Der Berg kam, der Peak ruft

Comic in Elm, Comic in Luzern. Die Fumetto Festival feiert diese eigenständige Kunstform seit 1992, dieses Jahr zum Thema Peak. Eine neue Graphic Novel schildert den verheerenden Bergsturz von Elm.

«Schwerer Bergsturz! Himmelherrgott! Sieht fast so aus, als ob das Schieferwerk betroffen ist, womöglich auch die Werkhütten und Schiefermagazine! Kommt schnell! Wir müssen schauen, was noch zu retten ist.»

Beat Rhyner, Bauer und als Bannleiter verantwortlich für den Gemeindewald von Elm im Glarnerland, steht mit entsetztem Gesicht in der Tür der Wirtschaft zur Meur. Es ist Sonntag, 11. September 1881, 17.15 Uhr. Der erste Bergsturz hat eben Werkhütten, Schiefermagazine und auch die Wirtschaft zum Martinsloch verschüttet. Um 17.32 kommt der zweite, grössere Bergsturz, erfasst mehr Häuser und Menschen. So auch Beat Rhyner, der im zuerst verschütteten Abschnitt helfen wollte. Seine Frau und zwei seiner fünf Kinder sterben nur wenige Meter von ihm entfernt in ihrem Haus, direkt hinter dem Gasthaus zur Meur. Um 17.36 kommt der dritte Bergsturz. Insgesamt zehn Millionen Kubikmeter Felstrümmer erstrecken sich in einem zwei Kilometer langen Schuttstrom das Tal hinunter. 114 Tote; 103 Menschen behält der Berg für immer begraben. 83 vernichtete Gebäude. Der Bergsturz von Elm war etwas kleiner als derjenige von Blatten im Lötschental (2025) und deutlich kleiner als diejenigen von Randa (1991) und Goldau (1806). Aber er war selbstverschuldet: rücksichtsloser Abbau von Schiefer am Tschingelberg.

Das schildert die Graphic Novel «Teufelsberg» von Esther Angst. Die Illustratorin lebt und arbeitet in Rüti im Kanton Glarus, kennt also Land und Leute. Und die Geschichte dieser Katastrophe, dieses einschneidenden Ereignisses im ländlich-industriellen Glarnerland: die Hoffnungen auf Verdienst, und die Gier, mit den damals gesuchten Schieferplatten gutes Geld zu machen. Wie Esther Angst das Alles nun in Bild und Wort umgesetzt hat: grossartig und furios, präzis und prägnant. Da leidet und hofft man mit, da zuckt man zusammen, wenn der ausgehöhlte Berg nach tagelangen Regenfällen zu stürzen beginnt: zuerst nur mit Steinschlag, zuletzt in drei vernichtenden Schlägen.

Schlag auf Schlag, Zeichnung auf Zeichnung, Geschichten in Bild und Wort: Darum geht es im Fumetto Comic Festival Luzern vom 7. bis 15. März 2026. Diese 1992 erstmals durchgeführte Veranstaltung präsentiert jeden Frühling während neun Tagen in Luzern die wichtigsten Comic-KünstlerInnen und Nachwuchstalente aus der ganzen Welt. Das Festival macht mit seinen rund 8 Haupt- sowie 50 Satelliten-Ausstellungen den Comic für Erwachsene, Jugendliche und Kinder erlebbar. Die Ausstellungsorte sind über die ganze Stadt Luzern und Agglomeration verteilt.

Thema in diesem Jahr: PEAK. Und so wurden die ZeichnerInnen eingeladen: „Erzählt uns von Höhepunkten und Gipfelerlebnissen, von steilen Aufstiegen, jähen Abstürzen und Berg- und Talfahrten aller Art. Wir suchen Comics über Baumgrenzen und Basislager, über Après-Ski, Enzian und Edelweiss. Vielleicht wird’s aber auch fantastisch mit Yetis, oder – gar nicht mehr alpin – metaphorisch mit Sisyphos? Ist der Peak längst erreicht, und es geht nur noch bergab – mit Klimakatastrophe, Bergrutsch und Gletscherschmelze? Ob steinig oder sanft, ob Alpenglühen oder globaler Kollaps, vom Fujiyama, Uluru, Rigi oder Pilatus.“

Rekordverdächtige 1647 Einsendungen aus 61 Ländern rund ums Thema PEAK gingen in Luzern ein. Neben der digitalen Präsentation aller Einsendungen zeigt die Ausstellung die Shortlist mit den 50 besten Arbeiten aus drei Alterskategorien im Original. Der Comic von Lawrence Grimm schildert in «Raum & Zeit & Berg» den Berg Fritze auf einer Seite mit zwölf Panels. Das sechste zeigt ihn beim Auseinanderbrechen: «Bloss, es kommt noch schlimmer. Armageddon! Donner! Blitze!»

Esther Angst: Teufelsberg. Baeschlin Verlag, Glarus 2025. Fr. 29.80.

Fumetto Comic Festival Luzern: https://fumetto.ch/exhibitions/peak

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