Vier neue Kletterführer für die Schweiz. Wir seilen uns an und steigen sofort ein.
«Die idyllische Zugfahrt mit den Chemins de fer du Jura durch Wiesen und Wälder der Franches Montagnes ist ein Genuss. Die Arête des Sommêtres liegt hoch über dem Doubs, gleich an der Grenze zu Frankreich. Trotz der abgeschiedenen Lage ist der Ort ausgezeichnet mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar.»
So steigt die Bergführerin Annina Reber in die erste Tour ihres Kletterführers «Erlebnis Gratklettern. Kraxel- und Gratklettertouren in der Schweiz» ein. Sie stellt 13 Touren zum Einsteigen, 10 zum Weiterkommen und 11 für routinierte Seilschaften vor, mit Infos, Kartenausschnitten und zahlreichen Farbfotos, von der Arête des Sommêtres im Jura bis zur Traversierung Seeschijen Südwest–Nordost in der Silvretta unweit der Grenze zu Österreich. Alle Touren sind gut mit dem öV erreichbar, und keine führt über Gletscher oder ist von der immer schneller fortschreitenden Ausaperung betroffen. Anders gesagt: Nur klettern und kraxeln ist schöner als durch Eismatsch und Geröll zu stolpern.
«Das Gipfelbuch auf dem Turelli datiert aus dem Jahre 1976. Früher wurde der kleine Felsgipfel als Beichelhorn bezeichnet, und so findet sich auf der ersten Seite der Gipfellektüre auch dieser Name wieder.»
So steigen die Gebrüder Silbernagel in die offenbar kaum gemachte Überschreitung Turelli – Läghörner im Seetal hoch oberhalb des Bahnhofs Hohtenn ein, eine der «90 Klettertouren über Grate, Pfeiler und Rippen» im zweiten Band von «Alpine Klettertouren». Das bewährte Führerduo stellt mit vielen Topos und erläuterten Kartenausschnitten 20 Touren in den Berner Voralpen, 33 im Berner Oberland, 21 in den nördlichen Wallisertälern/Aletsch (dazu gehört die Läghörner-Tour) sowie 16 im Oberwallis vor. Die erwähnte Überschreitung kann nicht mit gutem Fels, dafür mit Abgeschiedenheit und Heidelbeeren auftrumpfen. Ähnliches gilt auch für andere Touren, aber genau das macht Reiz und Mehrwert dieses Führers aus: neue, vergessene, übergangene alpine Klettereien, die auf Leute warten, die mit Seil und Pickel, mit mobilen Sicherungspunkten und mentalen Schlüsselstellen umgehen können.
«Das beim Melchsee beginnende Felsband mit dem beliebten Klettergarten Bonistock zieht sich – unterbrochen einzig nach etwa einem Drittel von der Chringen – über vier Kilometer hinweg Richtung Osten bis zu Barglen, wo es jäh abbricht. In der Mitte dieser Bergkette reihen sich drei nur wenig ausgeprägte Gipfel aneinander, welche alle Hohmad genannt werden.»
So leitet der Kletterführer «Zentralschweizer Voralpen. Ausgewählte Klettergärten und Mehrseillängen von 5c bis 7a» den vierten Abschnitt mit dem Hohmad ein. Er stellt mit Text, Fotos, Topos und Karten 22 Gebiete vor, vom Melchtal über Engelberg, Rigi-Gersau, Mythen-Ibergeregg bis ins Bisistal vor. Insgesamt sind es weit über 100 Mehrseillängenrouten und Klettergärten, die auf einen Besuch warten. Da wird man sich einerseits von Fotos angesprochen fühlen, wie beispielsweise von der Holzeggnadel hoch oberhalb Schwyz, andererseits von Routennamen wie Adlerhorst, Knacknuss und Liegestuhl, weniger wohl von Gummisau und Glück gha (alle an der Tridwand im Totenlauitobel bei Gersau am See). Was auch nicht eben verlockend tönt. Deshalb die Frage: Ist klettern wirklich schöner als schwimmen?
«Die Kletterei an der Burschlwand macht so richtig Spass. Hier kannst du deine ungeheure Kraft dank dem intensiven Hallentraining optimal einsetzen. Die Griffe sind riesig und die Absicherung perfekt.»
So leitet Sandro von Känel das Gebiet Burschlwand in der siebten Auflage des Kletterführers «Schweiz Plaisir Ost» ein. Burschl? Dürfen dann auch Maderl klettern? Beides hört sich irgendwie nicht nach einem Ostschweizer Dialekt an. I wo! Sandro hat einen Abstecher ins Tirol gemacht und dort insbesondere in das von der Ache durchflossene Ötztal. Doch keine Angst: Die allermeisten Seillängen liegen in der Zentralschweiz, im Glarnerland, im Sarganserland und in Graubünden. Österreich beginnt erst auf Seite 486, und dann sind unsere Arme schon längstens lahm… Umso mehr erfreuen wir uns am Titelbild, das die Künstlerin und Kletterin Rhiannon Klee aus Bishop geschaffen hat. Ihr Aquarell zeigt das Val Forno mit der unverkennbaren Ago di Cleopatra auf dem Grenzkamm zu Italien. Das wäre doch ein gediegener Abschluss einer Kletterreise durch die Schweiz.
Annina Reber: Erlebnis Gratklettern. Kraxel- und Gratklettertouren in der Schweiz. SAC/Weber Verlag, Thun/Gwatt 2026. Fr. 64.- , SAC-Mitgliederpreis 54.-
Daniel Silbernagel, Michel Silbernagel: Alpine Klettertouren, Band 2. Berner Voralpen – Berner Alpen – Nördliche Wallisertäler – Aletsch – Oberwallis. Topoverlag, Frenkendorf 2026. Fr. 52.-
Zentralschweizer Voralpen. Ausgewählte Klettergärten und Mehrseillängen von 5c bis 7a. Melchtal – Engelberg – Rigi-Gersau – Mythen-Ibergeegg – Bisistal. SAC/Weber Verlag, Thun/Gwatt 2026. Fr. 59.- , SAC-Mitgliederpreis 49.-
Sandro von Känel: Schweiz Plaisir Ost. Edition Filidor, Reichenbach 2026. Fr. 64.-



