Drei neue Bücher für Kinder und Jugendliche, darin Berge gross oder nur am Rande vorkommen. Ausgerechnet das Geschichtsbuch zum Bergsteigen kommt nicht in die Höhe.
«In den Schweizer Alpen ragte ein mächtiger Berg empor, der unerreichbare Gipfel des Mont Blanc.»
Heisst es auf Seite 11 des Buches «Auf in die Berge! Was Menschen in die Höhe treibt» von Katja Seifert, empfohlen ab sechs Jahren. Klar, in vielen Reiseführern zur Schweiz vor allem des 19. Jahrhunderts wurde der Mont Blanc grosszügig zu den helvetischen Bergen gezählt. Mais quand-même, würden die Leute von Chamonix bzw. Courmayeur sagen… Das Buch zu Geschichte und Motivation des Bergsteigens, «reich illustriert mit interessanten Fakten» (so der Waschzettel), löst dieses Versprechen buchstäblich immer wieder ein. Auf Seite 19 befindet sich das Matterhorn «an der Grenze zwischen der Schweiz und Italien», zwei Seiten später lesen wir im Abschnitt zur ersten Frauenbesteigung im Jahr 1871: «Meta gelang wenig später als erster Frau die Matterhorn-Überschreitung von der Schweiz nach Frankreich»; der Nachname von Meta wird zudem mal richtig Brevoort, mal aber auch Bretvoort geschrieben. Es wird noch interessanter: Edmund Hillary und Tenzing Norgay, die Erstbesteiger des Everest, «bezwangen eine 12 Meter hohe Felsstufe, an der zuvor vermutlich Mallory und Irvine gescheitert waren». Nur versuchten die Letztgenannten den Everest von Norden zu besteigen, während Hillary & Tenzing von Süden erfolgreich waren.
Um Unstimmigkeiten, allerdings ganz anderer Art, geht es im Jugendkrimi «Gauner im Berg!» in der Reihe «SOS Seraina, Olivio, Simon» von Frank Kauffmann und Daniel Reichenbach. In ihrem fünften Fall ermittelt das Trio aus Amden und Weesen in den Höhlen des Churfirstengebiets, wo sich die Beute eines jahrzehntealten Uhrendiebstahls verstecken soll. Vielleicht im berühmten Wildmannlisloch, wahrscheinlich aber in einer ganz anderen Höhle. Für Spannung ist also gesorgt, erst recht, als die jugendlichen Detektive mit Hilfe eines richtigen Speläologen den Schatz finden, jedoch in der tiefen Höhle gefangen bleiben, weil der Komplize des Gauners ihnen die Leiter zum Wiederaufstieg abgeschnitten hat. Doch es gibt einen Geheimausgang, der allerdings so schmal ist, dass man nur auf dem Bauch kriechend durchkommt. Da braucht Seraina einen kühlen Kopf – und Mut. Ob sie es schafft?
Und ob es «Der kleine Hasenfuß Leo» schafft, sich an einem Seil über eine tiefe Schlucht zu schwingen? Leo ist ein kleiner Schneeleopard, der mit seiner Familie eine Bergwanderung unternimmt bzw. unternehmen muss. Denn Leo ist ängstlich, da er Probleme mit seinem Gleichgewichtssinn hat. Mit Rat und Tat einer pfiffigen Hummel wird er stabiler und damit mutiger. Er schafft die Tour schliesslich und ist zu Recht stolz auf sich. Die Thematik dieses Kinderbuches von Isolde Fehringer, Klaus Ebenhöh und Daniel Spreitzer dreht sich um Reizverarbeitung, wie dem Begleitschreiben zu entnehmen ist. «Bei den einen funktioniert sie besser, bei den anderen weniger. Kinder mit einer Sensory Processing Disorder beim Gleichgewichtssinn bleiben bei Wanderungen und Touren lieber zu Hause. Dabei täte es ihnen – unter guter Anleitung – sehr gut. Das ist die Message unseres Buches.»
Katja Seifert: Auf in die Berge! Was Menschen in die Höhe treibt. NordSüd Verlag, Zürich 2025. Fr. 29.90.
Frank Kauffmann, Daniel Reichenbach: SOS Seraina, Olivio, Simon. Gauner im Berg! Baeschlin Verlag, Glarus 2025. Fr. 24.-
Isolde Fehringer, Klaus Ebenhöh, Daniel Spreitzer: Der kleine Hasenfuß Leo. Verlag Bibliothek der Provinz, Wien 2024. Fr. 22.90.


