Bergfahrt Festival Bergün

Nicht verpassen, das dritte Bergfahrt Festival in Bergün. Für Zugslektüre ist gesorgt.

«Am Samstagabend um halb sechs Uhr treffe ich mit grosser Verspätung im Bahnhof in Göschenen ein, wo mich mein Klettergefährte Hansruedi Horisberger erwartet. Nach kurzer Begrüssung streben wir mit Riesenschritten der Göscheneralp zu. Höchste Eile ist geboten.»

So zügig beginnt der Artikel „In den Türmen des Salbitschijen. 24. September 1961“ auf Seite 162 in der Vierteljahreszeitschrift „Die Alpen“ des Schweizer Alpen-Clubs. Die Autourenzeile lautet: „Emil Zopfi, Gibswil ZH“. Der Einstieg in eine höchst erfolgreiche Laufbahn als (Berg)-Schriftsteller. Die Klammer ist bewusst gesetzt. Denn Zopfi schrieb und schreibt bei weitem nicht nur Gebirgiges. Aber der Salbitschijen-Text war sein erster, der gedruckt wurde. Insofern schon ein Felshaken, den der Emil damals eingeschlagen hat. Der Bericht über eine Begehung des Südostpfeilers am zweiten Westgratturm macht auch den Auftakt seines nur in wenigen Exemplaren gedruckten Buches „Die Wand ist das Ziel. Geschichten, Reportagen, Erinnerungen aus den Bergen 1962–2016“. In der Auffahrts-Woche nun feiert Emil Zopfi sechzig Jahre Schreiben über die Berge, am Bergfahrt Festival in Bergün vom 26. bis 29. Mai 2022. Er gründete ja dieses Festival; zum 100. Geburtstag des Dichters und Alpinisten Ludwig Hohl organisierte er die „Bergfahrt 2004“, einen Tag mit alpiner Literatur, im glarnerischen Richisau.

Und jetzt also das dritte „Bergfahrt Festival Bergün/Bravougn – Cultura alpina“, mit einem ebenso hochstehenden wie breitgefächertem Programm in allen Stilen, Farben, Tönen und Lagen, von Abenteuer Alltag und Alpensuite über Das Dorf der Nichtschwimmer, Fake News am Berg und Letzte Bergfahrt/Après-Lift bis Emil Zopfi und Zumthor (nicht der Architekt, sondern der Schlagzeuger). Auf in die Ferienecke der Schweiz, aber nicht nach Davos, sondern nach Bergün

Und was lesen wir auf der Fahrt dorthin? Für die Heimreise haben wir ja dann hoffentlich ein neues Buch im Gepäck, signiert von den AutorInnen vor Ort. Drei Vorschläge. Erstens: „20/21 Synchron. Ein Lesebuch zur Literatur der mehrsprachigen Schweiz von 1920 bis 2020“, ausgewählt und herausgegeben von Charles Linsmayer (Th. Gut Verlag, 2022, Fr. 39.-); von Arno Camenisch, Christoph Simon und Franz Hohler sind Texte drin, und ein unglaublich dichter von Reto Hänny über einen Schneesturm am Glaspass. Zweitens: „Un Mensonge à l’Everest. Larzac, amour libre, mort blanche et Tibet sacré“ von Jean-Michel Asselin (Éditions Glénat, 2022, € 20,00); irgendwie verrückte und verzwackte, mehr oder minder wahrhaftige Geschichten vom Massif central über das Montblanc-Massiv bis ins Tibet, mit einem grausam-starken Bericht über eine versuchte Winterbegehung der Voie des Suisses in der Nordwand der Courtes. Drittens: Natürlich ein Buch von Emil Zopfi, zum Beispiel „Steinschlag“ (Limmat Verlag, 2002, Fr. 34.-), den ersten Krimi um die Bergführerin Andrea Stamm. In den „Alpen“ des SAC stellte ich den Krimi vor und schloss meine Besprechung mit der Frage ab, ob sie wohl durchkommen wird, wenn sie alleine in die winterliche Westwand der Sila einsteigt.

www.bergfahrtfestival.ch

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