Schweizer Bergwelten

Wer die «Schweizer Bergwelten» benutzt, sieht weiter. Gilt auch für diejenigen, die am 15. Oktober 2025 in den PROGR in Bern wandern.

«Was mir schlaflose Nächte bereitet, ist die Tatsache, dass der Gletscherschwund nur ein Effekt des Klimawandels von vielen ist – neben absterbenden Korallenriffen, immer mehr Waldbränden, steigendem Meeresspiegel. Die Gletscher stehen nur exemplarisch für eine ganze Palette an Folgen des Klimawandels.»

Sagt der Glaziologie-Professor Daniel Farinotti, der an der ETH das enge Verhältnis zwischen Klima, Gletschern und Wasser erforscht. Wer gestern Montag die Sendung «Rendez-vous am Mittag» auf Radio SRF 1 gehört hat, weiss, wie schlimm es um die Korallenriffe steht. Wenn wir so weitermachen wie bisher, sterben sie unwiederbringlich ab, und zwar noch rascher als befürchtet. Die Folgen: weniger Küstenschutz am Meer, viel weniger Fische. Dazu der Meeresspiegel, der steigt. www.srf.ch/news/international/ungebremste-erderwaermung-klima-kipppunkte-ruecken-naeher-korallen-nicht-mehr-zu-retten. Kurz: Es wird immer ungemütlicher auf der Erde. Da hilft leider auch der Ausflug an die Herbstsonne überm Nebelmeer nur kurzfristig.

Das Interview mit Daniel Farinotti findet sich im grossen Buch «Schweizer Bergwelten. 100 Infografiken mit Weitsicht» von Fabian Lang. Das Interview ist illustriert mit einer Grafik, darin der Verlust des Gesamtvolumens aller Alpengletscher deutlich dargestellt ist, wobei die grüne Linie einem optimistischen Abnahmeverlauf entspricht, die rote einem pessimistischen. Beide Linien sinken aber beängstigend: Betrug das Gletschervolumen im Jahr 2003 120 km3, liegt es beim optimistischen Szenario im Jahr 2100 noch bei 37 m3, beim roten bei 4 km3. Den grössten Gletscher der Alpen wird man dazumal also noch knapp sehen.

Nicht alle Grafiken erschliessen sich so klar, andere manchmal erst auf den zweiten Blick. Aber dann: Was für erhellende Einsichten zur Schweiz und ihren Bergen, Bewohnern, Tieren und Pflanzen, angeordnet in den vier Kapiteln Klima, Wildnis, Kartografie und Mensch. Der Blick in die Aletsch-Zukunft: wie erwähnt – traurig. Die aufgezeichneten Flüge von Bartgeiern: absolut verblüffend. Die Kartengeheimnisse: zum Schmunzeln (auf Blättern der Landeskarte der Schweiz waren mal ein Murmeltier, ein Hecht oder ein Bergsteiger zu entdecken; das Hardermannli jedoch hat alle nachträglichen Korrekturen überlebt). Der Homo Montis: gleicht dem helvetischen Talmensch. Und was ist ein Quatterquetschi? Das gleiche wie ein Wetterguck oder Tatermännlein, nämlich ein Alpensalamander; 50 unterschiedliche deutschsprachige Bezeichnungen gibt es für ihn. Anders gesagt: «Schweizer Bergwelten» ist Fundgrube, Lexikon, Wegweiser und Standartwerk zugleich. Passt zudem bestens zur Diskussionsrunde am Mittwoch, 15. Oktober 2025, im PROGR in Bern: Wie steht es um unsere Berge?

Fabian Lang: Schweizer Bergwelten. 100 Infografiken mit Weitsicht. Helvetiq, Basel 2024. Fr. 69.-

Mittwoch, 15. Oktober 2025, 20 Uhr: Hauptsachen Talk – Wie steht es um unsere Berge? PROGR Kleine Bühne Podium, Bern.
Der Klimawandel verändert die Berge der Schweiz. Wie wir damit umgehen sollen, müssen und können, diskutieren folgende Gäste:
•         René Maeder, Gemeinderatspräsident von Kandersteg und Grossrat (Mitte)
•         Nils Hählen, Leiter Abteilung Naturgefahren Kanton Bern
•         Philippe Wäger, Leiter Hütten und Umwelt beim SAC
•         Barbara Keller, Projektleiterin Ausstellung «Wenn Berge rutschen», Museum Alps
Moderation: Hauptstadt-Redaktorin Jana Schmid
Veranstalter: Hauptstadt, PROGR – Zentrum für Kulturproduktion
www.progr.ch/de/agenda/hauptsachen-talk-wie-steht-es-um-unsere-berge-7774/

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