Zwei Ausstellungen und ein Buch mit Ferdinand Hodler im Zentrum. Passend dazu die Ernst-Kirchner-Show im Kunstmuseum Bern. Denn auch bei ihm blicken wir immer wieder auf die Berge.
«Im Laufe des 19. Jahrhunderts konzentrieren sich die Darstellungen der Schweizer Identität auf zwei Themen: Bauernschaft und Berglandschaft. In einem von Melancholie geprägten Rückzug auf sich selbst identifiziert sich die Schweiz mit der untergehenden ländlichen Welt und dem Alpenraum, für den sich allmählich der Tourismus interessiert. Das ehemals gefürchtete Gebirge wird zu einem Objekt der Faszination. Die alpinen Freizeitaktivitäten entwickeln sich dank des Aufschwungs im Transportwesen und in der Hotellerie – Hodler selbst verbringt Weihnachten und Neujahr regelmässig in Grindelwald in den Berner Alpen.»
Das lesen wir an einer Wand in der Ausstellung «Hodler. Un modèle pour l‘art Suisse» im Musée d‘art et d’histoire in Neuchâtel. Passend dazu die Wandinformation im Saal IV «Ode an die Alpen» der Ausstellung «Panorama Schweiz. Von Caspar Wolf bis Ferdinand Hodler» im Kunstmuseum Bern:
«Ein unübersehbares Charakteristikum der Schweiz und damit auch ein zentraler Gegenstand der Schweizer Kunst bildet die Alpenlandschaft. In das unwirtliche Hochgebirge wagen sich Künstler erst im 18. Jahrhundert, im Zeitalter von Aufklärung und Romantik, um als Begleiter von Naturforschern präzise Widergaben von Gipfeln, Gletschern und Bergseen zu schaffen. Zu ihnen zählt Caspar Wolf, der heute als einer der Pioniere der Schweizer Landschaftsmalerei gilt. (…)
In der Moderne erfuhr die Alpenmalerei durch formal vereinfachende Herangehensweisen erneut eine Weiterentwicklung. Insbesondere Ferdinand Hodler gilt als Erneuer des Genres.»
Voilà. Hodler à Neuchâtel, Hodler in Bern. Mit Gemälden, die wir kennen. Das Jungfraumassiv von Mürren aus (1911), Le Grammont au soleil (1917), Le Léman vu de Caux au soleil couchant (1917). Weniger bekannt dürften Les Dents du Midi vues de Champéry (1916) sein. Ein Ausschnitt davon bildet das Titelbild des Buches «Hodler. Un modèle pour l’art suisse», das für die gleichnamige Ausstellung erschienen ist. Sie war im Winter und Frühling im Musée d’art de Pully und ist jetzt im Sommer und Herbst in Neuenburg zu sehen. Nicht verpassen! Denn so viele grossartige Bilder und Bergbilder konnten wir schon lange nicht mehr bewundern. Mehr noch: Gerade weil sie thematisch gehängt sind – beispielsweise der Grammont von Cuno Amiet, Oswald Pilloud und weiteren Kunstmalern –, können wir nachvollziehen, wie Hodler stilbildend gewirkt hat. Oder die Darstellungen bäuerlichen Lebens und Arbeitens: Stehen wir vor seinem Holzfäller, spüren wir die Kraft des Schlages, ja hören, wie die Axt niedersausen wird. Es ist halt immer wieder ein Erlebnis, wenn man Gemälde live sieht, mit Distanz, aber ebenfalls aus der Nähe. Auch aus diesem Grund: auf zum Hodler, seinen Vorgängern, seinen Zeitgenossen. Zudem gibt es Entdeckungen zu machen. Die Gletschergemälde von Annie Stebler-Hopf und Martha Stettler, der Mont Vully überm Neuenburgersee von William Röthlisberger: grossartig. Ebenso Viktor Surbeks Brienzersee bei Iseltwald oder Plinio Colombis Vorfrühling und Paysage d’hiver.
Und wenn wir schon in Bern sind: Seit drei Tagen zeigt das Kunstmuseum die Ausstellung «Kirchner x Kirchner». Im Zentrum steht die Wiedervereinigung der beiden wandfüllenden Werke von Ernst Kirchner, Alpsonntag. Szene am Brunnen und Sonntag der Bergbauern. Bauernschaft und Berglandschaft vereint.
Niklaus Manuel Güdel, Laurent Langer, Philippe Clerc: Ferdinand Hodler. Un modèle pour l’art suisse. Éditions Notari 2025. Fr. 30.- in der Ausstellung in Neuchâtel, sonst Fr. 40.-
Musée d‘art et d’histoire Neuchâtel: Hodler. Un modèle pour l‘art Suisse (bis 12. Oktober 2025).
www.mahn.ch/de/expositions/hodler-un-modele-pour-lart-suisse
www.srf.ch/kultur/kunst/ein-schweizer-vorbild-ferdinand-hodler-sohn-des-zeitgeists-oder-kuenstlerisches-genie/
Kunstmuseum Bern: Panorama Schweiz. Von Caspar Wolf bis Ferdinand Hodler und Kirchner x Kirchner (je bis 11. Januar 2026).
www.kunstmuseumbern.ch/de/ausstellung/panorama-schweiz
www.kunstmuseumbern.ch/de/ausstellung/kirchner-kirchner
