Bärnbiet

Ob weit- oder kurzwandern, ob flanieren oder dinieren: im grossen Kanton Bern geht alles bestens. Vier Publikationen kennen die Wege.

«Bärnbiet, Bärnbiet, du my liebi Heimat.
Schöner, schöner cha’s ja niene sy.
I ha geng chly Fröid gha dranne,
Dass i o ne Bärner bi.»

Jakob Ummel, geboren 1895 in Ittigen bei Bern, 1992 gestorben in Kühlewil ob Kehrsatz bei Bern, war Sänger und Komponist von Jodelliedern. Sein bekanntestes Lied ist „Bernbiet“. Den hier zitierten Refrain dieser heimlichen Hymne des Kantons Bern singe ich manchmal auf einem (Berner) Gipfel, aber nur den Text; das Jodeln misslingt jedesmal gründlich. Doch nun jodeln wir in anderen Tönen: mit vier neuen Publikationen, die uns das Bernbiet schön erschliessen.

Im April 2022 wurde die Via Berna eröffnet, ein 300 Kilometer langer, durchgehend markierter Fernwanderweg mit der Nummer 38. Er führt von Bellelay im Berner Jura über Biel, Bern und Thun bis auf den Sustenpass, in zwanzig Etappen mit Längen von 10 bis 24 Kilometern. Die von den Berner Wanderwegen erarbeitete Route ist schweizweit der erste Weg, der die Vorgaben des europäischen Labels „Leading Quality Trails“ erfüllt. Die Kriterien betreffen unter anderem landschaftliche Abwechslung, Signalisation, Wegunterhalt, Anbindung an den öffentlichen Verkehr, Einkehr- und Unterkunftsmöglichkeiten. Die Via Berna wandert jetzt also mit im exklusiven Angebot wie bereits der Moselsteig oder der Donauberglandweg in Deutschland; hier die Übersicht www.era-ewv-ferp.org/de/lqt/. Das Wandermagazin Schweiz gab eine Spezialausgabe „Via Berna. In 20 Etappen durch den Kanton Bern“ heraus; mit www.viaberna.ch ist man ebenfalls dabei.

Einen eigenen Bernerweg publizierte der Berner Journalist und Buchautor Peter Krebs. Im „Anzeiger Region Bern“ veröffentlichte er 2020 Woche für Woche „La Grande Boucle de Berne“, einen ausgedehnten Weitwanderweg rund um die Hauptstadt mit Start und Ziel in Laupen. 2021 erschien das gleichnamige Buch, 270 Seiten mit vielen starken Fotos. Die 25 Etappen verlaufen auch mal jenseits der Kantonsgrenze und zuweilen abseits markierter Wanderwege. Aber man findet sich immer zurecht, denn der Wegverlauf ist in elektronischer Form bei Schweiz Mobil hinterlegt. Allerdings, und das ist Besondere an diesem Führer: Peter Krebs schreibt so erfrischend und die Hintergrundtexte sind so spannend, dass sich die grosse Berner Rundfahrt ebenfalls bestens beim Baden im Marzili, am Neuenburgersee (ein Stück dieses grössten Binnensees der Schweiz gehört ja zu BE), an der Emme oder an der Suld im gleichnamigen Tal im Berner Oberland absolvieren lässt.

Im Suldtal rauscht mächtig das Wasser der Suld und des Latrejebachs; letzterer bildet einen der beiden Pochtenfälle im Berner Oberland. Der andere tost bei der Griesalp im benachbarten Kiental. Derjenige im Suldtal hat die Nummer 73 (von insgesamt 80) erhalten im Buch „Glücksorte im Berner Oberland“ von Blanca Burri und Sabine Reber, herausgekommen in der Reihe „Fahr hin & werd glücklich“ des Düsseldorfer Droste Verlages. Das können wir mit den beiden Begleiterinnen tatsächlich werden, auch wenn die Orientierung nicht ganz easy fällt (so fehlt ein thematisches Inhaltsverzeichnis), auch wenn zuweilen ein falscher Ton erklingt (die Mönchsjochhütte ist nicht die „höchste Berghütte der Welt“; allein in der Schweiz liegen drei Hütten höher). Doch selbst für jemanden, der das Oberland gut zu kennen glaubt, hält der Führer Überraschendes bereit, so das Berghotel „Zur Sau“ in Abländschen, die Cholerenschlucht bei Adelboden oder die Permakulturgärten auf der Schweibenalp. Unbekannte Ecken im Mekka des Alpentourismus.

Ein paar Schritte weniger berühmt als das Berner sind Bündner, St. Galler und Züri Oberland. Doch wer kennt schon das Freiburger oder Urner Oberland, vom Zuger Oberland ganz zu schweigen? Das Solothurner Oberland ging gar ganz bachab. Das Waadtländer Oberland hingegen ist als Pays d’Enhaut ein Begriff und grenzt im Saanenland an das mit Abstand grösste Oberland des Landes, das Oberland bernois mit 2960 km2. Zusammengezählt umfassen die neun Oberländer 6742 km2 der Schweiz, also rund einen Sechstel der Landesfläche. Da lässt es sich gut wandern, zwischen Thun und Gemmi, Gstaad und Susten erst recht. Der Band „Berner Oberland“ aus der Schnapszahl-Wanderführer-Reihe von Jochen Ihle und Toni Kaiser in den Solothurner Rothus Medien stellt 55 Klassiker vor, mit den nötigen (wander)touristischen Infos, mit Kärtchen und farbigen Fotos. Leider sind nicht ganz alle Touren öV-tauglich, und zur Eigernordwand gäbe es anstatt der Fake-News-durchsetzten „Die Weisse Spinne“ empfehlenswertere Rucksacklektüre. Singen liegt aber drin, zum Beispiel mit dem Vogel-Lisi: „Ds Bärner Oberland isch sch-ö-ön.“

Via Berna. In 20 Etappen durch den Kanton Bern. Spezialausgabe Wandermagazin Schweiz. Rothus Medien, Solothurn 2022, Fr. 14.80.

Peter Krebs: La Grande Boucle de Berne. In 25 Etappen um die Hauptstadt. Scribentes Media, Belp 2021. Fr. 24.90.

Blanca Burri, Sabine Reber: Glücksorte im Berner Oberland. Droste Verlag, Reihe „Fahr hin & werd glücklich“, Düsseldorfer 2022, € 15,00.

Jochen Ihle, Toni Kaiser: Die 55 schönsten Wanderungen im Berner Oberland. Rothus Medien, Solothurn 2022, Fr. 18.90.

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