Die schönsten Brockis der Schweiz

Wenn Sie noch kein Weihnachtsgeschenk gefunden haben, dann schenken Sie doch dieses schöne Buch – mit ihm werden die Beschenkten bestimmt fündig. Sie selbst natürlich auch. Am Fusse des Glärnisch so gut wie hinter den 77 Geleisen in Zürich.

„Kurz hinter Glarus, der selbsternannten kleinsten Hauptstadt der Schweiz, schwingt sich die Strasse zum Klausenpass sanft hinauf, in Richtung eines Weilers mit dem bezaubernden Namen Mitlödi. Fast könnte man sie verpassen: die Abfahrt links herab zum Schweizerhaus. Dort, mitten in den Matten, liegt das Toni-Brocki. Wer sich an das gleichnamige Milchfabrik-Areal in Zürich erinnert fühlt, liegt falsch. Hier lockt die Provinz. Kommt man im Sommer, hört man mit grosser Wahrscheinlichkeit Kuhglocken läuten, Insekten summen, und man schaut zum Glärnisch hoch, der einem wie eine pompöse Theaterkulisse vor der Nase emporwächst. Im Winter bläst der Wind mit der Linth, und es ist kalt, draussen und manchmal auch drinnen. Sollen wir überhaupt rein? Ja, wir sollen!“

Und nicht nur in die Brockenstube von Toni im Gebirgskanton Glarus müssen wir hinein. Nein, auch in die Brocki im Zeughaus Brig, also präzis dorthin, wo im November jeweils die BergBuchBrig stattfindet. Selbstverständlich ebenfalls zu dem in einem Hotel ausgestellten Trödlermarkt in Goldswil, dem Alpinistenwohnort bei Interlaken – Roger Schäli und Stephan Siegrist sind zwar eher in der Eigernordwand anzutreffen. Das Brockenhaus auf dem Brünigpass liegt ohnehin an unserem wintersportlichen Weg: Die Schneeschuhtour über Ochsen und Schafplätz lassen wir mit dem Kauf einer Kuhglocke ausklingen, die Abfahrt vom Gibel feiern wir mit der Anschaffung einer alten Skiausrüstung. Diese Gegenstände hat der Grümpel-Sepp vom Brünig mehrfach auf Lager. Und sie sind im druckfrischen Bildband „Die schönsten Brockis der Schweiz“ abgebildet.

Ein Buch über Brockenstuben also – das erste Buch zu diesem Thema überhaupt. Es kommt zur richtigen Zeit. Nur ein paar Stichworte: Recycling, Zero Waste, Nachhaltigkeit und soziales Engagement. Iris Becher und David Knobel (Text), Sasi Subramaniam (Fotos) präsentieren einundzwanzig besondere Brockenhäuser aus der Deutschschweiz. Ausladende Bilder und einladende Texte führen uns durch Räume voller spannenden Gegenstände und Geschichten. Portraits von Mitarbeitenden geben Einblick ins Engagement und Leben der in den Brockenstuben tätigen Menschen. Im Anhang finden sich Infos über Organisation, Besonderheiten, Öffnungszeiten und Erreichbarkeit der jeweiligen Institution. Ein einleitender Essay führt in Geschichte und Begriffsgeschichte der Brockenstuben ein. Und: Stories von Alex Capus, Tim Krohn und Franz Hohler runden den von Urs Bolz wie gewohnt grossartig gestalteten Bildband ab. Wenn Sie noch kein Weihnachtsgeschenk gefunden haben, dann schenken Sie doch dieses schöne Buch – mit ihm werden die Beschenkten bestimmt fündig. Sie selbst natürlich auch. Am Fusse des Glärnisch so gut wie hinter den 77 Geleisen in Zürich.

Iris Becher und David Knobel (Text), Sasi Subramaniam (Fotos): Die schönsten Brockis der Schweiz. AS Verlag, Zürich 2019, Fr. 48.-

Vernissagen: Am Freitag, 29. November 2019, 18.30 Uhr in der Bärner Brocki am Hofweg 5 in der Lorraine; die Bärner Brocki ist das älteste Brockenhaus der Schweiz, es eröffnete am 1. Dezember 1895 in der Nägeligasse 1 in der Berner Altstadt seine Türen.
Am Samstag, 14. Dezember 2019, 15.30 Uhr, in der Brockenstube Toni in Schweizerhaus, Glarus-Mitlödi.

Und: Am Mittwoch, 27. November 2019, 17–21 Uhr, findet in der Heiteren Fahne an der Dorfstrasse 22/24 in Wabern bei Bern der Alpinflohmi von Mountainwilderness und Public Eye statt. Ein Flohmarkt, auf welchem Privatpersonen gebrauchte Bergsportausrüstung anbieten respektive erwerben können. www.dieheiterefahne.ch/events/662/27-11-2019/alpinflohmi

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