Krimiherbst

Krimis, die in Tourismusorten spielen, ein Krimivortrag in der Lenk im Simmental und das Schweizer Krimifestival in Bern. Gänsehaut im Oktober, trotz hoffentlich vielen Sonnenstrahlen.

«Sonja hob beherzt beide Wanderstöcke in Richtung des gegenüberliegenden Brückenkopfes und huschte mit leichten, schnellen Schritten über das Eis, noch ehe er reagieren konnte. ‹Uff, geschafft!›, frohlockte sie.
André entfuhr erneut ein gepresstes ‹Mist!›. Jetzt war er an der Reihe. Er beäugte kritisch das dünne Eis. Immerhin wog er ein paar Kilo mehr als seine Gattin.
Sie ermunterte ihn: ‹Komm schon, du Held!›.
Er gab sich einen Ruck und betrat die Traverse mit einem ersten vorsichtigen Schritt, dann einem zweiten und einem … aber da geschah etwas für ihn völlig Unerwartetes.»

«Ewiges Eis» heisst die Krimigeschichte, in der Stefan Haenni diese Szene mit einem Touristenpaar bei einer Spalte des Grossen Aletschgletschers beschreibt. Wie wir wissen, schmilzt der grösste Gletscher der Alpen wegen des Klimawandels täglich traurig weiter ab. Eine Brücke über eine Spalte hält ohnehin nicht ewig – erst recht nicht, wenn… Das sei nicht verraten. Selber lesen im Buch «Müesli, Mord und Matterhorn». Es enthält 15 Kurzkrimis aus der Deutschschweiz und ist erschienen zum Schweizer Krimifestival vom Samstag, 18. Oktober 2025, im Hotel National in Bern. So spannend die Geschichten, wie «Schneeweiss» von Sunil Mann, die in den Hügeln von Spiez spielt; so sinnig das rote Titelbild mit Schweizer Kreuz und Eispickel; etwas fehlt: ein Kurzkrimi zum Matterhorn.

Dabei hätte Christine Bonvin – sie eröffnet die Anthologie mit «Geheime Würzmischung» – sicher eine Story zum berühmtesten Berg der Schweiz schreiben können. Schliesslich heisst ihr erster Krimi mit der Hotelfachfrau und Hobbyermittlerin Laura Pfeiffer «Matterzorn». Im dritten Band «Brand im Alpenland», der am 10. September 2025 erschienen ist, lebt und arbeitet sie in Crans-Montana, wo die Vorbereitungen für die Alpinen Skiweltmeisterschaften von 2027 auf Hochtouren laufen. Doch dann wird ein Gegner des Sportevents ermordet. Christine Bonvin tritt am Krimifestival in Bern auf.

Skiweltmeisterschaften, allerdings Nordische, fanden ebenfalls in Oberstdorf statt. In diesem südlichsten Dorf Deutschlands ist der Thriller «Die Schanze» angesiedelt, ohne dass Autor Lars Menz den Ort freilich benennt. Aber wo sonst hat es so hohe Schanzen und gleichzeitig noch alpine Skianlagen? An einer der Schanzen wird ein böser Einheimischer aufgehängt, ein anderer von einer der Pisten in eine Schlucht mit tödlichem Ausgang gestossen. All das, weil Ellen, die als Jugendliche ganz Schlimmes erlebt hat, als Ärztin in ihr Heimatdorf zurückkehrt und eine alte Praxis übernimmt. Die richtige Lektüre für die nächsten Wintersportferien, in Engelberg (ebenfalls bekannt für alpine und nordische Anlagen), Crans-Montana oder Oberstdorf (die Bahnfahrt dorthin dauert von Bern gleich lang wie nach St. Moritz).

Etwas weiter weg liegt ein anderer Wintersportort: Åre in Mittelschweden. Dort wurde am 6. Januar 1940 mit dem Lundgårdslift der erste Skilift des Landes eröffnet. 1954, 2007 und 2019 fanden die alpinen Skiweltmeisterschaften in Åre statt. Im Kriminalroman «Unter der Erde» von Sara Strömberg taucht beides auf, der Tourismus und der Klimawandel. «Die Natur hatte von neuen Skipisten und Liften in der Gegend die Nase voll.» Das zeigt sich nicht zuletzt in heftigen Regenfällen, was zu einem Erdrutsch führt, der eine verschwundene Person und dann unvergessene Geschichten offenlegt. Bevor wir weitergraben und weitere Leichen finden, noch ein weiterer kriminalistischer Hinweis, und zwar auf das Festival «LiteratureLenk. Der Röstigraben n’existe pas.» vom 10. bis zum 12. Oktober.

Am Sonntag, 12. Oktober um 13 Uhr, stelle ich im Vortrag «‹Als Simmentaler Sherlock Holmes unterwegs sein!› Tod am Wildstrubel» ein paar alte und neue Krimis vor. Von Zacharias Werners «Der vierundzwanzigste Februar» von 1809 bis zum Niesenkrimi «Weitsicht» von Esther Pauchard, und mittendrin die wieder aufgetauchte «Sage von der Plaine Morte» von Jakob Christeler. Mit dabei auch der Kurzkrimi «Die harte Tour» von Stefan Haenni. Hier ein Ausschnitt, wobei nicht verraten wird, ob die beiden Skitouristen den Gipfel des Wildstrubels noch erreichen werden:

«Bert schlägt Luca mit einem kameradschaftlichen Schlag auf den Rücken und reicht ihm die Trinkflasche.
Durch den heftigen Rückenschlag wäre Luca beinahe gestürzt.
Bert lacht. ‹Hoppla, Schorsch! Du scheinst bereits schwach zu werden.›
Anschließend gewinnen die beiden Alpinisten schnell an Höhe. Sie marschieren über das markante Schneefeld. Bert und Luca folgen zuerst dem rechten Rand, dann links der Seitenmoräne des Strubelgletschers. Der Gletscher soll laut Routenbeschreibung spaltenreich sein.»

Paul Ott, Barbara Saladin (Hrsg.): Müesli, Mord und Matterhorn. Gmeiner Verlag, Meßkrich 2025. € 14,00.

Christine Bonvin: Brand im Alpenland. Gmeiner Verlag, Meßkrich 2025. € 17,00.

Lars Menz: Die Schanze. Ullstein Verlag, Berlin 2025. € 17,00.

Sara Strömberg: Unter der Erde. Blanvalet, München 2025. € 17,00.

LiteratureLenk. Der Röstigraben n’existe pas: Freitag,10., bis Sonntag, 12. Oktober 2025. www.kulturlenk.ch/de/literaturelenk/aktuell

Schweizer Krimifestival: Samstag, 18. Oktober 2025, Hotel National, Bern www.krimischweiz.org/files/Krimifestival-Bern-2025-Programm.pdf

Grenchner Mordsnacht: Donnerstag, 23. Oktober 2023 (mit Christof Gasser, Barbara Saladin und Claudia Dahinden). https://eventfrog.ch/de/p/diverses/grenchner-mordsnacht-7336040618106302981.html

Alle «Bücher der Woche» unter: www.bergliteratur.ch

Les piliers de la mer

Nur klettern ist schöner als schwimmen. Doch wer Brandungspfeiler erklettern will, muss durchs Wasser.

«La vie est un stack. L’homme, son oiseau de passage. Un jour, tout s’écroule.»

Compris? Mais non! Keine Ahnung, was ein Stack ist. Vielleicht hilft ein zweites Zitat aus einem Buch zum Stackisme:

«Le plus difficile dans l’alpinisme, ce sont les vagues.»

Damit kommen wir schon weiter bzw. höher. Bergsteigen und Wellen, also Meer. Genau darum geht es im jüngsten Buch des französischen Star-Reiseschriftstellers Sylvain Tesson: «Les piliers de la mer». Das sind die Brandungspfeiler vor Kliffküsten. Wer «Stack» beim Duden eingibt, kommt bei einer Bedeutung schon ans Meer, nämlich zur Buhne. Zum «(senkrecht zur Küste oder zum Ufer verlaufenden) dammartigen Küsten- oder Ufervorbau aus Pfählen, Steinen o. Ä. als Schutz vor Abspülung oder zur Anlandung.» Aber die Stacks, die Tesson zusammen mit seinem Bergführer Daniel du Lac rund um die Welt erklettert hat, sind genau das nicht. Kurzer Zugriff auf Wikipedia: «Brandungspfeiler sind vor einer Kliffküste aufragende Felsentürme und vergleichbare Formationen, die durch Brandungserosion gebildet wurden. Sie entstehen durch Einsturz von Brandungstoren oder Abtrennung von Brandungsgassen, vor allem in Landschaften, wo felsige Bergzüge bis ins Meer reichen.» Voilà. Also nicht von Menschenhand geschaffen. Höchstens von Menschen erklettert. Wenn sie denn das Gefährlichste an einer Besteigung geschafft haben. Und das ist nicht die Vertikale am Fels, sondern die Horizontale im Wasser. In den Wellen eben, durch die man schwimmend oder im Boot fahrend die Felssäule erreichen muss. Bei der Rückkehr vom Stack, so die englische Bezeichnung, dann nochmals die Brandung. Klettern für Wasserratten und Gipfelstürmer.

106 Stacks hat Tesson erklettert. Von der Aiguille creuse in Étretat an der französischen Atlantikküste (craie à silex, 55 mètres, 5c, canot à rame) bis Le Scalde (Rising og Kellingin) an der Färöer-Insel Streymoy (basalte, 70 mètres, 6b, Zodiac). Immer Angaben zu Ort, Felsart, Turmhöhe, Kletterschwierigkeit und Transportart auf dem Wasser; letzteres manchmal auch zu Fuss bei Ebbe, oft aber mit dem Zodiac-Festrumpfschlauchboot. Wenn die Kletterer keine Namen für ihre Meerespfeiler fanden, erfanden sie einen, manchmal auch, weil sie Lust dazu hatten. Bei Lipari tauften sie einen 30 Meter hohen Turm Claudia Cardinale, in Sardinien einen kleineren Ornella Muti. An der Küste von Zakynthos gaben sie einem 120 Meter hohen Kalkturm den Namen Penelope, während gleichenorts Odysseus mit einem 18 Meter hohen Türmchen Vorlieb nehmen muss. Armer Kerl.

Wie immer bei Tesson, wird die ganze Outdoor-Tätigkeit mit viel Geschichte, Literatur und Philosophie bedacht. Dass er an den schottischen Alpinisten und Autor Tom Patey erinnert, ist natürlich ein Muss; er verunglückte beim Abseilen von The Maiden, einem Brandungspfeiler bei Whiten Head vor der Küste von Sutherland, tödlich. Warum aber der deutsche Dichter Novalis auftaucht, erschliesst sich nicht sofort. Anderes hingegen schon. Wo Tesson die schwierigen und gegensätzlichen Bedingungen des Stackismus erläutert, schreibt er: «Les crabes, eux, excellent à ces contradictions. Dans l’eau, sur la roche: toujours contents.»

Wir sind es gleichfalls bei der Lektüre. Klar, muss man um die halbe Welt fliegen, um ein paar Brandungspfeiler zu besteigen? Doch diese Frage stellt sich nicht nur beim Bergsport, sondern überhaupt beim Reisen. In der Schweiz sind freistehende Felstürme im Wasser halt selten. Es gibt sie aber schon, wie den Schillerstein im Vierwaldstättersee. Kann bzw. darf man überhaupt auf ihn klettern? Ursprünglich 40 Meter hoch, wurde er 1838 um ein Drittel gekürzt, da herabfallende Steine vorbeifahrende Schiffe gefährdeten. «Un jour, tout s’écroule»: Kann auch von Menschenhand sein.

Sylvain Tesson: Les piliers de la mer. Éditions Albin Michel, Paris 2025. € 21,90. Mit ausklappbarer Karte zu den bestiegenen Stacks.

Hodler. Ein Vorbild für die Schweizer Kunst

Zwei Ausstellungen und ein Buch mit Ferdinand Hodler im Zentrum. Passend dazu die Ernst-Kirchner-Show im Kunstmuseum Bern. Denn auch bei ihm blicken wir immer wieder auf die Berge.

«Im Laufe des 19. Jahrhunderts konzentrieren sich die Darstellungen der Schweizer Identität auf zwei Themen: Bauernschaft und Berglandschaft. In einem von Melancholie geprägten Rückzug auf sich selbst identifiziert sich die Schweiz mit der untergehenden ländlichen Welt und dem Alpenraum, für den sich allmählich der Tourismus interessiert. Das ehemals gefürchtete Gebirge wird zu einem Objekt der Faszination. Die alpinen Freizeitaktivitäten entwickeln sich dank des Aufschwungs im Transportwesen und in der Hotellerie – Hodler selbst verbringt Weihnachten und Neujahr regelmässig in Grindelwald in den Berner Alpen.»

Das lesen wir an einer Wand in der Ausstellung «Hodler. Un modèle pour l‘art Suisse» im Musée d‘art et d’histoire in Neuchâtel. Passend dazu die Wandinformation im Saal IV «Ode an die Alpen» der Ausstellung «Panorama Schweiz. Von Caspar Wolf bis Ferdinand Hodler» im Kunstmuseum Bern:

«Ein unübersehbares Charakteristikum der Schweiz und damit auch ein zentraler Gegenstand der Schweizer Kunst bildet die Alpenlandschaft. In das unwirtliche Hochgebirge wagen sich Künstler erst im 18. Jahrhundert, im Zeitalter von Aufklärung und Romantik, um als Begleiter von Naturforschern präzise Widergaben von Gipfeln, Gletschern und Bergseen zu schaffen. Zu ihnen zählt Caspar Wolf, der heute als einer der Pioniere der Schweizer Landschaftsmalerei gilt. (…)
In der Moderne erfuhr die Alpenmalerei durch formal vereinfachende Herangehensweisen erneut eine Weiterentwicklung. Insbesondere Ferdinand Hodler gilt als Erneuer des Genres.»

Voilà. Hodler à Neuchâtel, Hodler in Bern. Mit Gemälden, die wir kennen. Das Jungfraumassiv von Mürren aus (1911), Le Grammont au soleil (1917), Le Léman vu de Caux au soleil couchant (1917). Weniger bekannt dürften Les Dents du Midi vues de Champéry (1916) sein. Ein Ausschnitt davon bildet das Titelbild des Buches «Hodler. Un modèle pour l’art suisse», das für die gleichnamige Ausstellung erschienen ist. Sie war im Winter und Frühling im Musée d’art de Pully und ist jetzt im Sommer und Herbst in Neuenburg zu sehen. Nicht verpassen! Denn so viele grossartige Bilder und Bergbilder konnten wir schon lange nicht mehr bewundern. Mehr noch: Gerade weil sie thematisch gehängt sind – beispielsweise der Grammont von Cuno Amiet, Oswald Pilloud und weiteren Kunstmalern –, können wir nachvollziehen, wie Hodler stilbildend gewirkt hat. Oder die Darstellungen bäuerlichen Lebens und Arbeitens: Stehen wir vor seinem Holzfäller, spüren wir die Kraft des Schlages, ja hören, wie die Axt niedersausen wird. Es ist halt immer wieder ein Erlebnis, wenn man Gemälde live sieht, mit Distanz, aber ebenfalls aus der Nähe. Auch aus diesem Grund: auf zum Hodler, seinen Vorgängern, seinen Zeitgenossen. Zudem gibt es Entdeckungen zu machen. Die Gletschergemälde von Annie Stebler-Hopf und Martha Stettler, der Mont Vully überm Neuenburgersee von William Röthlisberger: grossartig. Ebenso Viktor Surbeks Brienzersee bei Iseltwald oder Plinio Colombis Vorfrühling und Paysage d’hiver.

Und wenn wir schon in Bern sind: Seit drei Tagen zeigt das Kunstmuseum die Ausstellung «Kirchner x Kirchner». Im Zentrum steht die Wiedervereinigung der beiden wandfüllenden Werke von Ernst Kirchner, Alpsonntag. Szene am Brunnen und Sonntag der Bergbauern. Bauernschaft und Berglandschaft vereint.

Niklaus Manuel Güdel, Laurent Langer, Philippe Clerc: Ferdinand Hodler. Un modèle pour l’art suisse. Éditions Notari 2025. Fr. 30.- in der Ausstellung in Neuchâtel, sonst Fr. 40.-

Musée d‘art et d’histoire Neuchâtel: Hodler. Un modèle pour l‘art Suisse (bis 12. Oktober 2025).
www.mahn.ch/de/expositions/hodler-un-modele-pour-lart-suisse
www.srf.ch/kultur/kunst/ein-schweizer-vorbild-ferdinand-hodler-sohn-des-zeitgeists-oder-kuenstlerisches-genie/

Kunstmuseum Bern: Panorama Schweiz. Von Caspar Wolf bis Ferdinand Hodler und Kirchner x Kirchner (je bis 11. Januar 2026).
www.kunstmuseumbern.ch/de/ausstellung/panorama-schweiz
www.kunstmuseumbern.ch/de/ausstellung/kirchner-kirchner

Bergromane hier und dort

Vom 10. bis 13. September 2025 findet in Altdorf die Tagung «Literaturen der Alpen» statt. Wir stellen hier zwei Bergromane vor. Allerdings spielt einer von ihnen in den Pyrenäen. Aber die Themen gleichen sich.

«Und Gaspard denkt, dass er wieder den Aufstieg wagen wird, dass das das einzig mögliche Leben ist, das große und raue Leben da oben, dass er die Schafe wieder auf die Alm und später von der Alm heruntertreiben wird. Denn alles fängt immer wieder von vorne an, es wird andere Bären geben, das Junge der großen Braunbärin, das vielleicht wiederkommt, weitere Dürren und gewittrige Sommer. Wenn er auf Jeans Rat hört, wenn er seinem Instinkt folgt, wird er langsam an Erfahrung gewinnen und ein richtiger Schäfer werden. Zehn Jahre auf derselben Alm, hat Jean gesagt. Vielleicht muss er den Gedanken akzeptieren, dass die Berge für ihn entscheiden.»

Was für eine bemerkenswerte Vorstellung unten auf Seite 337: … dass die Berge für jemanden entscheiden. Hier für den Schäfer Gaspard. Vielleicht aber auch für uns. Oder entscheiden wir uns für sie? Und dann bestimmen sie uns? Wie auch immer: Gaspard ist eine der drei Hauptfiguren im Roman «Im Tal der Bärin» der Französin Clara Arnaud. Sie lebt in den Pyrenäen, und dort spielt auch «Et vous passerez comme des vents fous» (so der Originaltitel). Die zweite Figur ist die Biologin Alma; sie erforscht am Zentrum für Biodiversität in Arpiet das Verhalten der hier wieder angesiedelten Bären und will herausfinden, wie ein Zusammenleben zwischen den Wildtieren und dem Menschen besser funktionieren kann – beziehungsweise überhaupt. Denn die Einheimischen halten gar nicht viel von den Bären, ihr Auftreten sorgt für ein ähnliches Durcheinander von Meinungen und Emotionen, Schutzvorkehrungen und Abschüssen wie bei uns der Wolf. Und dann ist da noch der Tanzbärenführer Jules, der einst ein Junges aus einer Bärenhöhle stahl und mit ihm um die Welt reiste. Mit dem Raub beginnt der Roman, mit der Erinnerungstafel an Jules schliesst er.

Das Zusammenleben in einem Bergtal ist eben nicht immer Idylle. Erst recht nicht, wenn ein Unternehmer von aussen überrissene Projekte an- und zugleich alte Wunden aufreisst, die das Militär mit atomaren Bunkern im Kalten Krieg getätigt hat. Im grossen Kloster findet sich die heile Welt bloss teilweise, und die Liebe blüht nur im Verborgenen. Wenn dann noch der Berg rutscht – mei Dieu! «Der Berg der Namenlosen» von Urs Augstburger spielt wie schon «Das Dorf der Nichtschwimmer» (2020) in der Surselva und insbesondere in Disentis;  https://bergliteratur.ch/bergromane-erster-gang/. Die Hauptfigur Meret Sager kennen wir zudem noch aus «Das Tal der Schmetterlinge» (2023); https://bergliteratur.ch/die-katastrophen-von-mitholz/. Eine gebirgige Trilogie: das Tal, das Dorf, der Berg.

Wer sich für solche Literatur interessiert, sollte vom 10. bis 13. September 2025 nach Altdorf pilgern. Die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und das Urner Institut Kulturen der Alpen laden zur Tagung «Literaturen der Alpen» ein. Im Fokus stehen literarische Auseinandersetzungen mit der alpinen Welt – von Naturdarstellungen bis zu ökologischen Fragen im Anthropozän. Das Programm bietet Vorträge, Nachwuchskolloquien und eine Wanderung in die Urner Alpen; www.kulturen-der-alpen.ch/fileadmin/user_upload/Tagung_Literaturen_der_Alpen.pdf. «Alle Interessierten sind herzlich willkommen!», heisst es auf der Website. Am Donnerstag, 11. September um 14 Uhr, widmet sich Martina Kopf den Die Alpen in der europäischen Gegenwartsliteratur und fragt uns: «Und der Berg ruft immer noch?»

Clara Arnaud: Im Tal der Bärin. Antje Kunstmann Verlag, München 2025. € 25,00.
Urs Augstburger: Der Berg der Namenlosen. Bilgerverlag, Zürich 2025. Fr. 35.-

Bouldern

Trendsportart Bouldern: ein italienisches Buch erzählt seine Geschichte.

«It must be admitted that the exercise of boulder-climbing is almost purely athletic, but the training to nerve and muscle may stand the climber in good stead upon some more important occasion – and moreover it is comparatively free from danger.»

Boulder-Climbing – oder wie man heute sagt und schreibt: Bouldern – im Januar 1896. Der Beginn einer sehr beliebten bergsportlichen Tätigkeit, jedenfalls mit diesem Begriff, zu deutsch: Klettern auf Felsblöcken. Klar, als Ernest Cézanne und Xavier Blanc 1874 im Forêt de Fontainebleau bei Paris den Club Alpin Français gründeten, spazierten die Mitgründer durch den mit Felsblöcken durchsetzten Wald und bestiegen wohl auch ein paar von ihnen. Aber das bewusste Klettern in Bleau – so wird dieser Ort meistens genannt – begann erst um 1900, als Studenten Ausflüge dorthin organisierten. Rochassiers und dann Bleausards nannten sie sich. Seither wurde Bleau zum Mekka des Boulderns und ist es immer noch, trotz schier unzähligen anderen Hotspots auf der Welt.

Als einer der ersten prägte T. Fraser S. Campbell den Begriff in seinem mit drei Zeichnungen bebilderten Artikel «On Boulders» im ersten Heft des vierten Jahrgangs des «Scotish Mountaineering Club Journal» https://simrich.ams3.digitaloceanspaces.com/SMCJ/Number%2019%20to%2024%20-%20Vol%20%204%20-%201896-1897.pdf. «Man muss zugeben, dass das Klettern auf Felsblöcken fast ausschliesslich eine sportliche Betätigung ist, aber das Training für Nerven und Muskeln kann dem Kletterer in manchen wichtigeren Situationen zugute kommen – und ausserdem ist es vergleichsweise gefahrlos.» Klar, Bouldern wurde damals meistens noch als Training für grössere Klettertouren angesehen, noch nicht wirklich als Ziel in sich, doch das war in Fontainebleau anfänglich ebenfalls so.

Ein Zeitgenosse von Campbell war der Engländer Oscar Eckenstein (1859–1921), bei uns eher bekannt als Erfinder und Verbesserer von Alpinmaterial, nämlich von Steigeisen mit zehn Zacken sowie von Pickeln, Zelten und Seilknoten; vielleicht auch als Erstbesteiger des Stecknadelhorns sowie als Leiter der Expedition zum K2 im 1902. Doch in den heimatlichen Bergen brillierte Eckenstein mit schwierigen Klettereien an Wänden – und eben an Blöcken. «Il primo maestro del bouldering»: So nennt ihn Alberto Milani im Buch «Il tempo dei sogni. Storia del bouldering mondiale». Für Eckenstein war Bouldern mehr als nur Training oder Zeitvertreib, sondern erfüllende sportliche Tätigkeit.

Dass Milani sein Buch «Die Zeit der Träume» nennt, liegt nicht an einem schönen Titel. Sondern am 28. Oktober 2000. An diesem Samstag konnte der Westschweizer Fred Nicole erstmals Dreamtime im Cresciano in der Tessiner Riviera ganz klettern – vom Sitzstart rechts unten bis zum Mantle links oben 21 Züge durch eine 45 Grad überhängende Wand eines mächtigen Gneisblocks. Er bewerte die Route mit 8c – ein neues Niveau war erreicht. Und wen sehen wir auf dem Cover von «ll tempo dei sogni»? Fred Nicole in der mytischen Linie Karma in Fontainebleau, als Spotter (die Person, die mit den Armen einen möglichen Sturz des Kletterers abfangen soll) Jacky Godoffe – ein weiterer berühmter Boulderer. Ins Tennis übertragen: ein Match zwischen Federer und Nadal. Klar, um das Buch von Milani zu lesen, braucht es schon etwas Können im Italienischen. Wenn man aber weiss, was sasso heisst, versteht man seinen Aufruf am Schluss bestens: «Buon Sassismo a tutti!».

In Milanis Buch finden sich viele Fotos, gerade auch von Gebieten, die nicht so bekannt sind. Eine Blockkletterei hat er nicht aufgenommen. Sie vollzieht sich allerdings nicht auf einem natürlich belassenen Felsen, sondern auf dem Rest eines Kalksteinhügels, der zu einem Menschenkopf auf einem Löwenkörper gehauen wurde: die grosse Sphinx von Gizeh. Wie ihre Nase abgebrochen ist, erfahren wir in «Astérix et Cléopâtre» von 1965. Obélix klettert an ihrem Gesicht hoch, doch die Nase hält seinem Gewicht nicht stand.

Alberto Milani: Il tempo dei sogni. Storia del bouldering mondiale. Versante Sud Edizioni, Collana I Rampicanti, Milano 2024. € 20,00.

Ran an den Fels

Nur klettern ist schöner als lesen. Vier neue Führer für Wände und Grate zwischen Val Ferret und Val d’Arpette, Lauterbrunnental und Riviera. Anseilen bitte!

«Aiguille Savoie (3603 m) arête SE und face SE. La Voie Preuss qui remonte l’éperon S de l’Aiguille Savoie est l’itinéraire classique du bassin de Triolet. Récemment rééquipée, la voie Favola d’amore en face SE connaît un regain d’intérêt et est utilisée come voie de descente (rappels) de la Voie Preuss

Der Österreicher Paul Preuss, geboren am 19. August 1886 in Altaussee und abgestürzt am 3. Oktober 1913 an der Nordkante des Nördlichen Mandlkogels im Dachsteingebirge, gilt als einer der besten und einflussreichsten Kletterer der Alpinismusgeschichte. Seine mutigen Solobegehungen und sein Verzicht auf Hilfsmittel (wenn möglich) machen ihn zu einem Vorbild bis heute. Insbesondere die Erstdurchsteigung der Ostwand der Guglia di Brenta in den Dolomiten am 28. Juli 1911 – allein, ohne Seil, ohne jegliche Sicherung und in nur zwei Stunden – erweckt immer noch Bewunderung. Kaum bekannt ist aber, dass Preuss auch in den Westalpen Spuren hinterliess. So eben am 13. August 1913 an der Aiguille Savoie im östlichen Montblanc-Massiv; ein Grenzgipfel zwischen dem französischen Talèfre-Becken und dem italienischen Glacier de Triolet, nur drei Kilometer Luftlinie vom Dreiländergipfel Mont Dolent entfernt.

Die Preuss-Führe an der Aiguille Savoie ist im Führer «Mont-Blanc Granite. Les plus belles voies d’escalade. Tome 6, Val Ferret» genau beschrieben, auf fünf Seiten mit Text, Topo und Fotos. Dazu noch eine Seite für die 1996 von Roberto Giovannetto, Gisa und Manlio Motto eröffnete Route Favola d’Amore; diese Liebesgeschichte erstreckt sich über 380 Höhenmeter im Schwierigkeitsgrad 6b+/6b. Insgesamt stellt dieser sechste und letzte Band aus der Reihe «Mont-Blanc Granite» 248 Routen im italienischen Val Ferret vor, das sich von Courmayeur bis zu den Grenzübergängen Grand und Petit Col Ferret erstreckt; auf ihrer Nordseite geht es durchs schweizerische Val Ferret nach Orsières hinab. Die berühmtesten Gipfel über dem italienischen Val Ferret sind Dente del Gigante und Les Grandes Jorasses. Allein die 800 Meter hohe Ostwand der Pointe Walker erscheint den vier Führerautoren als «un océan de granite».

Wir bleiben in der Gegend, wechseln aber zwischen Granit, Kalk und anderem Gestein. Klettertouren in der Haute Savoie vom Lac d’Annecy bis nach Chamonix, im Unterwallis und in den Waadtländer Alpen sowie im Oberwallis enthält die sechste Auflage des zweiten Bandes von «Schweiz Plaisir West». Allein das packende Titelbild von Sandro von Känel mit Christina von Känel an einem ockerfarbenen Felszacken im Gebiet Douves Rousses im Val d’Arolla verspricht Vergnügen und Spass. Und wer dort Mais où sont les neiges d’antan? und die fünf anderen Kletterwege erfolgreich gemeistert hat, findet in 63 weiteren Gebieten zusätzliche Plaisir-Seillängen. Nichts wie hin, im Unterwallis lässt es sich das ganze Jahr klettern, so am Pissevache und am gegenüberliegenden Pissechèvre. Mehr zum Kuhpissfall hier: https://bergliteratur.ch/balades-dans-les-gorges-de-suisse-romande/

Wir wechseln auf die Alpennordseite, ins Waadtländer, Berner und Urner Oberland. Und wir steigen bei der Schwierigkeit auf: Nun geht’s richtig zur Sache und ins Senkrechte, ja Überhängende. Die sechste Auflage des zweiten Bandes von «Schweiz Extrem West» stellt ganz grosse und berühmte Felsanstiege vor, allein 19 in der Eigernordwand. So natürlich La vida es silbar von Daniel Anker und Stephan Siegrist – nein, nein, diese Route ist nicht von mir, sondern von meinem Namensvetter und Bergführer D.A. Ich schaffte es einmal nur bis zum Einstieg der Heckmair-Route in der Nordwand, das ist vielleicht Wandern extrem, aber hat mit Klettern nix zu tun. Den Eiger kennt die halbe Welt, die Halpi-Wand im Gasterntal fast niemand. Dabei hat Erschliesser Sacha Wettstein die fünf Routen so fein getauft: Tschalpi, Halpiwahrheit oder Frölein, no es Halpeli!

Ein solches liesse sich bestimmt auch im Tessin bestellen, nur bestellt man dort nicht in dieser Sprache. Wenn schon un mezzo litro; vielleicht auch due boccalini. Im Sektor Terra di Mezzo des Klettergebietes Brontallo im Val Lavizzara allerdings wird ein anderes Getränk bevorzugt: Beer what else? Die Route gleich nebenan heisst William Shakesbeer, eine andere To beer or not to beer, die schwierigste (7b+) A tutta birra. Nicht alle der über 4000 Routen im SAC-Kletterführer «Ticino/Tessin» haben so süffige Namen. Für die fünfte Auflage mit insgesamt 93 Klettergebieten berücksichtigte Glauco Cugini sechs neue, so grad bei Brontallo, aber auch in Biasca und Olivone. Ich hätte gerne auf eine andere Favola d’Amore oder Via Preuss hingewiesen, wurde aber auf den 624 Seiten nicht fündig.

Apropos Preuss: Der diesjährige Paul-Preuss-Preis wird am 20. September 2025 in Altaussee der Österreicherin Barbara «Babsi» Zangerl verliehen. Seit 2013 überweist die Internationale Paul-Preuss-Gesellschaft diesen Preis an extreme Bergsteiger bzw. Kletterer, «die sich im Laufe ihrer gesamten bergsportlichen Entwicklung nicht nur durch herausragende Leistungen im Gebirge, sondern auch im Sinne der Philosophie Paul Preuss’ mit dem Verzicht auf technische Aufstiegshilfen dem freien Klettern verschrieben und besonders ausgezeichnet haben», so der Text auf der Website: www.paulpreuss-gesellschaft.com

Enrico Bonino, François Damilano, Julien Désécures, Louis Laurent: Mont-Blanc Granite. Les plus belles voies d’escalade. Tome 6, Val Ferret.JMEditions, Chamonix 2025. € 28,50.

Sandro von Känel: Schweiz Plaisir West. Band II. Filidor Verlag, Reichenbach 2025. Fr. 48.-

Sandro von Känel: Schweiz Extrem West. Band II. Filidor Verlag, Reichenbach 2025. Fr. 44.-

Glauco Cugini: Arrampicata/Escalade/Klettern Ticino/Tessin. Locarno / Onsernone / Maggia / Verzasca / Bellinzona / Riviera / Blenio / Leventina / Moesa / Lugano / Mendrisio. Weber Verlag, Thun 2025. Fr. 64.-, SAC-Mitgliederpreis Fr. 54.-

Aarekraft

Ein Jubiläumsbuch und ein Krimiband, darin die Aare je die Hauptrolle spielt. Aufgeschlagen am wohl lautesten Aareort in der Stadt Bern. Lose, läse, luege!

«Schaut sie euch an, die Aare! Was für ein Fluss, was für eine Macht!»

Genau das erlebte ich gestern Dienstag. Ganz zuvorderst auf der grossen Terrasse des Restaurant Schwellenmätteli in Bern, dort wo sie in einem spitzen Winkel über der Aare hängt, die vor und unter einem daher schiesst. Ohrenbetäubend ist vielleicht zu laut, aber wer auf den beiden Sesseln hockt, vom Wasser nur getrennt durch eine gläserne Balustrade, nimmt besser ein Buch mit als eine Person, um ein wichtiges Gespräch zu führen. Händchen halten geht natürlich bestens. Einfach alleine oder gemeinsam staunen über die Kraft des Wassers. Sie hautnah erleben ohne nass zu werden. Nur die paar Meter Höhenunterschied der Schwelle. Allerdings beschützt kein Sonnenschirm diesen exklusiven Logenplatz. Und so setzte ich mich dann nach einiger Zeit auf eine schattige Bank auf der Terrasse, immer noch umrauscht vom Aarewasser.

Das Eingangszitat stammt aus dem Ausgangskrimi im Erzählband «Mörderische Aare» von Sandra Rutschi. 13 kurze Krimi, 13 Tatorte entlang dem längsten ganz in der Schweiz verlaufenden Fluss, vom Grimselhospiz unweit der unteren Aarequelle bis hinunter nach Koblenz. Dort strömt die mächtige Aare in den wassermässig mingeren Rhein und verliert ihren Namen. Das stört Verena ganz fest, wie sie mit ihren Freundinnen Marietta und Claire auf der letzten Aarebrücke steht. Was die drei alten Damen dort vorhaben, ist nicht nett. Mehr sei nicht verraten, auch nicht, ob Holmes Watson findet in der Aareschlucht. Einfach lesen, Miss Rutschi versteht ihr Handwerk. Ebenfalls empfehlenswert neben dem «Schweller» in Bern die Mühlibar in Thun bei der Unteren Schleuse, das Restaurant Brücke in Niedergösgen, das Badi-Beizli im Schwimmbad Meiringen. Aber zum Baden ist die Aare dort noch viel zu kalt, im Brienzersee hingegen schwimmt es sich wunderbar, auch in der Aare in Interlaken. Viel Spass im Nass!

Und beim Lesen! Nicht nur mit Sandra Rutschi, sondern ebenfalls mit Annette Marti. Auch sie versteht ihr Handwerk. Und um Werke dreht sich ihr neues Buch, das 100 Jahre Kraftwerke Oberhasli feiert. Am 20. Juni 1925 wurden sie gegründet, die 100. General-Versammlung fand am 20. Juni 2025 statt, die Feierlichkeiten gingen gross über die Bühne in Innertkirchen an der Aareschlucht, dem Hauptort der KWO. Acht Kapitel schlägt Frau Marti in «KWOEINHUNDERT. Streifzüge durch die Welt der Wasserkraft» auf. Immer angesiedelt an einem wichtigen Ort, wie Grimsel altes Hospiz und Grimsel Spitallamm, wie Oberaar und Trift. Immer gekonnt Geschichte und Gegenwart und zuletzt auch Zukunft vermischt, immer mit ganz starken heutigen Fotos von David Birri, in Spannung gesetzt mit historischen Bildern. Zum Beispiel von den Familien, die an der Handeck leben mussten, in fast totaler Abgeschiedenheit im Winter. Zum Beispiel von der Zementseilbahn, die vom Goms über den Aargrat zum Oberaarsee ratterte. Was für Leben und Arbeiten, was für Werke! Und was für ein Werk!

Lose, läse, luege. Kann man auch ein paar Minuten oberhalb des Schwellenmätteli, im Alpinen Museum ALPS am Helvetiaplatz. In der Biwak-Ausstellung «Blubbb. Die Fundstücke des Aaretauchers Dave» (bis 21. September 2025). David Godio, der leidenschaftliche Berner Aaretaucher, fischt aus dem Fluss, was beim Schwimmen und Aareböötlen ins Wasser fällt – Designer-Sonnenbrillen, die neuesten Smartphones, wichtige Schlüssel, aber auch historische Schätze. Eine Ausstellung fast so erfrischend wie ein Aareschwumm mitten in der Stadt. https://alps.museum/ausstellungen/aarefundstuecke

Auch Zürich ist bekannt fürs Flussschwimmen in der City, das zur Zeit medial ja grad stark am Crawlen ist. Wie wenn das nicht schon mega lang mega in wäre… Item. Das Landesmuseum an der Limmat in Zürich zeigt die Videoinstallation «Wasserkraft und Widerstand. Erfahrungen Schweiz» im Landesmuseum in Zürich (bis 2. November 2025). Sie «befasst sich mit der wirtschaftlichen Dynamik, erinnert an die politischen Auseinandersetzungen und thematisiert die logistischen Herausforderungen. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mit diversen Erfahrungen rund um die Wasserkraft in den Alpen berichten von der hohen Schule der Ingenieurskunst oder von den harten Arbeitsbedingungen auf den Baustellen.» www.landesmuseum.ch/wasserkraft-widerstand

Meine Matrona: Das gibt aaremässig zu tun – ein Krimi, ein Sachbuch, eine Ausstellung ob der Aare selbst und eine an ihrem zweitgrössten Nebenfluss.

Sandra Rutschi: Mörderische Aare. Gmeiner Verlag, Meßkirch 2025. € 14,00.

Annette Marti (Text), David Birri (Bild), Alain Gruber (Gestaltung): KWOEINHUNDERT. Streifzüge durch die Welt der Wasserkraft. Hier und Jetzt Verlag, Zürich 2025. Fr. 59.-

In den Höhlen der Schweiz

Den feinen wissenschaftlichen Bildband über die Höhlen der Schweiz liest man am besten jetzt, wenn es draussen 30° und mehr ist.

«Aber am Rande des sprudelnden Quells blüh’n Alpenranunkeln,
Gritliblumen und Veilchen empor im bekräuterten Moosgras,
Und es erröten versteckt Erdbeeren im niedern Gebüsch.
Innen durchblitzt die schaurige Nacht der Kristalle Gefunkel;
Und aus der einzigen Öffnung erblickt durch schillernde Flechten
Grünender Zweig‘ und Eppiggehäng‘, anstaunend der Wandrer,
Gleichsam im magischen Spiegel, des Sees hellglänzende Küsthöhn.»

Tja, so wurde die Beatushöhle einst beschrieben. Heute hört es sich etwas prosaischer an: «Die Höhlen mit ihrem grossen Eingangsportal, das sich in die Kalksteinwand am Nordufer des Thunersees schmiegt, bieten einen malerischen und zugleich majestätischen Anblick; Wasserfälle am Höhleneingang lassen den Ort lebendig wirken.» Also immer noch: schmiegsam, malerisch, majestätisch, lebendig. Anders gesagt: besuchenswert. Bei dieser Hitze erst recht. Die St. Beatus-Höhlen gehören zu den dreizehn touristisch erschlossenen Höhlen der Schweiz. In denen es auch im Hochsommer angenehm kühl ist – Pullover mitnehmen bei einem Besuch.

Zur Anreise und Abkühlung sei Lektüre empfohlen. Weniger allerdings das Werk, aus dem die poetischen Zeilen stammen. Nämlich aus dem vierten Gesang von «Parthenaïs oder Die Alpenreise. Ein idyllisches Epos in zwölf Gesängen» des dänischen Schriftstellers Jens Immanuel Baggesen (1764–1823); das Epos erschien 1804, im gleichen Jahr wie «Wilhelm Tell», und machte für das Berner Oberland so fein Reklame wie Friedrich Schiller für die Zentralschweiz. Ich fand Baggesens Lob der Beatushöhle, zusammen mit Staubbach und Jungfrau, im Taschenbuch «Das Berner Oberland im Lichte der deutschen Dichtung» von Otto Zürcher, 1926 im Haessel Verlag in Leipzig erschienen, als 18. Bändchen der Reihe «Die Schweiz im deutschen Geistesleben». Ob diese kulturelle Verbindung die Politiker hüben und drüben kennen?

Doch jetzt sofort von draussen nach drinnen: ins Buch «In den Höhlen der Schweiz. Vom Abenteuer zur Wissenschaft» von Rémy Wenger, Amadine Perret und Jean-Claude Lalou, herausgegeben vom Haupt Verlag in Bern und vom Schweizerischen Institut für Speläologie und Karstforschung. Die vier Kapitel behandeln Geschichten aus der Unterwelt (da hat auch der heilige Beatus seinen Auftritt), den natürlichen Lebensraum (was da drinnen alles kreucht und fleucht), die wissenschaftlichen Bereiche der Höhlenforschung (wie Geomorphologie oder Hydrogeologie) sowie Abenteuer unter der Erde (Höhlentauchen, Engstellen) – wer unter Klaustrophobie leidet, sollte bei den entsprechenden Fotos weiterblättern. Allerdings: Die Bilder in diesem Buch – schon gewaltig, was es da im natürlichen Untergrund der Schweiz zu sehen gibt. Das Inventar der Schweizer Höhlen und Schachthöhlen umfasste im Jahr 2023 11‘765 Höhlen. Die längste ist das Hölloch mit 21 Kilometer, die St. Beatus-Höhlen belegen mit gut 12 Kilometern Platz zehn. Jens Baggesen hätte sich vor gut 200 Jahren also schon ein bisschen hineinwagen können und dann hoffentlich Katzengold bewundert anstatt die Erdbeeren beim Eingang… Die tiefste Höhle ist das Siebenhengste-Hohgant-System mit einer Tiefe von 1340 Metern. Dort unten ist es jetzt wunderbar kalt. Aber wehe, wenn das Wasser kommt: «Nur hoch oben donnert es stets und droht in dem Hersturz/Alles mit reißender Flut zu verschwemmen.»

Rémy Wenger, Amadine Perret, Jean-Claude Lalou: In den Höhlen der Schweiz. Vom Abenteuer zur Wissenschaft. Haupt Verlag, Bern 2024. Fr. 59.-

Eiszeiten von der Lenk zum Südpol

Die Gletscher hören nicht auf zu schmelzen. Drei Bücher erzählen eisige Geschichten, ganz nah und weit weg.

«The greatest satisfaction of this expedition was the certainty which we had thus discovered of being able to pass directly from the Gemmi to the Simmenthal. As we took the last step up the snow, all that lovely valley, with its green and sheltering mountains, burst in an instant in our view. (…) We descended to the valley by the Räzli and Amerten glaciers.»

Heute ist es nicht mehr nötig, vom Lämmerejoch (3131 m) bzw. vom nahen Wildstrubel-Westgipfel (3244 m) über Gletscher nach der Lenk abzusteigen. Ja, wenn man sich das Luftbild auf map.geo.admin.ch anschaut, dürfte es gar möglich sein, ganz ohne Eisberührung von der Gemmi ins Simmental hinüberzuwechseln. Klickt man jedoch bei der Zeitreise aufs Jahr 1858, dann ist der Wildstrubel noch ein Eisberg. So erlebten ihn am 11. September 1858 die Engländer Thomas Woodbine Hinchliff und Leslie Stephen mit dem Meiringener Bergführer Melchior Anderegg, alle ganz grosse Figuren des Goldenen Zeitalters des Alpinismus. Hinchliff beschrieb die Pass- und Gipfeltour vom Berghotel Schwarenbach nach der Lenk im ersten Band der ersten bergsportlichen Vereinspublikation, in «Peaks, Passes, and Glaciers. A Series of excursions by members of the Alpine Club» von 1859. Damals galten Passüberschreitungen fast so viel wie Gipfelbesteigungen, möglichst natürlich als erste. Darüber werde ich mich mit dem Passbuch-Autor und -fotograf Marco Volken am Samstag, 9. August 2025, um 19.30 Uhr  an der Sommer-Universität Lenk bestimmt unterhalten.

Ganz sicher waren damals Traversierungen leichter, wenn das ewige Eis noch hoch die meistens steilen und gerölligen Flanken verbarg und so ein einfaches Gehen im Schnee – trotz ein paar Spalten – ermöglichte. Tempi passati – und wie! Wie man letzte Woche in den Nachrichten hören und lesen konnte, fand der Gletscherschwundtag 2025 besonders früh statt, nämlich schon am 4. Juli. Das ist jener Zeitpunkt im Jahr, an dem der Schnee, den ein Gletscher im Winter gesammelt hat, wieder weggeschmolzen ist.

«Vom Schmelzen alter Gewissheiten»: So der Titel in «Szene Alpen», dem Themenheft Nr. 112/2025 der Cipra. «Ewiges Eis: Das war ein stehender Begriff in Geographie und Bergliteratur – für die Gletscher genauso wie für die beiden Polargebiete der Erde, die Arktis und die Antarktis. Im Jahr 2025 zeigt sich unwiderruflich, dass wir nur noch von vergangenem und immer vergänglicherem Eis sprechen können.» Bevor nun auch das letzte Eis bachab geht, hier der Hinweis auf drei eisige Bücher.

Der Tessiner Daniele Maini dokumentiert im Bildband «In cammino tra i ghiacciai» eine zweiwöchige Tour aus dem Bergell durch die Bergeller und Bernina Alpen nach Poschiavo, unternommen von mehreren Leuten im Sommer 2022 und aufgenommen von Radiotelevisione svizzera. 13 Etappen, 130 Kilometer, 15000 Meter Aufstieg, 16000 Meter Abstieg, Schwierigkeit T2 bis T6 mit einigen alpinistischen Abschnitten über Gletscher und Grate. Und mit einigen Pässen und Gipfeln; auf der elften Etappe sorgte die Traversierung des Piz Palü für den Höhepunkt der Fussreise durchs italienisch-schweizerische Gebirge. Auf den oft grossformatigen Fotos dominieren Fels und Stein, Eis und Schnee; zuweilen mal Blumen und Gras, und die Spuren der Zivilisation mit Hütten, Strassen, Bahnen. Wer noch Eis unter den Steigeisen knirschen hören will, ist gut beraten, sich in die Welt zwischen Badile und Bernina zu begeben.

Durchgehend Eis fand Aurelia Hölzer vor, die als Ärztin und Co-Leiterin der Polarforschungsstation Neumayer III im Jahr 2022 in der Antarktis überwinterte. Davon erzählt die Deutsche spannend und unterhaltsam in «Polarschimmer. Eine Welt aus Eis und Licht – 54 Wochen in der Antarktis». Tauschen möchte man nicht unbedingt, jedenfalls nicht im Winter. Doch Begegnungen mit Kaiserpinguinen könnte man sich gut vorstellen, und dass man nach einem Jahr in ihrer Gesellschaft keine Schneemänner, dafür Schneepinguine baut, ebenfalls. Ein Farbfoto zeigt die Autorin, wie sie sich an eine solche Schneefigur lehnt, die linke Hand liegt ohne Schutz auf dem Eis. Es kann dort auch weniger gemütlich sein. Auf jeden Fall eine Lektüre, die für Abkühlung sorgt, wenn uns das nächste Hitzehoch erreicht.

Coolness auch im dritten Buch. Jeannette Stangier-Bors beschreibt in «Eiskalt schwimmen. 30 magische Kaltwasser-Highlights in der Schweiz», wie warm es ihr ums Herz wird, wenn sie in eisige Seen und Flüsse taucht und darin noch schwimmt. Manchmal gar zwischen Eisblöcken, wie auf dem genialen Titelbild. Überhaupt die Fotos, die viel ausmachen, dass man das Buch ganz fasziniert trotz klammer Finger anschaut. Und klammheimlich denkt: Das müsste man bzw. frau schon mal ausprobieren. Die Sport- und Informatiklehrerin an den Schulen in Uster weiss selbstverständlich, worauf es ankommt. Und dass nicht einfach ins kalte Wasser gesprungen werden sollte. 30 Gewässer in der Schweiz (Züribiet und Graubünden je 7, Zentralschweiz 6, Ostschweiz sowie Tessin und Wallis je 5) stellt sie mit allen (wasser-)touristischen Infos genau vor, immer verbunden mit einer Wanderung. Die sich auch ohne eiskaltes Bad unbedingt lohnt, zum Beispiel im Sommer… Das Gries-Seeli am Klausenpass ist gar erst ab Juni beschwimmbar. Der See entstand wegen des Abschmelzens des Claridengletschers; für einmal hat die Klimaerwärmung etwas Gutes – wenn gerne bei maximal 5 Grad gebadet wird.

Baden kann man auch in der Lenk, sogar kalt baden. Zum Beispiel im Rezligletscherseeli. Das gab’s noch nicht, als Hinchliff mit seinen Gefährten nach der Lenk abstieg und glücklich über den gefundenen Übergang von einem Tal ins andere war. Mehr zu Pässen also im Vortrag «Über die Alpen – Grosse und kleine Pässe zu Fuss entdecken» von Marco Volken und im Gespräch dazu mit Daniel Anker im neuen Kulturhaus Lenk, das am Wochenende vom 8. bis 10. August im Rahmen Sommer-Universität Lenk offiziell eröffnet wird: www.kulturlenk.ch/de/sommer-universitaet-aktuell. Nichts wie hin, bevor der letzte Schneefleck am Schneehorn beim Lenkerstrubel verschwunden ist.

Daniele Maini: In cammino tra i ghiacciai. Val Bregaglia – Engadina – Valposchiavo. Fontana edizioni, Pregassona-Lugano 2023. Fr. 50.-

Aurelia Hölzer: Polarschimmer. Eine Welt aus Eis und Licht – 54 Wochen in der Antarktis. Malik Piper Verlag, München 2024. € 22,00.

Jeannette Stangier-Bors: Eiskalt schwimmen. 30 magische Kaltwasser-Highlights in der Schweiz. AS Verlag, Zürich 2024. Fr. 42.80.

Alle «Bücher der Woche» unter: www.bergliteratur.ch

Alpen Appelle

Das Leben in den Alpen wird wärmer, härter und gefährlicher. Was können Flachländer, Bergler und Schneehasen dagegen machen? Drei neue Publikationen geben Antworten.

«Der seit der Eiszeit entstandene Naturcharakter des Berges verschwindet, wo es Skipisten gibt. Damit hat sich der Natursport Skifahren weitestgehend von seinen Ursprüngen zu einem technikbasierten Sport emanzipiert. Und genau darum hat gerade der vermeintliche Natursport Skifahren auch diese besondere exemplarische und symbolische Bedeutung. Frau Holle gibt es nur im Märchen, den Winterzauber fast nur noch in der Werbung und den Pulverschnee auf Skipisten nur in den Köpfen.»

Schlimmer noch, wenn wir in der Streitschrift von Georg Bayerle zur düsteren Zukunft der Alpen weiterlesen. Sie leiden bekanntlich besonders unter dem von uns verursachten Temperaturanstieg. Daran kann auch der Schnee bis 2000 Meter, den der Wetterbericht vorgestern gemeldet hat, nichts ändern. Georg Bayerle, Spezialist für Berge und Umwelt beim Bayerischen Rundfunk, schreibt in seinem aufrüttelnden Taschenbuch «Der Alpen Appell. Warum die Berge nicht zum Funpark werden dürfen», dass in der Terminologie der Pistenbetreiber der technisch hergestellte Schnee «gleichsam zu einer Schneevariante naturalisiert wird – so wie Speicherbecken im Sommer als eine Art Bergsee-Kopie inszeniert werden, ungeachtet des vorausgegangenen Eingriffs und der implantierten Betonschale in der Landschaft. Freilich ist es im Winter ästhetisch schöner, wenn die Landschaft schneeweiß ist, statt künstlich oder eben technisch erzeugte weiße Bänder auf braungrünen Bergen zu sehen.»

Georg Bayerle analysiert auf 160 Seiten schonungslos den Zustand eines immer fragiler werdendes Ökosystems, hinterfragt die auf reiner Ausbeutung basierende Alpenökonomie – und zeigt Wege für die Zukunft auf, wie wir das grossartige Gebirge mitten in Europa doch noch vor uns (halbwegs?) retten könnten. Als Alpenkenner, Filmemacher und Journalist hat er die mit oft sehr fragwürdigen Methoden durchgezogene Erschliessung und Vereinnahmung der Alpen seit mehreren Jahrzehnten im Blick, und das privat wie beruflich. Allerdings werden viele Anmahnungen wohl verpuffen, das schlechte Gewissen der Touristen und der Anbieter reicht meistens nur bis zum nächsten Hoch bzw. Tief (in der Kasse). Trotzdem oder erst recht: lesen! Der Bayerle hat gut Platz im Wander-, Kletter-, Hoch- oder Skitourenrucksack. Für die Pistenflitzer gibt es ihn als E-Book.

Ebenfalls wenig Platz braucht das Juliheft von NZZ Folio. Der Fokus richtet sich auf das Überleben am Berg: «Wenn die Heimat ins Rutschen gerät». Was leider immer häufiger passiert, zuletzt mit dem Bergsturz in Blatten und in diesen Tagen wieder verstärkt mit Brienz GR. Dazu im Heft das ausgezeichnete Interview mit dem Burgdorfer Gebirgshistoriker und Bergprofessor Jon Mathieu unter dem Titel «Straft Gott, oder schlägt die Natur zurück?» Die drei andern tiefschürfenden Artikel erzählen vom Dorf Braunwald im Glarnerland, das ums Überleben kämpft; vom Schneehasen, der ganz besonders unter dem immer wärmeren Klima leidet. Schliesslich verrät Flurin Clalüna, der im Bündner Passdorf Bivio aufgewachsen ist, wie viel Bergler in ihm als heutigem Zürcher noch steckt. Doch sind wir Schweizer und Schweizerinnen nicht alle ein bisschen Bergler – am 1. August noch ein Fähnchen mehr?

Die dritte empfehlenswerte Publikation dieser Woche taugt nur fürs Sofa oder Balkonien. Martin Nydegger, Direktor von Schweiz Tourismus, und Hansruedi Müller, emerierter Leiter des Forschungsinstitutes für Freizeit und Tourismus an der Uni Bern, widmen sich in «Unterwegs. Begegnungen und Reflexionen zum Tourismus» 20 Themen, von der Resilienz über Ästhetik oder Overtourismus bis zur Diversifikation. Zusammen mit 20 Schweizer und internationalen Persönlichkeiten entfaltet sich ein facettenreiches Panorama aus Diskussionen, Einschätzungen, Erkenntnissen und Tabellen. Einer dieser befragten Fachleute ist Reto Knutti, Ordinarius für Klimaphysik an der ETH Zürich und Hauptautor von zwei Berichten des Intergovernmental Panel on Climate Change (gehört wohl nicht zur Lieblingslektüre des bekanntesten Golfspielers der Welt). Hervorgehobenes Zitat von Knutti: «Zu glauben, dass in gefährdeten Gebieten der Wintersport mit finanziellen und technischen Mitteln zu retten ist, zeigt, dass man im Tourismus noch immer zukünftige Realitäten nicht wahrhaben möchte. Mit der Physik kann man nicht verhandeln! Es wird zu warm, um zu beschneien. Unterhalb von 1500 Metern über Meer sollte nicht mehr in den Wintersport investiert werden.»

Georg Bayerle: Der Alpen Appell. Warum die Berge nicht zum Funpark werden dürfen. Tyrolia-Verlag, Innsbruck 2025. € 20,00.

Überleben am Berg: Wenn die Heimat ins Rutschen gerät. NZZ Folio Nr. 374, Juli 2025. Fr. 13.10. Erhältlich an grösseren Kiosken. Und: www.nzz.ch/folio.

Martin Nydegger, Hansruedi Müller: Unterwegs. Begegnungen und Reflexionen zum Tourismus. Weber Verlag, Thun 2024. Fr. 49.-