Willy S.

Eine Inschrift auf einem Brunnen, zufällig auf einer Wanderung gesehen, erinnert an einen Freund und gemeinsame Bergtouren.

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Bei einer Wanderung übers Albishorn kommen wir an einem Brunnen vorbei, der seinen Namen trägt. Und gleich ist die Erinnerung da an einen fröhlichen Bergfreund, an Touren im Fels und im Schee und heitere Hüttenabende. Der Brunnen hat nichts mit ihm zu tun, obwohl er auch in der Nähe lebte. Willy S. war in der gleichen Sektion des Alpenclubs und in jener Zeit machte ich ein paar Touren mit, eine Woche in der Trienthütte, Traverse der Aiguilles Dorée, Traverse der Ecandies und der Aiguille du Chardonnet, also nichts Weltbewegendes, aber immer in guter Stimmung und Abends beim Rotwein in der Hütte ohnehin. Willy S. handelte mit Blumen und fuhr einen stolzen Wagen, war immer frohgemut, viel mehr weiss ich nicht von ihm. Er kam einmal zu einer Lesung mit seiner Frau und erzählte, er habe nun Ägypten entdeckt, die alte Kultur und so weiter, Luxor vor allem. Da ziehe es ihn immer hin, seit er nicht mehr so in die Berge gehe. So ist das, man ist zusammen am Seil, man verbringt intensive Tage, macht Spässe und zankt vielleicht auch mal und verliert sich aus den Augen. An jenem Morgen, als wir am Walensee spazierte, sah ich zufällig den Namen Willy S. auf dem Aushang einer Zeitung, er kam mir bekannt vor, doch ich musste lange nachdenken, bis mir wieder einfiel, ach ja, die Tourenwoche im Trient und dann noch eine Klettertour über den Cavardiras-Südgrat, von der wir viel zu spät heimkehrten. Nichts Weltbewegendes, wie gesagt.
Es war November, am Montag zuvor, dem 17. November 1997, hatten Willy und seine Frau mit einer Touristengruppe Luxor besucht, sechs Terroristen griffen an, schossen mit automatischen Waffen auf die wehrlosen Menschen, töteten 68, darunter den Blumenhändler Willy S. und seine Frau.

(Willy S. ist auf der Foto der zweite von rechts.)

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