Betsy Berg

BB im Gebirg! Inspiriert von Büchern und Bonatti macht sich Betsy Berg auf den Weg in eisigen Höhen und zu sich selbst. Ein alpiner Entwicklungsroman in 41 Szenen von Christine Kopp, im Manga-Stil von Esther Angst illustriert. Nicht nur kletternde Frauen, sondern auch alpine Literatur sammelnde Grossväter freuen sich über das stilvolle Weihnachtsgeschenk.

„Betsy Berg war 40, als sie zu den Bergen fand.
Ihr Grossvater hatte ihr ein Jahr zuvor bei seinem Tod im hohen Alter seine ganze Bergliteratur vermacht, immerhin eine siebzehn Laufmeter umfassende Sammlung. Trotz ihres Namens hatte sich Betsy noch nie viel aus dem Thema gemacht. Nun aber sah sie sich gezwungen, ein neues Büchergestell zu kaufen und auch, die unzähligen Werke zu durchstöbern – auf der Suche nämlich nach Gründen, warum ihr geliebter Grossvater stets mehr Zeit in den Bergen als mit ihr verbracht hatte. Mit der ihr eigenen Systematik kämpfte sie sich durch dicke und dünne Bände mit Titeln wie «Den Bergen verfallen», «Nie zurück», «Vor den Toren des Himmels», «Poeten des Abgrunds», «Klettern ist mein Beruf», «Was der Berg ruft», «Bergsüchtig» und «Kompromisslos nach oben».
Betsy brauchte elf Monate für 44 Bücher. Im zwölften Monat, inzwischen 41 Jahre alt, las sie den ersten Satz in «Berge meines Lebens» von Walter Bonatti: «Es gab von Anfang an keine bessere Welt, um mich zu formen, als die Berge.» Sie wurde stutzig, las weiter: «Sie erlaubte mir, mich zu vergleichen und zu messen, zu erfahren und zu lernen – ein jedem Menschen angeborenes Bedürfnis.» Da schien sie zu begreifen. Gut, lieber Nonno, dachte sie, ich weiss, dass du nie verstanden hast, warum ich mich in meiner Freizeit lieber mit Mode, Martini Dry und Männern als mit Gipfeln und Graten beschäftige. Ehrlich gesagt, viel weiter bin ich dabei nicht gekommen. Deshalb werde ich nun zu deinen Ehren einen anderen, nämlich deinen Weg versuchen: jenen der Berge. Schliesslich war dein Vermächtnis wohl nicht ganz ohne Hintergedanken.
Gedacht, getan. Betsy Berg mochte in gewissen Belangen bequem sein; wenn sie sich aber einmal zu etwas entschlossen hatte, zog sie ihr Ding durch. Wie fange ich an, fragte sie sich, denn bis anhin kannte sie die Berge nur aus der Ferne – etwa von dem Hügel aus, auf den sie regelmässig joggte – und neuerdings aus Büchern. Allein in die Berge? In der Gruppe? Mit Bergführer? Und was sollte sie jetzt, Ende Winter, als Erstes ausprobieren? Klettern in der Halle oder Skitouren? Sie entschied sich für Letzteres; das Klettern konnte bis zum Sommer warten, und zudem schienen ihr Skitouren näher an der Welt der Berge zu sein, von der Bonatti geschrieben hatte: «Dort oben fühlte ich mich von einem Unternehmen zum anderen lebendiger, freier, wahrer: also verwirklicht.»
Am 8. März meldete sich Betsy Berg für einen Skitouren-Einführungskurs an.“

Höchste Zeit, dass Betsy dem Ruf der Berge folgt. Eigentlich hätte sie sich schon jetzt für den Skikurs anmelden sollen, jetzt, wo es richtig Winter geworden ist in der Schweiz. Wo ihre Erfinderin im Hodlersaal im Alpinen Museum in Bern zu Gast ist. Und vorliest, wie es Betsy ergeht, im Einführungskurs, in den Bergen, im Leben überhaupt. Einige Leser werden sich vielleicht an die Alpinnovizin erinnern. Betsy Berg war die Hauptfigur in der Kolumne von Christine Kopp auf ihrer Alpinismusseite in der „Neuen Zürcher Zeitung“ zwischen 2005 und 2007.

Betsy ist also wieder da, diesmal in Buchform. Und noch immer in Form. Immer besser, müsste man sagen. Denn sie wird im Laufe der 41 Folgen zu einer richtigen Bergsteigerin. Einer, die sagt, was sie denkt. Manchmal gefällt das nicht allen, vor allem den Männern nicht. Aber dann gefällt Betsy einem doch ein bisschen mehr als bloss Zweite oder Erste am Seil. Wie das Leben halt so spielt zwischen Tal und Berg.

Nach dem 2009 erschienenen Buch „Schlüsselstellen – 49 Geschichten aus den Bergen“ liegt nun sozusagen ein alpinistischer Entwicklungsroman von Christine Kopp vor. Wunderbar illustriert von Esther Angst. Sie wird an der Lesung von Christine & Betsy nicht dabei sein können. Seit Januar 2012 ist sie zusammen mit ihrem Freund Christoph auf einer Fahrradweltreise, zur Zeit irgendwo zwischen China und Vietnam. Auch Betsy zog es in die Fremde. Nach ihrer Besteigung des Kilimandscharo fragte sie einen Einheimischen, ob er auch schon oben gewesen sei? Seine Antwort: „What for?“

Christine Kopp: Betsy Berg. 41 Geschichten aus Berg und Tal. Mit 20 Illustrationen von Esther Angst, 2012, Fr. 28.- Infos und Bestellungen unter www.filidor.ch oder/und www.christine-kopp.ch. Das Buch wird portofrei an Private verschickt.

Am Mittwoch, 5. Dezember 2012 um 19 Uhr, liest Christine Kopp aus ihrem neuen Buch im Alpinen Museum der Schweiz (ALPS) in Bern; www.alpinesmuseum.ch.

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