Sie kennen den Weg von unten bis oben und zurück: die Bergführer. Die wenigen Bergführerinnen natürlich ebenfalls. Drei Publikationen folgen ihnen Schritt für Schritt.
«Après un diner typique des refuges du CAF à l’époque – cousin germain de ceux des wagons-restaurants de la SNCF – accompagné d’un vin tout sauf sapide, nous nous couchons, le corps épuisé, pour affronter le lendemain.
Trois heures. Le réveil. Je lui lance la traditionnelle question du guide:
– Bien dormi?
– Pas fermé l’œil…
– C’est probablement l’altitude.»
Erzählt der Bergführer Yvan Estienne in seiner Geschichte «Mon premier client», die er in das von ihm herausgegebene Buch «Ce jour-là» aufgenommen hat. Ich musste kurz nachschlagen, was «sapide» heisst: geschmackvoll. An schlechten Wein war sich Estienne damals wohl gewohnt, nicht jedoch an den Empfang unterwegs zur Barre des Écrins (4102 m), dem südlichsten und westlichen Viertausender Alpen: zehn Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere des 159e RIA de Briançon salutierten ehrfürchtig, allerdings nicht ihm, sondern seinem Gast. Auf dem Gipfel gab sich dieser, dessen Beruf der Bergführer nicht kannte, zu erkennen: General der französischen Armee, und seine Leute waren immer im Bild, wo er unterwegs war, erst recht im Hochgebirge mit einem jungen Bergführer.
«Ce jour-là» versammelt 24 Geschichten mit Tagen und Touren heutiger französischer Alpinistinnen und Alpinisten, 12 von Bergführern, 6 von Bergführerinnen, insgesamt 6 von Frauen. Erlebte Momente in den Alpen und in den Gebirgen der Welt, lustige und traurige, einfach fast alles, was in den Bergen passieren kann. Auch bei Profis, vielleicht auch erst recht bei ihnen.
Die Sommerausgabe der französischen Zeitschrift «L’Alpe» nimmt Bergführerinnen und Bergführer ans Seil, wie immer auf souveräne Art und mit starken Illustrationen. «Les guides» geht ein auf die 200 jährige Geschichte des Bergsteigens mit einer Person, der sich die Nachsteigenden anvertrauen. Porträtiert zwei grosse Führer: Jacques Balmat, einen der beiden Erstbesteiger des Mont Blanc (wobei am 8. August 1786 zuoberst möglicherweise gar der Gast voranging…), sowie Pierre Gaspard, dem am 16. August 1877 zusammen mit seinem Sohn und Emmanuel Boileau de Castelnau die Erstbesteigung der Meije gelang. Hält Schritt mit den Schweizer Bergführern, die in Kanada für die Canadian Pacific Railway arbeiteten und first ascents machten. Dazu gibt das Führerheft Auskunft zur Geschichte der Führer und des Materials. Das Kapitel «50 nuances de guide» knotet sich sicher ein ins Buch «Ce jour-là». Und acht mit «Engagées» überschriebene Seiten widmen sich den weiblichen Guides.
Deshalb weiter zu einer von ihnen, zur Bergführerin und Topalpinistin Lise Billon. In «une introduction au granite» erzählt sie von ihren Abenteuern im Yosemite Valley, wo sie als junge Kletterin zusammen mit einem Kollegen nicht nur gegen den senkrechten Fels, sondern auch gegen die Talpolizei zu kämpfen hatte, die das wilde Campieren nicht tolerierte. In der Wand des El Capitan fanden beide dann endlich einen ruhigen Biwakplatz:
«Assise sur mon carré mat, je regarde en bas le ballet incessant des phares accompagné par les sirènes des voitures de police. Les pieds dans le vide, j’ai davantage l’impression d’être en haut d’un gratte-ciel new-yorkais que d’un big wall au cœur d’une nature prétendument sauvage.»
Im Oktoberheft der Zeitschrift «Montagnes Magazine» begegnen wir wieder Lise Billon, wie sie mit kräftigen Händen Klemmkeile zeigt, die sie auf senkrechten Touren braucht. Im gleichen Heft findet sich ein Porträt des französischen Bergführers, Führerautors, Schriftstellers und Filmers François Damilano. Zusammen mit dem Physiker Étienne Klein hat er das Buch «L’Esprit de cordée» verfasst, das am 7. Oktober 2026 erscheint. Darin geht es um das Verhältnis Bergführer-Gast. Was weiss der Erste, was der Zweite auf einer Tour, insbesondere auf einer schwierigen, wirklich erlebt bzw. erlebt hat? Und umgekehrt. Drei Tage und zwei Nächte waren die beiden Alpinisten miteinander (am Seil) verbunden, während der Traversierung der Grandes Jorasses, dieser gewaltigen Mauer zwischen Frankreich und Italien. Dem Buch ist ein Zitat aus «Terre des hommes» von Antoine de Saint-Exupéry vorgestellt: «Il n’est de camarades que s’ils s’unissent dans la même cordée, vers le même sommet en quoi ils se retrouvent.»
Yvan Estienne: Ce jour-là. Édition Glénat, Grenoble 2026. € 21.50.
Les guides. L’Alpe, N° 113, été 2026. Éditions Glénat, Grenoble. Fr. 26.-
François Damilano, Étienne Klein: L’Esprit de cordée. Éditions Arthaud, collection littérature. Paris 2026, € 20,50.

























