Der wilde Hund ist zurück. Ob wir das wollen oder nicht. Wie damit umgehen? Ein Bildband und ein (juristisches) Handbuch geben Antworten.
«‹Un tempo da lupi›, sagte man im Italienischen, wenn man nebliges, nasses Wetter meint, das man im Deutschen gemeinhin eher den Hunden oder Sauen zuordnen würde. Dieses Wetter ist aber nach jahrhundertealter Erfahrung der Hirten jenes, wo die Wölfe die Viehherden angreifen, und es gilt, besonders wachsam zu sein. ‹Die Zeit der Wölfe› ist aber auch seit den 1990er-Jahren im Sinne der Rückkehr dieser Großraubtiere in weite Teile Europas zu verstehen. Ausgehend von den verbliebenen Restpopulationen und befeuert durch deren enorme Anpassungsfähigkeit und Wanderfreudigkeit, die radikal verbesserten Lebensbedingungen sowie nicht zuletzt die Erfolge eines strengen Artenschutzes, schreibt der Wolf seitdem seine eigene Erfolgsstory.»
So leitet Roland Norer sein neues Wolfsbuch ein. Es heisst: «Leben mit dem Wolf. Anleitung für ein Wolfsmanagement in Europa». Der Professor für Öffentliches Recht und Recht des ländlichen Raums an der Uni Luzern mit den Forschungsschwerpunkten Agrar-, Umwelt- und Raumplanungsrecht hat sich schon einmal ausführlich mit dem Rückkehrer Wolf beschäftigt: https://bergliteratur.ch/der-wolf-ist-da-so-auch-im-alps/. Das neue Buch kommt schlanker, aber nicht abgemagert daher. Es zeigt, so lesen wir auf der Rückseite, «fachlich sinnvolle und rechtlich zulässige Wege auf, wie eine realistische und gesellschaftlich tragfähige Integration in die moderne Kulturlandschaft gelingen kann». Die eigentliche Anleitung erstreckt sich über 74 Seiten, wobei der Herdenschutz den grössten Raum einnimmt. Roland Norer zeigt eindrücklich, was da alles möglich ist, damit der Wolf nicht (zu) böse zubeisst – bzw. was eben nicht möglich ist. Am einfachsten wäre doch, wenn sich der Canis lupus in die Märchenwelt zurückzöge… Illustriert ist das Buch mit triftigen Fotos. Auf dem Cover kommt aber ein grimmiger Wolf daher: Dem möchten wir in freier Wildbahn lieber nicht begegnen.

Dann schon lieber der siebenjährigen Wölfin F18 in der alpinen Höhenstufe im Oberalpgebiet, die Heinrich Haller am 18. Oktober 2022 fotografiert hat und die nun seinen Bildband «Der Wolf. Ein Grenzgänger zwischen Kultur und Natur» schmückt. Überhaupt die Fotos, die Haller, von 1996 bis zu seiner Pensionierung 2019 Direktor des Schweizerischen Nationalparks, in seiner Heimat, aber auch in andern Teilen der Welt gemacht hat. Höchst eindrücklich! Meistens seitengross platziert und mit genauen Legenden versehen. Da vergisst man fast, den Lauftext zu lesen. Was sich aber ebenfalls sehr empfiehlt.
Klar, ein Schosshündchen wird der Vorfahr unserer Hunde nie. Doch mit diesen beiden Büchern lernen wir den Wolf viel besser kennen. Und können die ganze Faszination und Problematik besser einschätzen. Das Märchen seinerseits, das kennen wir ja. Trotzdem noch ein kurzer Ausschnitt:
«Ach, Großmutter, was hast du so große Ohren!».
«Daß ich dich damit gut hören kann!»
«Ach, Großmutter! Was hast du für große Augen!»
«Daß ich dich damit gut sehen kann!»
«Ei, Großmutter, was hast du für haarige große Hände!»
«Daß ich dich damit gut fassen und halten kann!»
«Ach, Großmutter, was hast du für ein so großes Maul und so lange Zähne!»
Roland Norer: Leben mit dem Wolf. Anleitung für ein Wolfsmanagement in Europa. Oekom Verlag, München 2026. € 27,00.
Heinrich Haller: Der Wolf. Ein Grenzgänger zwischen Kultur und Natur. Haupt Verlag, Bern 2025. Fr. 49.-






















