Grimsel

Der Grimsel oder die Grimsel? Jedenfalls geht es in diesem Buch um umkämpftes Terrain. Kraftwerk, Arvenwald ect. Im Totensee sollen einst die Leichen von Franzosen geschwommen sein. Heute ist’s eine Idylle. Nebel treiben, der See blaut. Tote allenfalls wenn im Sommer die Motorräder über den oder die Grimsel brausen.

21. November 2014

An der Grimsel Cover„Kein Ort in der Welt, über den so verschiedene Ansichten geltend gemacht werden. ‚Ich gehe wenigstens einmal im Jahre hinauf, sagte mir ein Freund, der ein himmlisches Plätzchen am Thunersee sein nennt, zuweilen selbst scheue ich den langen Weg durch das Hasli zum zweiten Male nicht, um dort oben ein paar köstliche Tage zu verleben. Die frische Bergesluft stärkt mich, das leichte Wasser trinke ich mit mehr Wohlbefinden, als zu Hause meinen Wein, und ich fühle mich so heiter, so heimelig in der Familie des Wirthes, daβ ich stets mit wahrem Vergnügen mich unter diesem Dache finde.‘ Ich gab ihm Recht. Hatte ich denn nicht auch manchen Tag dort zugebracht, bei schönem und schlechtem Wetter, und das Plätzchen lieb gewonnen? Wir waren noch im Gespräche, uns manchen freundlich erlebten Augenblickes erinnernd, als meines Freundes liebliche Frau sich uns zugesellte. ‚Und ich, rief sie aus, als ihr des Gegenstand des Gespräches bekannt geworden, ich kann nicht begreifen, was ihr Alle an der Grimsel findet. Ich kenne keinen traurigeren Fleck auf Gottes Erdboden. Sollte man nicht glauben, im Grabe der Schöpfung selbst zu sitzen. Mein Mann hatte mir das Alles so schön ausgemalt, daβ ich mich verführen lieβ, ihn einmal zu begleiten. Ich bin nie unglücklicher gewesen, als während der paar Tage, welche wir oben zubrachten. Eine finstere Schwermuth, deren ich nicht Meister werden konnte, hatte sich meiner bemächtigt.‘“

Lese ich im Buch „Im Gebirg und auf den Gletschern“ von Carl Vogt, das 1843 im Verlag von Jent & Gaβmann in Solothurn erschien. Das Exemplar wurde vom „Lese-Cabinet, Papier & Spielkarten Verlag Alexander Pulver, Marktgasse N° 91 in Bern“ verkauft, wie einem Kleber zu entnehmen ist. Sechs der elf Kapitel spielen auf der Grimsel und im Haslital. Ein Buch zur Grimsel also. Und nun halte ich ein druckfrisches Buch in der Hand: „An der Grimsel“ von Susanne Vettiger. Ein Werk über „Landschaft, Berge, Menschen“, wie die Einladung zur Buchvernissage vom Samstag, 22. November 2014, in Buchhandlung Piz Buch & Berg in Zürich verspricht. „Es gibt darin vieles zu entdecken mit den Augen, dem Kopf und dem Herzen. Aus dem Nebel in die Sonne und zurück.“

Der graue Buchdeckel ist drei Millimeter dick und hat keinen Umschlag. Auf dem Cover ist eine Nebel-Fotografie zu erahnen, die sich auf der Rückseite lichtet und den Blick auf einen Stausee freigibt. Das Buch gliedert sich in drei Teile. Auf den ersten 175 Seiten ohne Pagina und Legenden zeigt Susanne Vettiger 120 Fotos des Grimselgebietes: Berge und Beton, Granit und Gras, Hospiz und Hütten, Maschinen und Moränen, Strassen und Strommasten, Wasser und Wege. Zu jeder Jahreszeit. Archaisch und idyllisch, verspielt und verbaut, neblig und sonnig. Im zweiten Teil finden sich 60 Portraits von Menschen, die an der Grimsel leben und arbeiten: Einheimische und Zugewanderte, Erwachsene und Kinder. Und im dritten Teil lesen wir die ausführlichen, vorder- und hintergründigen Legenden zu den Fotos. Die erste laute so:

„Am Totensee. 2164 m. ü. M. an der Grimsel. Offenbarung, aus dem Nichts. Wetterwechsel, unvergleichliches Licht, schroffe, abweisende Felswände, unergründliches Blau der Seen. Schwemmebenen-Orte mit eigenem Rhythmus. Das Auge findet immer Neues. Wer sich bewegt, wird durch seine Wahrnehmung bewegt. Sehen, fühlen, erkennen, fragen und finden; LEBEN. Es ist ein persönliches Schauen und sich erleben, individuelles Sein.“

Schade, dass die Ehefrau des Freundes von Carl Vogt schon lange nicht mehr unter uns weilt. „An der Grimsel“ wäre das perfekte Weihnachtsgeschenk. Sie könnte damit die Grimsel erleben ohne hinaufzufahren.

Susanne Vettiger: An der Grimsel. Verlag du + ich, Basel 2014, Fr. 58.- www.du-i.ch.
Buchvernissage: Piz Buch & Berg, Müllerstrasse 25, 8004 Zürich, ab 14 bis 17 Uhr, www.pizbube.ch.

Schneeestrich

Gleichzeitig ein Blick nach oben: Der Winter hat schon mal kräftig an der Tür geklopft und sein erstes Bürdeli abgeworfen. Wie hier am Pizzo Forno. Unter dem blauen Fenster versteckt sich, schwarz in weiss, das Dörfchen Doro, bereit für den langen Schlaf.
Pollegio, 16. November 2014.

17. November 2014

pizzo forno

Regenstube

Wasser findet sich immer seine Wege. Gestern goss es in der Leventina von allen Seiten und an den ungewohntesten Stellen, frei, ungehindert, über Felswände ohne Bachrinnen, vorbei an verdutzten Bäumen. Immerhin gibts dort kaum Böden, die wären nicht mehr alle oben.
Pollegio, 16. November 2014.

leventina

Wer suchet, der findet

«Auf der Alm, di gibts koa Sünd», lautet ein alter Spruch. Wie das gemeint ist, erzählt der Alpenpionier Johann Jakob Weilenmann anlässlich eines alpinen «Schäferstündchens» vor der Besteigung des Fluchthorns im Jahr 1861. Wie Sie zu diesem und andern pikanten und spannenden Geschichten aus den Bergen kommen, erfahren Sie von unserem Rezensenten.

10. November 2014

Cover aus der Firnenwelt„Die Sennerinnen ziehen Schuhe und Strümpfe aus und ohne weitere Toilette hüpfen sie angekleidet in zwei verwegenen Sätzen ins hohe Bett hinein. Seltsam aber! Warum lassen sie einen so weiten Raum zwischen sich? Hoffentlich soll doch keiner von uns etwa… Nein! Nur der Gedanke schon ist ja empörend! — Und doch! Kaum wagt meine zartfühlende Feder das Schreckliche zu berichten — scheint so was planirt zu sein. Wer ist wohl der Auserkorene, das Opfer? Am Ende gar ich? Bin mir gar nicht bewusst, so prima vista die Gunst der beiden Damen erobert zu haben — des veni, vidi, vici — traurig genug, ach du lieber Himmel! — kann sich so ein alter Knabe selten mehr rühmen. Rasch löste sich indes das Rätsel und kaum waren sie geborgen, die Beiden, als ohne dass ein Wort vorangegangen, hinein in ihre Mitte mit kühnem Sprung, der Schäfer sich schwung! Verdutzt, kaum meinen Augen trauend, staune ich das Manöver an. Da liegt er, der Hahn im Korb, bis an die Ohren unter der berghohen Federdecke begraben und hat sicherlich nicht über Kälte zu klagen, und mir, der alleine noch im finstern kalten Hüttenraume steht, bleibt wohl nichts anderes, als aufs eine Lager mich zu werfen und an des Kühers Rücken mich zu schmiegen. Er ist ein schmutziger, blödsinniger Tropf.“

Armer Johann Jakob Weilenmann an diesem Juliabend 1861 auf der Alp Larein in der östlichen Silvretta, unweit des heute berühmten Skigebietes Ischgl-Samnaun zwischen Österreich und der Schweiz. Wie es dem Schäfer zwischen den Sennerinnen unter der berghohen Bettdecke erging, schreibt Weilenmann, Mitbegründer der Sektion St. Gallen des Schweizer Alpen-Clubs, im Bericht „Ersteigung des Fluchthorns (3403 m)“ nicht – das überlässt er der Phantasie des Lesers. Seine Nacht hingegen thematisiert er: „Übrigens lag ich über Erwarten gut und warm neben meinem düngerduftenden Schlafgenossen. Je weniger Verstand, um so mehr animalische Wärme entwickelte er.“ Während bei anderen Alpinautoren nur Gipfel, Grate und Geologie zu Papier gebracht wurden, nahm sich Weilenmanns zartfühlende Feder sozusagen auch dem freibleibenden Raum zwischen den zu besteigenden Anhöhen an: den Einheimischen auf der Alp oben und im Dorf unten, besonders dem zarten Teil. Unvergesslich die Begegnung zwischen dem bärtigen St. Galler und einer hübschen Lötschentalerin – nachzulesen teilweise auf www.bergliteratur.ch vom 21. September 2012.

Die romantisch angehauchte und allein unternommene Fahrt ins Lötschental und die sehr abwechslungs- und hindernisreiche Erstbesteigung des Fluchthorns am 12. Juli 1861 zusammen mit seinem Leibführer Franz Pöll sind mit Genuss ganz zu lesen in Weilenmanns gesammelten Schriften „Aus der Firnenwelt“. Sie kamen von 1872 bis 1877 in drei Bänden heraus und 1924 nochmals in zwei Bänden. Nun kann man diesen Doppelband günstig erstehen an einem Bücherbazar des SAC.

Der Berg der Bergbücher wächst und wächst. Damit die neuen Bergbücher noch Platz finden in der SAC-Zentralbibliothek in Zürich, müssen die Doubletten weg. Dass es dort überhaupt doppelt und mehrfach vorhandene Werke gibt, liegt vor allem daran, dass die SAC-Zentralbibliothek vor einiger Zeit die grosse Bibliothek der Sektion Uto übernehmen durfte. Die rund 2000 ausgeschiedenen Doubletten werden nun zu einem bescheidenen Preis zum Kauf angeboten.
Der Bücherbazar findet statt am Freitag, 14. November 2014, 14-17 Uhr und am Samstag, 15. November 2014, 9-17 Uhr, und zwar im Seminarraum P01.10 (auch bekannt als Seminarraum C) der Zentralbibliothek Zürich, Zähringerplatz 6, 8001 Zürich.

Wer also Weilenmanns „Firnenwelt“, Band 8 der „Clubführer Bündner Alpen – Silvretta und Samnaun“ von 1934 mit ausführlichen Beschreibungen und zahlreichen Literaturangaben oder das „Itinerarium für die Silvretta- und Ofenpassgruppe oder die Gebirge des Unterengadins“ von Eduard Imhof aus dem Jahre 1898 der eigenen Büchersammlung einverleiben möchte, sollte an diesem Novemberwochende in die Zentralbibliothek nach Zürich wandern. Ebenfalls diejenigen, die mit Otto Zwahlen den „Kampf um die Eigernordwand“ miterleben, mit Günter Oskar Dyhrenfurth zum „dritten Pol“ vordringen oder mit „Zauberberg der Männer“ bzw. „Zürichs Zauberberg“ ganz unterschiedliche Anhöhen kennenlernen möchten. Ja überhaupt alle, die Bergbücher noch gerne als Rucksack-, Sofa oder Bettlektüre haben.

Wasser

Wasser ist bekanntlich zum Waschen da, aber nicht nur. Zum Beispiel auch zum Fotografieren und Philosophieren. Rechtzeitig zum strömenden Herbstregen hat es drei Wasserbücher auf den Tisch unseres Rezensenten geregnet. Da hilft kein Schirm, sie müssen besprochen sein.

6. November 2014

„Hinter einer langsam die Schweiz überquerenden Kaltfront ist heute kühlere Meeresluft in den Alpenraum eingeflossen. In der Höhe bleibt die feuchtmilde Südströmung erhalten, nimmt aber an Stärke ab. Dadurch dauern zwar die Niederschläge in den Alpen noch an, nehmen aber an Intensität ab.“

Soweit der Bericht von MeteoSchweiz zur allgemeinen Lage vom 5. November 2014, 17.50 Uhr. Niederschläge also, in Form von Wasser und Schnee: „Schneefallgrenze bei 600 bis 900 Metern, lokal auch bis in tiefe Lagen möglich.“ Das wundermilde und blauhimmlische Herbstwetter ist weggewaschen, was bleibt sind nasse und weisse Flecken und Felder, Bäume und Berge.

Niederschläge aber nicht nur draussen, sondern auch drinnen. In Form von Büchern. Schwer wie nasse Schneeflocken. Grad rechtzeitig zum Winterbeginn. Zur Vorweihnachtszeit. Wenn die Spielwaren- und Warenhauskataloge die Briefkasten verstopfen, fast so wie die von den Bäumen gewehten Blätter die Abflussrohre. Fotobände, meist grossformatig. Nicht ganz billig, aber doch kaufbar, als Geschenk für sich selbst oder für Freunde. Präsentierbar auf dem Sofatisch, angenehm durchblätterbar, wenn das Cheminéefeuer knistert und die Regentropfen an den Fenstern kullern.

Zufall oder nicht: Wasser ist in diesem Spätherbst angesagt. Nicht nur beim Wetterbericht. Sondern auch bei der Bücherschau. Drei Bände liegen vor mir auf dem Tisch.

Cover WasserBeginnen wir unten. Unter Wasser. Michel Roggo zeigt mit vielen seiner Farbfotos eine schweizerische Wasserwelt, welche die meisten von uns kaum kennen werden, es sei denn, sie tauchten. Wir brauchen jedoch nicht auf die Malediven oder ans Rote Meer zu reisen. Auch bei uns gibt es eine faszinierende Unterwelt zu entdecken, mit Pflanzen und Tieren, Steinen und Holzstämmen. Für Karpfen Alltag, für uns Traumwelten. Wenigstens auf dem Sofa. Den Fuss oder den Arm in dieses helvetische Nass zu strecken – nur für Aqua-Erprobte.

Cover AquaAqua: So nennt Beat Presser seine jüngste Publikation. Vom Eis und Schnee in den Bergen oben bis zum Eis und Schnee am See unten. Dann nämlich, wenn die winterliche Bise den Lac Léman aufpeitscht und die Ufer mit einer Schicht gefrorenem Wasser verziert hat. Konsequent breitformatige Bilder zeigen das Wasserschloss Schweiz auf ungewohnte Art, in jedem Aggregatszustand, zu jeder Jahreszeit. In der Einführung erzählt der Fotograf, wie sein Grossvater Eduard Presser mit dem Wasser zu kämpfen hatte, als er am 1. Augst 1896 auf der Jungfrau oben Panoramafotos machen wollte – doch es war gefroren, so dass er die Bilder gar nicht hätte entwickeln können. Schade! Ein kleiner Wehmutstropfen übrigens, dass dem Enkel bei alpinhistorischen Anmerkungen ein paar Kratzer unterlaufen sind. Aber Schwamm darüber.

Cover SeeMit einem Lappen wischt ein Matrose die Bank trocken und sauber auf dem Deck eines Kursschiffes auf dem Vierwaldstättersee, in Sicht weder Passagiere noch blauen Himmel. Eine von 70 schwarzweissen, quadratischen Aufnahmen von Franz Troxler für seinen 30 x 32 cm grossen Bildband „Der geheimnisvolle See“. Was bei Roggo unter dem Wasserspiegel geheimnisvoll erscheint, bleibt bei Troxler an der Oberfläche und am Ufer, an Bord und bei den Menschen. Den Arbeitern und Touristen, ihren Maschinen und Maschen. Wunderbare Kompositionen und Schnappschüsse. Die erste Foto: aufgewühlt der See, ein paar verlorene Schilfstängel. Die letzte: spiegelglatt nun, sechs Schiffspfähle in zwei Reihen, verschwommen auch hier die Ufer, weit weg. Im Zentrum: Wasser.

Michel Roggo: wasser.schweiz – water.switzerland – eau.suisse. Vorwort von Thomas Vellacott. Werd Verlag, Zürich 2014, Fr. 59.-
Beat Presser: Aqua. Vorwort von Jürg Steiner. Till Schaap Edition, Bern 2014, Fr. 58.-
Franz Troxler: Der geheimnisvolle See. Mit einem Essay von Vera Heuberger. Till Schaap Edition, Bern 2014, Fr. 68.-

Das Vorführen der Freude am Sein

Wer regelmässig aufs Jungfraujoch fährt, kann die verschiedenen Trends der Erinnerungsfotografie miterleben, manchmal auch hautnah. Nebst dem Selfie, das nun fast schon passé ist, gibts beispielsweise den Freudensprung oder Luftsprung. Weiss jemand, wie die Pose offiziell heisst, also auf Neuenglisch? Sachdienliche Hinweise nimmt meine Mailbox jederzeit gerne entgegen. Besten Dank!
Jungfraujoch, 1. November 2014.

5. November 2014

jungfraujoch

Hard Rock an der Schillingsflue

Militäraviatik-Fans kommen in diesem Klettergarten über dem Haslital voll auf die Rechnung – aber auch der gewöhnliche Steuerzahler erhält etwas für sein Geld: Begleitmusik der dröhnenden Art, dazu noch schöne steile Routen. Hard Rock hoch zwei.

3. November 2014

20141031_161611Plötzlich rollt ein Donnern und Tosen vom Tal herauf, prallt gegen die Wand, die zu beben scheint unter der Druckwelle. Für Sekunden glaube ich, der Berg breche gleich in sich zusammen, decke mich zu und meinen Kletterfreund damit, der hoch oben an winzigen Griffen im Überhang kämpft. Ein bisschen Sand rieselt herab, ein paar Laubblätter segeln durch die Luft. «FA-18», ruft mein Freund herab, bis ich, ein bisschen schwer von Begriff, endlich begreife. Da unten in Unterbach bei Meiringen gibt’s einen Militärflugplatz, und da startet einer dieser teuren Vögel und bläst unser Steuergeld in die Luft hinaus. Ich erinnere mich an einen bösen Streit in einem Klettergarten, als ein Kletterer ein Leibchen trug mit der Aufschrift «Stopp FA-18». Aber nun sind sie halt da, die Generalsspielzeuge, waren per Referendum nicht zu verhindern, wie im Mai der Gripen. Inzwischen herrscht wieder Stille, der Freund hat die Umlenkung erreicht und damit sein Sommerprojekt vollendet, wie er sagt, «Damokles», 7a+.
20141031_161529 Wir befinden uns an der Schillingsflue, die Herbstsonne wärmt den Rücken, ein angenehmer Ort, wenn da nicht dieser Fluglärm wäre, gegen den die Südanflüge in Zürich bloss ein angenehmes Säuseln sind. Wie halten das die Oberhasler nur aus? Vielleicht, indem sie die angestauten Aggressionen beim Klettern abreagieren? Oder gar selber auf dem Flugplatz arbeiten, wie weiland der berühmte Bergsteiger Ernst Reiss, Erstbesteiger des Lhotse und damit erster Schweizer auf einem Achttausender. Aber damals waren die Propellerflieger ja noch nicht so laut und an der Schillingsflue kletterte noch niemand.
Ein erster Versuch vor einigen Jahren endete schon oben im Wald, weil ich genialer Pfadfinder den Abstieg zur Wand nicht fand – obwohl mich ein Freund am Handy ferngesteuert dirigierte. Nun hat’s doch noch geklappt, schon zum zweiten Mal, und auch diesmal muss der Mega-Klassiker «Violett» geklettert sein, nebst ein paar andern Routen und einem kleinen Versuch an «Macky Messer», schon ein bisschen müde. Man findet ja immer eine Ausrede, und die Wand läuft ja nicht davon.
Wir sind fast allein an diesem Prachtstag, aber die zum Teil abgewetzten und mit Magnesia gut einbalsamierten Griffe zeigen, dass man hier nicht immer einsam klettert. Im prächtigen Buch «Sportklettern Berner Oberland» von Hans Grossen lese ich, die Haslitaler Kletterer hätten lange Zeit ihre Klettergebiete unter dem Deckel gehalten, so wie die Tessiner, um sie vor dem Ansturm der Zürcher ect. zu verschonen.
20141031_161755Tempi passati. Das kletternde Lehrerpaar Lorenz und Sue Wenger haben hier nach der ersten Pionierphase mit Kaspar Ochsner , Peter Lechner & Co. saubere Arbeit geleistet, Routen gelegt und saniert, Topos gezeichnet und auch einen Sektor «Women» mit schönen moderaten Routen in rauem gelbem Fels eingerichtet. Leider halt ein bisschen sandig alles, aber man gewöhnt sich dran. Jedenfalls sind jetzt auch Nicht-Berner-Oberländer willkommen, schliesslich zahlen wir ja alle an die FA-18 Begleitmusik, Hard Rock vom teuersten.

Mittelmoränen

«Die Spur der Steine» hiess mal ein Film, ich glaube er handete in der DDR, die vom Erdboden verschunden ist wie die Gletscher der Eiszeit. Nur ihre Spuren sind geblieben, «Erratiker», Findlinge, Felsblöcke, Fremdlinge. Ein Thema, das zum Nachdenken anregt, auch über die eigene Lebenswelt. Auch ich (der Blogmaster) wohne auf einer Mittelmoräne.

1. November 2014

Mittelmoränen„Die ‚Grosse Flue‘ beim solothurnischen Weiler Steinhof hat ein Volumen von 1200 Kubikmetern und ein Gewicht von rund 3500 Tonnen. Es handelt sich um den mächtigsten Erratiker im schweizerischen Mittelland. Er besteht aus Hornblende-Gneis, wie er im Val de Bagnes vorkommt, und wurde auf der Oberfläche des Rhonegletschers vermutlich in einer Mittelmoräne herangeführt. Wenn wir eine Fliessgeschwindigkeit von 100 m pro Jahr annehmen, dauerte die Reise für die ca. 180 km lange Strecke 1800 Jahre.“

Heisst es in der Legende zum Bild dieses hausgrossen Findlings im Buch „Mittelmoränen. Heute und in der Eiszeit“ von Gerhart Wagner. Heute sind die Felsblöcke geschützt. Für viele Menschen waren sie früher in erster Linie einfach praktisch: als Unterstand, als Orientierungspunkt, als Opfertisch, als Baumarkt. Probleme gab es dann, als Wissenschaftler im 18. Jahrhundert vermehrt nach der Herkunft dieser Steine zu fragen begannen. Man merkte, dass sie fremd waren. Alpengestein auf Mittelland-Hügel, Aaregranit neben Jurakalk, das reimte sich auch geologisch gar nicht. Obwohl man durchaus noch an die Schöpfung glaubte: Gott konnte es ja nicht wirklich gewesen sein, der das Fremdmaterial transportiert hatte, sein Gegenspieler aber auch nicht.

Die Herren waren heillos überfordert mit den erratischen Blöcken – der damals entstandene Begriff leitet sich vom lateinischen „errare“ her, was umherirren und umherstreifen bedeutet. Irgendeine Kraft musste die Steine ja verrückt haben. Verrückte Theorien machten die Runde, von der Sintflut über Schlamm- und Geröllströme bis Vulkanausbrüche wurden viele Vermutungen geäussert und verteidigt. Aber keine Theorie passte wirklich. Im Wallis kam man der Sache näher. Im Sommer 1815 besuchte Jean de Charpentier, Salinendirektor von Bex, das Val da Bagnes, um die dortigen Gletscher zu besichtigen. In Lourtier übernachtete er im Hause von Jean-Pierre Perraudin, Bauer, Zimmermann und vor allem Gemsjäger. Beim abendlichen Gespräch, so schreibt Charpentier später in seinem epochalen Werk «Essai sur les glaciers et sur le terrain erratique du bassin du Rhône» von 1841, habe ihm Perraudin gesagt, dass die Gletscher früher eine viel grössere Ausdehnung gehabt und bis nach Martigny hinab gereicht hätten, „comme le prouvent les blocs de roches qu’on trouve dans les environs de cette ville, et qui sont trop gros pour que l’eau ait pu les y amener.“ Das ist der Schlüsselsatz: „Wie es die Felsblöcke beweisen.“ Und der Schlüssel zur Erkenntnis, dass nur Gletscher die Blöcke aus dem Val de Bagnes hinab ins Rhonetal, ja bis nach Solothurn transportieren konnten. So einfach und gleichzeitig so schwierig, sich das vorzustellen: Die Schweiz als Gletscher, in der sogenannten Eiszeit.

Und die sorgt bis heute für heisse Köpfe. Mit den Mittelmoränen nämlich, welche durch die Gletscher damals entstanden sind. All das steinige Material, das die Eisströme bei ihrem Vorstoss aus den Alpen ins Mittelland mitschleppten und abschliffen, liessen sie liegen. Nahmen es ja nicht zurück, als sie sich wieder ins Gebirge zurückzogen. Kurz vor seiner Pensionierung als Lehrer und Rektor am Gymnasium Bern-Neufeld gelang dem heute 94-jährigen Gerhart Wagner die Entdeckung, dass der bisher rätselhafte Moränenhügel Hüenerbüel bei Bolligen im Worblental bei Bern als Mittelmoräne zwischen eiszeitlichem Aare- und Rhonegletscher erklärt werden kann. Weitere Nachforschungen und Überlegungen führten ihn zur Erkenntnis, dass es im ganzen Land viele weitere Landschaftsformen gibt, die sich auf Mittelmoränen zurückführen lassen. Damit brachte er eingebürgerte Grundvorstellungen der Eiszeitgeologie ins Wanken – auch wenn seine Sichtweise nach wie vor umstritten ist. In seinem nun erschienenen Buch über die Mittelmoränen fasst er die Erkenntnisse der letzten Jahre zusammen und ordnet sein Modell in den aktuellen Diskurs ein. Wer das Buch aufschlägt, wird vertraute und unbekannte Anhöhen mit neuen Augen ansehen. Der Finkenhubel in der Berner Länggasse, nur ein paar Minuten entfernt von meinem Wohn- und Arbeitsort: ein Moränenhügel, aufgeschüttet von einer glazialen Mittelmoräne. Genauso wie der Lindenhof in der Stadt Zürich. Oder der Längswall im Vorfeld des Zmuttgletschers ob Zermatt, der in der Kleinen Eiszeit entstanden ist.

Und genau dorthin gehen wir morgen. Wenn der Schatten des Matterhorns nicht zu mächtig ist, dürfte uns die Novembersonne erwärmen. Aber eigentlich müssten wir nicht so weit fahren, um blauen Himmel zu sehen. Wenn der Wetterbericht stimmt, sollten auch die Mittelland-Höger am Nachmittag nebelfrei werden. Zum Beispiel der Äschiwald-Hügel ob Stettlen im Worblental. Zuerst auf dem Kamm der Mittelmoräne befindet sich ein Findling aus Tschingelkalk, den der Aaregletscher vom Mettenberg ob Grindelwald vor etwa 15‘000 Jahren liegengelassen hat. Seit 2011 heisst dieser Erratiker Wagnerstein.

Gerhart Wagner: Mittelmoränen. Heute und in der Eiszeit. Haupt Verlag, Bern 2014, Fr. 49.-

Messner, Bonatti, Loretan

Wer ist der Grösste? So könnte man sich fragen angesichts der Superlative, die sich um die drei Lichtgestalten des neueren Alpinismus versammeln. Walter, Reinhold und Erhard, Gestalten von fast antiker Grösse und Tragik. Ihr Biografien und ihre Abenteuer gehören zu den klassischen Stoffen der Alpingeschichte, die immer wieder neu erzählt werden können, die immer wieder neu faszinieren und bewegen und zu Kontroversen Anlass geben.

24. Oktober 2014

Cover Messner-Bonatti«En nous séparant à jamais sur le Nanga Parbat, cette passion [de l’alpinisme] allait décider de nos vies. Lui, Günther, perdit la sienne là-haut et j’entamai de mon côté, en survivant et sans en être conscient, le parcours qui m’a conduit à devenir ce que se suis: un aventurier connu, même de ceux qui ne connaissent pas la montagne. Ce n’est pourtant pas la célébrité qui m’a permis de comprendre, bien des années plus tard, que j’avais un frère que je ne connaissais pas. Pas un frère de sang; un de cœur qui partageait avec moi un idéal, une vision de la vie proche de la mienne. Dans l’esprit et avant tout dans l’action, Walter Bonatti est un frère inespéré.»

Schreibt, gewandt wie immer, einer der grössten Alpinisten aller Zeiten über einen der besten, den es je gab: Reinhold Messner (geb. 1944) über Walter Bonatti (1930-2011). In einem von Messner zusammen mit Sandro Filippini verfassten Buch, das genau vor einem Jahr auf Italienisch herauskam: „Il fratello che non sapevo di avere“. Der Bruder, von dem ich nicht wusste, dass ich ihn habe. Oder, wie es in der gestern erschienenen französischen Ausgabe heisst: „Walter Bonatti, mon frère de cœur“. Mein Herzensbruder. Emotional und elegant zugleich. Auf der Rückseite eine grossartige Foto, aufgenommen bei der Verleihung des Piolet d’Or an Messner für sein Lebenswerk im Jahr 2010, ein Jahr nachdem Bonatti den gleichen Preis erhalten hatte: Reinhold, die Augen geschlossen, umarmt Walter, der den Kopf an seinen um 14 Jahre jüngeren Landsmann lehnt. Magnifique! Ein erinnerungswürdiges Bild zur Geschichte des Alpinismus, einmal ohne Fels und Firn.

Und ein Buch, das genau so menschliche Seiten aufschlägt. Messner erzählt, wie er Mitte der 1950er Jahre zum ersten Mal dem Namen Walter Bonatti begegnete, in einem Buch über grosse Bergsteiger und ihre Touren. Da las er von einem Italiener, der sich alleine in sechs Tagen durch den Südwestpfeiler der Petit Dru im Mont-Blanc-Massiv hochkämpfte, auf schier verlorenem Terrain und doch zuletzt oben bei Madonna ankommend. Von dieser Lektüre an kreuzten sich die Wege der beiden, zunächst etwas einseitig. 1971 jedoch widmete Bonatti sein zweites Buch „I giorni grandi“ Reinhold Messner – „junge und letzte Hoffnung des groβen, klassischen Bergsteigens.“ Kaum zu glauben: Erst am 5. August 2004 trafen sich die beiden erstmals, im Messner Mountain Museum auf dem Monte Rite.

Davon handelt das Buch. Von der nicht ganz leichten Annäherung zweier Persönlichkeiten bis endlich zur Begegnung und Umarmung. Unterbrochen wird diese Geschichte durch die grossen Bergfahrten Bonattis und auch von Messner. Als Fil rouge dient die Erstbesteigung des K2 durch Achille Compagnoni und Lino Lacedelli 1954, bei der Bonatti eine entscheidende Rolle spielte, aber zuletzt um eine mögliche Gipfelbesteigung geprellt, ja in höchste Gefahr gebracht wurde – ein Skandal, der von offizieller Seite erst Jahrzehnte später zugegeben wurde. Sieben ausführlich beschriebene Szenen Ende Juli hoch oben am zweithöchsten Berg der Welt und die Folgen davon: die Schlüsselstelle im Leben von Bonatti. Diejenige für Reinhold Messner war das Verschwinden seines Bruders Günther am Nanga Parbat im Juni 1970. Brüderliche Parallelen, festgehalten durch Bücher.

Layout 1„Après avoir souligné maints passage, je n’avais plus qu’une idée en tête: devenir aussi bon que Bonatti“, heisst es bei Messner. „Ich lebte in einer anderen Welt, wenn ich Rébuffat las.“ Gestand einer, der sich wie Bonatti und Messmer dem Bergsteigen verschrieb, einer, der nach Messner und Jerzy Kukuczka der dritte Mensch war, der alle 8000er bestieg: Erhard Loretan. Geboren am 28. April 1959 in Bulle, in die Tiefe gestürzt am 28. April 2011 am Grünhorn in den Berner Alpen. „Loretan war zweifellos der bisher erfolgreichste und beste Schweizer Bergsteiger“, hielt Oswald Oelz kürzlich in der NZZ fest. „Seine Einstellung, seine Schnelligkeit und sein Stil der Reduktion auf die eigenen Kräfte und des Verzichts auf Hilfsmittel machten ihn zu einem Impulsgeber des Weltalpinismus.“ Loretans Leben war nicht frei von Tragik, schüttelte er doch seinen sieben Monate alten Sohn zu Tode. Dafür wurde er 2003 zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Vor Gericht sagte er: „Die Strafe, die Sie mir auferlegen, ist kein Vergleich zu dem, was ich bis zum Ende meiner Tage mit mir trage.“ Auch in dieser Hinsicht ein Leben am Abgrund. So heisst der Untertitel der neuen Biografie über Erhard Loretan, die der französische Alpinjournalist Charlie Buffet verfasst hat. Ein dichtes, starkes, packendes Buch über einen Mann, der die Berge und das Leben meisterte – meistens.

Loretan, Messner, Bonatti: drei überlebensgrosse Alpinisten. Wer ihnen begegnen möchte, hat drei Möglichkeiten:

Erstens am 24. Oktober 2014, 19.00 Uhr, im Alpinen Museum der Schweiz in Bern. Dann wird der gesamte Nachlass von Erhard Loretan mit Fotos, Filmen, Tonbändern, Tagebüchern und Ausrüstungsgegenständen der Sammlung des Alpinen Museums übergeben.

Zweitens am 31. Oktober 2014 bei den Éditions Guérin in Chamonix, an der „soirée exceptionnelle que nous consacrons à Reinhold Messner“.

Und drittens, mais bien-sûr, in ihren neuen Büchern.

Reinhold Messner et Sandro Filippini: Walter Bonatti, mon frère de coeur. Éditions Guérin, Chamonix 2014, 24.90 €.
Charlie Buffet: Erhard Loretan. Ein Leben am Abgrund, AS Verlag, Zürich 2014. Fr. 39.80.

Sizilianischer Hard Rock

San Vito Lo Capo im Nordwesten Siziliens ist für Kletterer zur Top-Destination geworden. Diesen Herbst haben wir uns aufgemacht, das Felseldorado an der Küste des tyrrhenischen Meers zu erkunden.

23. Oktober 2014

IMG_4188Nachts sind die Felsen hinter dem Zeltplatz rot und grün beleuchtet, auf der andern Seite schlägt die Meeresbrandung gegen felsige Riffe. Die Sonne sinkt in Nebelbänke, ein Bild wie aus dem Ferienprospekt. Oh, wir sind ja in den Ferien.
Nach dem Klettern sind wir im Swimming Pool geschwommen, dann haben wir auf der Terrasse des Restaurants Kaffee getrunken, später einen Apero genehmigt. Es ist Oktober und es ist heiss. Vor dem Einschlafen Jagd auf Mücken, dann früh hinaus. Der erste Sektor der kilometerlangen Scogliera di Salinella ist in fünf Minuten erreicht. Wir sind nicht die ersten. Im Morgenschatten tummeln sich schon Kletterpaare und Kletterfamilien und Kletterrentner, Klettermütter mit Babies im Tragsitz machen sich bereit zum Aufwärmen. Einmal fragt ein Klettervater, der sein Baby in einer Höhle deponiert hat, man solle ihn rufen, wenn es schreie, er klettere mit seiner Frau im Sektor nebenan. Willkommen im Kletterresort El Bahira, dem Camping zwischen Fels und Meer.
IMG_4196Der Fels ist grandios, rauh und fest und griffig, also noch nicht so abgespeckt wie anderswo. Die Routen abwechslungsreich, gut abgesichert und sinnvoll eingebohrt, die Bewertung meist moderat. Das stärkt das Selbstbewusstsein, obwohl man ja eigentlich weiss: Das wäre in Finale keine 6a, sondern eher 5c. Aber wir sind ja jetzt in Sizilien, zum ersten und vielleicht nicht zum letzten Mal. Freundlich ist im Camping El Bahira alles (ausser die Bedienung gelegentlich), familienfreundlich und oldiefreundlich und sportfreundlich und überhaupt. Alles recht sauber und praktisch und auf die kletternden Gäste aus aller Welt zugeschnitten: Schweizer, Deutsche, Russen, Tschechen, Franzosen, Engländer haben wir getroffen. Das Personal weigert sich standhaft, italienisch zu sprechen. Wir haben Verständnis, es ist eine Botschaft: Wir gehören zur Welt, genauso wie ihr, auch wenn wir hier nur einen minderen Job machen.
Klettern könnte man hier ein Leben lang, sofern man sich am Gewusel um die Einstiege nicht stört. Gelegentlich ist ja sogar die Wunschroute frei, und sonst findet sich sicher eine andere oder ein Sektor, der nicht direkt an der Ameisenstrasse liegt und somit etwas weniger frequentiert ist. Die Stimmung ist jedenfalls friedlich und fröhlich. Eher selten haut jemand mit der Faust auf den Fels, weil er die Stelle nicht auf Anhieb schafft. (Es würde ja auch schmerzen, der Fels ist so rauh.)
Wems zu bunt wird, der kann ja in eines der vielen Gebiete der Insel ziehen, die nicht so top-in sind wie San Vito. Etwa in die Cavadonna bei Siracusa (falls er sie findet), eine ziemlich versteckte Schlucht mit steilem Zugang und fantastischen Routen, wo wir nur zwei Deutsche getroffen haben, die dort ein paar Tage mausallein das ganze Gebiet abkletterten. Total begeistert. Um den steilen Aufstieg zu umgehen, empfahlen sie uns, eine 6a zu klettern, die bis zur Hochfläche führt. Mit schwerem Rucksack im Nachstieg bei etwa 35 Grad ein Erlebnis der besonderen Art.
IMG_4206Zwischendurch auch mal eine Wanderung im Naturschutzgebiet Riserva dello Zingaro, wo es auch schöne Badestrände gibt, oder auf den Monte Cofano – zumindest ein Stück weit, bis uns ein heisser Sturm vertreibt, der direkt aus Afrika zu kommen scheint. In der Nacht dann ein grandioses Schauspiel: die ganze Bergflanke über der Scogliera steht in Flammen. Buschfeuer, vielleicht bewusst gelegt oder durch eine Zigarette aus dem Autofenster entfacht. Stimmen in der Nacht, die befürchten, das Feuer könnte über die Felswand herab das Camping in Brand setzen. Wo bleibt die Feuerwehr? Am Morgen ist der Spuk vorbei, die Bergflanke schwarz, da und dort steigt noch etwas Rauch auf.
IMG_4191Nach einer Woche verlassen wir unser Casa Mobile, ziehen weiter und denken schon darüber nach, wann wir zurückkehren werden.