Der Winter ist nochmals zurückgekommen, kurz vor dem astronomischen Frühlingsbeginn. Da lohnt sich ein Blick auf neue Schneepublikationen.
«Ich blieb meinem Partner Rossignol treu, weil ich mir sagte: Geld darf nicht der Grund für einen Wechsel sein, auch weil ich überzeugt war von meinen Ski. Meine Treue bezahlte sich aus, ebenso bei Subaru.»
Sagt die Schweizer Skilegende Bernhard Russi im Tamedia-Interview vom 27. Februar 2026. Gibt man allerdings auf Google die Stichworte «Bernhard Russi Skimarke» ein, so erhält man automatisch folgende Antwort von KI: «Bernhard Russi, der Schweizer Olympiasieger und Weltmeister der 1970er-Jahre, fuhr während seiner aktiven Karriere hauptsächlich Skier der österreichischen Marke Kneissl. Er war eines der Aushängeschilder für Kneissl und feierte auf diesen Skiern seine größten Erfolge, darunter den Abfahrts-Olympiasieg 1972.» Schaut man sich die dazugehörenden Fotos an – von Russis Abfahrts-Siegen 1970 an der WM in Gröden und 1972 an der Olympiade in Sapporo – so sieht man deutlich das rote R im weissen Kreis in der Spitze der Lauffläche.
R wie Rossignol. Loïc Meillard und Federica Brignone fahren Rossignol. Hätten sie in den 1960er Jahren Skirennen bestritten, wären sie sicher auf dem französischen Rossignol Strato gestanden. Wie einst Jean-Claude Killy oder Henri Duvillard. Der Rossignol Strato war der «roi de la neige», wie einer Reklame von 1969 zu entnehmen ist. Er war im Salon de Grenoble im Januar 1965 erstmals vorgestellt und dann zehn Jahre lang produziert worden: «Le premier ski à avoir passé la barre symbolique du million paires vendues au monde.» Das Porträt zu diesem legendären Ski findet sich in der achten Ausgabe von «Ski français», die sich Ikonen widmet. So auch beispielhaften Momenten im alpinen Skirennsport, vom Sieg von Christine und Marielle Goitschel im Slalom an der Olympiade in Innsbruck 1964 bis zum 100. Weltcupsieg von Mikaela Shiffrin, im Slalom von Sestrières am 23. Februar 2025. Eine Skifahrerin oder ein Skifahrer aus der Schweiz tauchen da nicht auf. Immerhin, bei drei ausgewählten Skisportlern, die in ihrer Spezialdisziplin alles und mehr geben, brettert der Walliser Steilwandfahrer Jérémie Heitz mit Vollspeed weisse Wände hinunter. Im Kapitel über Pisten, die man wenigstens einmal im Leben befahren haben sollte, sind nur solche aus französischen Bergen aufgenommen worden. Deshalb figuriert die Mur suisse im Skigebiet Les Portes du Soleil nicht auf dieser Liste, das Lauberhorn oder die Streiff ebenfalls nicht.
Tant pis. Wir bleiben mit dem Bergführer François Matet aus Sallanches grad in seiner Haute Savoie und gehen mit ihm auf «Ski de randonnée du Mont-Blanc au Léman», in die Gebiete Aravis, Bornes, Chablais und Haut Giffre. Ein handlicher Führer in zwei Sprachen mit vielen Fotos und 75 Touren für Anfänger und Könner. Eine solche Tour im Haut Giffre stellte ich im Februar 1992 in der Zeitschrift «Bergsteiger» vor: «Eine Tour auf die westlichsten Berge der Schweiz. Über die Tête de Bossetan (2404,5 m) verläuft die Grenze zu Frankreich, während der Gipfelanstieg zu den Dents Blanches (2706 m) in der Schweiz liegt. Für Deutschsprachige ein Geheimtip; die französischen Skibergsteiger hingegen schätzen diese trotz aller Lifte immer noch sehr lohnende Tourenregion.» Nebenbei: Die beiden Gipfel gehören zweifellos zu den westlichsten der Schweizer Alpen, doch im Jura erheben sich ja noch andere helvetische Höger.
Dass man manchmal nicht alles überblickt, erlebte ich grad im Taschenbuch mit dem aktuellen Titel «1926. Ein Jahr am Rand der Zeit» von Hans Ulrich Gumbrecht; es erschien 1997 unter dem Titel «In 1926. Living at the Edge of Time» und 2001 erstmals auf Deutsch. Auf dem Cover das ikonische Gemälde «St. Moritz» von Tamara da Lempicka von 1929; es zeigt eine rot gekleidete Frau in winterlicher Landschaft, wohl eine Skifahrerin, denn sie stützt sich auf einen Stock. Auf der Rückseite heisst es: «Eine faszinierende Zeitreise in das Jahr 1926. Skifahren, Jazz, Boxen, Stierkampf, Sechstagerennen, Straßenkampf, Büroarbeit, Nachtclubs.» Nur: Bis jetzt fand ich keinen Schneefleck zum Stichwort Skifahren, nicht mal unter demjenigen zum Bergsteigen. Dabei waren die 1920er Jahre DIE grosse Zeit der Entdeckung des winterlichen Gebirges. Die Skiliteratur (in jeglicher Form) kam damals so richtig in Schuss.
Beispielweise mit Henry Hoek. Kurzer Ausschnitt aus «Schnee, Sonne und Ski. Ein Buch über den Frühling im Hochgebirge» von 1926: «Ende März. Noch ist Winter in den Bergen. Tief verschneit liegen sie unter Schnee. Und doch ist der Frühling schon in der Luft, er ist in der Form der Wolken, in der Farbe des Himmels, in dem Glanz der Schneedecke, im Knospen der Erlen am Bach und dem zarten Duft der Tannen auf sonnigem Hang.» Und noch ein Zitat, diesmal zu den Ski selbst: «Da kam dieser neue Sport, der ganz auf Geschwindigkeit und Raumüberwinden eingestellt ist, der seiner innersten ‹Idee› nach Raumhunger und Schnelligkeitsdurst ist, und der als Gerät nur zweier Bretter bedarf.»
Ski français. Tome 8: Icônes. Éditions Glénat, Grenoble 2026. € 20,00.
François Matet: Ski de randonnée du Mont-Blanc au Léman. Tome 2: 75 itinéraires/volume 2: 75 ski touring routes. Aravis, Bornes, Chablais, Haut Giffre. JMEditions, Chamonix 2026. € 28,50.
Hans Ulrich Gumbrecht: 1926. Ein Jahr am Rand der Zeit. Suhrkamp Verlag, Berlin 2025. € 20,00.


