Weltreisen in der Schweiz

Die Welt in der Schweiz finden. Zwei Publikationen weisen den Weg.

7. Juli 2020

«A mile further, at a waters-meet, stands Sonogno, a deserted savage-looking cluster of dingy stone houses, which, but for the whitewashed church, might be in Ossetia.»

Diesen überraschenden Vergleich zwischen Sonogno hinten im Val Verzasca und einem Dorf in Ossetien, einem gebirgigen Gebiet im zentralen Kaukasus, zieht Douglas William Freshfield in „Italian Alps. Sketches in the mountains of Ticino, Lombardy, the Trentino, and Venetia“; das Buch erschien erstmals 1875. Nicht der einzige Vergleich übrigens: Beim flachen Basodinogletscher kommt dem Autor die ägyptische Ebene in den Sinn. Ein in der Vallemaggia angetroffener Hirte, der ihm Kaffee serviert, gleicht einem orientalischen Scheich. Und der Tiefblick auf Geröllhalden zwischen den erwähnten Tälern erinnere an denjenigen von syrischen Hügeln auf Städteruinen – wenigstens für diejenigen, die diese Aussicht mal erlebt hätten. Freshfield hat sie – of course; der Präsident des Alpine Club und der Royal Geographic Society kannte sich aus im ganzen Alpenraum, auf Korsika, in den Pyrenäen, im Kaukasus, im Morgenland, in Kanada, im Himalaja, in Japan und in Afrika, ja einfach auf der halben Welt. In der Schweiz stand er als Erster zum Beispiel auf folgenden Gipfeln: Tinzenhorn, Pizzo Cengalo, Cima di Castello, Piz Varuna, Piz dal Teo.

Dass Freshfield Orte in der Schweiz mit solchen auf der Welt verglich, war ungewöhnlich. Das Gegenteil ist nämlich der Fall. In seiner Studie „Transferprozesse der Moderne. Die Nachbenennungen Alpen und Schweiz im 18. bis 20. Jahrhundert“ (Peter Lang Verlag, 2017) zählt Philippe Frei insgesamt 540 Schweiz-Nachbenennungen auf, von Little Switzerland in South Carolina bis zur Suíça Brasileira; die meisten finden sich in Deutschland, von der Altenburger bis zur Zeitzer Schweiz (je in Sachsen-Anhalt). Dazu kommen die rund 250 Matterhörner, die sich auf der ganzen Welt erheben.

In diesem Jahr aber findet der Weltenbummel der Schweizer coronabedingt im eigenen Land statt. Von der Copacabana bis Grönland, von den Dolomiten bis zu den Everglades, von den Malediven bis Neuschwanstein: Gibt es alles vor der Haustüre. Wozu also tagelang und teuer reisen – und dann eventuell noch in der Quarantäne landen bei der Rückkehr nach Helvetien? Plage des Eaux-Vives in Genève oder Château Gütsch ob Luzern sind in ein paar Stunden erreichbar. Fjorde erstrecken sich auch hier Kilometer lang und hoch. In Lenk im Simmental erwartet uns die Iguazù-Fälle bei den Sieben Brünnen sowie die Kraterlandschaft von La Soufrière auf Basse-Terre, einer der beiden Hauptinseln von Guadeloupe, auf dem Betelberg oben, gäbig erwanderbar dank der Gondelbahn. Und der Panamakanal verbindet doch den Murtensee mit dem Lac de Neuchâtel, mais bien-sûr!

Gleich zwei neue Publikationen schlagen eine Weltreise durch die Schweiz vor. Genau unter diesem Titel stellt Arthur Kilian Vogel 60 Locations vor, jeweils mit einem möglichst passenden Foto und einem kurzen Text. Nicht immer klappt der Aha-Effekt so gut wie bei Solothurn als Vilnius oder Celerina als Banff. Beim Bachalpsee will sich ein Irlandgefühl kaum einstellen, zu wuchtig und bekannt markieren Wetter-, Schreck- und Finsteraarhorn den Horizont der Berner Alpen.

Die Reisekulturzeitschrift „Transhelvetica“ verblüfft im Juni-Juli-Heft mit der Geschichte „In 80 Seiten um die Welt“. Ralf Schlatter (alias Phileas Fogg) entführt uns mit seiner Partnerin Ruth Grünenfelder (alias Passepartout) an 25 Orte hierzulande, von Hawaii über Gibraltar bis Japan, mit starken Fotos, witzigen Texten, erhellenden Vergleichen (der Christo von Pfäfers contra denjenigen von Rio), mit Vorschlägen und Tipps, was sich an einem dieser besonderen Weltorte machen, lesen, hören und essen lässt. Und, ganz fein: An jedem Ort lässt sich der Besuch mit einem Stempel bestätigen. Das Heft wird so zu einem helvetischen Weltpass. Jules Verne wäre très enchanté, Douglas William Freshfield very pleased.

Arthur Kilian Vogel: Eine Weltreise durch die Schweiz vor. Sieh, das Gute liegt so nah. Wörterseh Verlag, Lachen 2020, Fr. 34.90.

Transhelvetica, # 59, Juni-Juli 2020: In 80 Seiten um die Welt. Fr. 10.-

Tessiner Sommer

Baden und lesen im Ticino. Perfetto. Mit diesen Büchern erst recht.

1. Juli 2020

„Wir verliessen die Strasse nach Muggio und betraten einen Fusssteig, der uns über den wasserarmen Bach führte, der dem kleinen Val Luasca entrieselt und vor seiner Vereinigung mit der Breggia einige schöne Wasserbecken bildet, die zum Bade einladen.»

Der erfrischenden Einladung konnten Johann Jakob Weilenmann und sein Mitwanderer im August 1857 nicht Folge leisten, weil sie noch eine Schlafgelegenheit in einem der Dörfer des hinteren Valle di Muggio suchen mussten, um anderntags den Monte Generoso zu besteigen. Dieser frühe Hinweis auf die Bademöglichkeit in einem Tessiner Gewässer findet sich in Weilenmanns Bericht „Der Monte Generoso bei Lugano“, abgedruckt im ersten Band der „Berg- und Gletscher-Fahrten in den Hochalpen der Schweiz“, die Gottlieb Studer, Melchior Ulrich und Weilenmann 1859 herausgaben.

Entzückt wäre Weilenmann über den Führer, der genau das enthält, worin er sich oft erfrischt hat: „Wild und frisch – Tessin. Die schönsten Badeplätze an Seen, Flüssen und Wasserfällen“. Iwona Eberle (Text) und Christoph Hurni (Fotos) stellen verlässlich und verlockend 120 Badeplätze vor, vom Lago di Tom oben im Sopraceneri bis zu den Gole della Breggia ganz unten im Sottoceneri. Immer mit wichtigen Hinweisen zu Liegeflächen, Schwimmmöglichkeiten, Wassertemperaturen und Sonnenzeitfenster im Juli und August, zur Anreise und zum Zugang, mit Kärtchen und mit Koordinaten. Alle Plätze sind in höchstens einer Stunde zu Fuss ab ÖV-Haltestelle oder Parkplatz erreichbar. Deshalb sind auch einige bekannte Badeseen, wie der Lago d’Alzasca, im Führer nicht beschrieben. Es gibt genügend andere, an denen wir jetzt wohl nicht mehr ganz alleine sein werden. Denn die Wasserbecken, die uns Iwona und Christoph präsentieren, laden unbedingt zum Baden ein. Zum Sonnenbaden ebenfalls.

Und was machen wir, wenn wir auf den glattpolierten Gneisfelsen liegen? Lesen natürlich. Zum Beispiel den Krimi „Tessiner Verwicklungen. Der erste Fall für Tschopp & Bianchi“ von Sandra Hughes. Die Basler Polizistin Emma Tschopp weilt mit ihrem Campingbus im Tessin, ferienhalber. Aber eine Tote in der Pastamanufaktur Savelli in Meride am Fusse des Saurierberges Monte San Giorgio im Südtessin macht einen Strich durch die Urlaubspläne. Zusammen mit Commissario Bianchi löst sie den tragischen und verzwickten Fall. Am Schluss sitzen die beiden in einem Grotto am Lago di Lugano und rollen den Fall – für sich und für uns – auf. Nun sind wir gespannt, ob und wie es weitergeht mit Emma und Marco.

Bestens in den Baderucksack passt das von René P. Moor herausgegebene und mit Anmerkungen versehene Buch „Alpensüdseiten. Reiseberichte aus dem Tessin“. Von Otto Julius Bierbaum und Frederike Brun über Erich Mühsam und Gottlieb Studer bis Josef Viktor Widmann und Heinrich Zschokke: fünfzehn vor allem ältere Texte schildern uns den gebirgigen Kanton, Schritt für Schritt eine Welt offenbarend, die oft genug bachab gegangen ist. Apropos Bach: Weilenmann – sein Generoso-Bericht ist auch abgedruckt – kommt dann doch noch zum Bad, nachdem er erfahren hat, dass in Scudellate ein Nachtquartier zu finden sei: „Hierüber beruhigt, konnte ich der Versuchung, in eines der Wasserbecken zu tauchen, nicht länger widerstehen. (…) Das Wasser war kühler, als sich erwarten liess.“

Iwona Eberle (Text), Christoph Hurni (Fotos): Wild und frisch – Tessin. Die schönsten Badeplätze an Seen, Flüssen und Wasserfällen. Salamander Verlag, Zürich 2020, Fr. 40. www.salamanderverlag.ch

Sandra Hughes: Tessiner Verwicklungen. Der erste Fall für Tschopp & Bianchi. Kampa Verlag, Zürich 2020, Fr. 19.90. www.kampaverlag.ch

René P. Moor (Hrsg.): Alpensüdseiten. Reiseberichte aus dem Tessin. Edition Wanderwerk, Burgistein 2019. Fr. 19.80. www.wanderwerk.ch

Fünf helvetische Wanderführer

Nie war es einladender als jetzt, in der Schweiz zu wandern. Auf geht’s, schnürt die Stiefel, konsultiert die Führer!

22. Juni 2020

»Treffen Sie mich morgen nachmittag um drei Uhr in der Gorge du Chauderon.«
»Wo liegt denn das?« fragte Templar erstaunt. »Ich kenne die Gegend nicht so genau.«
»Sie gehen den Abhang nach Glion hinunter, wenden sich nach rechts, gehen durchs Dorf und kommen dann auf eine Straße, die nach Les Avants führt. Dicht vor der Brücke, die sich über die Talschlucht zieht, finden Sie einen Fußweg nach der Schlucht und kommen an das Ufer des kleinen Flusses. Es ist ein schöner, ruhiger Platz, wo wir wahrscheinlich nicht gestört werden.«
»Aber warum wollen wir denn die Sache nicht hier abmachen? Ich könnte doch heute abend auf Ihr Hotelzimmer kommen …«
»Sie bekommen Ihr Schandgeld in der Gorge du Chauderon oder überhaupt nicht«, entgegnete Somerville kurz.

Nehmen Sie die Kriminalgeschichte „Der Selbstmörder“ von Edgar Wallace erst nach der Wanderung durch die Gorge du Chauderon zur Hand – die Schlucht zwischen Montreux und Les Avants ist beengend und beängstigend genug. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die Geschichte nicht kannte, obwohl ich doch für meinen Rother-Wanderführer „Genfer See“ ausgiebig Literaturstudien betrieben hatte. Nun habe ich „The Man Who Killed Himself” auf Deutsch gelesen; das Original erschien erstmals in „The Royal Magazine“ (Februar 1920) und dann im „Hush Magazine“ (N° 4, September 1930).

Auf die Chauderon-Story von Edgar Wallace stiess ich im Führer „Wanderungen durch die schönsten Schluchten der Schweiz“; allerdings fehlt dort der Titel. Nachteiliger ist aber, dass der Ausstieg aus der Chauderon-Schlucht falsch eingezeichnet ist. Für Abenteuer am stotzigen Léman-Ufer ist also gesorgt. Doch das haben Schluchtwege sowieso an sich. Hajo Degen und Ragna Kilp stellen 47 Touren in der Schweiz und je eine in ihren vier grossen Nachbarstaaten vor. Ob es wirklich die schönsten sind? Die Cholereschlucht am Thunersee und das Küsnachtertobel am Zürichsee gehören eigentlich auch dazu. Bei der Combe du Pilouvi am Bielersee ist zudem nur die obere Hälfte erfasst, obwohl die untere grad so erlebnisreich ist. Trotzdem: Wer diesen wasserreich illustrierten Führer mitnimmt und dann hoffentlich nicht neben einem stiebenden Wasserfall studiert, lernt ganz neue Seiten der Schweiz kennen. Genau genommen jeweils immer zwei: die rechte und die linke Schluchtwand. Oft verbindet eine Brücke beide Wände.

„Über sieben Brücken mußt du gehen“ ist ein 1978 von der DDR-Rockband Karat veröffentlichtes Lied. Berühmt wurde es vor allem in der Version von Peter Maffay; auch Vicky Leandros und Helene Fischer nahmen den Hit in ihr Repertoire auf. Philipp Bachmann nun, Geograf und Wanderführerautor, singt (zum Glück?) nicht, sondern befiehlt uns: „Über 30 Brücken musst du gehen“. Die 30 Wanderungen in der ganzen Schweiz führen über mindestens eine für Fussgänger attraktive Brücke, zweimal sogar über acht Brücken: in der Aaschlucht bei Engelberg und – der Name sagt es bereits – in Brugg. In der Stadt Bern schlägt Bachmann eine Sechsbrückentour vor. Mit zwei bis drei Stunden Wanderzeit und nicht allzu grossen Höhendifferenzen sind die Wanderungen auch für Familien bestens geeignet. Zur Charles Kuonen Hängebrücke müssen knapp 700 Höhenmeter auf- und abgestiegen werden, aber für die mit knapp 500 Metern längste Fussgänger-Hängebrücke der Welt darf man schon etwas ins Schwitzen kommen! Alle Wanderungen sind gut mit Bahn und Bus erreichbar und bieten meistens auch eine Einkehrmöglichkeit. Ein Ausflug allerdings ging bachab: der Flimser Wasserweg mit seinen sieben Brücken.

Bachab gehen auch die Gletscher! Der Winter 2019/2020 war der wärmste seit Messbeginn 1864. Aber vor 24‘000 Jahren, da war es bei uns noch richtig schön kalt, da lagen sieben Achtel der Schweiz unter Gletschereis. Den Spuren dieser Gletscher begegnen wir überall. Nicht nur bei den Findlingen, sondern auch bei Drumlins und Schluchten, Mooren und Seen. Jürg Alean und Paul Felber nehmen uns mit auf 14 „Eiszeit-Wanderungen“ zwischen dem Kesslerloch bei Schaffhausen und den riesigen erratischen Blöcken bei Monthey, mit einem Besuch des neuen Gletschersees auf dem Klausenpass (inklusive Minieisbergen) und einem überraschenden Abstecher in die Altstadt von Bern. Zu jeder Route gibt es Hintergrundinformationen, Karten, genaue Wegbeschreibungen und zahlreiche Fotos. Mehr noch: Mit aktuellen Vergleichsfotos aus arktischen Regionen zeigen die beiden Autoren, wie es damals hierzulande wohl ausgesehen hat. Allerdings, und das sollte uns zu denken geben: Wie der Morteratschgletscher in den letzten 30 Jahren geschrumpft ist – unseretwegen!

Zugegeben: Manchmal sind wir auch froh, dass die Gletscher zurückgegangen sind. So können wir Steigeisen und Pickel, Seil und Karabiner zuhause lassen, müssen dafür aber mit Geröll und Schutt Vorlieb nehmen, was die Fortbewegung da und dort gar schwieriger macht. Auf der achten Etappe des 2019 eröffneten Weitwanderweges „Via Glaralpina“ lernen wir solche Veränderungen hautnah kennen. Die schwierige Etappe führt vom Urnerboden über das Gämsfairenjoch (2846 m) zur Claridenhütte SAC; Gipfelstürmer steigen noch zum Gipfelkreuz des Gämsfairenstock (2971 m). Der von Maya Rhyner und dem Team Via Glaralpina gemachte Führer stellt mit allen nötigen Infos, mit tollen Fotos, hintergründigen Geschichten und mit den Wandertipps von Gabi die 19 Etappen rund um den Kanton Glarus vor. 230 Kilometer und 18‘000 Höhenmeter Auf- und Abstieg von Ziegelbrücke via Glärnischhütte zur Bifertenhütte und via Naturfreundehaus Fronalp zurück nach Ziegelbrücke: Das werden unvergessliche drei Wochen sein im Sommer oder Herbst 2020. Wer kommt mit?

Wir! Aber nicht nur ins Glarner-, sondern auch ins Walliserland. In dem am 18. Juni 2020 erschienenen Wanderführer „Oberwalliser Südtäler“ stellt Iris Kürschner mit sehr schönen Texten und Fotos sechs Mehrtagestouren mit insgesamt 29 Etappen zwischen Simplon, Zermatt und Turtmanntal vor. Dreimal dient Zermatt als Start bzw. als Ziel, zweimal schultern wir die Rucksäcke bereits in Visp, je einmal umrunden wir den Monte Leone und Weissmies-Fletschhorn. Immer aber geniessen wir diese grossartige Landschaft mit den höchsten Eis- und Rebbergen der Schweiz, mit gemütlichen Hotels und Hütten, mit chüschtigen Alpkäsereien und spannenden Geschichten. Zum Beispiel diejenige von den Murmeltieren, den zutraulichen von Saas Fee sowie unglücklichen, die in der Pfanne landeten. Oder eine andere von den Bauherren der Simplon-Strasse, von den berühmten Bergführern im Saas- bzw. im benachbarten Nikolaital, vom blauen Wunder in Zermatt. Ein Wanderführer zum Laufen und Lesen.

Und falls uns der Lesestoff ausgehen sollte: Hier noch eine zweite Empfehlung für eine kriminalistische Kurzgeschichte. Sie stammt von Bram Stoker, bekannt geworden als Autor des Romans „Dracula“ (erstmals publiziert am 26. Mai 1897). Im gleichen Jahr erschien auch „The Secret of Growing Gold“. Nur eine kurze Passage daraus: „And then there came a rumour, certified later on, that an accident had occurred in the Zermatt valley.“

Hajo Degen, Ragna Kilp: Wanderungen durch die schönsten Schluchten in der Schweiz. AT Verlag, Aarau 2020. Fr. 29.90. „Der Selbstmörder“ von Edgar Wallace gibt’s hier: http://estories.x10.mx/der-selbstmorder/

Phillip Bachmann: Über 30 Brücken musst du gehen. Wanderungen zu den attraktivsten Fussgängerbrücken der Schweiz. Ott Verlag, Bern 2020. Fr. 38.-

Jürg Alean, Paul Felber: Eiszeit-Wanderungen. 14 Routen zu Zeugen der Eiszeit in der Schweiz. Haupt Verlag, Bern 2020. Fr. 38.-

Via Glaralpina. AS Verlag, Zürich 2020. Fr. 28.-

Iris Kürschner: Oberwalliser Südtäler. Wanderungen und Geschichten zwischen Simplon, Zermatt und Turtmanntal. Rotpunktverlag, Zürich 2020, Fr. 39.-

Bergkrimis – Einstieg

Mordspannende Berglektüre für den Sommer. Auch wenn die Toten teils im Schnee liegen.

16. Juni 2020

«De toute façon, personne ne meurt en vacances, non?»

Diese – wie sich herausstellen wird – vergebliche Frage beschliesst das erste Kapitel im Krimi „La revanche des hauteurs“ von Guillaume Desmurs. Er spielt in einer französischen Retortenskistation. Die besondere Architektur dort: mörderisch schön, und insofern mit fatalem Einfluss auf Einheimische und Urlauber, bis hin zu Selbstmord. Der Plan neige, mit dem in den 1960er Jahren solche Skiorte aus dem Alpboden gestampft wurden, wird zum Plan suicide. Vielleicht sogar gewollt vom Architekten, als Rache dafür, dass das Alphüttli der Vorfahren dem betonierten Skitourismus zum Opfer gefallen ist. Aber nach zwei Dritteln des Romans verliert die Geschichte Plausibilität und Plaisir. Schade, denn eigentlich war es spannend, den Reisenden und Bereisten im fiktiven Ort Pierre-Fontes in Moonboots nachzustiefeln.

«Wenn sich Märki derart sichtbar macht, denke ich, dass er Richtung Morgetepass will. Der Weg ist breit genug für ein Schneemobil, denn er wurde von der Armee befestigt. Wir werden es bald sehen.»

Diese – wie sich zeigen wird – nur halbwegs zutreffende Aussage macht Privatdetektiv Heinrich Müller im zwölften Krimi von Paul Lascaux um die Berner Detektei Müller & Himmel. Der Titel lautet „Schwarzes Porzellan“, es geht um Mitglieder der New-Wave-Band „Black China“, die spurlos verschwinden bzw. überraschend das Zeitliche segnet. Leser, die mit Musik der 1980er Jahre immer noch ins Stampfen kommen, werden die entsprechenden Lieder und Passagen goutieren. Skitourenfahrer und Schneeschuhläufer hingegen werden sich im Abschnitt „Montag, 25. Februar 2019“ wundern, denn der eigentlich breite Weg in den Morgetepass wird jeweils ab den ersten Schneefällen der Saison von Schneerutschen zugeschüttet, so dass das Gelände mörderisch steil wird. Ein Schneemobil jedenfalls käme nie durch, aber sein Fahrer wird ohnehin anderweitig aus dem Sitz gehebelt.

«Ach, du Scheiβe!», rief Kathi voller Inbrunst. Sie stutzte. «Und das heiβt, dass wir wieder mal in die Bergnatur müssen? Als hätte das letzte Jahr auf deiner Alm nicht gereicht!»

Diese – wie das halt die Art von Kommissarin Kathi Reindl ist – ziemlich ungehobelte Äusserung zu ihrer lieben Kollegin Irmi Mangold fällt auf Seite 55 in Nicola Förgs „Flüsternde Wälder“. Ein Einsatz im Eschenlainetal unweit des Walchensees in Oberbayern steht an. Na, so schlimm ist es dann doch nicht, mit den Gipfeln. Eher, was die beiden Chefinnen der Mordkommission unter den Wipfeln finden: eine Frau, überfahren von einem Traktor und halb erschlagen von einer gefällten Fichte. Sie badete offenbar im Wald (ja, so nennt man das heut: waldbaden, also eins und ruhig werden mit dem Gehölz). Ein skurriler Fall, den uns Nicola Förg in ihrem elften Alpenkrimi mit den Garmischer Kommissarinnen vorlegt. Deftig, zeitkritisch pointiert, da und dort sanft moralinsauer. Den Wald freut‘s, dass sich jemand seiner Sache vehement annimmt. Und die Auflösung der Fälle ist bittertraurig. Für Irmi ihrerseits scheint es ein Happyend zu geben. Es wär ihr so zu gönnen.

«Du schaust ins Tal und siehst sie heraufkraxeln, weil sie nicht unten bleiben wollen, diese Talbewohner, weil sie auch das Glück spüren wollen, das die Hirtenjungen empfinden. Und die dann, wenn sie es überhaupt schaffen und nicht vorher abrutschen, das Glück am Gipfel mit einem Selfie verwechseln.»

Diese – wie wir merken werden – kritischen Sätze stehen sowohl im Prolog wie auf Seite 242 im fünften Südtirol-Krimi von Lenz Koppelstätter mit Commissario Grauner und Ispettore Saltapepe: „Das Leuchten über dem Gipfel“. Kein schönwetteriges Leuchten allerdings, sondern ein lebensgefährliches, nicht nur über dem Gipfelkreuz, sondern vor allem drunten im Tal. Da donnert es gewaltig und ganz unterschiedlich: Wenn Gustav Mahler gespielt wird, wenn der SSC Napoli ein Trainingsspiel absolviert, wenn ein Hirtenjunge dazwischen funkt. Es geht um grosse Einsätze: beim Wetten, beim Bauen, beim Klettern. Und bei der Liebe auch. Der Epilog, wie schon bei Förg, hat es in sich. Bitte freilich erst am Schluss lesen! Es gibt nämlich Krimileser, die fangen hinten an – da fällt doch die Spannung ab, wenn man das Ende schon kennt.

«Sie haben doch früher mit Ihren Eltern Klettersteige gemacht», versuchte Susi mich zu beruhigen. «Sie werden sehen, das ist gar nicht so schlimm.»

Diese – wie man lesen wird – ahnungsvolle Beruhigung steht unten auf Seite 104 im Sektor „Rätsel“ des Alpenkrimis „Wenn er fällt, dann stirbt er“ von Marion Ambros. Der Münchner Hauptkommissar Joe Bichelmaier fällt schon, allerdings weder in einem Klettersteig und noch in einer Kletterroute der Hörndlwand in den Chiemgauer Alpen, sondern fast auf die hübsche Lilo herein. Die hat es mordsdick hinter den Ohren, aber mehr verrat ich nicht. Selber lesen, diesen Krimi, der zwischen Bier- und Klettergarten hin- und herpendelt. „Ein echter bayerischer Krimi – witzig, steil und spannend“: So das Urteil des Topalpinisten Alexander Huber; er kommt darin auch vor.

«Ich bin geübte Alpinisten, und als solche würde ich in den seltensten Fällen die Knie zum Einsatz bringen. Nur Hände und Füβe, denn damit finde ich die bestmögliche Kontrolle und Balance. Knie sind klobige Gelenke und wenig hilfreich in solchen Fällen. Wenn wir davon ausgehen, dass Claudia keine Sportkletterin war, hätten wir hier ein schwerwiegendes Verdachtsmoment.»

Dieses – wie zu vermuten ist – folgenreiche Indiz äussert die Ärztin Fabiola in Kapitel 21 von Martin Walkers „Connaisseur“, dem zwölften Fall für Bruno, Chef de police. „The Body at the Castle Well“ lautet der originale Titel, der wesentlich besser als ist der deutsche, denn Bruno ist seit dem ersten Fall im Jahre 2008 ein Connaisseur durch und durch. Wir sind gespannt, wie der dreizehnte Fall, „The Shooting at Chateau Rock“, übersetzt werden wird. Doch zurück zum (unfreiwilligen) Fall von Claudia in einen tiefen Burgbrunnenschacht: Obwohl der/die Täter auch dank bergsportlichen Erkenntnissen überführt werden können, ist „Connaisseur“ kein Bergkrimi. Aber allemal lesenswert.

«Ja, warum? Warum sollte jemand einen deutschen Solartechniker und eine britische Umweltschützerin umbringen? Konnten sie sich gekannt haben? Was mochte diese beiden miteinander verbinden? Was außer dem Wanderweg? Dem Weg, auf dem auch Liliana möglicherweise unterwegs war.»

Diese – in unserem siebten Buch – zentrale Frage stellt sich Chefinspektor João Almeida am Ende des 19. Kapitels in „Tödliche Algarve“ von Carolina Conrad. Auch seine Freundin, die deutsch-portugiesische Journalistin Anabela Silva, geht solchen Fragen nach. Gefährlicherweise oft alleine, und erst noch auf dem offenbar mörderischen Wanderweg, der Via Algarviana. Dieser Weitwanderweg geht 300 Kilometer durchs Hinterland der Algarve, von Alcoutim am Fluss Guadiana bis zum Cabo de São Vicente, der Südwestspitze des europäischen Festlands. Am 16. Juni 2020 kommt der Wanderkrimi heraus. Ob wir den Sommer 2020 dann immer noch auf der Via Algarviana verbringen wollen, hängt freilich nicht nur von dieser Lektüre ab.

Guillaume Desmurs: La revanche des hauteurs. Neige Noire. Éditions Glénat, Grenoble 2019. € 15.-

Paul Lascaux: Schwarzes Porzellan. Bern-Krimi. Gmeiner Verlag, Messkirch 2020. € 13.-

Nicola Förg: Flüsternde Wälder. Ein Alpen-Krimi. Pendo Verlag, München 2020. € 16.-

Lenz Koppelstätter. Das Leuchten über dem Gipfel. Ein Fall für Commissario Grauner. Kiwi Verlag, Köln 2020. € 11.-

Marion Ambros: Wenn er fällt, dann stirbt er. Alpenkrimi. Rother Bergverlag, München 2020. € 13.-

Martin Walker: Connaisseur. Der zwölfte Fall für Bruno, Chef de police. Diogenes Verlag, Zürich 2020. € 20.-

Carolina Conrad: Tödliche Algarve. Anabela Silva ermittelt. Rowohlt Verlag, Hamburg 2020. € 10.-

Sihlwald – Wild und schön

So fesselnd und fotogen, fantastisch und farbig kann ein Wald sein. Auf in den Sihlwald bei Zürich! Mit Caroline Fink.

10. Juni 2020

«Verlasse ab und zu die Stadt und erklimme einen Berg oder verbringe eine Woche im Wald. Wasche deinen Geist rein.»

Forderte der US-Amerikaner John Muir (1838–1914), Umweltschützer der ersten Stunde, Anreger mehrerer Nationalparks in den USA, Naturphilosoph, Schriftsteller, Alpinist und Gründer des Sierra Club. „Break clear away, once in a while, and climb a mountain or spend a week in the woods. Wash your spirit clean.” Machen wir sofort, John! Aber nicht in der John Muir Wilderness in der kalifornischen Eastern Sierra, wo der Mount Agassiz (4235 m) und der Chocolate Peak auf erfahrene Wanderer warten. Noch in der Ansel Adams Wilderness mit dem Mount Ritter (4006 m), den Du 1872 als Erster bestiegen hast. Sondern im Sihlwald westlich des Zürichsees, mit der Bürglen (915 m) in der Albiskette als höchstem Gipfel. Und mit Caroline, geboren 1977, Fotografin, Autorin und Filmemacherin. Sorry, John!

Muirs Aufforderung findet sich zweisprachig im ersten, mit „Wildnis – Unerhört notwendig“ überschriebenen Kapitel des druckfrischen Bildbandes „Sihlwald – Wild und schön“ von Caroline Fink. Ein grosses Werk zu einem kleinen Stück Wildnis fast am Rande der grössten Stadt der Schweiz. Der Wildnispark Zürich Sihlwald ist schweizweit der erste und bisher einzige Naturerlebnispark, rund 12 Quadratkilometer gross. Nicht viel, aber viel seitig, viel sagend, viel bereichernd, viel farbig. Draussen (was ja in den letzten zehn Wochen nicht immer angesagt war). Und drinnen. Nämlich im 174 seitigen Meisterwerk von Caroline.

Zum einen: Spannende Texte und Interviews. Mit Leuten, die den Sihlwald besser als ihre Hosentasche kennen. Und dann die Fotos! Wald ist ja, grobastig gesagt, einfach Holz und Blätter. Von wegen. Gerade die vier jahreszeitlichen Strecken mit doppelseitigen Fotos bringen uns den Wald näher, als wenn wir selbst in ihm wären. Wenigstens visuell. Riechen und spüren können wir ihn auf Papier nicht, aber Finks Fotos waschen dieses „wenigstens“ beinahe weg. Mit ihnen sind wir im Sihlwald voll drin. Und wenn wir auch in diesem ganz besonderen Wald umher stiefeln möchten (doch, doch, das dürfen wir!), dann hat’s im Buch ein paar Tipps drin. Also, let’s do it!

By the way, John: On page 123, you’ll see Caroline walking in the Sihl Woods.

Caroline Fink: Sihlwald – Wild und schön. AS Verlag, Zürich 2020. Fr. 48.-

Gipfelglück und Gipfelpech

Zwei neue Gipfelbücher bekannter Autoren. Eines kann man sehr gut aufschlagen.

3. Juni 2020

«Hundertundeine Geschichte über die berühmtesten Gipfel der Alpen: die Höchsten, die Schönsten, die Schwersten, die Schicksalsberge, die Sagenhaften, die Unscheinbaren…»

Steht auf der Rückseite des Buches „101 Gipfel der Alpen – und was Sie über diese schon immer wissen wollten“. Vom Stuhleck (1782 m), dem ersten Skiberg Österreichs, bis zum Mont Aiguille (2087 m), der 1492 erobert wurde, als Kolumbus nach Amerika segelte, hat Uli Auffermann besondere Gipfel mit interessanten Geschichten ausgewählt. Klar: Wenn ein schweizerischer, französischer, italienischer oder slowenischer Verleger ein solches Buch auf den Markt brächte, hätten der Gaisberg (1287 m) oder das Dürrnbachhorn (1776 m) kaum Aufnahme gefunden, der Hahnenkamm (1712 m) mit der Streif-Abfahrt vielleicht schon, obwohl auch das Lauberhorn (2472 m) einen Podestplatz verdient hätte. 22 der 101 vorgestellten Gipfel stehen (wenigstens halbwegs) in der Schweiz, wobei es in Wirklichkeit mehr sind, denn die Nr. 75 mit den Churfirsten weist sieben Gipfel auf, die Nr. 81 mit dem Mont Rosa deren sechs (insgesamt sogar neun, wovon drei ganz in Italien). Und, ein schöner Zufall: Bei 22 Nummern konnte ich ein Gutzeichen dahinter setzen; allerdings stand ich nicht auf allen Firsten zwischen Walensee und Toggenburg, am Monte Rosa fehlen mir einige Spitzen, an der Drusenfluh mindestens zwei Türme. Wie vor drei Wochen geschrieben, verpasste ich die Pointe Walker der Grandes Jorasses (Nr. 95) um 350 Höhenmeter. Die Nr. 88, die Rocciamelone (3538 m) im Piemont, die möchte ich einmal besteigen: „Man braucht kein Sünder zu sein, um sich den höchsten Wallfahrtsort der Alpen einmal anzusehen“, heisst es in diesem handlichen und empfehlenswerten Gipfelbuch.

„Bunter, facettenreicher und kurzweiliger ist die Alpingeschichte nie erzählt worden.“ Steht auf der Rückseite des Buches „Das ist doch der Gipfel. Geschichten von den Bergen der Welt“. In fünfzehn Kapiteln beleuchtet Andreas Lesti Persönlichkeiten aus der Geschichte des Alpinismus und des alpinen Tourismus, von Belsazar Hacquet und Johann Wolfgang Goethe über Jemima Morell, Meta Brevoort und Aleister Crowley bis zur Familie Barmasse und zu David Lama. Als ich das handliche Gipfelbuch erstmals aufschlug, geriet ich zufällig auf die Seite 45 mit „Die letzten sieben unbestiegenen Alpengipfel“. Höchst interessant, fand ich. In der Einleitung zur Aufzählung steht, dass das goldene Zeitalter des Alpinismus 1854 begann, „als gerade mal 39 Alpengipfel übrig geblieben waren, und endete im Sommer 1865, da waren es noch sieben Viertausender.“ Als siebtletzter Gipfel wird das Matterhorn aufgeführt, obwohl der sechstletzte (Aiguille Verte) und der fünftletzte (Obergabelhorn) früher erstmals bestiegen wurden; als letzter die Pointe Walker, deren erste Besteigung allerdings erst 1868 erfolgte. Soweit schon leicht falsch. Aber: 12 der 48 Viertausender der Schweiz wurden erst nach 1865 erstmals bestiegen, die schwierigsten des Montblanc-Massivs, die fünf Aiguilles du Diable, gar erst zwischen 1923 und 1928. Soweit ganz falsch. Dass es 1854 noch 39 unbestiegene Alpengipfel gegeben haben soll, widerlegt schon allein die alpingeschichtliche Tatsache, dass 58 Alpingipfel im Jahre 1865 erstmals bestiegen wurden. Nach dem Lesen der Seite 45 klappte ich dieses Gipfelbuch wieder zu.

Uli Auffermann: 101 Gipfel der Alpen – und was Sie über diese schon immer wissen wollten. Bruckmann Verlag, München 2020, Fr. 22.-

Andreas Lesti: Das ist doch der Gipfel. Geschichten von den Bergen der Welt. Bergwelten Verlag, Wals bei Salzburg 2020, Fr. 26.-

Schnurstracks durch die Schweiz

Direttissima 2.0: Mit Thömi und Annette quer durch die Schweiz. Viel Spass!

27. Mai 2020

«Schweizer erproben neue Form des Alpinismus.»

Mächtig stolz war ich auf diese Schlagzeile des „Alpin Magazin“ im Oktober 1983. Mein erster Artikel für eine Bergsportzeitschrift hatte es gleich auf die Frontseite geschafft. Dem damaligen „Alpin“-Herausgeber Reinhold Messner gefiel die Geschichte, wie Schweizer eine alpine Disziplin erfinden, nämlich die „Expedition in die Heimat“. Titel der dreieinhalb-seitigen Story im Heftinnern: „Neue Direttissima“. Ich berichtete, wie im Sommer 1983 Initiant Markus Liechti mit seinen Freunden Daniel Bähler und Kurt Saurer – für die Strecke von Lauterbrunnen über das Schreckhorn zur Furkapassstrasse verstärkt um Toni Steiner – die Schweiz auf der längstmöglichen Geraden durchquerte: auf dem Breitengrad 160 des schweizerischen Kilometernetzes vom Grenzstein 183 im Westen bis zum Klein Tartscher Kopf (2917 m) im Osten. 333 Kilometer misst die Gerade, der die Berner an 23 Tagen über alle Hindernisse hinweg folgten, mit einer 500-Meter-Toleranzgrenze nach Süden und Norden. Nur gerade dreimal mussten „die geradlinigen Eidgenossen“ ihren Ein-Kilometer-Korridor verlassen. Ihre Unterstützungsequipe bestand aus einem Reporterteam des Deutschschweizer Radios, das die Direttissima-Begeher während des ganzen Gewalttrips begleitete, mit täglichen Direktreportagen. Ein voller Erfolg für alle Akteure.

„Ich erinnere mich gut, wie fasziniert ich von der Berichterstattung war, die ganz meinem Abenteuergeschmack entsprach“, lesen wir im Buch „Schnurstracks durch die Schweiz“ des Berner Fotografen, Filmers und Abenteurers Thomas Ulrich. „Und so entschied ich mich dazu, nach allen meinen Expeditionen in weit entfernte Gebiete, den Blick für einmal auf die eigene Heimat zu lenken. Die Direttissima-Idee ist einfach zu gut, um sie zu versenken. Wo bringt mich die Route überall hin? Was hat sich seit 1983 verändert? Und: Schaffe ich es, im Unterschied zu meinen Vorgängern, kein einziges Mal den Sektor zu verlassen?“

Thomas Ulrich schaffte es im Sommer 2017, meistens alleine. Auf der hochalpin schwierigsten Strecke quer durch Eigerwände, über Schreckhorngrat und Grimselgranitgletscher zum Beispiel begleitete ihn Kurt Knöri. Im Sektor 160 blieb er auch, sogar dort, wo er mit dem Gleitschirm ein paar heikle und/oder unpassierbare Abschnitte überflog. Den Lai da Sontga Maria am Lukmanierpass querte er, schön brav auf der Linie 160 rudernd, auf einem Stand Up Paddle Board.

Nun ist das Buch zur Direttissima 2.0 erschienen, flott geschrieben von Annette Marti, illustriert mit vielen tollen Farbfotos, die meisten von Thomas Ulrich. Da und dort fehlt eine Bildlegende; nachvollziehbarer wäre es, wenn bei den Fotos jeweils die Koordinaten stünden, so dass die Leser noch mehr staunten, in welch verrücktem Gelände sich die helvetischen Direttissima-Begeher fortbewegen mussten. Ein erfrischender Bildband über einen bekannten Schweizer Abenteurer, über Expeditionsmöglichkeiten vor der Haustüre, über eine unbekannte Schweiz.

Ein Tipp für die Nachfolger von Markus, Thömi & Co: Statt West-Ost Nord-Süd durch die Schweiz, auf dem helvetischen Längengrad 723 (heute 2.723 geschrieben) von Ermatingen am Bodensee über das Rheinwaldhorn bis zum Grenzstein 74 südlich von Chiasso; der südlichste Punkt der Schweiz beim Grenzstein 75.B liegt noch im Korridor. Ich bin dabei.

Thomas Ulrich (Fotos), Annette Marti (Text): Schnurstracks durch die Schweiz. Parkour durch die Natur. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2020, Fr. 25.-

Markus Liechti u.a.: Direttissima Schweiz. Abenteuer auf Kilometer 160. Edition Erpf, Bern 1983. Erhältlich zB. auf www.zvab.com.

Ein Leben für die Kinder Tibets

Ein Buch, das Mut und Trost gibt, gerade in düsteren Zeiten.

19. Mai 2020

«Den fünfjährigen Geleg erreichte Tendol nur über eine gefährliche Bergroute. Die halsbrecherische Fahrt führte über reiβende Flüsse fernab jeglicher Zivilisation. Zur Überquerung der Gewässer musste die Reisegruppe auf ein notdürftig zusammengebasteltes Floβ zurückgreifen. Ausgerechnet auf dieser Tour wurde Tendol von einer ganzen Gruppe von Beamten begleitet. Schnell wurde klar, dass sie die Einzige war, die schwimmen konnte. Die Männer bewunderten den Mut dieser seltsamen Ausländerin. Mehrere Tage waren sie unterwegs, bis sie sich mit dem bei den Behörden gemeldeten Buben unterhalten konnten. Er lebte gemeinsam mit einem älteren Mann in einem Zelt, weit weg von den nächsten Nachbarn. Der Junge wirkte verstört. Tendol erfuhr nur wenig über seine Geschichte. Die Eltern waren tot, der Mann ein entfernter Verwandter. Der Blick des Kindes sagte ihr, dass sie es sofort mitnehmen musste.»

Für die chinesischen Behörden im Tibet ist Tendol Gyalzur eine seltsame Ausländerin. Dabei ist sie eine Einheimische. Eine, die im März 1959 aus dem Tibet fliehen musste. Auf dem beschwerlichen Weg über die Pässe des Himalajas verlor sie ihre Eltern und ihren Bruder. Jahre später nahm sich der Dalai Lama des Waisenmädchens persönlich an. So kam Tendol nach Deutschland und schliesslich in die Schweiz. Hier heiratete sie den Tibeter Lobsang, bildete sich zur Pflegefachfrau aus und wurde Mutter von zwei Buben. Jahrzehnte später kehrte Tendol nach Lhasa zurück, und als sie vor dem Potala-Palast Kinder auf der Strasse leben und hungern sah, war ihr Weg klar: Sie eröffnete das erste Waisenhaus Tibets – es sollte nicht das letzte sein. Und in ein solches Haus brachte sie Kinder wie den fünfjährigen Geleg, um sie aus der Trostlosigkeit in ein hoffnungsvolles Leben zu begleiten.

Die Journalistin und Autorin Tanja Polli hat mit Tendol Gyalzur zahlreiche Gespräche geführt, hat sie aufs Dach der Welt begleitet und schildert ihre „unglaubliche Geschichte“ im Buch „Ein Leben für die Kinder Tibets“. Sie erzählt von den teils fast everesthohen Schwierigkeiten, die Tendol Gyalzur im Tibet überwinden musste, um ihre Waisenhäuser zu bauen und zu führen. Erzählt vom Unverständis, das sie dort bei Leuten auch traf. Aber nicht nur dort: Ihre beiden Söhne hatten anfangs Mühe, dass ihre Mutter im Tibet lebte und armen Kindern half. Heute unterstützen beide das Hilfsprojekt: Der ältere mit einer Bierbrauerei vor Ort, in der ehemalige Heimkinder arbeiten, der jüngere von Rapperswil aus.

Ende Oktober 2019 erschien das Buch über die „seltsame Ausländerin“. Anfang Mai ist Tendol Gyalzur an Covid-19 gestorben. In der Todesanzeige schreibt die Familie: „,Ich stehe unter einem guten Stern‘, sagte Tendol gerne. Für uns, die wir zurückgeblieben sind, bleibt der Trost, dass unsere geliebte Amala nun selber als guter Stern am dunklen Firmament über uns wacht. Wir versuchen, nicht zu weinen, dass Tendol uns verlassen hat, sondern zu lächeln, weil sie unser Leben mit ihrem grossen Herzen bereichert hat.“

Tanja Polli: Ein Leben für die Kinder Tibets. Die unglaubliche Geschichte der Tendol Gyalzur. Wörterseh Verlag, Lachen 2019, Fr. 36.90.

Gipfelstürmer im Montblanc-Massiv

Montblanc for ever. In vier Sprachen.

11. Mai 2020

«Zu meinem grössten Bedauern kann ich nicht sagen, ich habe den Walker-Pfeiler gemacht.»

Verrät der italienische Journalist und Schriftsteller Paolo Paci im Buch „4810 Il Monte Bianco. Le sue storie, i suoi segreti“. Die kleine Beichte – „Il mio maggior rimpianto è di non poter dire ‚ho fatto la Walker‘“ – findet sich im Kapitel „Nord delle Grandes Jorasses. Il mito assoluto”. Paci, Jahrgang 1958, schreibt, es hätte in seinem Bergsteigerleben vielleicht eine Zeit gegeben, in der er an eine Begehung des 1200 Meter hohen Walker-Pfeilers gedacht habe, doch seine möglichen Seilpartner hätten ihn nur mitleidig angeschaut; ihre Skepsis habe ihm wahrscheinlich das Leben gerettet.

Eine kleine Episode in einem grossen Buch über das Montblanc-Massiv. In vier Teilen (Italien, Frankreich, Tour du Mont-Blanc und der 4810 Meter hohe Vetta) schildert es von heute aus Geschichte und Gegenwart der Gipfel und Gestalten, Geschehnisse und Geheimnisse rund um das Dach der Alpen. Spannende Stories, vor allem auf der uns viel weniger bekannten Südostseite mit Courmayeur, Val Veny und dem italienischen Val Ferret. Da muss ich im nächsten Jahr unbedingt mal für ein paar Tage oder mehr hinreisen – und nicht nur durchfahren, auf der Autobahn zwischen Aosta und Genf. Ein paar Flüchtigkeitsfehler sind auszumachen, doch schmälern sie den sehr positiven Gesamteindruck keineswegs. Und dass Paolo Paci mehr als nur La Walker und andere berühmten Routen im Kopf hat, zeigt zum Beispiel, wie er eine verblüffende Pinsellinie zwischen Turner, Hodler und Rothko zieht.

Eine Seillänge weniger empfehlenswert ist eine neue Monografie zu einem der berühmtesten Berge im Montblanc-Massiv, zu den Grandes Jorasses. Bergführer, Journalist und Buchautor Claude Gardien schildert fast nur die alpinistische Geschichte an diesem Granitkamm zwischen Italien und Frankreich, und da vor allem diejenige in der Nordwand. Natürlich, all die wilden Routen auf die sieben Gipfel, angefangen mit dem Crozpfeiler 1935 und drei Sommer später dem Walker-Pfeiler: Das darf, das muss immer wieder erzählt und gezeigt werden. Aber dass ausgerechnet eines der berühmtesten Fotos fehlt, dasjenige von Cassin, Esposito und Tizzoni nach der Erstdurchsteigung des Pfeilers auf die Pointe Walker (4208 m), erstaunt dann doch. Aber sonst hat es ganz tolle (Nordwand)-Bilder. Was ich aber vermisst habe, sind beispielsweise Hüttengeschichten, so zum Refuge-bivouac Canzio etwas oberhalb des Col des Grandes Jorasses an der Pointe Young (3996 m), dem tiefsten Gipfel der Grandes Jorasses.

Und jetzt noch ein Bilderbuch, das in diesem Jahr auf Deutsch erschienen ist: „Gipfelstürmer“ des Zeichners Pierre Zenzius. Er zeigt in genialen Bildern (und ganz kurzen Texten) die dritte Besteigung des Montblanc durch den Genfer Naturforscher Horace-Bénédict de Saussure und seine grosse Mannschaft am 3. August 1787. Was darüberhinaus das ganz Besondere an „L’ascension de Saussure“ (so der Originaltitel) ausmacht, ist der Hund, der mitkommt. Auf der ersten Doppelseite markiert er noch das Schlusslicht der langen Marschkolonne, am Schluss spurt er als erster gegen die Gipfelkalotte – très chouette. Mehr noch: Wie die ganze doch bestens bekannte Geschichte dieser Besteigung nicht nur gezeichnet ist, sondern auch erzählt wird – einfach wunderbar. Selber anschauen und lesen; mehr verrat ich nicht.

Doch noch etwas. Erstens: Das druckfrische Heft 69 der feinen Bergsteiger-Zeitschrift „Alpinist“ widmet sich vor allem dem Montblanc. Zweitens: Am 11. Mai 1986, also heute vor genau 34 Jahren, versuchten wir die Grandes Jorasses mit Ski über die Südseite zu besteigen. Auf dem oberen Gletscherplateau, auf etwa 3850 Meter, kehrten wir um; wir hatten Angst vor einem Schlechtwettereinbruch und wohl noch viel mehr vor dem fürchterlich steilen Schlusshang. Zu meinem grössten Bedauern kann ich also nicht sagen, ich habe die Pointe Walker gemacht.

Paolo Paci: 4810 Il Monte Bianco. Le sue storie, i suoi segreti. Corbaccio, Milano 2018, € 20.-

Claude Gardien: Les Grandes Jorasses. Glénat, Grenoble 2019, € 30.-

Pierre Zenzius: Gipfelstürmer. Aladin, Stuttgart 2020, € 15.-

Alpinist Magazin, Issue 69, Spring 2020: Mont Blanc, $ 15.-

Cartographica Helvetica – zwei neue Hefte

Gleich zwei neue Hefte der schweizerischen Fachzeitschrift für Kartengeschichte sind erschienen, die ganz unterschiedliche Themen unter die Linse nehmen.

4. Mai 2020

«Der höchste Punkt liegt unter mir, doch hier ist keines Bleibens, kaum gewährt er mir Raum zum Aufrechtstehen! Aber wollen wir hier photographiren, so bleibt keine Wahl, als den Gipfel um so viel abzunehmen, bis die Schnittfläche genügt, um das Instrument aufzustellen. Wir hauen für Merian und jeden Tornister eine große Stufe in’s Eis, dann beginnen Tischhauser und ich die Enthauptung der Jungfrau. Volle anderthalb Stunden haben wir aus Leibeskräften drauflosgehauen. Die Jungfrau ist etwa 1½ m niedriger geworden — da scheint der Raum zu genügen. Das Instrument wird aufgestellt, die Füße werden in das großblasige, brüchige Firneis gestemmt, dann geht es an ’s Photographiren. Tischhauser und ich operiren mit dem Instrumente, indeß Merian von seinem Platze aus die Chassis übermittelt und wieder deponirt. Jeder hat vollauf zu thun und nicht ohne seiltänzerische Evolutionen wird glücklich in einer weiteren halben Stunde die Hochgebirgsrundsicht in 6 Platten aufgenommen. An’sTrianguliren ist des knappen Raumes und hauptsächlich des schon seit einigen Stunden sich immer kräftiger entwickelnden Windes wegen nicht zu denken, und so treten wir, nachdem uns der eisige Luftstrom durch und durch ausgekühlt, um 1 Uhr 10 Min. den Rückweg an.»

Mon Dieu, was für eine Aussage des Topographen Simon Simon im Bericht „Ein photographischer Streifzug im Clubgebiet“, erschienen im 21. „Jahrbuch des Schweizer Alpenclub“ von 1885: die Enthauptung der Jungfrau! Da nimmt sich die Forderung „Nieder mit den Alpen, freie Sicht auf Mittelmeer“ der Jugendbewegung in den 1980er Jahren geradezu brav aus… Anderthalb Meter niedriger wurde die stolze Jungfrau an jenem 16. Juli 1885 gemacht. Und das für einen guten Zweck: Simon und seine Gehilfen Tischhauser und Merian waren in jenem Sommer 48 Tage in den Berner Alpen unterwegs, inklusive der Besteigung von 30 Gipfeln, um An- und Aussichten auf Glasplatten zu bannen. Aus zwei Gründen: Simon Simon (der heisst wirklich so!) brauchte diese bei der Modellierung seines riesigen Reliefs des Berner Oberlandes, das jahrzehntelang im Alpinen Museum der Schweiz in Bern ausgestellt war. Gleichzeitig dienten die Aufnahmen als Unterlagen für die die Erstellung zweier Panoramen, die als Beilagen zu den Jahrbüchern des SAC erschienen.

Dass die Karten des Bundesamtes für Landestopografie swisstopo, das 1838 in Genf durch Guillaume-Henri Dufour gegründet worden ist, weltweit einen hervorragenden Ruf haben, liegt eben auch daran, dass die Kartenmacher keinen Aufwand scheuten. Weder auf den höchsten Gipfeln noch unten in der Stadt; so ab 1889 im ersten Photoatelier des Eidgenössischen Topographischen Bureaus, das sich neben dem Bundeshaus Ost im Gebiet des heutigen Hotels Bellevue befand. Und dass die Arbeit keineswegs ungefährlich war, vor allem wenn zum Photographieren des Landes das Flugzeug eingesetzt wurde, zeigt der Umstand, dass auffällig viele „fliegende Vermessungstechniker“ den Tod durch Absturz fanden.

Der Ingenieur-Topograph und Fachhistoriker Martin Rickenbacher, Leiter der Arbeitsgruppe für Kartengeschichte der Schweizerischen Gesellschaft für Kartografie, beschreibt im Heft Nr. 59 der „Cartographica Helvetica“ die Entwicklung und die Anwendung der analogen Photographie am Bundesamt für Landestopographie. Bereits 1863, also in den Kinderjahren dieser neuen Methode, finden sich die ersten Hinweise für eine photographische Kartenreproduktion – notabene für die Alpenclubisten auf ihrer ersten Exkursion. Die Hochblüte der Reprophotographie lag in den Jahren von 1940 bis 1990. Tempi passati: Unsere Gesellschaft fotografiert digital, auf der Jungfrau so gut wie am Mittelmeer. Über das Ende der analogen Photographie bei swisstopo berichtet Felix Frey. Das Heft ist 72 Seiten dick, mit 80 Abbildungen. Besonders gefallen mir als in Belp Aufgewachsenem die verschiedenen innovativen Kartenproben der damaligen Landestopografen vom Belpberg und Gürbetal.

Und gleich noch ein Heft der schweizerischen Fachzeitschrift für Kartengeschichte ist anzuzeigen: „Die Schöpfkarte des bernischen Staatsgebietes von 1578“, herausgegeben von Michael Schläfli und Hans-Uli Feldmann. Aus aktuellem Anlass: Der Berner Stadtarzt Thomas Schöpf wurde vor 500 Jahren geboren. Dass er 1577 an der schlimmsten bekannten Pandemie der Menschheitsgeschichte, der Pest, starb, ist nur von zufälliger Aktualität. Die Karte, die in einer Ausstellung in Bern in einem Original zu bewundern ist, entstand als Gemeinschaftswerk und war kein Produkt systematischer Landesvermessung, sondern basiert auf einer ausführlichen Handschrift. Dieser Kommentar und die Karte zusammen ergeben ein einmaliges Bild des Alten Bern. Heft 60 von „Cartographica Helvetica“ beleuchtet die Schöpfkarte, die das bernische Staatsgebiet erstmals genau darstellt, aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Im Kommentar von 1577 und dann natürlich auch auf der Karte taucht erstmals der Name „Wetterhorn“ auf. Diese hohe Warte zwischen Grindelwald und Rosenlaui hatte jahrelang noch einen zweiten Namen: Hasli-Jungfrau.

Martin Rickenbacher und Felix Frey: Photographie an der Landestopographie. Reprophotografie, Messbilder, Aerophoto-Karten, Luftbildpläne und Photopanoramen der Schweiz. Cartographica Helvetica, Heft 59/2019.

Michael Schläfli und Hans-Uli Feldmann (Hrsg.): Die Schöpfkarte des bernischen Staatsgebietes von 1578. Cartographica Helvetica, Heft 60/2020. Zur Schöpfkarte gibt es eine Ausstellung des Zentrums Historische Bestände im Gewölbekeller des Bibliothek Münstergasse in Bern (bis Ende Oktober, bei gutem Verlauf der Corona-Krise), www.unibe.ch/ub/schoepf

Die CH-Hefte sind zu bestellen unter: info@cartographica-helvetica.ch; pro Heft 25.- www.kartengeschichte.ch