WasserRauschen am WeltwasserTag

Nur Wasserwandern ist schöner als Trockensitzen. Bachauf oder bachab.

«Aefligengiesse, Bösbach, Chummgrabebach, Fabrikkanal, Holländergräblibach, Milchbrunnegräblibach, Mülikanal, Pfaffenbühlbächlein, Teufegrabebach, Zwüschebächgrabebach».

Gerade mal zehn von 338 Fliessgewässern, die im Index meines jüngsten Buches aufgeführt sind. Es heisst „WasserRauschen. Von der Aare zur Birs. 51 Wanderungen an bernischen Fliessgewässern“ und stellt 48 Halb- und Tagestouren sowie drei Halb- und Ganzwochentrekkings für Klein und Gross, Spaziergänger und Flussläufer vor, zu allen Jahreszeiten, im ganzen Kanton Bern: vom Oberaargletscher bis zur Combe de Biaufond, darin La Ronde als einziger Berner Bach Richtung Mittelmeer gurgelt. Mit dabei sind alle wichtigen hydrologischen, (wander)touristischen und literarischen Infos sowie 51 Tourenkärtchen und 229 Farbfotos.

Und so beginnt der Führer – und irgendwie auch mein Leben als Wasserwanderer:

„Positiv an der im März 2020 in die Schweiz hereingebrochenen Welle der Corona-Epidemie war, dass auf einmal das Naheliegende zum Ziel wurde. Zum Spaziergang-, Wander-, ja Ferienziel. Die Entdeckung der bisher oft übersehenen Heimat. Aigue Courbe statt Arno, Dorfbach statt Donau, Engstlige statt Elbe, Gornerewasser statt Guadalquivir, Sense statt Seine, Trüebbach statt Tejo – um bei Fliessgewässern zu bleiben.

Klar wie Quellwasser: Ich ging schon immer gerne Bächen und Flüssen entlang. Wollte wissen, woher das Wasser kommt. Wohin es geht. Wie es fliesst. Ob es möglich ist, seinem Lauf zu folgen. Von der Quelle zur Mündung. Oder umgekehrt. Was daran liegen mag, dass ich an der Gürbe in Belp aufgewachsen bin, Parkweg 4 im ersten Stock eines Blocks mit vier Wohnungen, mit dem Fenster in Richtung einer kleinen Schwelle. Wasserrauschen Tag und Nacht. Als ich mich einmal fragte, warum ich mich am Meer so wohl fühle, und zwar direkt am Wasser, wenn das Geräusch der Wellen hörbar ist, kam ich zum Schluss, es muss am stetigen Rauschen der Gürbe liegen. Dass in diesen schwierigen Corona-Zeiten ein Aufenthalt am Meer nicht mehr in Reichweite lag, fand ich übrigens schade. Aber ich fand ja Wasserfreuden in der Schweiz, alleine im Kanton Bern mehr als erwartet. Und die Schweiz hatte es noch gut: In andern Ländern war der Lockdown so streng, dass sogar das Herumreisen im eigenen Land verboten war.

Allein in der Gemeinde Bern fliessen Glasbach und Gäbelbach, Sulgenbach und Stadtbach. Sie münden alle in die Aare. Ein Fluss, an dem ich ebenfalls gross geworden bin. Flussbaden im Aarebad Muri bei Bern. Die runde Plakette des Saisonabonnements nähte die Mutter jeden Sommer an die Badehosen. Sobald ich einigermassen schwimmen konnte, nahmen mich die Eltern mit in die Aare, zuerst nur von einem Stägli zum nächsten und nur knapp vom Ufer entfernt, später von weiter oben, von einem Sporen zurück ins Schwimmbad. Die schöne, grüne, grosse Aare. Hautnass erlebt.

Gürbe und Aare. Die Giesse sozusagen dazwischen, an der das Schwimmbad von Belp liegt. Das Bächlein am Belpberg, das ich staute und umleitete, stundenlang. Genauso wie die Bäche an Picknickplätzen in Zermatt. Ein Zeitvertreib, dem ich kaum entsagen kann, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Als Eva Feller und ich mit unserer jüngeren Tochter Andrea Mitte Juni 2020 – also zur Zeit der Schneeschmelze, wenn der Gamchibach nicht mehr rauscht, sondern tost – die Griesschlucht im Kiental aufsuchten, leitete ich im verlandeten Tschingelsee schnell einen Bacharm um.“

Die Griesschlucht. Eine der vielen Bachwanderungen, die ich 2020 und 2021 unternahm. Als sich ein Wanderführer zu Fliessgewässern im Kanton Bern immer mehr abzeichnete.“

Und jetzt liegt er vor. Passend zum Weltwassertag, der seit 1993 alljährlich am 22. März begangen wird. Das Motto im Jahr 2022: „Unser Grundwasser: der unsichtbare Schatz.“ Mehr dazu in der Wanderung 29 „Unteraar am Berg von Belp“: In knapp sechs Stunden von Toffen über den Belpberg zur Quelle der Belper Giesse und ihr entlang durchs Belpmoos Richtung Bern, mit oder ohne Erfrischungsbad im Giessenseeli. Viel Spass!

Daniel Anker: WasserRauschen. Von der Aare zur Birs. 51 Wanderungen an bernischen Fliessgewässern. AS Verlag, Zürich 2022. Fr. 42.80.

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