Sehnsucht nach den grünen Höhen

Ein Rezeptbuch gegen die Wandersucht – oder eines, das sie fördert oder beides? Der Verleger sagte an der Buchvernissage in Glarus, die siebzehn Wanderungen in diesem literarischen Führer bewegten sich im «Universum der Zopfis». Mag sein. Möge sich wer mag sein eigenes Universum erschliessen. Wandernd. Oder auf dem Sofa lesend und die Bilder betrachtend.

Sehnsucht_Umschlag„Von der Hochwacht aus überblicken wir einen großen Teil der Literaturlandschaft, die wir erwandert und ‚erlesen‘ haben – im Doppelsinn des Wortes: die Hügel des Zürcher Oberlandes, die Linthebene, hinter der wir den Walensee erahnen, das Glarnerland mit seinen Bergen und weit im Osten die Gipfel des St. Galler Oberlandes. Wir stellen uns vor, auf dem Aussichtsturm der Hochwacht sei nicht ein Panorama der Berge, sondern eines der Literatur montiert, mit den Namen von Autorinnen und Autoren, ihren Büchern und Geschichten.“

Genau dieses Panorama können wir seit ein paar Tagen in den Händen halten, können darin blättern, schauen und lesen. Überall, wo wir wollen, nicht nur auf der Hochwacht am Pfannenstiel östlich des Zürichsees, auch auf der Hohwacht bei Huttwil oder im Kurhaus Hohwacht ob Langnau im Emmental, im Hochbett einer Hütte oder im tiefen Keller einer Hochhauses. Am passendsten aber natürlich in der Literaturlandschaft, in die sich Christa und Emil Zopfi lesend und wandernd begeben haben. Und die nun in einem wunderbar formulierten, fotografierten und recherchierten Buch vorliegt: „Sehnsucht nach den grünen Höhen. Literarische Wanderungen zwischen Pfannenstiel, Churfirsten und Tödi.“

Wo Hermann Hesse nackt kletterte, wo Anna Göldin zur Richtstätte schritt, wo Max Frisch dem Pfannenstiel-Verehrer Albin Zollinger begegnete, wo Hans Morgenthaler fast alle Finger erfror, wo Ludwig Hohl den Ruf zum Dichter empfing und wo seine erste Freundin Getrud Luder zu Tode kam. An diesen und vielen weiteren Orten kommen wir mehr oder weniger nah vorbei, wenn wir dem Ehepaar Zopfi folgen, mit den Augen, noch besser mit den Füssen. Durchs Tösstal, am Walensee, entlang der Linth oder der Tamina. Nur an einem Tag, oder an drei Tagen hintereinander, immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln, immer mit genauen wandertouristischen und literarischen Infos und Tipps. Wichtiger noch: immer mit unglaublich vielen Begegnungen. Über fünfzig Autorinnen und Autoren begleiten uns, bekannte wie Theodor Fontane, Rainer Maria Rilke, Franz Hohler oder Eveline Hasler, doch ebenso verkannte, vergessene und vielversprechende. Einem der Literaten begegnen wir auf mehreren der 17 Wanderungen: Emil Zopfi selbst.

Wenn er uns mitnimmt ins Zürcher Oberland, dann lernen wir auch seine Gibswiler Jugendzeit kennen. Wenn er zum Tödi oder Glärnisch aufbricht, dann sind seine Bergmonografien mit dabei. Nicht aufdringlich, oh nein. Nur so en passant. Doch dieses Zurückgehen und Zurückverweisen auf die Wurzeln und den eigenen Weg macht aus diesem jüngsten literarischen Wanderbuch aus dem Rotpunktverlag ein ganz besonderes.

„Wandern kann süchtig machen“, schreiben Christa und Emil Zopfi in der Einleitung. Lesen ebenfalls. „Die Sehnsucht ist unstillbar.“ Das auch. Aber nun halten wir – aufgeklappt – ein Werk in den Händen, das sie lindert.

Christa und Emil Zopfi: Sehnsucht nach den grünen Höhen. Literarische Wanderungen zwischen Pfannenstiel, Churfirsten und Tödi. Rotpunktverlag, Zürich 2014, Fr. 45.-

Buchpräsentationen:
24. Oktober 2014, 20.30 Uhr. Zürich, Buchhandlung Orell Füssli am Bellevue.
8. November 2014, 16.00 Uhr. Brig, Alte Kaserne. BergBuchBrig.
20. März 2015, 20.00 Uhr. Urdorf, Gemeindebibliothek, Friedofstrasse 4.

2 Kommentare to “Sehnsucht nach den grünen Höhen”

  1. maria streit sagt:

    Liebe Christa Zopfi
    Lieber Emil Zopfi

    ganz herzlichen Dank für Eure sehr vielfältige, interessante und äusserst gelungene Buchpräsentation in Glarus!

    Hatte das Buch durchgeblättert und es gefiel mir sehr. Die Schriftgrösse schien mir für meine Augen allerdings etwas klein geraten. Sobald es in „meiner“ Buchhandlung vorrätig ist nehme ich es nochmals ohne Lupe unter die Lupe;-).

    Freundliche Grüsse
    Maria Streit

  2. maria streit sagt:

    Es war das angenehme Licht der Buchhandlung Wortreich welches mir die Schriftgrösse als etwas klein vorgaukelte.

    Dem reichlich bebilderten, mit einer Fülle interessanter Themen sehr gelungenem Buch gebe ich das Prädikat empfehlenswert! Egal wie viele Wanderung unter die Füsse genommen werden oder gar keine.

    Zu Eurem Baby herzliche Gratulation!

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