Mit Frauen unterwegs

Drei druckfrische Bücher von Frauen erzählen vom Unterwegssein in neuen Gegenden, wobei das Ich mehr oder weniger Raum einnimmt.

„Sechs Reisen nach Zentralasien hatten meine Neugier derart erregt, dass ich Nepal besuchen wollte, sobald es möglich wäre, und bevor die modernen Zeiten dieses unvergleichliche lebende Museum zuschanden machen würden.“

1951 öffnete sich Nepal der westlichen Welt, nachdem es über hundert Jahre lang von jeglichem fremden Einfluss abgeschnitten war. Eine der ersten Reisenden im Land mit den höchsten Bergen der Welt war die Schweizer Schriftstellerin und Sportlerin Ella Maillart (1903–1997). Die Reise nach Nepal wird ihre letzte grosse Forschungsexpedition, worüber sie 1955 in „The Land of the Sherpas“ berichtet. Die französische Ausgabe „Au pays des Sherpas“ erscheint erst 2017; die deutsche liegt nun in der von Peter von Matt herausgegebenen Kollektion bei Nagel & Kimche vor, mit einem Vorwort von Denis Bertholet, einem Nachwort von Felicitas Hoppe sowie mit Anmerkungen versehen von Pierre-François Mettan. „Im Landes der Sherpas“ ist ein Buch von 184 Seiten, mit 65 schwarzweissen Fotos von Ella Maillart, aufgeteilt nach Hochgebirge und Pilgerstätten.

Ein Bijou von einem Buch: tiefgehender Haupttext, kluge Begleittexte, Fotos von einem Land, das es so nicht mehr gibt. Aber auch das Vergleichsland, von dem aus sich Maillart in die unbekannte Ferne aufmachte, gibt es so nicht mehr. Sie verglich nämlich „das Leben der Sherpas mit dem der Alpenbewohner“, insbesondere mit demjenigen der Bewohner von Chandolin, einem der höchstgelegenen Dörfer der Schweiz auf knapp 2000 Metern, wo Maillart seit 1948 wohnte, wenn sie nicht gerade unterwegs war. Wie eben 1951 am Fusse des höchsten Gipfels der Welt. Von ihm schreibt sie: „Diesen Chomolungma haben wir nach einem Leiter der Vermessungsbehörde Everest getauft, der glücklicherweise ‚ewige Ruhe‘ bedeutet, was gewiss vielen anderen englischen Namen vorzuziehen ist.“

Everest! Der Traumberg. Für viele, ja wohl die meisten, bleibt er einer. Nicht für Bonita Norris. Im Mai 2010 stand sie als 22-jährige und damals jüngste Britin ganz oben. Das obligate Buch kam allerdings erst im letzten Jahr heraus: „The Girl Who Climbed Everest“. Das Mädchen erreichte 2011 den Nordpol, im gleichen Jahr den Ama Dablam und 2012 als erste Britin den Lhotse. Ausschnitt aus „Miss Everest“, wie ihr Buch auf Deutsch heisst: „Ich stapfte noch ein paar Schritte vorwärts, an andern Bergsteigern vorbei, die im Schnee saβen oder sich über ihre Rucksäcke beugten. Ich streckte eine Hand aus und legte sie auf den Scheitel des Gipfels. Höher ging es nicht. Dies war ein Zeichen des Respekts. Ein ‚Dankeschön‘ an den Berg, dass er mich seine Flanken hatte hinaufklettern lassen und mir nun diese wenigen kostbaren Augenblicke auf seiner Spitze schenkte. Diese letzten verbleibenden Zentimeter wären für immer das Sinnbild der unendlichen Geschichte zwischen mir und dem Everest.“

Von der Miss Everest zur Miss Alpen. Im Sommer und Herbst 2017 marschierte und reiste die Deutsche Ana Zirner, Jahrgang 1983, alleine und mit wechselnder Begleitung vom slowenischen Ljubljana bis ins französische Grenoble. In „Alpensolo“ erzählt sie von dieser Fussreise durch das vielbereiste Gebirge, schreibt vom Glück, unter dem Sternenhimmel zu biwakieren, berichtet von Begegnungen auf Wegen und Hütten, lässt uns teilhaben an den Freuden und Sorgen unterwegs. „Auf dem Piz Duleda nehme ich mir vor, den Rest des Tages gelassener anzugehen. Gegen meine Schmerzen kann ich im Moment sowieso nichts tun. Und gegen die Menschenmassen auch nichts. Die Berge gehören nicht mir, sie gehören nur sich selbst, und auch wenn mir diese Einsicht heute schwerfällt, will ich versuchen, mich für alle zu freuen, die die Möglichkeit haben, hier oben zu stehen.“

Ella Maillart: Im Land der Sherpas. Mit einem Nachwort von Felicitas Hoppe. Nagel & Kimche, München 2018, Fr. 35.-
Bonita Norris: Miss Everest. DuMont, Ostfildern 2018, Fr. 25.-
Ana Zirner: Alpensolo. Allein zu Fuβ von Ost nach West. Malik, München 2018, Fr. 30.-

BergBuchBrig, Donnerstag 8. November, 17 Uhr: Ella Maillart – Im Land der Sherpas; Lesung und Buchpräsentation mit Felicitas Hoppe. www.bergbuchbrig.ch
Bücher Pustet in Landshut, Donnerstag, 8. November, 19.30 Uhr: Ana Zirner präsentiert ihr Buch „Alpensolo“. www.landshuter-literaturtage.de

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