Wild Swim

Freischwimmen im Gebirgsland Schweiz: nie schöner als jetzt. Zwei neue Führer verraten, wo es am coolsten ist.

„Eintauchen: Wandern ist schön, baden schöner, beides zusammen ist am besten. Badevergnügen am Ende der Valle del Salto, oberhalb des Dorfes Maggia.“

Bildlegende aus der zweiten Auflage meines Wanderführers „Gipfelziele im Tessin“ von 2003. Das Bild zeigt das grosse Granitbecken des Riale del Salto, in das mehrere Wasserfälle niederrauschen; in ihrer Gischt bildet sich ein Regenbogen. Im Vordergrund Badegäste, die gleich ins kalte Wasser eintauchen werden oder von dort kommen. In der ersten Auflage des Führers von 1993 ist hingegen ein ganzseitiges Bild eines tiefklaren Wasserbeckens hoch oben in der Valle del Salto drin, vorne liegen Rucksack, Kleider und Schuhe auf glattpoliertem Fels, hinten kreischt die Trägerin dieser Sachen vor Freude und Schreck über das kühle Wasser.

Baden in Bergseen und Flüssen, ja überhaupt abseits von Pools, ist beliebt. Und erfrischend, ja erforderlich bei dieser Hitze. Nur nennt man es heute anders, nämlich Wild Swim oder Wildswimming. Gleich zwei neue Bücher empfehlen uns Freischwimmorte in der Schweiz und in den Ostalpen.

„Die Schweiz: In dieser von Land umgebenen Insel in der Mitte Europas gibt es fast überall kristallklares Wasser. Sie ist voller atemberaubender Teiche in grosser Höhe, voller frisch daherfliessender Wasserläufe an nahezu jeder Ecke, und fjordähnliche Gletschersee sind über das ganze Land verteilt.“ Schreibt Steffan Daniel in der Einleitung zu seinem Bildbandführer „Wild Swim Schweiz/Suisse/Switzerland.“ Er stellt die 99 „schönsten Gegenden zum Schwimmen in der Schweiz“ vor, vom Lac de Joux im Waadtländer Jura bis zur Aua da Val Mora in einem Nebental des Val Müstair, vom Paradiesli am Rhein bei Langwiesen bis zum See am Col du Grand St-Bernard (also dort wird es obercool sein!). Neben einem ganzseitigen Bild finden sich kurze Texte in drei Sprachen, ein Kartenausschnitt und (bade)touristische Infos. Am besten muss es dem Autor am Walensee gefallen haben, denn ihm widmet er gleich zwei Badeplätze.

„Bekanntlich sind die Eidgenossen ja ambitionierte Freiwasserschwimmer: Man denke nur an die Rheinschwimmer in Basel, die Limmatschwimmer in Zürich oder die Aareschwimmer in Bern. Neben diesen traditionsreichen Flussbadestellen bietet die Alpenrepublik aber viele weitere fantastische Spots fürs Wilddipping oder Wildswimming.“ Schreibt Hansjörg Ransmayr in seinem Führer „Wildswimming Alpen. Entdecke die schönsten Bergseen, Bäche und Wasserfälle in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Italien und Slowenien.“ Von den 130 Plätzen stammen sechs auf dem Tessin und je drei aus der Zentralschweiz bzw. dem Glarnerland. Die kurzen Texte und Infos können dank QR-Codes für Smartphone und Tablet erweitert werden, insbesondere mit der genauen Ortsangabe. Im Anhang gibt der Autor überlebenswichtige Tipps zum Freiwasserschwimmen, insbesondere zur Schwimmboje und zur Restube-Boje. Auf dem Titelbild ist der Talalpsee in den Glarner Alpen abgebildet (in diesen See tauchen wir auch mit „Wild Swim“). Und neben dem Inhaltsverzeichnis sehen wir ein grosses Bild, auf dem eine Frau im Bikini in ein Granitbecken springt, über dem sich ein Regenbogen im Wasserfallgischt krümmt.

Steffan Daniel: Wild Swim Schweiz/Suisse/Switzerland. Bergli Books, Basel 2019, Fr. 39.90.

Hansjörg Ransmayr: Wildswimming Alpen. Entdecke die schönsten Bergseen, Bäche und Wasserfälle in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Italien und Slowenien. Haffmans & Tolkemitt, Berlin 2019, Fr. 35.90.

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