Gehen

Geht doch! Vor und nach dem Lesen – oder auch gleich beim. Viel Spass!

11. November 2019

„Das Gehen reduzierte das Leben aufs Wesentliche, auf Essen, Schlaf, Begegnungen, Gedanken. Keine Erfindung aus unserer Epoche half uns dabei – auβer in gutes Paar Schuhe und in meinem Fall noch das Buch im meinem Rucksack.“

Kernsatz im neuen Buch von Paolo Cognetti, das am 11.11.19 auf Deutsch erscheint. Auf 121 Seiten nimmt uns der italienische Autor, berühmt geworden mit dem Bestseller „Acht Berge“, mit auf ein Trekking durch das abgeschiedene Dolpo im Nordwesten Nepals. Mit zwei Freunden machte er sich im Jahr 2018 auf diesen weiten Weg, sozusagen sein Geschenk zum vierzigsten Geburtstag. Mit dabei im Rucksack war das Buch „Auf der Spur des Schneeleoparden“ von Peter Matthiessen. Und natürlich das Notizheft, in das Cognetti seine Gedanken und Gefühle, seine Beobachtungen und Begegnungen notierte, oft visualisiert durch Zeichnungen, die teilweise auch im veröffentlichen Buch abgedruckt sind. Immer wieder hielt Cognetti fest, was sich seit der Matthiessens Tour im Jahre 1873 im Dolpo, dieser Ecke Nepals an der Grenze zu Tibet, geändert hat. Und wie sein Vorbild und er selbst durch das tagelange Gehen zu sich selbst fanden.

Nach dem Welterfolg von „Acht Berge“ (vgl. https://bergliteratur.ch/acht-berge-und-fontane-%e2%84%961/) war man natürlich gespannt auf Cognettis nächstes Buch. Das Unverwechselbare und die Archaik sind hier nicht mehr so präsent, so zwingend. Was auch daran liegen mag, dass Cognettis Aostatal nicht das ferne Dolpo ist und dass Matthiessens Buch nicht immer Erleuchtung verheisst, sondern manchmal auch als Gehstock auftritt. Vielleicht hat das Cognetti gespürt; auf Seite 69 schreibt er: „Mach, dass ich sehen kann und die Wort finde, um zu beschreiben, was ich gesehen habe.“ Das gelingt ihm auf feine Art und vielerorts, und wir gehen gerne mit ihm durch jenes hochgelegene Land.

„Gehen und Denk gelten seit der Antike als eng miteinander verknüpft, ja das Gehen erscheint geradezu als Voraussetzung für geistige Fortbewegung.“

Notierte Florian Werner in seinem rucksacktauglichen Buch „Auf Wanderschaft. Ein Streifzug durch Natur und Sprache“. Der deutsche Schriftsteller hat zu 30 Stichworten – von Aufrecht über Gesang, Karte und Wanderin bis Zwecklos – eigene und fremde Überlegungen und Passagen gesammelt und präsentiert sie so überraschend wie feinsinnig. Zum Beispiel so: „Ein altes Sprichwort besagt, dass man sich beim Unterwegssein nicht an hölzernen (oder gar metallenen) Stecken, sondern lieber an erbaulichen Schiften festhalten sollte: Der beste Wanderstab ist der Buchstab.“ Im grasig-felsigen, nun schon ziemlich überschneiten Geh-Lände halte ich mich aber doch lieber an Stöcke…

„Das Wandern ist des Müllers Lust,
Das Wandern!
Das muß ein schlechter Müller sein,
Dem niemals fiel das Wandern ein,
Das Wandern.“

Habt Ihr mitgesungen beim Lesen? Oder singt Ihr dieses berühmte Lied von Wilhelm Müller beim Gehen? Florian Werner summt davon beim Stichwort „Wanderlust“. Und zitiert auch die Definition des Oxford English Dictionary: „An eager desire or fondness for wandering or travelling.“ Wanderlust also, vom Deutschen ins Englische gewandert. Die US-amerikanische Schriftstellerin, Journalistin und Kulturhistorikerin Rebecca Solnit nannte so ihr vor knapp 20 Jahren erschienenes Buch: „Wanderlust. A History of Walking“. Nun ist diese umfassendste und tiefgehendste Geschichte des Gehens endlich auf Deutsch erschienen, unter dem Titel „Wanderlust“. Let’s go – and read it.

Paolo Cognetti: Gehen, ohne je den Gipfel zu besteigen. Penguin Verlag, München 2019, Fr. 22.-

Florian Werner: Auf Wanderschaft. Ein Streifzug durch Natur und Sprache. Duden Verlag, Berlin 2019, Fr. 12.-

Rebecca Solnit: Wanderlust. A History of Walking. Viking, New York 2000; auch als Taschenbuch erhältlich. Wanderlust. Eine Geschichte des Gehens. Matthes & Seitz Berlin Verlag 2019, Fr. 42.-

Bergromane, zweite Staffel

Ein Rucksack voller fiktiver Bergbücher, die hart an Realitäten emporklettern.

4. November 2019

„Der Schnee kam über Nacht. Er kam gewaltsam, wie ein Überfall, er fiel so dicht, dass am Morgen beides unmöglich schien: Bleiben oder gehen.“

Ein überaus starker Beginn. Knapp drei Zeilen, und schon ist man voll drin im Drama. Wir als Leser. Die drei Figuren Kathrin, Myriam und Leon erst recht. Aufgestiegen sind sie mit Skiern bei nicht schlechten Wetterprognosen in eine Hütte. Und wurden überrascht von einem Schneesturm, der tagelang anhalten wird. Gehen, solange noch nicht zu viel Schnee liegt? Oder bleiben und ausharren und hungern in der Hütte? Lebensentscheidende Fragen, die Peter Weibel in „Schneewand“ stellt. Eine wuchtige, elementare Erzählung, deren Sog man sich nicht entziehen kann, schon gar nicht diejenigen, die sich solche Fragen auch schon stellen mussten. Und vielleicht ebenfalls die falsche Entscheidung getroffen haben. Hoffentlich passiert solches nicht wieder auf der nächsten Skitour.

„Der Ausflug in die Berge war ein Versuch, die Fäden, die in Griechenland durcheinander geraten waren, wieder zu entwirren. Doch das Gelände war denkbar schlecht gewählt, steinig und hart.“

Beziehungen können in den Bergen verknotet, aber auch gelöst werden. Gerade, wenn plötzlich Situationen auftreten, in denen es um Leben und Tod geht. Wenn ein Sturz eine Lawine von Gefühlen, Gedanken und Erinnerungen auslöst. Wie bei der Ich-Erzählerin Monika im Roman „Meer und Berge“ von Annette Lory; im Spital reflektiert sie die Freundschaft, die Griechenlandreise, die unglückliche Versöhnungstour mit Helen. Und ihre Kindheit in der Enge des Urnerlandes, die Flucht in die grosse Stadt am See, die Suche nach Helens Vater. Das Buch, das Helen unterwegs liest, heisst „Der Schneesturm.“ Wir entkommen ihm nicht.

„Die Tage waren kürzer, und es war kälter geworden, Raureif überzog die Natur oft schon bis in den Vormittag, und auf den Bergspitzen lag der erste Schnee.
Agnes lehnte sich an einen Felsbrocken und verschnaufte. Sie war so schnell unterwegs gewesen, dass sie auβer Atem war.“

Die 15-jährige Agnes ist die Heldin im Roman „Wolfsegg“ von Peter Keglevic; er spielt in einem engen Dorf in einem engen Bergtal. Eine himmeltraurige Geschichte, in welcher der Vater brutal zusammengeschlagen wird und die Mutter erbärmlich verreckt. Worauf Agnes mit ihren beiden kleinen Geschwistern in eine Hütte in den Bergen flieht. Aber ob sie dort Hilfe findet? Sicher das Repetiergewehr, das ihr der Vater einmal gezeigt hat. Wer im Gebirge leben muss, kann ganz böse daran krepieren. Allerdings weniger an den Gipfeln als an der Gesellschaft. Ein Leseerlebnis wie eine happige Bergtour.

„Hast du den Bergkoller?“

Fragt der Einheimische Noldi den halb Zugezogenen Al von Rickenbach im Roman „Reduit“ von David Weber. Der Zürcher Architekt versucht mit wenig Überzeugung in Wassen einen Bereich des ehemaligen Reduits zu kaufen, der im Zweiten Weltkrieg von der Schweizer Armee als Rückzugsort genutzt wurde. Dort sollen bombensichere Rückzugsplätze für kaufkräftige Ausländer geschaffen werden. Die Dorfbevölkerung versucht, aus dem Vorhaben Profit zu schlagen, stellt sich aber gleichzeitig dagegen. Einzig die kubanische Kellnerin Lisa unterstützt Al in der Hoffnung, aus ihrer Knechtschaft freizukommen. Al jedoch verstrickt sich immer mehr „in ein Netz aus unkontrollierbaren Emotionen, moralischen Zweifeln und frustrierenden Sachzwängen. Viel zu spät realisiert er, dass der Berg ein dunkles Geheimnis birgt“ (Klappentext). Welches, sei nicht verraten. Selber herausfinden, auch wenn sich bei der Lesetour ab und zu Koller einstellt.

„Plusieurs alpinistes arrivent au camp de base. Ils confirment que Matthieu était le dernier à atteindre le sommet aujourd’hui. (…) Le nombre de summiters ne sera par mirobolant cette année.“

Was mirobolant auf Deutsch heisst, musste ich nachschlagen: phantastisch. Bestens plaziert an dieser Stelle. Denn bei „année“ hat die Autorin Mélanie Valier diese Fussnote hingesetzt: „En réalité, il n’y a pas eu de summiters en 2016 au K2.“ Voilà! Ein Bergroman muss nicht Wort für Wort und Jahr für Jahr der Realität entsprechen. Soviel ich weiss, ist noch niemand mit dem Snowboard vom zweihöchsten Berg der Welt runtergekurvt. Der Chamoniarde Matthieu Charraz aber schafft es in „Reprends ton souffle“, auch wenn er nur ganz, ganz knapp den Atem wiederfindet. Eigentlich hätte er gar nicht aufsteigen sollen, doch es gab eine Verwechslung beim Funkspruch, gewollt oder ungewollt. Mit am Berg (und im Bett) ist schon wie in Valiers Erstling „Et si tout s‘arrêtait là?“ die amerikanische Soziologiestudentin Emma Lindley. Nun sind wir gespannt auf die Fortsetzung ihrer Liebesgeschichte.

„,Tu vois, Edi, j’ai réussi‘, sagte Chavez und lächelte leicht, sein Blick war von innerem Strahlen erfüllt.
Edi trat ans Bett und lächelte ihm ebenfalls zu. Er seufzte. So schlimm konnte es also nicht sein.“

Begegnung zwischen Geo Chavez aus Paris und dem Briger Bergbauernbub Edi im Spital von Domodossola, kurz nachdem der peruanisch-französische Luftfahrtpionier am 23. September 1910 mit seinem Eindecker Blériot XI von Ried bei Brig den Simplon und somit erstmals den Alpenhauptkamm überflogen hat. Bei der Landung allerdings brach das Flugzeug auseinander, Chavez verletzte sich schwer beim Sturz aus zehn bis zwanzig Metern und starb am 27. September. Mit „Über den Simplon“ erzählt Mirjam Britsch noch einmal diese Pioniertat, bringt aber mit der Begegnung zwischen dem Helden und seinem Bewunderer Edi noch eine andere, rührende Geschichte zum Tragen. Der aus armen Verhältnissen stammende Edi ist fasziniert von den Flugapparaten. Hautnah erlebt er in Ried-Brig die von zahlreichen Touristen besuchten Startversuche mit. Und so wie sich Chavez mutig in die Bergluft aufschwingt, befreit sich Edi aus den dörflichen Machtstrukturen.

In dieser Woche reisen die Bergfreunde zum Simplon. Vom Mittwoch, 6., bis Sonntag, 10. November, findet in der Alpenstadt Brig-Glis das Multimediafestival BergBuchBrig statt. Ein paar Hinweise und Titel für Bergromanleser: „Gommer Herbst“, „Geh, wilder Knochenmann“, „Die Toten von Falein“, „Bel Veder“ und „Rilke erwandern“. Das ganze Programm unter www.bergbuchbrig.ch.

„Schon Tage zuvor nahmst du den Rucksack hervor, die Steigfelle, das Skizzenbuch mit den Notizen von der letzten Bergfahrt.“ (Peter Weibel)

Peter Weibel: Schneewand. edition bücherlese, Luzern 2019, Fr. 26.-
Annette Lory: Meer und Berge. Kommode Verlag, Zürich 2018, Fr. 22.-
Peter Keglevic: Wolfsegg. Penguin Verlag, München 2019, Fr. 32.-
David Weber: Reduit. Knapp Verlag, Olten 2019, Fr. 27.-
Mélanie Valier: Reprends ton souffle. Éditions Glénat, Grenoble 2019, € 20.-
Mirjam Britsch: Über den Simplon. Zytglogge Verlag, Basel 2019, Fr. 34.-

Die Kunst der Panoramakarte

Die Panoramakarte kennt man aus Ski- und Wanderferien. Ein neuer Bildband zeigt ausführlich Beispiele, leider nicht aus den ganzen Alpen. Und ohne illustrierte Geschichte dieser ganz besonderen Ansicht der Berge.

27. Oktober 2019

„Panoramen haben nicht die Aufgabe, Natur und Landschaft möglichst exakt abzubilden. Sie dürfen, nein, sie müssen betonen, überhöhen, verzerren, vielleicht sogar weglassen. Nur so schaffen sie es, im Betrachter Empfindungen zu wecken. Und ein Gefühl für die Landschaft, der er sich gegenüber steht.“

Schreibt Tom Dauer in der Einleitung zu einem ganz besonderen Alpenbuch. „Die Kunst der Panoramakarte“ heisst, und darum geht es: um Panoramakarten. Nicht um Panoramen, die man normalerweise meint; also um das möglichst exakte Abbilden eines Landschaftausschnittes, eines Horizontes oder einer Aussicht, mit dem Stift oder mit der Kamera, meistens horizontal, mit Bezeichnung der Gipfel und Örtlichkeiten, die bei guten Verhältnissen sichtbar sind. Nein, Panoramakarten haben einen anderen Zweck und sehen anders aus. Die Panoramakarte ist laut Duden eine „meist als Werbemittel für Touristikgebiete hergestellte (Land)karte, auf der der ganze Horizont oder ein Teil davon in vereinfachter, bildhafter Form dargestellt wird“. Eine ganz eigenständige Mischung von topographischer Karte und Ansichtszeichnung, die nicht der Wirklichkeit entsprechen muss. Sondern eine eigene Realität schafft, in der sich die Benützer am gäbigsten zurecht finden können. Auf einer Panoramakarte können die Liftanlagen und Einkehrmöglichkeiten, die Pisten und Wanderwege gut und übersichtlich eingezeichnet werden; auch diejenigen, die eigentlich hinter einem Berg versteckt sind – der Zeichner kann ja den Berg etwas drehen…

Die ersten sogenannten Panoramakarten tauchten in der Zwischenkriegszeit auf, als das Skifahren modern wurde. Und es gibt sie immer noch, in Prospekten und Flyern, auf grossen Tafeln bei den Seilbahnstationen sowie zum Downloaden als PDF. Der Österreicher Heinrich C. Berann (1915–1999) gilt, so Tom Dauer in seinem Essay, „als Begründer der modernen Panoramamalerei und bis heute als unerreichter Meisters seines Fachs“. Mit –––BERANN––– signierte er seine Werke. Auch das Atelier Pierre Novat schuf unzählige Panoramakarten.

Der Band präsentiert 90 Panoramakarten von den 1950er-Jahren bis heute aus vielen Alpenregionen. Das Schwergewicht liegt auf den Dolomiten. Andere Alpenregionen wurden nur spärlich oder leider gar nicht berücksichtigt. Die östlichsten Berge Österreichs (Rax), die Slowenischen (Maribor) und Cottischen (Sestriere) Alpen fehlen, ja sogar die Walliser Alpen. Dabei ist das Gebiet zwischen Zermatt und Cervinia doch ziemlich gross und gut zum Skifahren, ein paar bekannte Gipfel stehen dort auch, und es wäre interessant zu sehen, wie es dem Panoramazeichner gelingt, alle Bahnen, Pisten und Berge zwischen dem Unterrothorn und den Cimes Blanches ob Valtournenche auf einem Blatt Papier zu arrangieren. Was auch fehlt, ist eine illustrierte Geschichte dieser besonderen Karten; denn Panoramakarten sind eigentlich eine Fortsetzung alter Karten, auf denen vor allem die Berge als solche, also dreidimensional, gezeichnet wurden, und nicht mit Schraffuren oder Höhenlinien.

Freuen wir uns aber an den ins Buch aufgenommenen Panoramakarten. Faszinierende Winterdarstellungen, in denen die spezielle Topografie der Landschaft durch den Schnee besonders hervorgehoben wird, stehen neben nicht minder detailreichen Sommerkarten. Und dann gibt es noch solche, die uns leise verunsichern. Auf derjenigen vom Beatenberg wird die Wetterlatte zum Morgenberghorn, die nicht gezeichneten Gipfel hinter den Berner Hochalpen sind mit der bündnerischen Plattagruppe angeschrieben, und der Eiger ist zum Viertausender mit dem Namen „Jungfrau“ gewachsen. Die Panoramakarte vom Crêt de la Neige, dem höchsten Gipfel des Jura, hat den Neuenburgersee zum Lac de Joux verkleinert, und die erste Stadt Frankreichs an der Rhone heisst nicht mehr Bellegarde, sondern Bellevue – mais pourquoi pas?

Alpen – Die Kunst der Panoramakarte. Mit einem Essay von Tom Dauer. Prestel Verlag, München 2019, € 40.-

Alpenwanderer Dominik Siegrist

„Ich möchte meine Berge sehen“: So heisst ein neues Buch zu den Schweizer Alpen. Dominik Siegrist hat die ganzen Alpen gesehen, auf dem langen Marsch von Wien nach Nizza.

11. Oktober 2019

Herr Siegrist, vor 26 Jahren haben Sie die Alpen schon einmal durchquert. Was hat sich seitdem verändert?
Dominik Siegrist: Das Auffälligste sind die Gletscher. Wie sehr das Eis in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist – das ist schon extrem.

Ausschnitt aus dem Interview mit dem Geografen Dominik Siegrist (*1957), befragt von der Tageszeitung „Die Welt“ zur zweiten Durchquerung des gesamten Alpenbogens vom 3. Juni bis 29. September 2017. Das Interview beschliesst sein Buch „Alpenwanderer. Eine dokumentarische Fuβreise von Wien nach Nizza“. Siegrist, Leiter des Instituts für Landschaft und Freiraum und Professor für naturnahen Tourismus und Pärke an der HSR Hochschule für Technik Rapperswil, wanderte 1992 schon einmal von Wien nach Nizza, als Teil der Gruppe TransALPedes. „Wir wollten damals“, so schreibt er heute, „ein Zeichen setzen gegen die Zerstörung der Alpen, gegen den Massentourismus, die Betonierung der Berge.“ Nun, mit „whatsalp Wien-Nice 2017“, ging es darum, die ökologischen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Veränderungen festzuhalten, den Zustand der Alpen zu dokumentieren.

Mit Dominik wandern wir mit vom Stephansplatz in Wien bis zur Promenade des Anglais: 119 Tage mit 93 Wander- und 26 Ruhetagen, 1800 Kilometer zu Fuss und selten in flachen Alpentälern mit dem Radl, 75‘000 Höhenmeter auf und ab, begleitet von insgesamt 200 Mitwanderern, zahlreichen Leuten begegnend, unzählige Eindrücke erlebend. Schön gebündelt und sauber Schuhe, Rucksack und Themen geschnürt: Hochspannend und tiefschürfend erzählt Siegrist von dieser Fussreise durch das Gebirge, das wie kein anderes auf der Welt von Menschen beeinflusst wird. Und trotzdem immer noch Natur pur zeigt – einfach mit weniger Eis und mehr Geröll. Im Jahr 2042, so gibt Siegrist im Interview bekannt, will eine Gruppe Jugendlicher, die mit whatsalp abschnittsweise mitwanderten, die Alpendurchquerung wiederholen. Sie werden wieder eine stark veränderte Alpenlandschaft antreffen.

In einem anderen Alpenbuch, ebenfalls jüngst im Berner Haupt Verlag herausgekommen, verfasste Dominik Siegrist das Kapitel „Vom alpinen Naturraum zur Kulturlandschaft – eine Reise vom Säntis zur Adula“. Andere Kapitel befassen sich mit der Geologie, dem Wasser, den Bergwäldern, der Fauna und der Flora in den Schweizer Alpen. Der Herausgeber heisst Franz Ebner, der Titel „Ich möchte meine Berge sehen. Von der Vielfalt und Schönheit der Alpen.“ Illustriert ist das Buch mit eher wenigen, dafür starken Farbfotos. Die meisten doppelseitigen Aufnahmen sowie das Coverbild (mit Piz Palü und Piz Bernina) stammen von Marco Volken. Ein Bild zeigt Kistenstöckli und Piz d’Artgas im Bündner Oberland – eine rötlich-braun-graue Gebirgslandschaft, mit ein paar allerkleinsten weissen Flecken. Ob die Alpen in der Mitte unseres Jahrhunderts vor allem so aussehen werden?

Dominik Siegrist: Alpenwanderer. Eine dokumentarische Fuβreise von Wien nach Nizza. Haupt Verlag, Bern 2019, Fr. 29.-

Franz Ebner (Hrsg.): Ich möchte meine Berge sehen. Von der Vielfalt und Schönheit der Alpen. Mit Beiträgen von Hanspeter Baumgartner, Peter Brang, Constanze Conradin und Sonja Hassold, Mark Feldmann, Bruno Schädler, Dominik Siegrist, Urs Tester. Haupt Verlag, Bern 2019, Fr. 44.-

Doppelvernissage «Alpen» zu den beiden vorgestellten Büchern am Montag, 28. Oktober 2019, um 19.00 Uhr in der Buchhandlung Haupt am Falkenplatz 14 in Bern. Eintritt frei, Platzreservation empfohlen unter www.haupt.ch/Events/Doppelvernissage-Alpen.html.

Bergkrimis, zweite Staffel

Fünf neue Bergkrimis zum Thema Mord im Gebirge. Das gilt für Alpinisten und Kletterer so bös wie für den Wolf.

4. Oktober 2019

„War dort oben vielleicht irgendetwas geschehen, was hatte vertuscht werden müssen?“

Das ist die Frage, die sich in Bergkrimis immer wieder stellt. Was passierte genau dort oben? Übrigens nicht nur in Bergkrimis, auch sonst natürlich eine Frage, auf die sich manchmal keine eindeutigen Antworten finden lassen. Alpine Kriminalromane aber leben davon, dass die Ermittler und mit ihnen die Leserinnen und Leser genau wissen wollen, wie und warum dort oben etwas Unerfreuliches, das heisst meist Tödliches geschehen ist.

Dort oben also: In unserem ersten Fall am Everest. Warum konnte Klara Engelmann nicht gerettet werden? Und warum starb ihr Sherpa Nima Rita zehn Jahre später als Obdachloser in Stockholm? „Millennium“-Journalist Mikeal Blomkvist findet es heraus, nicht alleine, sondern mit Hilfe der Polizei. Und mit Hilfe seiner Freundin Lisbeth Salander. Blomkvist & Salander, das Duo, mit dem Stieg Larsson in drei Romanen everesthohe Auflagen erreichte. Nach dem Tod von Larsson setzte David Lagercrantz die Millenium-Reihe fort. Nun kam sein dritter Band heraus: „Vernichtung“, darin die Geschehnisse am höchsten Berg der Welt eine Schlüsselstelle bilden. Da kennt sich Lagercrantz aus: Sein erstes Buch schrieb er zusammen mit dem schwedischen Bergsteiger Göran Kropp über dessen Solotour auf den Everest 1996.

„Möglicherweise hatte Thomas Lippmann aus Wut über Stefan Schüppels Schwärmerei für seine eigene Verlobte Heike aus der Kletterwand gerissen.“

Dort oben zum zweiten. Wobei: Weit oben ist dieser Tatort gar nicht, nicht mal 400 Meter über Meer ist die Zyklopenmauer, wo das Unglück passierte, das einen Toten und einen Verletzten forderte. Abstürzen, freiwillig oder nicht, das kann man an den schier unzähligen Felsen des Elbsandsteingebirges in Ostdeutschland allerdings schon. Und wenn dann noch die falsche Ausrüstung, nämlich ein neues Westseil eingesetzt wird, kann Unvorhergesehenes passieren. Aber warum geht dann an der gleichen Stelle in der Nähe der berühmten Sehenswürdigkeit Kuhstall das Leben von Unternehmer Schüppel zu Ende? Thea Lehmann, in Oberbayern aufgewachsen und mit einem Sachsen verheiratet, verfasste bisher fünf Krimis, die in der Sächsischen Schweiz spielen. „Tatort Kuhstall“ ist ein knotenstarker Bergkrimi, am schönsten zu lesen auf dem Malerweg durch die Sächsische Schweiz oder in der Kuhstallbar auf der Mägisalp in der helvetischen. Lehmanns jüngster Band heisst „Tödliches Schweigen im Sandstein“. Fels also auch da.

„Da, sehen Sie“, rief der Mann plötzlich. „Da klettert einer!“
„Wo?“
„Na, da!“

Dort oben zum dritten, in einer Szene aus dem 12. Band von Jörg Maurers Krimireihe um Kommissar Hubertus Jennerwein. Wieder ein ganz besonderer Titel: „Am Tatort bleibt man ungern liegen“. Lässt sich freilich oft nicht vermeiden, jedenfalls nicht für das Opfer. Diesmal erwischt es Alina Rusche, Putzfrau in der KurBank in Garmisch-Partenkirchen. Dort putzte sie auch den Schliessfachraum, wo nicht nur Geld gehortet wird, sondern auch (tödliche) Geheimnisse. Wie immer bei Maurer werden noch andere Schauplätze aufgestellt – und Figuren. Witzig im jüngsten Fall: der kleine Dicke und der grosse Hagere, die sich in den bayrischen Kurort verirren. Hier ein kurzer Dialog zwischen den beiden berühmten Helden der Weltliteratur. Der Ritter Don Quijote zu seinem Diener Sancho: „Betrachte die ehrwürdigen Alpen! Sind sie nicht herrlich!? Es ist wahrlich ein Bollwerk der Natur, das sich wuchtig in unermessliche Höhen schwingt, Wind und Wetter trotzend, den Göttern so nah!“ – „Es ist ein Steinhaufen, Herr, der einfach im Weg rumsteht. Eine Ansammlung von Kalk, Lehm und Muschelschalen, nichts weiter. Ein Hindernis für jeden Wanderer.“

„In diesem Moment durchbrach ein schauriges Heulen die Stille. Ein Wolf! Amalia führ zusammen. Dabei stieβ sie an einen Ast des Baumes hinter sich, der mit einem deutlich vernehmbaren Knacken brach. Schnee rieselte auf sie herab. Frau Acherer richtete sich auf und sah genau in ihre Richtung. Konnte sie sie sehen?“

Dort oben zum vierten. In einem tief verschneiten Wald im Pustertal im Südtirol. Zwei Skitourengeherinnen, die Fotografin Amalia Engl und die Hoteldirektorin Sieglinde Acherer. Und schon kommt es zum Showdown im Tiefschnee. Wer gewinnt, sei nicht verraten. Vielleicht gar Felix, der Noch- bzw. Wiederfreund von Amalia? Was wäre ein Roman ohne Liebesgeschichte? Und ein Krimi ohne Tote(r)? Hier erwischt es gleich zu Beginn die Wildtierbiologin Celina auf einer abendlichen Skitour. Ihre Leiche sieht so aus, als wäre sie von einem Wolf angefallen worden. Pro und contra Wolf: das Hauptthema in „Die Bildermacherin und der böse Wolf“ von Christiane Omasreiter und Kathrin Scheck. Und passend zur heutigen Bewilligung des Bundesamtes für Umwelt, dass aus dem Rudel am Piz Beverin im Bündnerland vier Wölfe geschossen werden sollen. Oder müssen?

„Auf der anderen Seite des Felsen kam das Tier wieder zum Vorschein: ein mittelgrosser schlanker Vierbeiner mit eher kurzer Rute, der sich zügig in Richtung des Passo Grigio bergauf bewegte.
Ein Wolf!, begriff Kauz plötzlich. Das gibt’s doch nicht!“

Dort oben zum Fünften. Auf einer Herbstwanderung hinten im Walliser Binntal entdeckt der Wahlgommer und Expolizist Alois Walpen, genannt Kauz, das Tier, das seit Jahren für ziemliche Unruhe sorgt, auch in der Schweiz und gerade im Wallis. Mussten wegen des Wolfs auch ein Wildhüter und ein Journalist sterben? Oder hat der Doppelmord ganz andere Gründe? „Gommer Herbst“ heisst der dritte Band von Kaspar Wolfensberger um den Ermittler Kauz, am besten zu lesen vor und nach einem feinen Essen mit Hirschschnitzel, Rehrücken oder Gemspfeffer. 2016 erschien „Gommer Sommer“, 2017 „Gommer Winter“. Nun freuen wir uns schon auf den vierten Band. Denn Wolfensberger schreibt packend, spannend, überzeugend. Bettet die Handlungen geschickt ins Goms ein und macht für diese unvergleichliche Landschaft nebenbei noch Reklame wie Thea Lehmann für die Sächsische Schweiz. Oder, mais bien-sûr, wie Jean-Luc Bannalec mit seinen Dupin-Krimis für die Bretagne.

David Lagercrantz nach Stieg Larsson: Vernichtung. Heyne Verlag, München 2019, Fr. 34.-
Thea Lehmann: Tatort Kuhstall. Saxophon Verlag, Dresden 2018, Fr. 17.-
Jörg Maurer: Am Tatort bleibt man ungern liegen. Fischer Verlag, Frankfurt aM 2019, Fr. 26.-
Christiane Omasreiter, Kathrin Scheck: Die Bildermacherin und der böse Wolf. Athesia Verlag, Bozen 2019, Fr. 24.-
Kaspar Wolfensberger: Gommer Herbst. Bilgerverlag, Zürich 2019, Fr. 38.-

Kaspar Wolfensbergers »Gommer Herbst« wird am 31. Oktober 2019 um 18.15 Uhr im GZ Hottingen in Zürich an einem Walliser Buchfest gefeiert (mit Franziskus Abgottspon, Martin Nanzer und Walliser Jägern und Köchen etc.). Anmeldung an bilger@bilgerverlag.ch.

Rother Wanderführer Schweiz

Wer wandert, nimmt die roten Rother Wanderführer mit. Neu auch für den Aargau.

30. September 2019

„Gewiss: Im schweizerischen Mittelland gibt es unzählige erratische Blöcke, aber nur der Erdmannlistein bei Wohlen kann von sich behaupten, sogar einen eigenen Bahnhof zu haben.“

So leitet Jürg Schrammel die blaue Tour 41 „Erdmannlistein – Boswil – Wohlen“ in seinem eben erschienen Rother Wanderführer „Aargau mit Basel und Luzerner Mittelland“ ein. Der Führer präsentiert mit allen nötigen (wander)touristischen Infos 55 Touren zwischen Basel und Luzern: aussichtsreiche Gratwandrungen, gemütliche Spaziergänge an See- und Flussufern, Streifzüge durch historische Ortskerne. Die Vorschläge reichen von 1 Std. 45 Min. bis zu 8 Stunden; ja, der Reussuferweg von Sins nach Brugg dauert gar drei Tage. Von der Schwierigkeit her sind die allermeisten Touren blau; immerhin stellt der aus dem Aargau stammende Autor zwölf rote und vier schwarze vor, so die Walhalla an der Lägern.

Mit dem Band „Aargau“ schliesst die insgesamt 370 Titel umfassende Reihe der roten Rother Wanderführer eine grosse Lücke in der Schweiz. 22 Bände decken nun fast das ganze Land ab. Zu den erfolgreichsten gehören, nicht weiter verwunderlich, „Oberengadin“, „Berner Oberland Ost“, „Vierwaldstättersee“ und „Oberwallis“; letzterer kommt demnächst in aktualisierter Auflage heraus. In vollständig neu bearbeiteter Auflage erschien eben der Band „Glarnerland“. Das gilt auch für „Ossola“; dort führt aber nur eine Tour kurz durch die Schweiz. Im Weiteren bietet der Rother Verlag andere Führer für die Schweiz an, so die meist grünen Wanderbücher und die blauen Skitourenführer.

Hier erhält man einen guten Überblick über die roten Bände:
www.google.com/maps/d/viewer?mid=1FU0uooNn12OoVu2XFT1pioaN3Vs&ll=46.674188626174775%2C7.07528637283292&z=10. Drei grössere weisse Flecken fallen da auf: das untere Toggenburg zwischen Wattwill und Uzwil, das Reusstal zwischen Rotkreuz und Bremgarten (wird aber mit der dreitägigen Reussufertour aus dem neuen Band „Aargau“ durchschritten). Und, wirklich auffällig nicht rot eingefärbt: das welsche Mittelland zwischen Lac de la Gruyère und Lac de Neuchâtel, Murten- und Genfersee. An allen vier Seen führen zwar rote Routen aus verschiedenen Rother Wanderführern entlang. Aber sonst? Die grosse Leere. Was vielleicht auch daran liegen mag, dass deutschsprachige Benützer von Führern nicht allzu gern in die Romandie reisen; Band „Gruyère – Diablerets“ von 2006 kriecht immer noch in der ersten Auflage am Moléson und am Oldenhorn herum. Ein anderer Grund könnte die Ebene der Broye sein, die in Lac de Morat mündet: Das Flachland dort und seine hügeligen Ränder sind das grösste wanderwegfreie Gebiet der Schweiz, ausser natürlich den vergletscherten Regionen in den Alpen. Dabei gäbe es im Gebiet zwischen den vier erwähnten Seen einiges zu erwandern und zu erleben. Auch erratische Blöcke; so den 267 Tonnen schweren, 300 Millionen alten, 5 Meter hohen und erkletterbaren Findling Pierre à Cambot bei Romanel-sur-Lausanne.

Jürg Schrammel: Aargau mit Basel und Luzerner Mittelland. Rother Wanderführer, München 2019, Fr. 21.90.

Die grosse Welt kommt in die Berge

Ein schönes Buch zur schönsten Ferienregion der Welt. Letzteres fanden jedenfalls viele Touristen und Alpinisten, als sie das Berner Oberland als «Playground of the World» entdeckten.

25. September 2019

«There was the magnificent group of the great Oberland peaks, beginning with the Finsteraarhorn almost within touch und with the Eiger and the Schreckhorn parting it in the centre by a Royal Gateway through which a glimpse of the quiet chalets and meadows of Grindelwald could be caught. (…) One missed the beautiful Weisshorn, hidden as it was behind the huge mass of the Aletschhorn; but one cannot have everything in this world, and what we had then before us was more than worth the journey out from England to see.»

Richtig! Man kann nicht alles haben in dieser Welt. Aber schon einiges. Besonders wenn frau so zäh und entdeckungsfreudig ist wie die Engländerin Margaret Anne Jackson (1843–1906), die im Januar 1888 ein paar mutige und fürchterlich kalte Wintererstbesteigungen mit den Führern Ulrich Almer, Emil Boss und Johann Kaufmann rund um Grindelwald unternahm und bei der Überschreitung der Jungfrau böse Erfrierungen erlitt. Kein Wort davon aber in ihrem Bericht voller Wärme und Witz; «A Winter Quartette» erschien im Februar-Heft 1889 des «Alpine Journal» unter dem Namen «Mrs. E. P. Jackson» – Edward Patton war der 1881 verstorbene Ehemann von Margaret Anne. Schlimmer noch: Auch bei all ihren Ersttouren heisst es in den SAC-Führern bis heute «Mrs. E. P. Jackson». Am 11. Januar 1888 also bewunderte sie vom Grossen Fiescherhorn (4049 m) die Aussicht auf die grossen Berner Oberländer Berge. Das macht sie auch am Ende des Kapitels «Von Meyer zu Heckmair, von Studer zu Steck. Der Bergsport im Berner Oberland». Es ist abgedruckt in dem vor einer Woche in Spiez präsentierten Buch «Die grosse Welt kommt in die Berge. Die Entstehung des Tourismus im Berner Oberland»; es geht auf die gleichnamige, im letzten Jahr von der Stiftung Schloss Spiez veranstaltete Tagung zurück.

Acht Kapitel beleuchten aus unterschiedlicher Perspektive, wie der heute wichtigste Wirtschaftszweig das Berner Oberland in Beschlag nahm. Aurélie Luther lotet die geistesgeschichtlichen Ursachen aus. Fred Kaspar taucht in die Geschichte des Bädertourismus ein. Hans-Ulrich Schiedt reist zuerst zu Fuss und allein, dann zu Pferd, per Schiff und mit immer mehr Gästen nach Thun und Interlaken. Quirinus Reichen rattert mit Bahnen zuletzt aufs Brienzer Rothorn und gegen die Jungfrau hoch. Roland Flückiger-Seiler logiert anfänglich in der «little châlet inn», bald aber schon im «Royal Hotel Winter Palace» und gerne auch im «Grand Hotel Spiezerhof». Daniel Anker klettert mit Büchern, die für den alpinen Tourismus entscheidend waren, auf den Eiger und darüber hinaus. Und Laurent Tissot, der Grandseigneur der Tourismusgeschichte, heftet sich auf die Spuren von Jemima Morrell, die 1863 mit der legendären ersten organisierten Schweizerreise des noch legendäreren Thomas Cook das Berner Oberland besuchte; mehr dazu unter https://bergliteratur.ch/miss-jemima/ – und mehr zu Cook aktuell in den News. Ja, in diesen Tagen und kommenden Monaten haben einige Touristen und Tourismusleute keine so sonnigen Aussicht wie weiland Margaret Anne Jackson auf dem Grossen Fiescherhorn.

Die grosse Welt kommt in die Berge. Die Entstehung des Tourismus im Berner Oberland. Herausgegeben von Annelies Hüssy und Quirinus Reichen. Sonderausgabe der Berner Zeitschrift für Geschichte in Kooperation mit der Stiftung Schloss Spiez. Hier und Jetzt Verlag, Baden 2019, Fr. 39.-

Reinhold Messner wird 75

Zwei neue alpinhistorische Werke von Reinhold Messner. Das eine schaut zurück, das andere zum Glück auch voraus.

12. September 2019

„Er [Willy Merkl] gefällt sich hier in der Rolle eines Paschas, die er oben, wenn es hart auf hart geht, wahrscheinlich wird aufgeben müssen. … Ihr werdet Euch fragen, warum ich Euch das alles mitteile. Nun, weil ich das meinem Tagebuch nicht anvertrauen will. Man weiβ nie, wie Tagebücher in fremde Hände kommen. Balbos Tagebuch z.B. hat Merkl sofort an sich genommen. Andererseits erscheinen mir diese Dinge doch wichtig genug, festgehalten zu werden, falls einmal darüber gerechtet werden sollte, warum die Expedition nicht so abgelaufen ist, wie sie vielleicht wünschenswert gewesen wäre.“

Schrieb der Münchner Willo Welzenbach, einer der besten Alpinisten seiner Zeit, am 22. Juni 1934 seinen Eltern aus dem Basislager am Fusse des Nanga Parbat (8125 m), den er zusammen mit anderen Bergsteigern im Rahmen der Deutschen Himalaya-Expedition 1934 unter der Leitung von Willy Merkl erstbesteigen wollte. Am 10. Juli griff Welzenbach, Erstdurchsteiger zahlreicher Nordwände (so Dent d’Hérens, Gross Fiescherhorn, Grosshorn, Gletscherhorn. Lauterbrunnen Breithorn und Nesthorn), im Lager VII auf 7200 Metern zum letzten Mal zum Stift und kritzelte auf ein Blatt – Ausschnitte: „Wir liegen seit gestern hier, nachdem wir Uli im Abstieg verloren. Sind beide krank. Ein Versuch, nach 6 vorzudringen miβlang wegen allgemeiner Schwäche. […] Wir haben beide seit sechs Tagen nichts Warmes gegessen und fast nichts getrunken. Bitte helft uns bald hier in L. 7.“ Es gab keine Hilfe im tagelangen Höhensturm. Welzenbach starb in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli. Insgesamt blieben drei Deutsche und sechs Sherpas oben am Nanga Parbat zurück; zudem war am 8. Juni Alfred „Balbo“ Drexel an einem Lungenödem gestorben.

Nun hat Reinhold Messner – der Nanga Parbat war 1970 sein erster 8000er, und er ist auch so etwas wie sein Schicksalsberg, verlor Reinhold doch beim Abstieg seinen Bruder Günther – ein neues Werk über Willo Welzenbach veröffentlicht. „Der Eispapst. Die Akte Welzenbach“ ist eine Neuaufbereitung einer schon bekannten Geschichte über einen grossartigen Alpinisten, der zuletzt nicht nur am Berg den Kampf verlor, sondern schon vorher mehrmals gegen seinen Konkurrenten Paul Bauer, der als überzeugter Nationalsozialist im Hitler-Deutschland das bessere „Material“ besass. Messner zitiert ausführlich aus den Briefwechseln der Akteure, aus dem Tagebuch und den Tourenberichten von Welzenbach sowie aus anderen Quellen. „Es soll keine wissenschaftliche Arbeit sein, was ich daraus gemacht hae“, schreibt er im Nachsatz, „sondern eine Erzählung, die aus Dokumenten und Briefen schöpft, die zum Glück weiter existieren.“

Ganz ehrlich muss ich sagen, dass Messner schon besser erzählt hat. Denn das kann er. Aber seitenlang Briefe vorzulegen, die typographisch nicht vom Lauftext abgehoben sind, da kommt man beim Lesen so rasch vorwärts wie beim Spuren in knietiefem Schnee. Wer sich also einen besseren und wissenschaftlicheren Überblick über Willos Akte verschaffen will, folge diesen vier Publikationen: Franz Grassler: Dr. Willo Welzenbach. Zu seinem 60. Geburtstag, in: Jahrbuch des Deutschen Alpenvereins 1960; Peter Mierau: Die Deutsche Himalaja-Stiftung von 1936 bis 1998. Ihre Geschichte und ihre Expeditionen, Bergverlag Rother, 1999 (mit einem freundlichen Vorwort von Messner zu Paul Bauer); Peter Mierau: Nationalsozialistische Expeditionspolitik. Deutsche Asien-Expeditionen 1933–1945, Utz-Verlag, 2003. Sowie natürlich Eric Roberts: Willo Welzenbach. Eine biographische Studie mit ausgewählten Schriften, Carta Verlag, 1981.

Bei Roberts findet sich auf Seite 230 ein Foto der Erstdurchsteigung der Nesthorn-Nordwand am 25. Juli 1933 mit folgender Legende: „Alfred Drexel führt bei der Erstbesteigung der Nesthorn Nordwand.“ Was er auch tat, wie im beiliegenden Bericht von Erich Schulze zu lesen ist. Diesen Text hat Messner in seinem Buch aufgenommen, gekürzt und ohne die Kürzungen zu kennzeichnen. Auch das Foto findet sich, im Buch drin und auf der Rückseite des Umschlags, seitenverkehrt und mit dieser Legende: „Seilerster Welzenbach.“ Und hier die zum Foto passende Textpassage in der Gegenüberstellung, wobei die Zeitangabe für den Quergang und das Nichtwahrnehmen der Umgebung bei Schulze ein paar Zeilen weiter oben zu lesen sind. – Original Schulze: „Aber auch diese Minuten äußerster Konzentration gingen vorüber. Wir atmeten auf, als gegen 2 Uhr 30 Min. Drexel nach bewunderungswürdiger Führung die letzten Meter der plattigen, schon minder steilen Felszone überwand und die Firnhänge des Gipfelaufbaus erreichte. Wenige Schritte spurte er in dem bereits weicher werdenden Firn und konnte prachtvoll sichern. Nun erst erreichten ihn die ersten Sonnenstrahlen, die eine Belohnung für die Mühe und Anstrengung der vorübergehenden Stunden waren. In dem lichtüberstrahlten Firn warf seine Gestalt einen langen Schatten. Willo und ich kamen bald nach. Wir gönnten uns die erste Rast, aßen ein wenig.“ – Version Messner: „Minuten äußerster Konzentration sind vergangen, als Drexel die letzten Meter der weniger steilen Felszone und dann die Firnhänge des Gipfelaufbaus erreicht. Er kann endlich sichern, und uns wärmen die ersten Sonnenstrahlen! Für zwanzig Meter Höhenunterschied und fünfzig Meter Quergang nach rechts hat er fast drei Stunden gebraucht. Unser Interesse für die Umwelt ist dabei völlig verschwunden. [Neuer Absatz] Willo und ich gönnen uns die erste Rast, essen ein wenig von unserem Proviant.“ – Fazit der Neufassung: Sonnenstrahlen für Welzenbach und Schulze, obwohl sie noch im Schatten stehen, aber keine Brotzeit für Drexel…

Ein anderes, neues Buch von Reinhold Messner kann ich freilich bestens empfehlen. Es heisst „Mord am Unmöglichen. Spitzenkletterer aus aller Welt hinterfragen die Grenzen des Möglichen.“ Der Titel geht zurück auf einen wegweisenden Artikel von Messner in der Zeitschrift „Alpinismus“ im August 1968: „Direttissima – oder Mord am Unmöglichen.“ Darin forderte er den Verzicht auf technische Hilfsmittel beim Klettern. Im Buch kommt Messner auf diesen Artikel zurück und ergänzt ihn und die Geschichte, die er ausgelöst hat, mit eigenen und fremden Gedanken und Texten. Im zweiten Teil des von Luca Calvi und Alessandro Filippini herausgegebenen Buches kommen 42 Topalpinisten (38 Männer und vier Frauen) aus der ganzen Welt zu Wort, nehmen Stellung zum Unmöglichen bzw. Möglichen sowie zur Zukunft des Alpinismus und des Kletterns. Als leider sozusagen letzte Worte sind dabei auch drei Beiträge von Alpinisten, die seit der Publikation des Buches wie Willo Welzenbach in den Bergen geblieben sind. So von Hansjörg Auer, der am 16. April 2019 von einer Lawine in den Tod gerissen wurde. Ausschnitt aus seinem Beitrag: „Heutzutage sind viele Kletterer und Alpinisten nahezu ausschlieβlich von der Suche nach Schwierigkeiten getrieben. Das ist auch legitim und völlig normal bis zu einem bestimmten Alter. Bei mir war es genauso. Ich habe allerdings über die Jahre gelernt, dass es um etwas anderes geht. Zumindest für mich. Es ist nicht so wichtig, wo man klettert und was man klettert, sondern mit welchen Partnern man klettert und vor allem wie. Der Berg, das Gelände gibt den Weg vor, und wir müssen ihm folgen.“

Und mit diesen schönen Sätzen gehen wir über zum Feiern. Am 17. September wird Reinhold Messner 75 Jahre alt. Tanti auguri!

Reinhold Messner: Der Eispapst. Die Akte Welzenbach. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2019, Fr. 38.-

Reinhold Messner: Mord am Unmöglichen. Spitzenkletterer aus aller Welt hinterfragen die Grenzen des Möglichen. Herausgegeben von Luca Calvi und Alessandro Filippini. Malik Verlag, München 2018, Fr. 38.-

Himmelwärts. Bergführerinnen im Porträt

Ein starkes Buch über starke Frauen.

6. September 2019

„Als ich neulich am Groβglockner, dem höchsten Berg Österreichs, auf der Hütte ankam, sagte der Wirt ganz erstaunt zu mir, eine Bergführerin zu Besuch, so etwas habe er noch nie erlebt! – Ich kramte meinen Bergführerausweis hervor, er schaute mich mit groβen Augen an und hat daraufhin höchstpersönlich mit mir einen Schnaps getrunken (lacht). Du musst als Frau schon selbstsicher sein, sonst wirst du nicht Bergführerin. Doch im Prinzip macht das Geschlecht keinen Unterschied am Berg. Entweder man hat das Gespür für das Bergsteigen, oder man hat es nicht.“

Sagt Käthi Flühmann aus Unterbach bei Meiringen, 55 Jahre alt, Bergführerin seit 1988. Sie machte als zweite Frau das Bergführerpatent in der Schweiz; die erste war Nicole Niquille 1986. Nicht einmal 40 Frauen zählt der Schweizer Bergführerverband heute, neben 1300 Männern. In ihrem jüngsten Werk lässt Daniela Schwegler Bergführerinnen zu Wort kommen. Titel des Buchs über Frauen, die nicht nur buchstäblich vorangehen: „Himmelwärts.“

„Traum Alp“, „Bergfieber“ und „Landluft“: So heissen die Bücher von Daniela Schwegler, in denen sie Älplerinnen, Hüttenwartinnen und Bergbäuerinnen porträtiert hat. Nun also die Bergführerinnen. Zwölf von ihnen, von Nicole Niquille bis zur Aspirantin Caro North, hat die bergsportbegeisterte Autorin begleitet und befragt: Was treibt sie an? Wie haben sie sich ihren Platz in diesem Männerberuf erkämpft? Von welcher Herausforderung träumen sie schon ihr ganzes Leben? Zwölf authentische Lebensgeschichten von Frauen, die ihren Weg gegangen sind und ihn immer noch gehen, mit und ohne Ehemännern und Kindern. Hochspannende Lektüre aus dem Hochgebirge und dem Alltag, allen Frauen empfohlen – und den Männern erst recht. Unabhängig davon, ob sie zu Berge gehen oder nicht.

„Himmelwärts“ erfreut aber nicht nur durch die Porträttexte, sondern auch durch die Fotos von Christian Jaeggi, Ephraim Bieri und Riccardo Götz. Sie zeigen die Bergführerinnen unterwegs, mit und ohne Gäste, im Steilfels führend, im Pulverschnee kurvend und vielleicht auch mal im blumigen Gras liegend: überraschende und erfrischende Aufnahmen, perfekt passend zu diesem Buch über Pionierinnen. Mehr noch: Zu jedem Porträt gibt es einen oft historischen Hintergrundtext, zum Beispiel zur Geschichte des Frauenalpinismus. Und jedes Porträt der zwölf Bergführerinnen wird mit einem eleganten Tourentipp abgerundet. Bei Käthi Flühmann, der Ururenkelin des berühmten Meiringener Bergführers Melchior Anderegg, ist es das Gwächtenhorn (3403 m) im Sustengebiet.

Daniela Schwegler: Himmelwärts. Bergführerinnen im Porträt. Rotpunktverlag, Zürich 2019, Fr. 39.-

Buchtaufe und Gespräch: Am 12. September 2019 um 20.15 Uhr stellt Daniela Schwegler ihr neues Buch in der Transa-Filiale Europaallee in Zürich vor. Mit dabei: die Bergführerinnen Evelyne Binsack, Barbara Leuthold und Angelina Huwiler sowie die Fotografen des Buchs. Moderation: Annette Marti. Bitte bis Donnerstag, 12. September 2019 12.00 Uhr, anmelden unter www.transa.ch/workshops-vortraege/bergfuehrerinnen-portrait/.

Klettergarten Holzegg

Zum ersten Mal im Klettergarten auf der Holzegg. Der schönste Ort zum Klettern, den sie kenne, sagt Christa.

5. September 2019

Die Wand sieht phantastisch aus, fast weisser Kalkfels, geformt wie ein kleiner Berg, eine achtzig Meter hohe Kopie des Grossen Mythen, an dessen Fuss er sich erhebt. In der Seilbahn haben wir Peter Guyer getroffen, den «Mythenpöstler», Doyen des Huderterclubs. Er steige nicht mehr hinauf, sehe fast nichts mehr. Sein Freund vom Hunderterclub, Armin Schelbert, schaffe demnächst die 5000ste Besteigung des Grossen Mythen. Wie wir gönnt sich auch Peter einen Kaffee im Restaurant. Zur Wand sind es ja nur fünf Minuten, den etwas versteckten Einstieg in den Zugangsweg finden wir auf Anhieb.

Es ist ein gewöhnlicher Werktag, doch da klettern schon einige Teams, eine Seilschaft hängt hoch in der Wand. An Wochenenden sei der Klettergarten schon ziemlich überlaufen. Eigentlich frage ich mich, warum wir noch nie hier gewesen sind. Die Anfahrt mit Zug, Bus und Seilbahn ist mit OeV einfach und schnell. René Andermatt, der die Hauptarbeit beim Einrichten geleistet hat, hat mir vor ein paar Jahren fürs Mythenbuch Informationen geliefert. Und erwähnt, dass wir uns eigentlich kennen. Vor dreissig Jahren entstanden die ersten Routen, 2010 bis 2014 haben René und sein Team grosse Arbeit geleistet. Fels geputzt. Über dreissig Routen eingebohrt, zum Teil bis drei Seillängen, mit Abständen wie in der Halle, dazu perfekte Stände mit Ketten und Umlenkkarabinern. Ein kleines Vermögen haben sie wohl investiert. Zur Freude der kletternden Nachwelt.

Und die Freude ist gross, der Fels schön griffig, noch nicht abgespeckt, die Routen, die wir klettern, interessant. Risse, Platten, sehr abwechslungsreich. Klar, wir bleiben im Seniorenbereich! Die Sonne wärmt, in der Tiefe tingeln Kuhglocken auf der Alp, über dem Muotathal sehen wir Rossstock, Kaiserstock, Blüemberg. Berge, die zu unserer eigenen, ganz privaten Geschichte gehören. Glückliche Erinnerungen. Wir klettern für einmal mit Helm, wie empfohlen, da gelegentlich noch ein Griff abbrechen kann oder sonst ein Stein sich lösen. Allerdings hören wir keinen einzigen an diesem Tag. Wahrscheinlich ist der Weg auf den Grossen Mythen gefährlicher, was Steinschlag betrifft.

Die Wand ist durch einen Bergsturz vom Holzeggköpfli entstanden, die riesige Schutthalde hat eine ganze Alp zugedeckt. Der Geologe Albert Heim datiert ihn ins 16. Jahrhundert. Der Malmkalk ist im geologischen Massstab noch frisch gebrochen, wenig verwittert. Nach den paar Stunden Kletterei sind wir so begeistert, dass ich sogar wieder mal einen Blog schreibe …

Zu Beginn meines Kletterlebens, Frühling 1960 glaube ich, bin ich schon einmal zum Klettern auf die Holzegg gekommen. Mit dem Velo die weite Fahrt aus dem Zürcher Oberland ins Alpthal. Köbi, mein Gefährte, baute mit seinem Töffli einen kleinen Unfall, den verbogenen Lenker seines konnten wir von Hand wieder richten. Köbi wanderte kurz darauf nach Neuseeland aus, wo er glaube ich heute noch lebt.

Eine schlaflose Nacht verbrachten wir im Massenlager auf der Holzegg. Eine Gruppe von besoffenen Naturfreunden gröhlte, erzählte schlüpfrige Witze. Ruhig waren nur die Pärchen, die unter Wolldecken kuschelten. Am Morgen waren wir fast froh, dass dicke Wolken um die Mythen strichen, die Felsen noch nass waren vom Regen der Nacht.

Wir unterhielten uns mit zwei  Kletterern der Jugendorganisation der SAC-Sektion Mythen aus Schwyz, die am Nachmittag zum Geissstock wollten. Köbi und ich zogen ab. Zwei Tage später las ich in der Zeitung, dass Klaus Neff und Gebhard Bischof an jenem Tag zu Tode stürzten. So hat der schönste Tag auch seine besinnliche Seite, denn vor den Erinnerungen gibt es kein Entrinnen. Sie sind da, eingeschrieben in die Landschaft, lesbar nur für die Erinnernden.