Roger, Mirka & Globi

Roger Federer als Bergsteiger? Der Federispitz jedenfalls spielt oberhalb der Linthebene gross auf. Und Roger alias Rodger tut dies in tenuefrischen Bildgeschichten.

– J’ARRÊTE LE TENNIS!!!
– TU DÉLIRES! ÇA DOIT ÊTRE L’ALTITUDE! TU NE PEUX PAS ARRÊTER MAINTENANT! PAS À TON ÂGE, PAS AVEC TON CLASSEMENT!
– JE VIENS DE COMPRENDRE! JE NE SUIS PAS FAITE POUR LES SOMMETS: PLUS J’AVANCE, PLUS ILS RECULENT.

Ausschnitt aus einem der wichtigsten Gespräche zwischen Roger Federer und Miroslawa „Mirka“ Vavrinec – auf einer Schneeschuhtour mit Blick aufs Matterhorn. Er fragt sie, ob es mit ihrem schmerzenden Fuss gehe, und sie antwortet, dass sie beschlossen habe, ihre Tenniskarriere zu beenden – und dass er der grösste Tennischampion aller Zeiten werden könnte. Das letzte Bild dieser auf vier Seiten gezeichneten Episode im Comic „Mirka & Rodger“ zeigt sie voller Tatenlust zuoberst auf einer Schneewechte, den schlaffen Roger im Schlepptau. Was für eine Szene, mon Dieu! Tatsächlich beendete Mirka ihre Karriere wegen einer Fussverletzung im Jahre 2002. Sie hatte Roger am Rande der Olympischen Spiele 2000 in Sydney kennengelernt. 2003 gewann er seinen ersten Grand-Slam-Titel – in Wimbledon, of course!

Dass Mirka und Roger je eine solche Schneeschuhtour unternahmen – mit Rackets an den Füssen, notabene – ist eher unwahrscheinlich. Spielt aber keine Rolle. Ausser eben, dass die beiden welschen Zeichner Vincent Di Silvestro, genannt Vincent, und Gérald Herrmann, genannt Herrmann, diese Schlüsselszene in den verschneiten Bergen platzierten. Auch wer als Schweizer auf dem Court viele Gipfel erreicht hat und dies noch weiter tun will, kommt um die hohen Gipfel nicht herum. Mais non. Nach „L’enfance de l’art“ (2018), das Rogers Jugend beschrieb, folgen im neuen Comic die ersten professionellen Schritte des Tennisgenies bis zum ersten Wimbledon-Titel, einschliesslich der Begegnung mit Mirka. Das Titelbild zeigt die beiden in Sydney, sie als Julia und er als Romeo mit dem Racket als Gitarre. Magnifique!

Etwas braver, aber durchaus mit cleveren Szenen gestaltet, tritt ein zweites Federer-Comic auf: „Globi und Roger“ von Daniel Frick und Boni Koller. Globi, die erfolgreichste Schweizer Kinderbuch-Figur neben Heidi und Schellen-Ursli, begegnet endlich einem der erfolgreichsten Schweizer Sportler. Er trifft ihn – nicht ganz zufällig – in den Bergen. Schliesslich haben Roger und Mirka mit ihren Zwillingen den Hauptwohnsitz seit 2015 in Lenzerheide-Valbella. Und dort nimmt eine gemeinsame Reise Fahrt auf, die die beiden Helden über Wimbledon und Afrika zurück in die frisch verschneiten Alpen führt, wobei Globi seinen Helden bei der Pokalübergabe in Londons Süden vor einer Blamage rettet. Am Schluss schenkt Roger seinem Balljungen mit dem Papageien-Schnabel und der rot-schwarz karierten Hose zwei Rackets. Dreimal raten, was Globi mit ihnen im tiefen Schnee macht: „Und so stapft er froh nach Haus.“

Ob sein Idol heute Dienstag Nachmittag bei seinem ersten Match in Wimbledon 2021 gegen den Franzosen Adrian Mannarino ebenso froh auf- und dann abtritt? On verra.

Herrmann, Vincent: Mirka & Rodger. Herrmine Editions, Genève 2021, Fr. 24.80.

Daniel Frick, Boni Koller: Globi und Roger. Orell Füssli/Globi Verlag, Zürich 2021, Fr. 24.90.

Kommentar abgeben