Hüttenwelten

Vier neue, ganz unterschiedliche Bücher zu touristischen Hütten in den Alpen.

«Ci sono pochi luoghi nelle Alpi dove poter pernottare e godersi un ambiente e un panorama come questo.»

Sagt der Tessiner Hüttenobmann Massimo Gabuzzi in der aktuellen, achten Auflage seines Führers «Capanne e rifugi del Ticino e della Mesolcina» über das 2023 eingeweihte Bivacco Piano della Parete (2726 m), wichtiger Stützpunkt des Gipfeltrekkings Via Alta Crio, das in zehn Tagen Lumino mit Lucomagno verbindet. Der moderne Bau auf einer Ebene hoch oben und hinten in der Val Malvaglia ist die zweithöchste Hütte in den Tessiner Alpen und ziert das Cover von Gabuzzis Bestseller. Nicht die einzige neue alpine Unterkunft darin. Neu sind ebenfalls die Capanna Gambarogno (die Hüttenterrasse bietet eine wunderbare Aussicht auf den Lago Maggiore), die neue Capanna Gesero schier unendlich weit oberhalb von Bellinzona oder die Hütte auf der Alp de Rossiglion im Val Calanca. Sie trägt die Nummer 83 und ist die letzte Capanna im ersten Teil des Führers. Im zweiten listet Gabuzzi weitere 135 Rifugi auf, oft mit vier bis zehn Plätzen wie die elf Gebäude in den Tälern von Lostallo im Misox, bei denen allerdings immer der Hinweis «Nel periodo di caccia alta, riservato ai cacciatori» steht.

Um wilde Tiere, freilich nicht um die Jagd, drehen sich auch zwei Kapitel in einem aussergewöhnlichen Hüttenbuch. Seit 1912 dient die Lidernenhütte der SAC-Sektion Mythen hinten im Riemenstaldner Tal als Ziel und als Ausgangspunkt für kleine und grosse Touren in der Chaiserstock-Kette. Was alles möglich, wer dabei war und ist, wer in der Hütte kocht(e) und wer die Gipfel rund um die Hütte mit (Kletter-)Wegen erschloss, sagt uns Xaver Büeler im gross(formatig)en Werk «Lidernen. Bergheimat und Sehnsuchtsort» auf 320 Seiten mit 257 Fotos. Noch selten ist eine SAC-Hütte so vielfältig vorgestellt worden. Während Baden, Stand-up-Paddeln oder gar Foilen im Alpler oder Spilauer See möglich ist, genügend Wasser vorausgesetzt, liegt die Lidernenhütte (1729 m) für Gletschertouren ein wenig zu tief. Das gilt jedoch wegen des kräftig vorangehenden Gletscherrückgangs ebenfalls für höher gelegene Hütten.

Genau davon lesen wir im zwingend aktuellen Buch «Die letzte Hütte der Alpen». Matthias Ballweg und Bertram Kloss nehmen uns mit auf eine «Reise in die Zukunft unserer Berge» und geben «Antworten auf den Klimawandel zwischen Gletscherschwund und neuer Wildnis». Es ist dies eine so eindringliche wie unangenehme Bestandsaufnahme eines immer mehr von Rissen und Rutschen bedrohten Lebens- und Sportraums. Am Schluss des Buches bewertet eine Tabelle 300 alpine Schutzhütten der Ostalpen und ihre Exposition zu Klimafolgen anhand der fünf Themen Permafrost, Wassermangel, Gletscherschwund, Schneemangel und Biodiversität, jeweils mit den Bewertungen rot (grosse Exponiertheit), orange (hohe Exponiertheit), gelb (Übergang und Unsicherheit) und grün (Stabilität). Für die Sesvennahütte (2258 m) am Rande des Unterengadins gab es fünfmal grün, für die Mannheimer Hütte (2679 m) im Rätikon nur die drei andern Farben.

Ob die beiden genannten Hütten unweit der Schweizer Grenze oder gar die Lidernenhütte zu den «800 plus hauts refuges des Alpes» gehören, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden. Denn dieses Hüttenbuch liegt leider nicht ganz vor mir, sondern nur ein paar ausgewählte Seiten der Verlagsvorschau. Was sicher ist: Es sind die Hütten aufgelistet, nicht die Biwaks. Denn bei der höchsten Hütte der Schweiz findet sich die Mönchsjochütte (3656 m), aber weder das Schalijochbiwak SAC (3787 m) noch das Mischabeljochbiwak SAC (3853 m) und schon gar nicht das Solvaybiwak (4003 m) am Hörnligrat des Matterhorns, das ja nur in Notfällen benutzt werden darf. Anthony Felber listet auch die kleinsten Hütten der Alpen auf. Zuoberst steht bei ihm die Capanna Punta Penia (3340 m) mit neun Plätzen; sie liegt auch sonst zuoberst, nämlich auf der Marmolada, dem höchsten Gipfel der Dolomiten. Einen Schlafplatz weniger bietet das Rifugio Camosci (2908 m) vier Meter unterhalb der Cristallina. Weiter oben lässt sich in einem Gebäude des Tessins nirgends nächtigen. Buona notte!

Massimo Gabuzzi: Capanne e rifugi del Ticino e della Mesolcina. Salvioni Edizioni, Bellinzona 2026. Fr. 36.-

Xaver Büeler: Lidernen. Bergheimat und Sehnsuchtsort. Weber Verlag, Thun/Gwatt 2026. Fr. 59.-

Matthias Ballweg, Bertram Kloss: Die letzte Hütte der Alpen. Eine Reise in die Zukunft unserer Berge – Antworten auf den Klimawandel zwischen Gletscherschwund und neuer Wildnis. Bergverlag Rother, Oberhaching 2026. € 28,00.

Anthony Felber: Les 800 plus hauts refuges des Alpes. France, Suisse, Italie, Autriche, Allemagne, Slovénie. Hachette Tourisme, Vanves 2026. € 25,00.

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