fehlt: ein Kurzkrimi zum Matterhorn.
Dabei hätte Christine Bonvin – sie eröffnet die Anthologie mit «Geheime Würzmischung» – sicher eine Story zum berühmtesten Berg der Schweiz schreiben können. Schliesslich heisst ihr erster Krimi mit der Hotelfachfrau und Hobbyermittlerin Laura Pfeiffer «Matterzorn». Im dritten Band «Brand im Alpenland», der am 10. September 2025 erschienen ist, lebt und arbeitet sie in Crans-Montana, wo die Vorbereitungen für die Alpinen Skiweltmeisterschaften von 2027 auf Hochtouren laufen. Doch dann wird ein Gegner des Sportevents ermordet. Christine Bonvin tritt am Krimifestival in Bern auf.
Skiweltmeisterschaften, allerdings Nordische, fanden ebenfalls in Oberstdorf statt. In diesem südlichsten Dorf Deutschlands ist der Thriller «Die Schanze» angesiedelt, ohne dass Autor Lars Menz den Ort freilich benennt. Aber wo sonst hat es so hohe Schanzen und gleichzeitig noch alpine Skianlagen? An einer der Schanzen wird ein böser Einheimischer aufgehängt, ein anderer von einer der Pisten in eine Schlucht mit tödlichem Ausgang gestossen. All das, weil Ellen, die als Jugendliche ganz Schlimmes erlebt hat, als Ärztin in ihr Heimatdorf zurückkehrt und eine alte Praxis übernimmt. Die richtige Lektüre für die nächsten Wintersportferien, in Engelberg (ebenfalls bekannt für alpine und nordische Anlagen), Crans-Montana oder Oberstdorf (die Bahnfahrt dorthin dauert von Bern gleich lang wie nach St. Moritz).
Etwas weiter weg liegt ein anderer Wintersportort: Åre in Mittelschweden. Dort wurde am 6. Januar 1940 mit dem Lundgårdslift der erste Skilift des Landes eröffnet. 1954, 2007 und 2019 fanden die alpinen Skiweltmeisterschaften in Åre statt. Im Kriminalroman «Unter der Erde» von Sara Strömberg taucht beides auf, der Tourismus und der Klimawandel. «Die Natur hatte von neuen Skipisten und Liften in der Gegend die Nase voll.» Das zeigt sich nicht zuletzt in heftigen Regenfällen, was zu einem Erdrutsch führt, der eine verschwundene Person und dann unvergessene Geschichten offenlegt. Bevor wir weitergraben und weitere Leichen finden, noch ein weiterer kriminalistischer Hinweis, und zwar auf das Festival «LiteratureLenk. Der Röstigraben n’existe pas.» vom 10. bis zum 12. Oktober.
Am Sonntag, 12. Oktober um 13 Uhr, stelle ich im Vortrag «‹Als Simmentaler Sherlock Holmes unterwegs sein!› Tod am Wildstrubel» ein paar alte und neue Krimis vor. Von Zacharias Werners «Der vierundzwanzigste Februar» von 1809 bis zum Niesenkrimi «Weitsicht» von Esther Pauchard, und mittendrin die wieder aufgetauchte «Sage von der Plaine Morte» von Jakob Christeler. Mit dabei auch der Kurzkrimi «Die harte Tour» von Stefan Haenni. Hier ein Ausschnitt, wobei nicht verraten wird, ob die beiden Skitouristen den Gipfel des Wildstrubels noch erreichen werden:
«Bert schlägt Luca mit einem kameradschaftlichen Schlag auf den Rücken und reicht ihm die Trinkflasche.
Durch den heftigen Rückenschlag wäre Luca beinahe gestürzt.
Bert lacht. ‹Hoppla, Schorsch! Du scheinst bereits schwach zu werden.›
Anschließend gewinnen die beiden Alpinisten schnell an Höhe. Sie marschieren über das markante Schneefeld. Bert und Luca folgen zuerst dem rechten Rand, dann links der Seitenmoräne des Strubelgletschers. Der Gletscher soll laut Routenbeschreibung spaltenreich sein.»
Paul Ott, Barbara Saladin (Hrsg.): Müesli, Mord und Matterhorn. Gmeiner Verlag, Meßkrich 2025. € 14,00.
Christine Bonvin: Brand im Alpenland. Gmeiner Verlag, Meßkrich 2025. € 17,00.
Lars Menz: Die Schanze. Ullstein Verlag, Berlin 2025. € 17,00.
Sara Strömberg: Unter der Erde. Blanvalet, München 2025. € 17,00.
LiteratureLenk. Der Röstigraben n’existe pas: Freitag,10., bis Sonntag, 12. Oktober 2025. www.kulturlenk.ch/de/literaturelenk/aktuell
Schweizer Krimifestival: Samstag, 18. Oktober 2025, Hotel National, Bern www.krimischweiz.org/files/Krimifestival-Bern-2025-Programm.pdf
Grenchner Mordsnacht: Donnerstag, 23. Oktober 2023 (mit Christof Gasser, Barbara Saladin und Claudia Dahinden). https://eventfrog.ch/de/p/diverses/grenchner-mordsnacht-7336040618106302981.html
Alle «Bücher der Woche» unter: www.bergliteratur.ch





























