Ski spirit

Vorfreude sei scheints die reinste Freude. Ungetrübt von all den Widerwärtigkeiten des realen Lebens, kann man träumen vom reinen Weiss unberührter Hänge – in Wirklichkeit sind sie ja schon längst verfahren oder von Schneeschuhläufern zertrampelt. Und was eignet sich zum Träumen besser, als ein schönes Buch mit spannenden Texten, interessanten Routenvorschlägen und atemberaubenden Fotos. Hier drei Vorschläge eines Passionierten.

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„Auf dem Weißen tiefer unten tauchte George hinab, kam hoch und tauchte außer Sicht. Das Runtersausen und das plötzliche Niederschießen, als er einen welligen Steilhang der Bergwand Schuß fuhr, schalteten Nicks Denken aus und ließen nur das herrliche Gefühl von Fliegen und Fallen in seinem Körper. Er tauchte auf einer kleinen Anhöhe wieder auf, und dann schien der Schnee unter ihm wegzufallen, als er abfuhr, hinab, hinab, schneller, schneller in einem Schwung den letzten, steilen Abhang hinab.“

Wer möchte da nicht mitfahren, mitfliegen, mitlesen? Mit Ernest Hemingway in seiner 1924 publizierten Short Story „Cross-Country Snow“ („Schnee überm Land“). Ein neues Buch macht’s möglich. Giorgio Daidola, Signore Telemark und Überflieger der italienischen Skiliteratur, hat sozusagen sein Lebenswerk veröffentlicht: „Ski spirit. Sciare oltre le piste“. Darin versammelt er – aktualisierte – Artikel, die er für verschiedene Zeitschriften wie „Dimensione Sci“, „Ski Alper“ oder „Telemarkmag“ seit 1985 verfasst hat. Sauber geordnet wie klar gezogene Spuren im frischen Schnee, von der Settimana bianca in Chamonix durch das Couloir Poco Loco in Marokko und vorbei an den Impressionisti della neve bis zu Cento anni die spedizioni mare-montagne. Mit dabei auf dieser geografischen, historischen und kulturellen Skireise: Hannes Schneider, Arnold Lunn, Conan Doyle und Ernest Hemingway, of course. In der Mitte des Buches ein paar farbige Impressionen all der Schwünge von Giorgio dort, wo die Erde die weisse Unterlage bereithält, in die sich Spuren ziehen lassen. Im Kapitel „Bora albanese“ findet sich dazu der passende Satz: „Uno sci viaggio fa sempre nascere il desiderio di un altro sci viaggio.“ Ma sì!

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Das gilt auch für den Bildbandführer von Jean Annequin und Michel Zalio: „À ski autour du monde. Les 24 plus beaux voyages.“ Ein atemberaubendes Werk! Nicht allein wegen der Gebiete und Gipfel rund um die Welt des Schnees, wo die beiden französischen Bergführer ihre Kunden hinführten, von verschneiten Bergen am Mittelmeer über diejenigen in Iran und Japan bis hinunter zu sturmumtosten Anhöhen in Südgeorgien. Auch die Leser kämen bzw. kommen dorthin, weil sie neben Kartenübersichten auch ziemlich detaillierte Infos zu den 24 mondialen Skitourenwochen erhalten. Was das Werk neben „Ski spirit“ von Diadola aber zum Traumbuch für skifahrende Weltenbummler macht, sind die zahlreichen, teils doppelseitigen Fotos. Wer sie anschaut, hat nur noch einen (Weihnachts-)Wunsch: Ski packen und losfahren. Um es mit Jean Annequin am Schluss seiner Einleitung zu sagen: „Lisez. rêvez. Partez.“ Mais oui!

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Zugegeben: Der Mala Mojstovska (2332 m) liegt noch in den Alpen, der Mont Sannine (2628 m) allerdings nicht mehr, zum Osorno (2662 m) dauert die Anreise zwei Tage, zum Binary Peak (789 m) knapp zwei Wochen (davon eine auf dem Segelschiff). Wer näherliegende Skiziele sucht, dem oder der sei der neue Skitourenführer „Berner Alpen Ost“ von Martin Maier empfohlen. Darin finden sich alle skialpinistischen und touristischen Informationen zu Eiger, Axalphorn und Weisse Frau: genaue Routenbeschreibungen, Schwierigkeitsangaben mit Hangneigungen, An- und Rückreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, alle wichtigen Unterkünfte. 150 aktuelle Fotos mit eingezeichneten Routen helfen, die beste und sicherste Fährte zwischen Hohgant und Aletschhorn zu er-fahren. Mehr noch: Alle vorgestellten Skitouren, die klassischen wie die ganz neuen, sind naturverträglich und immer abgestimmt auf die analogen und digitalen Skitourenkarten von swisstopo. Martin Maier hat vorbildliche Arbeit geleistet. Auch bei Vorfahrer Arnold Lunn, der 1911 den ersten Skitourenführer fürs „Bernese Oberland“ publiziert hat, würde Freude herrschen.

Giorgio Daidola: Ski spirit. Sciare oltre le piste. Alpine Studio, collana Orizzonti, Lecco 2016. 17 €.

Jean Annequin et Michel Zalio: À ski autour du monde. Les 24 plus beaux voyages. Éditions Paulsen, collection Guérin, Chamonix 2016, 39.50 €.

Martin Maier: Skitouren Berner Alpen Ost. Hohgant bis Aletschhorn. SAC Verlag, Bern 2016, 49.- Fr.

Giorgio Daidola stellt am 14. Dezember 2016 um 21 Uhr sein Buch „Ski spirit“ vor, am Sitz des Club Alpino Italiano UGET, Corso Francia 192, Parco della Tesoriera in Torino.

Ein Gedanke zu „Ski spirit

  1. I have had the pleasure to divide days of skiing and travel with Giorgio Daidola. The mountains of Lefka Ori in Crete, Mount Kaçkar in Turkey, the crossing of Hispar and Biafo glaciers in Karakorum, the mountains of Armenia. Each trip was a different emotion, every trip for me was full of knowledge to share those days with a real gentleman, a master of the art of slipping on snowy slopes and the pleasure of traveling through the world. A pleasure always lived quietly and never yelled. And in the pages of this book the reader is accompanied by the author with the same grace.

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