Alpine Journal & alpine Events

Es gibt viel zu tun in nächster Zeit: lesen, zuhören, anschauen, essen, trinken. Und bergsteigen, das auch natürlich. Im Zentrum der Aktivitäten: London und Bern.

„This year, on page 143, we publish the powerful, and to me unanswerable, argument that human activity is driving current climate change. Quite what John Muir would have made of Donald Trump and his decision to withdraw the US from the Paris climate agreement can only be guessed at. It’s hard to imagine Trump bedding down for the night beside a campfire.“

Tatsächlich: Das kann man sich nur ganz schwer vorstellen, dass der heutige Präsident der USA mit einem Natur- und Umweltschützer an einem Lagerfeuer hocken und zelten würde, wie dies sein Vorgänger Theodore Roosewelt 1903 mit John Muir im Yosemite Valley tat. In der Folge ordnete der damalige Präsident an, dass das Tal zum Nationalpark aufgewertet wurde. Den präsidialen Vergleich zog Ed Douglas im Vorwort zu dem von ihm herausgegebenen „Alpine Journal“ von 2017. Im Untertitel heisst das älteste und berühmteste Bergsteigerjahrbuch der Welt unverändert: „A record of mountain adventure and scientific observation“. Sport und Wissenschaft in den Bergen also. Nun liegen die Bände 121 und 122 der Publikation des 1857 in London gegründeten Alpine Club vor mir auf dem Pult, und immer wieder macht es Freude, darin zu blättern und zu lesen.

Ein paar Highlights aus dem Jahr 2017:
 „Lost in China“: Die haarsträubende Erstdurchsteigung der Südostwand von Kyzyl Asker (5842 m); beim dritten Anlauf im September 2016 schaffte es die deutsche Extremalpinistin Ines Papert mit ihrem slowenischen Seilgefährten Luka Lindič.
 „On Skis in the Ak-shirak“: Es muss ja nicht immer das Gantrisch-Gebiet sein, um stotzige Abfahrten zu machen. Das Ak-shirak-Massiv im zentralen Tien Shan böte sich als Alternative an; allerdings muss dann von Skiberg zu Skiberg ein Schlitten gezogen werden…
 „The Response of Glaciers to Climate Change“: Das ist genau der oben erwähnte Artikel auf Seite 143. Trump wird ihn nicht gelesen haben, im Gegensatz zu den Leuten der Gletscherinitiative.
 „The First Ascent of the Barre des Écrins“: Höchstwahrscheinich die richtige Antwort auf die schwierige Frage, wer nun zuerst zuoberst auf dem südlichsten Viertausender der Alpen stand: der Engländer Edward Whymper und seine Führer – oder französische Vermessungsoffiziere und ihre Gehilfen.

Und aus dem Jahr 2018:
 „The Spectre: An Antarctic Diary“: Mit dem Schlitten und Segel zu einem Granitzacken in der Antarktis gleiten – eiskalte Abenteuer am einen Ende der Welt.
 „Aiguille du Jardin“: Dass es aber noch gleich um die Ecke Neuland zu entdecken gibt, erst noch im eigentlich doch schon übererschlossenen Montblanc-Massiv, schildert Ben Tibbetts.
 „The Mountain Landscapes of Ferdinand Hodler“: Wunderbar, dass DER Schweizer Bergmaler einen farbigen Auftritt in diesem Jahrbuch erhält.
 „All By Themselves“: Die spannende Geschichte, wie der Alpine Club das führerlose Bergsteigen im 19. Jahrhundert gebremst und manchmal auch gefördert hat.

Und wie immer in „The Alpine Journal“: Buchbesprechungen, Nachrufe, die Rubrik „One Hundred Years Ago“. Sowie die umfassende Berichterstattung über neue Touren und Gipfel auf der ganzen Welt. Richtig: auch neue Gipfel! Solche, von denen man wohl noch nie etwas gehört hat. Zum Beispiel Nyel Japo (6150 m) im Tibet: Oh my God, sieht dieser Zahn steil und unzugänglich aus, ein Matterhorn hoch zwei. Ob dort oben schon jemand gezeltet hat?

Und dann steigen wir ab: ins Alpine Museum der Schweiz in Bern, wo in nächster Zeit alpine Events noch dichter beieinander liegen als Mixed-Kletterrouten in schottischen Wänden.
Crystallization. So heisst das neue SAC-Kulturprojekt für alle Sinne. Der Startschuss fällt am 4. Mai um 16 Uhr mit einer Tour d’Horzion. Mit dabei sind verschiedenen Persönlichkeiten, die sich mit dem alpinen Raum in irgendeiner Art und Weise beschäftigen – vom kulturellen, physischem bis hin zum musikalischen Umgang. Der Journalist Jürg Steiner moderiert den ersten «Salon Alpin» mit dem Titel: «Vergesst die Alpen, wir haben jetzt Tunnel. Die Alpen – ein Stachel in der mobilen Gesellschaft?» Eine Gesprächsrunde mit Bergführerin Carla Jaggi, Stadtwanderer Benedikt Loderer und Jon Pult, Präsident Alpen-Initiative. Ab 19 Uhr dann eine ganz besondere Tavolata mit Dominik Flammer, Autor von «Das kulinarische Erbe der Alpen». Würste sind die Stars des Abends, begleitet von auserwählten Kartoffelsorten und vielem mehr, zum Beispiel Gipfelwein.
Live Painting. Im Rahmen des Design Festivals Bern vom 4. und 5. Mai gestalten fünf Illustratorinnen und Grafiker in einer Live-Performance die Wände des wandelbaren Teils der Ausstellung «Schöne Berge» ganz neu.
Gletscherarchäologie. Die Alpengletscher schmelzen – und bringen archäologisch interessante Objekte zum Vorschein, die während Jahrzehnten, Jahrhunderten oder Jahrtausenden im Eis lagerten. Denn schon seit der Urgeschichte hinterlassen Menschen Spuren in hochalpinen Gegenden. Der kulturhistorische Wert solcher Funde ist bedeutsam. Sie erzählen Geschichten aus der Vergangenheit und tragen bei zur Klärung von Forschungsfragen. 6. Mai 2019: 9.15 bis 18 Uhr die Tagung der swiss academies of arts and sciences; um 18.30 Uhr dann die öffentliche Abendveranstaltung.
Berge erzählen. Ein Lesespaziergang mit Walter Däpp durch die Ausstellung „Schöne Berge“. Der Berner Autor und Alpinist philosophiert über das Edelweiss, erzählt, wie sich eine Bergwanderung anfühlt, und sinniert über den überbordenden Werbeklamauk in den Alpen. Er erfreut sich am Flug einer Bergdohle und schmunzelt über gurgelnde Bachnamen. 8. Mai um 20 Uhr.

The Alpine Journal, 2017 and 2018. Volumes 121 and 122. Edited by Ed Douglas. The Alpine Club, London 2017 and 2018, £ 26.- each. Erhältlich in der alpinen Buchhandlung Piz Buch & Berg in Zürich, www.pizbube.ch.

Alpines Museum der Schweiz, Bern:
Samstag, 4. Mai, 16 Uhr: Crystallization. Infos unter www.sac-cas.ch/crystallization; Platzreservierung unter cry@sac-cas.ch. Tickets für die Tavolata auf der gleichen Website.
Samstag, 4. Mai, und Sonntag, 5. Mai, je von 10 bis 17 Uhr: Live Painting in der Ausstellung „Schöne Berge.“
Montag, 6. Mai, 18.30 Uhr: Gletscherarchäologie, öffentliche Abendveranstaltung. Für die ganztägige Tagung sind noch wenige Pätze frei, Anmeldung unter www.sagw.ch
Mittwoch, 8. Mai, 20 Uhr: Berge erzählen mit Wale Däpp. www.alpinesmuseum.ch

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