FelsenFest

Vom Fels und von blumigen Bergwiesen. Hier erzählt einmal der Webmaster selber. Einiges findet sich ja schon in diesem Blog, anderes anderswo. Doch «Es ist wie mit den Griffen: Hält man ein Buch fest in der Hand, gibt das mehr Halt als die flüchtigen Zeilen auf dem Bildschirm.»

Felsenfest_Cover.indd „Als ich an Pfingsten 1959 mit der Jugendgruppe des Alpen-Clubs durchs Schaffhauser Kamin auf den Altmann kletterte, zum ersten Mal am Seil, war Alfred Graber ein bekannter Autor. Seine Wander- und Bergbücher konnte man selbst am Bahnhofskiosk kaufen, sie trugen so romantische Titel wie «Melodie der Berge» oder «Ihr Berge, strahlend unvergänglich». Da leuchtet gleich der Morgenstrahl vom Altmann auf. Mit meinen ersten bescheidenen Texten wandte ich mich in einem Brief an den verehrten Schriftsteller, der im Tessin seinen Lebensabend verbrachte. Er antwortete freundlich und mit väterlichem Rat etwa in dem Sinne: Interessant, mach weiter so, aber zu einem Buch reicht es noch lange nicht.“

Es reichte. Gut sogar. Und zu mehr als einem Buch. Im Online-Katalog der Schweizerischen Nationalbibliothek ergibt „Emil Zopfi“ 89 Treffer, „Alfred Graber“ nur 61. In den nächsten Tagen wird der „Sohn“ den „Vater“ um zwei weitere Bücher übertreffen. Mit dem alpenrosig-duftig präzisen Text im wunderschönen Bergwiesenbuch von Roland Gerth. Und mit seinem neuen Bergbuch „FelsenFest“. Ein hintergründiger Titel für 50 Kurzgeschichten vom Klettern und Bergsteigen und Schreiben darüber. Vom Leben mit den Bergen, mit dem Fels. Vom Nicht-los-lassen-Können, weder vom Griff noch vom Griffel. Fest ist der Fels, und der Fels ein Fest. Nicht immer, aber doch so oft, so intensiv, dass man ihn nicht missen, nicht loslassen möchte und kann. Auch wenn er brüchig ist, es vielleicht auch wird mit dem Alter.

Vor 57 Jahren begann Emil Zopfi mit Bergsteigen und Klettern – Schreiben hat auch immer dazugehört. „Am Samstagabend um halb sechs Uhr treffe ich mit grosser Verspätung im Bahnhof in Göschenen ein, wo mich mein Klettergefährte Hansruedi Horisberger erwartet. Nach kurzer Begrüssung streben wir mit Riesenschritten der Göscheneralp zu. Höchste Eile ist geboten, wollen wir doch noch heute den Fuss des 2. Salbitturmes erreichen.“ So begann Zopfis erster veröffentlichter Text, der 1962 in der SAC-Zeitschrift „Die Alpen“ erschein. Das Debüt als Autor.

CoverBergwiesenDie Türme Salbitschijen tauchen auch in der jüngsten Publikation wieder auf, ja beschliessen sie sogar. Mit „Villigerpfeiler: Der letzte Traum“ ist die 50. Geschichte überschrieben. So lesenswert wie die 49 vorhergehenden Geschichten ebenfalls. Und das, obwohl die meisten schon online publiziert wurden. Es ist halt wie mit den Griffen: Hält man ein Buch fest in der Hand, gibt das mehr Halt als die flüchtigen Zeilen auf dem Bildschirm. Mehr noch: Auf Papier sind die Klettergeschichten neu zusammengebunden worden, die neun Seillängen heissen nun „Sehnsucht“ und „Spuren“, „Glück“ und „Trauer“, „Melancholie“ und „Kraft“. Und bereichern sich so gegenseitig. Wie die weisse Narzisse, auch Dichter-Narzisse genannt, den Osthang der Dent de Lys in den Freiburger Alpen zum Blühen bringt.

„FelsenFest“: eine Melodie der Berge, die kräftig widerhallt. Und die wir noch lange vernehmen wollen. Natürlich auch am 23. April, dem Welttag des Buches.

Emil Zopfi: FelsenFest. Noch schöner als Fliegen – 50 Kurzgeschichten. AS Verlag, Zürich 2016, Fr. 29.90.

Roland Gerth (Fotos), Emil Zopfi (Text): Faszination Bergwiesen – Die schönsten Wiesenlandschaften der Schweiz. AS Verlag, Zürich 2016, Fr. 45.-

Buchvernissage von „FelsenFest“ am Freitag, 29. April 2016, um 18 Uhr im Bächli Bergsport, Binzmühlestrasse 80, 8050 Zürich. Anmeldung erwünscht auf www.baechli-bergsport.ch.

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