Zwei unterschiedliche Bücher von nicht mehr ganz jungen Männern. Heinz Egli umwandert die Schweiz, Ruedi Horber besteigt Gipfel vor der Haustüre und weit weg, bespricht Politik und Wirtschaft, befragt Frauen und Männer.
«Heute ist ein eigenartiger Tag im Gemisch von Zivilisation und Natur. Entlang von Straßen, schönen Rebbergen, durch Siedlungsgebiete, hohes Gras mit Jucken an Unterarmen und Beinen und quer durch einen ausgetrockneten Kanal und das anliegende Kieswerk. Den Tipp eines Einheimischen, ‹noch kurz› den nahegelegenen Genfer Hausberg Mont Salève zu besuchen, muss ich trotz propagierter schöner Aussicht auf irgendwann aufschieben. Wo käme ich da hin, jeden nahe gelegenen Berg zu erklimmen?»
Tja, wo wäre er hingekommen, der Heinz Egli (Jahrgang 1965), wenn er auf seiner Umwanderung der Schweiz noch jeden Gipfel am Weg mitgenommen hätte? Das machte im Sommer 1992 Andrea Vogel; er umrundete damals auf seiner Grenz-Tour in 83 Tagen die Schweiz, wobei er 1882 Kilometer zurücklegte, 148‘000 Höhenmeter überwand und 151 Gipfel bestieg, auf den schwierigen Etappen begleitet von Seilpartnern. Anders Heinz Egli: Er war alleine unterwegs mit seinem hellblauen Zelt, wenn möglich immer nahe an der Grenze, aber nicht darauf, wenn das Terrain nicht wanderbar war. Deshalb ist sein Rundweg auch viel länger, nämlich 3000 Kilometer, während die Höhenmeter nur 2000 Meter mehr aufweisen. Am 25. März 2022 war der Heinz in St. Luzisteig an der Grenze zu Liechtenstein gestartet, am 14. Oktober 2022 kehrte er dorthin zurück, mit 133 Etappen in den Beinen und im Kopf. Die 44. Etappe führte von Soral unweit des westlichsten Punktes der Schweiz in der Rhone nach Annemasse, am Salève entlang statt über ihn. Über seinen helvetischen Rundweg hat Heinz Egli das Buch mit einem etwas langen Titel verfasst – nun, der Weg war ja auch lang: «Meine größte Grenzerfahrung. Die Umwanderung der Schweiz entlang dem Kulturerbe Landesgrenze. Einfach spektakulär». 240 Seiten, zahlreiche Fotos und Karten, noch mehr Erlebnisse, Kenntnisse und Tipp, Ein- und Aussichten. Auf Seite 178 die Legende zum Bild vom Grenzgänger mit ausgestreckten Armen: «Erhabenes Gefühl über dem Valle Bodengo.» Wo das wohl ist?
Den Genfer Hausberg liess Heinz Egli also rechts liegen. Ruedi Horber (Jahrgang 1951) hingegen kennt den Berner Hausberg Gurten auswendig. Er schreibt zu ihm: «Mein Haus- und Trainingsberg, wohl über 1000-mal hinauf oder rund um den Gurten gejoggt, aber auch einige gemütliche Anlässe im Bergrestaurant.» Zum Beispiel die Vernissage seines neuen Buches am 25. April 2026: «Polit-Bergbuch mit 30 Interviews. Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Berge». Im Anhang stellt der ehemalige Volkswirtschaftler im Bundesamt für Landwirtschaft und beim Schweizerischen Gewerbeverband sowie fleissige Leserbriefschreiber seine 75 schönsten Gipfel vor, vom Stromboli (926 m) über Kubas höchsten Gipfel Pico Turquino, die Chrummfadenflue («mein meistbestiegener Berg») und Marokkos höchsten Gipfel Toubkal bis zum Huayna Potosí (6088 m) – eine eindrückliche Liste! Ebenfalls im Buch neben 75 Beiträgen zu ganz verschiedenen Themen (25 davon sind Bergen gewidmet): Kurzinterviews mit 30 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Berg- und Laufsport (leider ohne Seitenangabe im Inhaltsverzeichnis). Und: Auf Seite 139 listet Ruedi «zehn bekannte Schweizer Hausberge» auf, darunter den Mont Salève.
Heinz Egli: Meine größte Grenzerfahrung. Die Umwanderung der Schweiz entlang dem Kulturerbe Landesgrenze. Einfach spektakulär. Novum Verlag, Zürich 2025; (signiertes) Exemplar direkt bei heinz.egli@sunrise.ch. Fr. 38.50.
Ruedi Horber: Polit-Bergbuch mit 30 Interviews. Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Berge. Eigenverlag, Niederscherli 2026; (signiertes) Exemplar direkt bei r.horber@gmx.ch. Fr. 30.-

