Jules Jacot-Guillarmod

Die Biografie von Laurent Tissot lädt dazu ein, neue Seiten des Schweizer Arztes, Alpinisten, Expeditionsbergsteigers, Autors und Fotografs kennenzulernen.

«Liberté des montagnes, heureuse possession de soi-même, bonheur de courir à l’aventure sur les sommets inconnus et déserts, de marcher sur des neiges pures encore, de monter vers les cieux, est-il rien de plus concis et de plus complet que cette belle pensée de Javelle pour définir l’invincible attrait des hautes cimes et pour réduire à néant cette idée saugrenue de Madame de Staël qui s’imagine que nous allons à la montagne pour le plaisir singulier de nous exposer à la mort, quand tout, dans la nature, nous commande d’aimer la vie?»

Das fragt sich eloquent der Neuenburger Arzt und Alpinist, Autor und Abenteurer Jules Jacot-Guillarmod zu Beginn seines Beitrages «Au Mönch (4105 m) par l’arête nord-ouest» im «Jahrbuch des Schweizer Alpenclub» von 1907. Illustriert sind die sieben Seiten mit neun eigenen, allerdings sehr kleinen Fotos; gerade mal 4 auf 4,5 cm. Das zweite zeigt einen Bergsteiger, der auf einem Band an einer fast senkrechten Eiswand steht, die Schulter fest ans Eis gedrückt. Dieses schwindelerregende Foto macht nun den Auftakt in der Biografie «Jules Jacot-Guillarmod, l’explorateur de l’inconnu» von Laurent Tissot, emerierter Geschichtsprofessor der Uni Neuchâtel. Auf dem Titelbild sehen wir den Helden auf einem Pferd reitend, den Kopf mit einem Turban bedeckt; das Foto entstand bei der Rückkehr von der mutigen Expedition zum K2. Jules Jacot-Guillarmod (1868–1925) war der erste Schweizer im Himalaya und Karakorum. Am 18. Juni 1902 notierte er in seinem Journal: «Vu le K2 pour la première fois. Imposant, faisant peur et pourtant plaisir à voir.» JJG machte damals auch das erste Foto des zweithöchsten Gipfels der Welt. Am 10. Juli 1902 erreichte JJG mit Viktor Wessely am Nordostgrat eine Höhe von ca. 6700 m. Mehr zu dieser Expedition und zum Buch dazu hier: https://bergliteratur.ch/jules-jacot-guillarmod-pionier-am-k2/

Selbstverständlich beleuchtet Laurent Tissot die Bergsteigerei von JJG. Aber ausgehend vom täglich geführten Journal und von zahlreichen Fotos schildert Tissot das ganze vielfältige Leben von Jules Jacot-Guillarmod. So eine Reise um das Mittelmeer während der Flitterwochen, eine Weltreise im Rahmen einer Mission des Roten Kreuzes 1919 in Sibirien und das Projekt, Afrika von Kairo bis zum Kap der Guten Hoffnung zu durchqueren, das jedoch aufgrund seines Todes infolge einer Infektion nicht mehr verwirklicht werden konnte.

Die Biografie von Tissot ist mit schwarzweissen Fotos illustriert, die auch für die Geschichte der Fotografie zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Bedeutung sind. Denn Jacot-Guillarmod gehört zu den Amateuren, die das Potenzial dieser Bildtechnologie erkennen und sich daran machen, das Beste daraus zu verwirklichen. Überraschend die Foto eines Bades im Gletscherbach beim Theodulpass – offenbar war Eisbaden schon 1898 en vogue… Fein beobachtet und aufgenommen eine Szene beim Abstieg von der Cheopspyramide 1905: gross die Figur des Führers, vom Touristen nur der Unterarm und die Hand, die gehalten wird. Und dann die Selbstauslöseraufnahme mit seiner Tochter Ginette bei einem Brunnen vor einer schindelbedeckten Alphütte an der Dent de Jaman 1912. Die letzte Aufnahme im neuen Buch zeigt Männer mit Hüten im alten Hafen von Marseille. Ob sie auf ein Schiff warten?

Am 5. Juni 1925 starb Jules Jacot-Guillarmod auf einem französischen Postschiff, das ihn nach Europa hätte zurückbringen sollen, im Golf von Aden (Jemen). In der Hafenstadt Aden wurde er begraben.

Laurent Tissot: Jules Jacot-Guillarmod, l’explorateur de l’inconnu. Postface et choix des photographies de Jean-Christophe Blaser. Infolio éditions, Gollion 2025. Fr. 44.-

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