Auch wenn es an Weihnachten wieder mal grün ist, nicht nur unten, sondern teils auch oben: Skiferien müssen sein, wenn nicht jetzt, dann erst recht im Februar. Mais oui! Drei Publikationen helfen nicht bei der Planung, aber beim gemütlichen Aufenthalt am Chalet oder im Hotelzimmer.
Pizza mit Pommes, wo gab es denn so was?, wunderte sich Frieda.
Beim Skifahren gab es das, wie sie kurz darauf feststellte. Selma erklärte ihnen, wie man die Spitzen der Ski vorne zusammenschob, während man die Enden auseinanderzog. Wenn es aussah wie ein Riesenpizzastück im Schnee, machte man alles richtig. Mit diesem Pizzastück konnte man nämlich supergut bremsen.
«Wenn ihr die Ski parallel haltet, werdet ihr schneller», erklärte Selma und richtete ihre Ski aus wie zwei Pommes, die nebeneinander lagen.
«Aber das lernen wir später. Wir fangen mit Pizza an.»
Selma ist Skilehrerin. Und Frieda ihre Schülerin. Mit dabei in der Skischule sind ihr Bruder, ihre Eltern – und Flinn. Nur: Er wird es nie lernen, das Skifahren. Das Gehen im Schnee, das beherrscht Flinn. Schliesslich zieht er den Schlitten des Weihnachtsmannes. Da er ihn jedoch mal da, mal dort ziehen muss, muss er hin und her reisen, dummerweise auch im Flugzeug. Und jetzt leidet er unter Flugangst. Frieda soll und will ihm helfen. Vielleicht verliert Flinn beim Skifahren die Angst vor Höhe und Geschwindigkeit. Soweit das Starthäuschen im Kinderbuch «Es düst ein Rentier durch den Schnee». Weihnächtliche Winterferien mal ganz anders, und doch vertraut. Geschickt verbinden Smilla Blau (Text) und Susanne Göhlich (Bild) die Klischees von Familienferien im Hotel und im Schnee bzw. auf der Eisbahn oder dem Sessellift mit einem Miturlauber, der sich nicht ganz an die Regeln halten kann. Und eigentlich lieber Pizza und Pommes, noch lieber aber Zimtkekse verspeist.
Gegessen wird ebenfalls in der siebten Ausgabe der Zeitschrift «ski français», die sich den «Vacances au ski» widmet. Im Kapitel «Quand la montagne fond dans l’assiette» teilen sich auf einer seitengrossen Foto Laetitia und Johnny Halliday in Gstaad nicht nur ein Fondue, sondern auch einen Kuss – moitié-moitié der ganz andern Art. Dabei werden in diesem Kapitel nicht Gruyère und Vacherin fribourgeois gerührt, sondern die Käsesorten aus der Savoie, die trotz all der winterlichen Besucher nicht ganz so bekannt sind wie die Skiorte, die insbesondere im Februar be- und überfahren werden. Sehr zu empfehlen, neben einem Raclette au Beaufort des Montagnes, ist das Kapitel «Le mythe des vacances au ski – carte postale ou construction sociale?» Kurze Kostprobe vielleicht? «Les vacances au ski sont l’une des plus grandes légendes hivernales de notre époque postmoderne: un mélange d’effort et de luxe, de nature et de consomation, d’authenticité rêvée et de réalité bien balisée.» So abgegrenzt wie die Pisten, die Bergrestaurants – und die sozialen Schichten: «Aller au ski, c’est faire partie de ceux qui savent.» Also für diejenigen, die das Skifahren so gut beherrschen wie das Avant- und Après-Ski. Und die das nötige Grossgeld haben. Schnee sollte es auch haben.
Hat es wieder mal nicht viel. So hocken wir vor einem Chalet an einem windstillen, sonnigen Platz und lesen ein Buch. Oder auch vor dem Cheminée, wenn Wetter oder Helligkeit nicht mitmachen. Zum Beispiel «Das letzte Fondue. Weihnachtliche Krimigeschichten aus der Schweiz». Dreizehn Geschichten, davon acht extra für diese Anthologie geschrieben, von bekannten Krimiautoren und -autorinnen wie Marcel Huwyler, Gabriela Kasperski, Ina Haller – oder Christoph Simon. Hauptfigur in seiner Story ist sein neuer Serienheld Paul Gertsch, Trödelladenbesitzer in der Berner Länggasse; den ersten Auftritt hat er in «Die geschenkte Leiche». Seine Tochter Alina hat ihm ein frühes Weihnachtsgeschenk gemacht: zwei Nächte im Hotel Blüemlisalp an einem See oberhalb Kandersteg. Es könnte der Oeschinensee sein; allerdings führt dort kein Wanderweg um den See herum, im Winter schon gar nicht. Aber Paul Gertsch unternimmt genau diese Runde zum morgendlichen Training. Kann passieren, und es passiert noch viel mehr Unvorhergesehenes, nicht nur bei Fondue (am 1. Abend) und Raclette (am 2. Abend). Beispielsweise, was Küchengehilfin Rosa (sie muss immer die Fondues anrühren) beim Eislaufen auf dem zugefrorenen See entdeckt. Wenn schon kein Schnee liegt, kann wenigstens auf Schwarzeis gekurvt werden.
Wo Sie auch immer stieben, sitzen oder singen: Frohe Weihnachten!
Smilla Blau, Susanne Göhlich: Es düst ein Rentier durch den Schnee. Fischer Sauerländer, Frankfurt am Main 2025. € 14,00.
Ski français. Tome 7: Vacances au ski. Éditions Glénat, Grenoble 2025. € 20,00.
Miriam Kunz (Hrsg.): Das letzte Fondue. Weihnachtliche Krimigeschichten aus der Schweiz. Atlantis Verlag, Zürich 2025. Fr. 22.90.


