Aus Schweizer Verlagen stammen die drei Bücher aus den Bergen, in denen ein Dach über dem Kopf (über)lebenswichtig ist. Es kann aber auch zu dick sein.
«Benvenuto a casa, Maria», grüsst Basilio seine Nichte.
«Buon giorno, Zio.»
«Es freut mich sehr, dass du gekommen bist», fügt der Alte an. Er legt seine Hände auf ihre Schultern und betrachtet sie stolz. «Ich wusste nicht, dass meine Nichte so bezaubernd ist!»
Maria lacht und schüttelt den Kopf. Dann liegen sie sich in den Armen.
«Komm, lass uns nach Hause gehen, ich habe Feuer gemacht.»
Ausschnitt aus «Der letzte Wildheuer. Als das Heu noch den Tessiner Himmel berührte» von Christian E. Besimo. Der Ethnograph aus Leidenschaft forscht im Val Verzasca über die Realitäten damals und heute und hat dazu schon zwei Bücher geschrieben, «Die Kraft der Düra» und «Das schweigende Tal. Eine Spurensuche», in denen der Älpler Matteo im Zentrum steht, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die verbliebenen Spuren der grossartigen alpinen Kulturlandschaft in diesem Tessiner Tal zu dokumentieren und so vor der Vergessenheit zu bewahren. In seinem jüngsten Buch, das Besimo wieder mit eigenen Fotos und Zeichnungen bereichert, heisst die Hauptfigur Basilio. Und wieder lernen wir mit ihm eine Welt kennen, die irgend einmal vergangen sein wird, verschwunden im Bergwald, der die kargen Weiden und wilden Wege überwuchert. Aber wer weiss, hoffentlich werden seine Nichte oder andere Marias die Hütten hoch oben vor dem Einstürzen bewahren.
Zita klopft dreimal an die Tür und schlägt mit den Füssen gegen den vergitterten Abtreter, um diesmal auf anständigere Weise ins Innere zu gelangen.
«Hallo, Entschuldigung, kann ich reinkommen?»
«Natürlich, nur herein.»
«Machen Sie bitte schnell die Tür zu.»
«Ja, pardon, danke. Uff, tut das gut, ein Dach über dem Kopf zu haben.»
Ausschnitt aus «Die Pfeife», der ersten und längsten von sieben Erzählungen im Buch «Tombola» von Jérémie Gindre. Der Genfer Schriftsteller und Künstler lässt seine Figuren an verschiedenen Orten auftreten: Auf dem Plateau de Bure im Massif du Dévoluy, wo sich Zita kurzfristig vor dem Unwetter retten kann, bevor man für eine Rettung wieder nach draussen muss; im Lake District, bei der Mündung des Sankt-Lorenz-Stromes und bei den Niagarafällen; aber auch in der Schweiz, im Solothurner Jura oder Wallis. Titel der Geschichte dort, wahrscheinlich im Val d‘Arpette: «Anleitung zum Verlassen der Hütte». Ob diese hilft, das Leben (wieder) im Griff zu haben? Oder doch wenigstens den Weg draussen zu finden?
«Wo sind wir?»
«Immer noch auf dem Pass, glaub ich.»
«Sollen wir warten, bis jemand kommt?»
«Ich weiss nicht.»
«Wenn’s euch recht ist, gehe ich voraus.»
«Bist zu sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind?»
Ausschnitt aus dem 33. und letzten Kapitel von «Réduit» von Alexander Raschle. Der St. Galler Werber und Schriftsteller lässt während des Kalten Krieges drei junge Männer ihren Wiederholungsdienst in einer geheimen Bunkeranlage auf dem Gotthard absolvieren. Was als Übung beginnt, wird in der Isolation zur Zerreissprobe – der eigentliche Feind lauert nicht draussen, sondern drinnen. Mehr zu den Bunker- und Réduitfantasien in der Schweizer Literatur hier: https://bergliteratur.ch/bergende-berge/. So düster es in einer Hütte mit dicken Steinmauern oder auch im Berginnern sein mag, etwas ist sicher und wäre in der letzten Juliwoche des Sommers 2026 wohl begrüssenswert: die Temperatur.
Christian E. Besimo: Der letzte Wildheuer. Als das Heu noch den Tessiner Himmel berührte. AS Verlag, Zürich 2026. Fr. 29.80. Vernissage am 20. August 2026 in der Kantonsbibliothek Schwyz, 19.00 bis 20.30 Uhr; https://vhsz.ch/thema/buchvernissage-von-christian-e-besimo-der-letzte-wildheuer/; Anmeldung erwünscht.
Jérémie Gindre: Tombola. Verlag die Brotsuppe, Biel/Bienne 2026. Fr. 28.-
Alexander Raschle: Réduit. Orte Verlag, Herisau 2026. Fr. 29.90.


