Con gli sci per la Svizzera italiana

Ein Werk von Don Augusto Giugni, dem Pfaffen, der Ski und Felle, Seil und Haken, Stift und Kamera griffbereit neben der Bibel hielt – mamma mia, che bello!

don-augusto-giugni-003“E paesaggio dolcissimo dall’altra parte, ove si dispiegano i vasti e ondulati campi sciabili, con piste d’ogni gradazione, fra dossi e avvallamenti sinuosi, fra pianori e chine; campi inondati di solo per ben otto ore al giorno, validamente protetti dai venti dalla catena della Costa, e bellamente trapuntati di pini regolari e di tormentate cembre…”

Capito? Vielleicht nicht ganz alles. Aber „vasti e ondulati campi sciabili” doch gewiss – weite und gewellte Skifelder oder Skihänge. Gemeint sind hier diejenigen von Dötra zwischen Lukmanier und Olivone. Paesaggio dolcissimo: zwei Wörter, ein Gedicht. Wäre es doch schön, nun in der südlichen Februarsonne im Pulverschnee über die sanften Hänge zu gleiten, zwischen den Kiefern und den verzworgelten Arven hindurch, den kalten Wind an der Nasenspitze?

Einer hat das erlebt, immer wieder: Don Augusto Giugni (1898 – 1967), Pfarrer von Locarno, Hohepriester des Bergsteigens sommers wie winters. Hütten und Gipfelkreuze hat er eingeweiht, Erstbegehungen gemacht (so am Pizzo del Prévat), Artikel in der SAC-Zeitschrift „Die Alpen“ geschrieben. Und ein Skibuch: „Con gli sci per la Svizzera italiana“, 1939 erschienen, gewidmet den “amici della montagna“. Eines meiner liebsten Ski- und Tessinbücher zugleich. Der Pfaffe, der Ski und Felle, Seil und Haken, Stift und Kamera griffbereit neben der Bibel hielt – mamma mia, che bello!

don-augusto-giugni-005Sein Buch entdeckte ich vor rund 20 Jahren. Im 1994 veröffentlichten  Wochenendskitourenführer „Zentralschweiz – Tessin“ zitiere ich jedenfalls Don Augusto Giugni. Bis gestern hatte ich das Buch nur als Fotokopie des Exemplars aus der Nationalbibliothek in Bern. Immer wieder suchte ich im Internet nach einem Exemplar – ohne Erfolg. Aber gestern schenkte mir Andrea Porrini, Historiker aus Lugano, der eine Doktorarbeit über den Schweizer Alpen-Club schreibt, ein Exemplar von „Con gli sci per la Svizzera italiana“. Er hatte im Artikel über Schneeschuhtouren am Lago Maggiore aus dem Januarheft der „Alpen“ gelesen, dass mir das Original fehlte.

Ein Kapitel in diesem 98seitigen, mit schwarz-weissen Fotos und einer Zeichnung (auf der Rückseite) illustrierten Buch und Führer ist den Skibergen im Val Colla im Hinterland von Lugano gewidmet: dem Gazzirola (2116 m) und dem Monte Bar (1816 m). Allein besuchte Don Augusto beide an einem sonnigen Neuschneetag – es wird kein Sonntag gewesen sein… Wie er abends im Bähnli (heute ist es der Bus) von Tesserete nach Lugano zurückfährt, schliesst er die Augen und erlebt noch einmal all dieses Licht dort oben im Schnee: „Sono contento.“ Wie wahr!

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