Wintersportplakate

Weine nicht, wenn kein Schnee fällt. Es gibt ja auch Abbildungen davon. In Büchern, in Ausstellungen, auf Plakaten von Künstlern wie dem hervorragenden Martin Peikert. Unser Rezensent präsentiert Ideen für schneelose Feiertage.

Peikert„Martin Peikert ist in erster Linie Reklamekünstler. Er ist Künstler, der in seinen Arbeiten der Reklame wie der Kunst dient. In eigenartiger Weise hält er ein Stück Gegenwartsleben fest: er schildert nicht die dunklen Abgründe, nicht die Problematik, nicht die Angst und Sorge oder das Gedrückte, sondern das Heitere, Festliche, Sonnige. Diese Seite des Lebens hat er aus Veranlagung in seinen Lehr- und Wanderjahren in sich aufgenommen, diese interessiert ihn und diese gestaltet er sicher und ansprechend. Und leuchtet von seinen Plakatwänden nicht etwas Sonne und Festlichkeit dieser Welt, auch auf jene, die ihr ferner stehen?“

So schliesst Josef Mühle seinen Beitrag über den Zuger Reklamekünstler Martin Peikert (1901-1975) im „Zuger Neujahrsblatt“ von 1932. Peikert? Einige von Euch werden den Namen kennen, vielleicht auch schon, schwungvoll geschrieben, auf einem seiner rund 130 Plakate gelesen haben. Und auf den Postkarten, die davon erhältlich sind. Zum Beispiel auf dem Poster für Grindelwald (mit der stürzenden Skifahrerin, 1930), für Wengen und die Männlichen-Bahn (mit der Badenden, 1945), für Lenzerheide-Valbella (mit der vollbusigen Golferin, 1955), für Gstaad (mit der schier senkrecht abfahrenden Schönen, 1946), für die Montreux-Oberland-Bahn (mit der schlafenden Skifahrerin auf dem Chaletdach, 1956; mit der Blondine im Fahrtwind auf dem Waggon, 1957), für Pontresina (mit dem Schlitten fahrenden Paar vor dem Piz Palü, 1950). Immer eine unverkennbare Handschrift. Immer den Grundgedanken, für den das Plakate wirbt, klar und schön und sofort verständlich umgesetzt. Reklame-Kunst vom Feinsten. Ein Plakat müsse „sozusagen ein Verführer sein“, schreibt Mühle. Bei Peikert ist das der Fall, auf seinen Plakaten, in seinen Broschüren auch, die er für Hotels und Tourismusorganisationen schuf. Wer dem Werk von Martin Peikert begegnen möchte, sollte bis Ende Februar des nächsten Jahres nach Martinach in die Mediathek Wallis reisen. Die grossartige Gesamtschau „Signé Peikert“: à ne pas manquer!

Cover Winter SportsNatürlich hat Monsieur Peikert auch seine glanzvollen Auftritte in einem der prächtigsten, gepflegtesten, grössten – und halt auch teuersten Bücher, die ich in diesem Jahr in die Hände bekam und vorstellen konnte. Zu Weihnachten darf man sich ja auch etwas gönnen. Das 215-seitige, 2810 Gramm schwere und 41 x 31 Zentimeter grosse Werk glitzert wie frisch gefallener Schnee unter strahlend blauem Himmel. Und davon könnten wir doch weiss Gott mehr als eine Handvoll brauchen. Jean-Daniel Clerc und Jean-Marc Giroud präsentieren in „Winter Sports in Vintage Poster Art“ schöne und aussergewöhnliche Plakate aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, fein dokumentiert anhand der fünf Themengebiete Aristokratie von Schnee und Eis, Ehre und Ruhm dem Wettkampf, Das goldene Zeitalter, Vorrangstellung des Ski alpin sowie Werbung und Lebensstil. Das Plakat neben dem Inhaltsverzeichnis stammt von – mais bien-sûr: von Martin Peikert. Und zeigt eine gelb gekleidete, kurzärmlige Skiläuferin auf dem Bügellift; nicht ganz alleine, denn auf ihren Schultern hockt ein schwarzes Teufelchen mit roten Skis und spielt auf der Flöte eine verführerische Melodie. Im Hintergrund unverkennbar die Diablerets. Wer möchte da nicht mitfahren. Nun, wir können wenigstens mitblättern, mit den Augen dabei sein, als die Winter noch weiss waren und die Künstler Idealvorstellungen vom Winterurlaub mit Zeichenstift und Tuschekasten in Szene setzten. Ein paar falsche, nämlich sommerliche Poster sind in die Sammlung hineingerutscht, doch wenn sich der Wettergott nicht mehr an die Jahreszeiten hält…

Afghan SkiEin farbiges, fröhliches Buch für die grüne, nasse Weihnachten. Um Kontraste geht es ebenfalls in der neuen, elften Ausstellung im Biwak-Raum des Alpinen Museums in Bern. „Good News aus Afghanistan“ handelt vom Afghan Ski Challenge, einem archaischen Skirennen ohne Liftzubringer und Piste, das seit 2011 jährlich in der wunderschönen Berglandschaft von Bamiyan, Afghanistan, ausgetragen wird. Statt Krieg, Terror und Zerstörung zeigt die Ausstellung Bilder von Spass, Begeisterung und der Hoffnung auf ein normales Leben. Eine Weihnachtsgeschichte der etwas anderen Art. Zu sehen sind unter anderem grossformatige Fotos von einheimischen Kindern und Jugendlichen, die sich mit einfachsten Mitteln Holzskis mit Flipflop-Fusshalterungen basteln, von afghanischen Frauen, die erstmals auf Skis stehen.

Bretter, die die Welt bedeuten (können). Frohe Weihnachten!

Jean-Daniel Clerc, Jean-Marc Giroud: Winter Sports in Vintage Poster Art. Snow, Luxury & Pleasure. Deutsch und Englisch. Braun Publishing, Salenstein 2014, Fr. 109.- Mit dabei ein herausnehmbares Plakat von Andermatt im Format von 48 x 74 cm.

Signé Peikert. Affiches et archives d’un graphiste. Ausstellung in der Mediathek Wallis in Martigny, Avenue de la Gare 15. Bis am 28. Februar 2015, täglich von 13 bis 18 Uhr, ausser 24., 25., 26.. und 31. Dezember sowie 1. Januar.

Good News aus Afghanistan. Das Skiwunder von Bamiyan. Biwak-Ausstellung im Alpinen Museum der Schweiz in Bern, 20. Dezember 2014 bis 22. März 2015. Vernissage am Freitag, 19. Dezember 2014, 18.30 Uhr.

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